Die schrägen Charaktere und das gut funktionierende Kampfsystem zeichnen den neuesten Titel der Killer 7 Macher aus.
Voll Retro
No More Heroes
No More Heroes legt viel Wert auf Humor, deswegen werden auch laufend Spiele der 8-Bit Ära auf die Schippe genommen. Dies reicht von immer mal wieder eingestreuten Soundeffekten, bis hin zur Übersichtskarte, die aus riesigen, grobkörnigen Pixeln besteht, was der Übersicht jedoch nicht gerade zu Gute kommt. Auch die Rangliste, die nach jedem Kampf eingeblendet wird, erinnert an Uralt-Weltraum-Ballerspiele, einfach herrlich. Die Entwickler haben sehr viele, kleine Einfälle gehabt, die No More Heroes einzigartig machen, doch das Ganze wird etwas von den vielen, recht belanglosen Kämpfen überschattet, die leider immer wieder gleich Ablaufen. Das Leveldesign ist die große Schwäche von No More Heroes, die wie die Präsentation zu altbacken ist.
No More Heroes
Irgendwie Retro ist ja auch die Technik von No More Heroes. Nach Texturen sucht man eigentlich vergeblich, was aber hauptsächlich damit zu tun hat, dass das Spiel auf einen eigenwilligen Comic-Look setzt. Aber muss man dann Innenräume völlig undetailliert, trist und auswechselbar einfach so dahin klatschen? Sicher nicht. Was jedoch viel schlimmer wiegt, der Titel flimmert sich fast zu Tode. So auffälliges Kantenflimmern gab es sogar auf der PlayStation 2 nur sehr selten, zumindest bei bekannten Spielen. Was die Entwickler da auf den Bildschirm gebracht haben, ist schlicht eine Beleidigung für die Augen. Vor allem wenn man durch Santa Destroy fährt, sieht man Treppchenbildungen, nein sagen wir Treppenbildungen, die größer nicht sein könnten. Nicht nur, dass kein Anti Aliasing vorhanden ist, nein, man mag fast glauben, dass das Kantenflimmern bewusst auf irgendeine Weise vergrößert wurde.
No More Heroes
Und damit nicht genug. Die ohnehin schon mageren Texturen in der frei begehbaren Welt bauen sich sehr spät auf, ebenso Objekte wie Bäume, die plötzlich wenige Meter vor uns auftauchen. Es geht weiter: Vor nervigen Rucklern und Clipping-Fehlern sind wir ebenfalls nicht geschützt. Technisch ist No More Heroes fast schon eine Katastrophe. Klar, bei dem Comic-Look muss man nicht unbedingt auf eine detailliert texturierte Umgebung setzten, die technischen Mängel machen jedoch viel vom Charme des Spiels wieder zu Nichte. Die Wii kann sehr viel mehr. Immerhin sind die Animationen und einige Kampfeffekte gut gelungen und auch die Charaktere sehen ordentlich aus. Wieso nur hat man nicht wenigstens das all gegenwärtige Kantenflimmern wegbekommen?
Soundtechnisch holt No More Heroes wieder auf. Die englische Sprachausgabe ist einfach genial. Die Figuren sprechen teilweise mit witzigen Akzenten, die Hintergrundmusik mag irgendwie billig wirken, doch ist sie herrlich trashig und passt in die skurrile Präsentation des Spiels. Und wenn man mal unterwegs einen Anruf bekommen, muss die Wiimote ans Ohr gehalten werden, aber wie gesagt, die Leute von Grasshopper hatten sehr viele, sehr lustige Ideen.
