Wenn Square Enix in den USA und Europa erstmals eine Echtzeit- Strategie rausbringt, schauen wir natürlich ganz genau hin.
Viel Action, wenig Taktik
Order of War
Obwohl die Steuerung an sich leicht von der Hand geht (das schmucklose Interface lassen wir einmal vor, aber immerhin erfüllt es seinen Zweck) fehlen wichtige Funktionen, was unseren Handlungsspielraum natürlich einschränkt. So können wir Infanteristen zwar anweisen, Gräben oder Häuser zu besetzen, aber beispielsweise nicht, sich zu ducken, zu rennen oder Handgranaten zu werfen. Wer jetzt womöglich meint, die KI übernehme das schon, der sieht sich getäuscht. Unsere Einheiten agieren wohl selbständig, nur leider nicht immer so, wie es der Situation angemessen wäre. Da wird dann ein anrollender Panzer bisweilen lieber mit der Maschinenpistole, anstatt mit der Sprengladung bekämpf oder Landser stehen recht lustlos in der Gegend rum, obwohl es inmitten des Infernos nur so knallt und raucht.
Order of War
Interessant: Per Mausklick können wir in den sogenannten Theater-Kamera-Modus umschalten. Dann erleben wir das kriegerische Geschehen als eine Art Film aus unmittelbarer Nähe. Das sieht gut aus. Da wir auf die jeweiligen Perspektiven aber keinen Einfluss haben (die vom Computer bestimmten Kamera-Blickwinkel sind eher willkürlich), ist es meist sinnvoller, sich alternativ der Dreh- und Zoomfunktion zu bedienen, mit deren Hilfe wir einen ähnlichen "Mitten drin"-Effekt erreichen können. Trotz der insgesamt ansprechenden Präsentation, der guten Grafik, der treibenden Musik und dem überaus realistischen Gefechtslärm bietet Order of War wenig, was es so oder ähnlich - teilweise sogar besser - nicht schon in vergleichbaren WW2-Strategiegames gegeben hätte. Da der sowjetische Gegenschlag immer noch aus östlicher Richtung erfolgt, der deutsche Tiger weiterhin das längste Panzer-Rohr schwenkt und die verlustreichste Landung der US-Streitkräfte zur Befreiung Europas von See her immer noch in und um Omaha Beach stattfindet, erwartet den virtuellen Feldherren wenig Neues. Und selbst in der Normandie kennen wir spätestens seit Company of Heroes jedes französische Kuhdorf mit Namen.
