No More Heroes im Gamezone-Test

Test Michael Sosinka

Die schrägen Charaktere und das gut funktionierende Kampfsystem zeichnen den neuesten Titel der Killer 7 Macher aus.

Wenn die Macher des ungewöhnlichen Killer 7, das zuerst für den Gamecube und dann auf der PlayStation 2 erschienen ist, ein neues Spiel herausbringen, kann man ruhig neugierig werden. Zwar war von Anfang an klar, dass No More Heroes wieder etwas "normaler" sein würde, doch aufgrund der Wiimote-Steuerung durfte man dennoch interessante Ideen erwarten. Ob das Spiel seinen Vorschusslorbeeren gerecht wird?

Ein ungewöhnlicher Held

No More Heroes No More Heroes Travis Touchdown ist ein sehr merkwürdiger Protagonist. Auf der einen Seite eine ziemlich coole Sau, die nie die Fassung verliert und immer wieder locker Sprüche ablässt, auf der anderen Seite ein Nerd, der bei Frauen irgendwie nicht landen kann und seine Bude mit Action- und Mangafiguren vollgestellt hat. Und was macht man, wenn man sich bei einem Internetauktionshaus ein Beam Katana, eine Art Lichtschwert, kauft? Man schaltet Profikiller aus, um in einer Rangliste nach oben zu steigen. Zu Beginn befinden wir uns noch auf Platz 11. Das Spielziel ist es die Nummer 1 zu werden. Dazwischen gibt es jede Menge zu tun.

No More Heroes No More Heroes Organisiert werden die Kämpfe von einer Agentur, wobei ihr dabei in Kontakt mit einer ziemlich heißen Blondine tretet. Die junge Frau verschafft euch dabei die Kämpfe. Wenn Travis die Nummer 1 wird, könnte er vielleicht mal ran. Bevor ihr gegen einen Boss antreten dürft, müsst ihr zuerst gegen eine Vielzahl von Schergen bestehen. Gekämpft wird stets mit dem Beam Katana: Mit der A-Taste der Wiimote schlagt ihr zu, während ihr mit B Tritte verteilt. Haltet ihr die Wiimote nach oben, führt Travis hohe Angriffe aus, zeigt ihr nach unten, werden Tiefschläge vollführt. Dies ist wichtig, um die Verteidigung der Gegner zu durchbrechen. Bei längerem Halten der A- oder B-Taste könnt ihr zudem einen mächtigen Schlag entfesseln. Anvisiert werden die Feinde mit dem Z-Button, weswegen ihr auch fröhlich mit dem Analog-Stick des Nunchuks um sie herum tänzeln könnt, um ihren Angriffen auszuweichen. Im Laufe des Spiels könnt ihr zudem den einen oder anderen Wrestling-Griff erlernen.

No More Heroes No More Heroes No More Heroes spielt sich an dieser Stelle wie ein typisches Hack & Slay-Spiel, wobei das Schlag-Repertoire nicht das umfangreichste ist. Habt ihr mal die Energieleiste des Gegners runtergekloppt, wird euch auf dem Bildschirm eine Richtung angezeigt, in die ihr die Wiimote schwingen müsst, um dem Kontrahenten den finalen Schlag vor den Latz zu knallen. Insgesamt ist die Mischung aus klassischer Steuerung und den bewegungssensitiven Aktionen sehr gut gelungen. Zum Glück muss die Wiimote nicht ständig geschwungen werden, denn auf die Dauer wäre dies bei der riesigen Masse an Fallobst sehr ermüdend. Insgesamt also ein sehr ausgewogenes Verhältnis. Etwas nervig, aber dennoch irgendwie witzig, ist, dass das Beam Katana mit jedem Schlag an Energie verliert. Um diese wieder aufzuladen, müsst ihr die Wiimote kräftig schütteln. Auf dem Bildschirm sieht es dann so aus, als ob Travis sich einen...lassen wir das.

Der Herr der Rangliste

No More Heroes No More Heroes Auf die Dauer wirken die Massenkämpfe leicht ermüdend, bei den Bossgegner kommt jedoch Abwechslung auf, denn hier ist jedes mal eine andere Taktik gefragt, zumal die Figuren auch recht skurril daher kommen und oft an die Darsteller aus einschlägigen GTA-Spielen erinnern. Hier haben sich die Entwickler viel Mühe bei der Kreation der Charaktere gegeben. Die Konversationen zwischen Travis und seinen Gegnern sind äußerst unterhaltsam und machen den monotonen Weg bis dahin fast wieder gut. Noch ein paar abschließende Worte zum Kampfsystem. Es ist sehr gut, einfach und schnell zu beherrschen, doch was euch einen Strich durch die Rechnung macht, ist die absolut miese, automatische Kamera, die ständig rumzickt. So könnt ihr oft nicht sehen wohin ihr lauft, oder wo sich die Gegner aufhalten.

No More Heroes No More Heroes Für jedes Opfer, dass ihr zurück in das digitale Jenseits schickt, gibt es Credits, zudem laufen am unten Bildschirmabschnitt jedes mal drei Icons, ähnlich wie bei einem Einarmigen Banditen im Kasino, ab. Sind alle drei Symbole identisch, könnt ihr, abhängig vom Symbol, für kurze Zeit besonders schnell Rennen, mächtige Schläge entfachen oder Feuerbälle verschießen. Aber zurück zum Geld: Für einen Rangkampf müsst ihr nämlich ein Startgeld an die Agentur überweisen und um diese Beträge aufzubringen, müsst ihr euch durch die kleine Stadt Santa Destroy bewegen und allerlei Aufträge annehmen. Um von Punkt A nach B zu gelangen, fahrt ihr mit eurem futuristisch aussehenden Motorrad durch die Straßen. Die Steuerung ist dabei jedoch unangenehm hackelig ausgefallen. Sieht nicht ganz so souverän wie das Kampfsystem aus.

Ohne Nebenjob kein Geld

No More Heroes No More Heroes Als Auftragskiller dürft ihr dabei selbstverständlich auch Auftragsmorde erledigen, die allerdings nur wenig Abwechslung bieten. Man fährt zur Zielperson, tötet die Gefolgschaft und dann den Chef. Dies passiert alles oft in einem Raum und ist nach 2-3 Minuten wieder vorbei. Doch das ist noch nicht alles, Nebenjobs wie Rasenmähen oder das Sammeln von Kokosnüssen sind für einen Profiattentäter zwar unwürdig, bringen jedoch einiges an Geld. Insgesamt fühlt man sich gezwungen diesen Teil des Spiels hinter sich zu bringen, denn besonders spannend oder motivierend sind die Nebenaufgaben nicht. Man muss es halt machen.

No More Heroes No More Heroes Außerdem ist Santa Destroy wenig spektakulär und recht klein. Es gibt kaum etwas zu entdecken, die Straßen sind nur spärlich bevölkert und bis auf ein paar Shops, in denen ihr euer Beam Katana aufbessern könnt oder euch neue Klamotten kauft, ist Gähnen angesagt. Man hat also schon bessere, offene Spielwelten gesehen, viel bessere. Hat man sich aber da durch gequält, kann man sich wenigstens auf einen weiteren Ranglistenkampf freuen, das ist doch mal etwas. Ähnlich wie in GTA, speichert ihr euren Spielstand in eurem Heim, einem dreckigen Motel. Witzig: Dies geschieht auf dem Klo. Dort könnt ihr auch, also nicht auf dem Stillen Örtchen, sondern in der Bude, euer Outfit wechseln, den Anrufbeantworter abhören, mit der Katze spielen (was keinen spielerischen Zweck hat) oder Clips im TV anschauen. Vor jedem Bosskampf kann glücklicherweise zusätzlich auf einer öffentlichen Toilette gespeichert werden. Insgesamt ist es jedoch etwas zu mühsam immer wieder diese Art der Spielstandsicherung zu erleben.

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