Nur noch wenige Tage, bis die Switch 2 erscheint! Doch merkt ihr das auch? Der große Hype rund um den Launch bleibt diesmal aus. Wir checken, woran das liegen könnte.
Beim Blick in den Kalender musste ich tatsächlich zweimal hinschauen - aber es stimmt: In wenigen Tagen wird eine der meisterwarteten Konsolen der letzten Jahre erscheinen. Vielleicht erwartet uns sogar einer der größten Konsolen-Launches, die wir bislang erlebt haben. Die Rede ist natürlich von der Switch 2. Glaubt man den ersten Verkaufsprognosen, darf sich Nintendo auf einen gewaltigen Erfolg gefasst machen.
Allein: Vom großen Hype ist derzeit wenig zu spüren.
Die Switch 2 (jetzt kaufen ) war auf unserer Website ein jahrelanger Erfolgsgarant: Was immer man zu der Konsole schrieb, selbst, als es noch keinen offiziellen Namen für das Ding gab, es wurde geklickt, geplaudert, gelikt. Die Leute wollten mehr. Doch jetzt, kurz bevor die Konsole am 5. Juni endlich ausgeliefert wird, scheint viel von der Aufregung verflogen. Und dafür dürfte es gleich mehrere Gründe geben.
Grund 1: Die Preise überschatten die Vorfreude
Und nein, damit meine ich nicht die Konsole! Die fällt natürlich hochpreisiger aus als frühere Nintendo-Konsolen. 470 Euro sind nun mal kein Pappenstiel, Inflation hin oder her. Aber man bekommt auch etwas dafür. Ein Handheld plus eine stationäre 4K-Konsole, zig Anwendungsmöglichkeiten, großer Spielekatalog - nüchtern betrachtet ist das immer noch ein guter Deal.
Quelle: Nintendo
Die erste Switch hat außerdem stolze acht Jahre durchgehalten - wenn die Switch 2 ähnlich lange relevant bleibt, wirkt der Preis auf mich absolut angemessen.
Nebenbei bemerkt: Der Konsolenpreis dürfte spätestens dann fallen, sobald ein verbessertes Modell in den Handel kommt. Ob das dann ein OLED-Display, eine integrierte Kamera, einen stärkeren Akku oder andere Extras bieten wird? Keine Ahnung! Aber ich gehe fest davon aus, dass Nintendo die Konsole früher oder später überarbeiten wird.
Ganz anders sieht es aber bei den Spielen aus. Die Meldung, dass man aus dem Stand 80 Euro für die Digitalfassung von Mario Kart World aufruft, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Denn damit öffnet Nintendo eine Schleuse, die das Preisniveau für Videospiele nachhaltig anheben könnte - selbst auf anderen Plattformen. Zum Vergleich: Bei der ersten Switch waren 50 bis 60 Euro für ein neues Mario oder Zelda die Norm - bei der Switch 2 dürften wir solche Zahlen dagegen nur noch in Sales erleben.
Im Einzelhandel sieht es sogar noch heftiger aus: Hier verlangt Nintendo für das neue Mario Kart World satte 90 Euro, für Donkey Kong werden 80 Euro fällig. Bitter: Sogar die leicht aufpolierten Switch-2-Fassungen von alten Zelda- und Kirby-Spielen werden auf Amazon zum gleichen Preis verkauft. Bei aller Liebe zu den Spielen selbst: Diese Preise sind nicht vernünftig, sie sind gierig.
(Media Markt in Österreich verlangt übrigens zehn Taler weniger. Seltsam!)
Immerhin: Bislang gibt es kaum Anzeichen dafür, dass andere Hersteller bei den neuen Preisen gleichziehen. Und selbst bei Nintendo scheint man sich nicht ganz einig zu sein. Bei Donkey Kong Bananza werden zum Beispiel "nur" 70 Euro digital fällig, so, wie es auch auf der PS5 üblich ist. Die gleiche Summe verlangt auch CD Projekt für Cyberpunk 2077, das einen gewaltigen Umfang bietet. Borderlands 4 dürfte preislich hingegen weit oben angesiedelt sein, da hatte sich Randy Pitchford bereits um Kopf und Kragen getwittert.
Bei anderen Drittherstellern sieht es dafür gemäßigter aus. 50 Euro für Split Fiction, 40 Euro für Street Fighter 6 oder Bravely Default - das klingt vernünftig. Bei den Software-Preisen ist das letzte Wort offenbar noch nicht gesprochen.
Quelle: Nintendo
Hogwart's Legacy landet übrigens bei 60 Euro, das finde ich fair, weil es sich nicht um eine einfache Portierung des Switch-Originals handelt. Außerdem bekomme ich hier zumindest digital einen Preisnachlass, wenn ich schon die alte Version besitze. Auch wenn ich nicht weiß, wie hoch dieser Rabatt wirklich ausfällt - er sendet das richtige Signal.
Es wäre aber nicht Nintendo, wenn neben der Konsole und den Spielen nicht noch weitere Kosten anfallen würden. Wollt ihr die Kamera-Funktion nutzen, braucht ihr erst mal ein passendes Gerät. Für Gamechat wird ab März 2026 eine Online-Mitgliedschaft vorausgesetzt, die Funktion ist nur zu Beginn gratis.
Und für ausgewählte Switch-Spiele wie Kirby, Breath of the Wild oder Tears of the Kingdom gibt es zwar Upgrades auf die Switch 2, allerdings müsst ihr dafür noch einmal 10 bis 20 Euro hinblättern. Das gilt auch für Civilization 7, das ebenfalls ein kostenpflichtiges Upgrade-Pack anbietet, obwohl es brandneu ist.
Immerhin: Nintendo hat bereits mehrere ältere Switch-Spiele angekündigt, die kostenlose Updates für Switch 2 erhalten werden. Und für alle, die das Abo "Nintendo Switch Online + Erweiterungspaket" nutzen, sollen die Switch 2 Upgrade Packs gratis zur Verfügung stehen. Es geht also auch anders.
Grund 2: Es ist "nur" eine bessere Switch
Ein zweischneidiges Argument, schließlich könnte man das Gleiche auch über eine PS5 oder Xbox Series X sagen. Das waren letztendlich auch nur schnellere Modelle, mit ein paar Extras hier und da. Von Sony und Microsoft kennen wir es aber nicht anders. Nintendo dagegen hat mit jeder Konsole etwas Neues versucht, Grenzen verschoben, Standards gesetzt: Egal ob Wii, Nintendo DS oder besonders die Nintendo Switch, jede Konsole hatte starke Alleinstellungsmerkmale.
Die Switch 2 wirkt dagegen einfach "nur" wie ein Upgrade des alten Konsolendesigns. Neue Magnet-Controller, besseres Display, Leistung auf dem Niveau einer PS4, 4K-Auflösung, DLSS, HDR-Support - klingt doch gar nicht so schlecht! Aber es fehlt eben noch der "Aha"-Moment, den man von Nintendo bislang gewohnt war.
Quelle: Nintendo
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Mir ist das sehr recht so! Ich mochte schon das Design der alten Switch und habe mir gar nichts anderes gewünscht als ein anständiges Upgrade. Bei der Performance wäre vielleicht noch mehr drin gewesen, aber ich bin mir sicher, dass die Hersteller in Zukunft noch einiges aus der Hardware herauskitzeln können.
Und es ist auch nicht so, als gäbe es gar keine Neuerungen. Ich als alter PC-Spieler bin zum Beispiel mächtig gespannt auf die Maus-Features der neuen Controller - ich träume schon jetzt von anständig spielbarer Echtzeit-Strategie und Point-and-Click-Adventures wie in alten Lucas-Arts-Zeiten. Das sind Features, mit denen man mich wirklich locken kann! Doch eine andere Neuerung, die Nintendo offenbar sehr wichtig ist, lässt mich dagegen völlig kalt.
