Norse: Oath of Blood im Test: XCOM und die starken Nordmänner - Update mit Wertung
Test
Eine raue Wikinger-Saga mit deftiger Rundentaktik, Unreal-Grafik und Siedlungsbau? Das alles bringt Norse: Oath of Blood erstaunlich gut unter einen Hut. Doch im Test zeigen sich auch etliche Schwächen. Update: Jetzt mit Wertung!
Deftige Rundentaktik im XCOM-Stil, eine erwachsene Story und dazu ein raues Wikinger-Setting? Spätestens seit The Banner Saga wissen wir: Das passt doch prima zusammen! Allerdings hat Norse: Oath of Blood noch mehr gute Argumente, mit denen es sich von der Konkurrenz abheben will.
Da wäre vor allem die Inszenierung: Das Spiel ist durch die Bank aufwendig gestaltet, was für AA-Spiel, an dem kaum mehr als 30 Leute gearbeitet haben, alles andere als selbstverständlich ist. Die Entwickler greifen dazu tief in die Unreal-Trickkiste und nutzen Tools wie Metahumans, um ausdrucksstarke Charaktere und detailreiche, realistische Landschaften auf den Bildschirm zu zaubern. Das Ergebnis hat zwar auch einige Schönheitsfehler, doch in der Summe ist das trotzdem ein überaus ansehnliches Spiel.
Der zweite große Punkt, mit dem Norse herausstechen will, ist seine Story. Das Spiel pfeift nämlich auf ausgelutschte Fantasy-Elemente und nordische Göttersagen. Stattdessen inszeniert es mit vielen Cutscenes eine geradlinige Rache-Geschichte, die zwar vor Klischees trieft, aber trotzdem ganz ordentlich unterhält.
Zwischen Rache und Hoffnung
Norse erzählt vom jungen Krieger Gunnar Gripsson, der zu Beginn miterlebt, wie sein Vater - ein einflussreicher Jarl - heimtückisch ermordet wird. Gunnar schwört bittere Rache, schnappt sich ein paar Gefolgsleute und türmt ins Exil. Dort gründet er eine neue Siedlung und beginnt damit, treue Arbeiter und Krieger um sich zu versammeln, eine Wirtschaft aufzubauen und eine schlagkräftige Kampftruppe aufzustellen, mit der er eines Tages die Mörder seines Vaters richten will.
Norse: Screenshots aus dem Test
Es ist kein raffinierter Plot, den uns Arctic Hazard da auftischt, aber er funktioniert. Gerade die Nebenfiguren punkten oft mit glaubhafter Mimik und guten Sprechern, auch wenn sie hier und da wie Karikaturen ihrer selbst wirken. Leute wie der dauersaufende Schmied oder die sexhungrige Näherin machen zum Beispiel keinerlei Anstalten, so etwas wie Tiefgang zu entwickeln. Und viele Gespräche spulen nur das übliche Einerlei aus männlichem Dominanzgehabe, naivem Göttergeschwätz und Trinkhorn-Weisheiten ab. Dramatische Beerdigungsszenen dürfen natürlich nicht fehlen, es wird geflucht was das Zeug hält - und wer schon mal irgendein Party-Rollenspiel gespielt hat, weiß nach etwa fünf Minuten, welcher wichtige Charakter später heroisch die Biege macht.
Trotzdem ist die Story letztendlich eine Stärke des Spiels, eben weil sie gar keine Anstalten macht, etwas anderes zu sein als harmlose Popcorn-Unterhaltung. Für ein bisschen Pathos und eine gute Dosis Humor reicht das völlig aus. Schade nur, dass die sonst so ordentliche Mimik ausgerechnet bei Hauptfigur Gunnar öfter mal an ihre Grenzen stößt: Seine Lippenbewegungen wirken streckenweise, als würde er für eine Zahnpastawerbung vorsprechen, was manche Szenen leider unfreiwillig komisch wirken lässt. Ein echter Lichtblick ist dafür die Musikuntermalung. Der kräftige Score aus der Feder von Dan Wakefield sorgt in vielen Szenen für tolle Stimmung und tröstet auch über so manche Schnitzer hinweg.
Hier könnt ihr euch den Trailer (mit Altersbeschränkung) auf Youtube ansehen.
Wenig zu erkunden
Den Großteil der rund 15 Spielstunden verbringt ihr natürlich in Kampfeinsätzen. Die meisten davon nehmen etwa 20 bis 30 Minuten in Anspruch und klingen zumindest auf dem Papier schön vielseitig. Da soll man beispielsweise entführte Geiseln befreien, nächtliche Überfälle abwehren, Wildschweine jagen, Vorräte rauben oder feindliche Festungen stürmen. Doch egal, was man auch tut - der Ablauf bleibt eigentlich immer gleich.
Zu Beginn stellt ihr euch einen kleinen Trupp zusammen, mit dem ihr dann beginnt, das Missionsgebiet zu erkunden. Meistens seid ihr da in erstaunlich schönen Wald- und Küstengebieten unterwegs, in denen die Unreal Engine ordentlich auftischt: Verschiedene Techniken wie Nanite, Lumen und zig hochwertige Assets aus der Megascans -Bibliothek machen offenbar selbst bei kleinen Budgets einiges möglich.
Quelle: PC Games
Dank Unreal Engine 5 erkundet ihr stimmungsvolle Umgebungen, die allerdings sehr klein ausfallen.
Die hübschen Missionsareale sind allerdings klein geraten und eng abgesteckt, nur sehr selten hat man da überhaupt mal die Möglichkeit, ein paar Schritte vom Hauptpfad abzuweichen. Auch Entscheidungen gibt es so gut wie keine. Ihr könnt unterwegs lediglich ein paar Rohstoffe aufsammeln, Beeren für etwas Heilung pflücken oder Kisten und Fässer nach Ausrüstung absuchen. Mehr gibt es aber leider nicht zu tun, es gibt keine optionalen Ziele, Dialoge oder Geheimnisse zu entdecken. Stattdessen marschiert ihr einfach von einem Kampfgebiet ins nächste, denn die taktischen Rundengefechte sind das Herz des Spiels. Wie gut sich die brutalen Gefechte wirklich spielen, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.
