Outer Wilds im Test: Und täglich grüßt die Supernova
Test
In 22 Minuten explodiert die Sonne und es liegt an euch, dies zu verhindern. Doch selbst nach Ablauf der Zeit bedeute dies nicht das Ende, sondern ihr beginnt jedes Mal wieder von vorne. Ob das für ein unterhaltsames Weltraum-Abenteuer reicht, klären wir in unserem Test.
Outer Wilds (jetzt kaufen 24,99 € ) reiht sich in die Reihe jener Videospiele ein, die euch nicht eine lineare Geschichte erzählen. Im Fokus des Weltraum-Abenteuers steht die Erkundung, wofür euch die Entwickler ein ganzes Sonnensystem zur Verfügung stellen. Dazu gilt es noch ein paar Rätsel zu knacken und dem Verschwinden einer Zivilisation auf den Grund zu gehen. Dabei stören euch auch keine nervigen Ladezeiten. Abseits davon hält der Titel jede Menge Überraschungen für euch bereit und kommt mit einer interessanten Prämisse daher. Wie gut der für PC und Xbox One erhältliche Titel wirklich ist, klären wir in unserem Test!
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Auf geht's in Weltall
Quelle: PC Games
Auf eurem Heimatplaneten trefft ihr auf Euresgleichen. Hauptsächlich dienen die NPCs als Aufhänger für Tutorials, aber auch auf fremden Planeten sind einige gestrandete Astronauten zu finden.
Zu Beginn des Abenteuers findet ihr euch auf eurem Heimatplaneten Holzkamin wieder. Als Astronaut steht ihr kurz vor eurer ersten Reise in den Orbit. Bevor ihr aber zu neuen Ufern aufbrecht, könnt ihr mit den Einwohnern des Dorfes reden und die Grundlagen des Spiels lernen. Jedoch dauert es nicht lange, bis ihr in euer charmantes Raumschiff aus Holz steigt und der Gravitation des Planeten entkommt. Das funktioniert, wie bereits erwähnt, vollkommen ohne Ladezeiten. Die Atmosphäre zu durchdringen und sich dann in der Schwerelosigkeit wiederzufinden, ist ein wunderbares Erlebnis. So manövriert ihr euer kleines Fluggerät in unbekannte Weiten. Um wirklich Kontrolle über euer Schiff zu erlangen, benötigt es ein wenig Übung. Dennoch fühlen sich die Ausflüge realistisch an und mit der Zeit meistert ihr die Steuerung. Wohin es nun geht? Das liegt komplett an euch und ihr könnt frei die weiteren Planeten erkunden. Nun, zumindest könntet ihr das für 22 Minuten. Dann nämlich erschwert euch ein klitzekleines Ärgernis das Vorankommen: Der Untergang der Galaxie.
Supernova sehen und sterben
Quelle: PC Games
Sind 22 Minuten verstrichen, explodiert die Sonne. Das sieht spektakulär aus, insbesondere, wenn ganze Planeten von den Flammen verschluckt werden.
Denn nach diesen 22 Minuten explodiert auf spektakuläre Art und Weise die Sonne und verschlingt dabei sämtliches Leben. Doch das ist nicht das Ende eures Abenteuers. Sobald euch der Feuerschlund verschluckt hat, laufen vor eurem inneren Auge euer bisherigen Erlebnisse ab und ihr steht wieder auf eurem Heimatplaneten. Ihr befindet euch nämlich in einer Zeitschleife, ganz ähnlich wie in The Legend of Zelda: Majoras Mask. Um den Hintergründen hinter diesem Umstand auf die Spur zu kommen, landet ihr auf den unterschiedlichen Planeten und sucht dort nach neuen Informationen. Diese findet ihr hauptsächlich in Textfragmenten, welche von einer ausgestorbenen Zivilisation hinterlassen wurden. So entschlüsselt ihr nach und nach das große und wirklich gut durchdachte Mysterium. Hauptsächlich wird die Geschichte also in Textform erzählt, aber auch durch genaues Untersuchen der Umgebung lassen sich Details entdecken. Die Story benötigt einiges an Zeit, um wirklich durchzustarten, doch das Schicksal der verstorbenen Alien-Rasse führt zu einer wirklich emotionalen Konklusion.
Man sieht, auf eine lineare Erzählstruktur wird verzichtet. Stattdessen steht die Lust am Entdecken im Vordergrund. Dies ist jedoch aus spielerischer Perspektive ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite erlebt ihr euer eigenes Abenteuer ohne irgendwelche Vorgaben. Auf der anderen Seite jedoch gerät man so schnell in Sackgassen. Während des Tests von Outer Wilds wussten wir oftmals einfach nicht weiter, trotz cleveren Logbuchs. Letzteres hält nämlich die wichtigsten Schlüsselpunkte fest und gibt euch auch Tipps, wo ihr noch nach weiteren Hinweisen suchen solltet. Trotzdem half uns oftmals nur weiter, bekannte Orte erneut abzuklappern und nach versteckten Wegen zu suchen. Das kann frustrieren, aber das wunderbare Level- und Rätseldesign ließ uns das schnell wieder vergessen.
Kombinationskünste und Zeitmanagement
Denn vor allem die unterschiedlichen Planeten beeindrucken mit ihrem kreativen Design und sorgen immer wieder für offene Münder. Ob riesige
Quelle: PC Games
Wofür genau diese Konstruktion da ist, wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Doch wie bei den meisten Rätseln ist eine gute Beobachtungsgabe gefragt.
Wasserhose, ein schwarzes Loch im Inneren eines Planeten oder unendliche Nebelweiten, in denen riesige Anglerfische hausen - für genügend Abwechslung ist gesorgt. Doch diese Naturereignisse sind nicht nur von visueller Natur, sie dienen auch als Aufhänger für einige Rätsel. Im Laufe eures Abenteuers sammelt ihr Informationen über die unterschiedlichen Schauplätze, welche jedoch kreuz und quer im Sonnensystem verteilt sind. Kommt ihr also an einer Stelle nicht weiter, lohnt es sich oft, einen anderen Ort zu besuchen. Einige Denkaufgaben könnt ihr auch nur mit euren Gadgets lösen. Mit eurem Signalempfänger seid ihr in der Lage, fremde Signale zu orten und so auf weitere Astronauten treffen zu können. Aber auch Notsignale ortet ihr damit. Außerdem könnt ihr eine Drohne auf die Reise schicken, die Fotos von unzugänglichen Bereichen aufnimmt. Natürlich steht euch auch ein Weltraumanzug zur Verfügung, der gleichzeitig mit praktischem Jetpack daherkommt. Die Kombination der Gadgets und der Umwelteinflüsse ist oftmals für die Progression vonnöten, aber auch die Zeit spielt eine wichtige Rolle. Denn mit voranschreitendem Zyklus erwarten euch auch Änderungen im Sonnensystem, und des Öfteren müsst ihr zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein.
All diese Aspekte müssen bei eurer Weltraumreise beachtet werden. Da es kein Game Over gibt, wird auch zum Experimentieren eingeladen. Lasst euch jedoch davon nicht fehlleiten, denn sterben könnt ihr sehr wohl. Ob ihr von der Supernova verbrannt werdet, zu schnell mit eurem Schiff gegen Oberflächen kracht, euch der Sauerstoff ausgeht oder ihr von Sandmassen zerdrückt werdet:es gibt jede Menge Wege, ins Gras zu beißen. Segnet ihr mal das Zeitliche, findet ihr euch auf eurem Heimatplaneten wieder und der Zyklus beginnt von vorne. So wird Frust vermieden, gleichzeitig sorgt das aber auch für Spannung; besonders, wenn euch der Sauerstoff ausgeht, ihr aber gerade einen neuen Schauplatz erkundet.
Stilles Sonnensystem
Quelle: PC Games
Die Geschichte wird lediglich durch die Umgebung und einige Textfragmente erzählt. Diese Fragmente müsst ihr zudem erst mit eurem Scanner übersetzen.
Apropos Schauplätze: Jeder Planet besitzt sein eigenes Design, wodurch sich die Orte visuell deutlich unterscheiden. Auf technischer Ebene hingegen wirkt die Grafik leicht veraltet. Das fällt jedoch selten ins Gewicht. Zusammen mit dem stimmigen Soundtrack gelingt es Outer Wilds, eine ruhige Atmosphäre aufzubauen. Zwar wird die Musik eher selten genutzt, dafür ist der Einsatz aber umso effektiver und konnte uns auch auf emotionaler Ebene packen. Lediglich eine Vertonung der NPCs hätten wir uns noch gewünscht, da durch ihr stummes Dasein die Kommunikation mit weiteren Astronauten schnell an Reiz verliert. Zudem solltet ihr auch in der PC-Fassung des Abenteuers während eurer Reise auf Maus und Tastatur verzichten und lieber zum Gamepad greifen, da sich das Geschehen damit deutlich angenehmer steuert.
Abseits dieser wenigen technischen Kritikpunkte ist Outer Wilds ein einzigartiges Erlebnis. Das Lösen der Rätsel und die Entdeckung neuer Orte machen große Freude. Die Geschichte wird zwar fast ausschließlich durch Texte erzählt, dennoch motivierte uns das große Mysterium um die Supernova und den Zeitzyklus zum Weiterspielen. Auf die geforderte Eigeninitiative samt weniger Hinweise und fast unumgänglicher Momente, in denen man einfach nicht weiterweiß, muss man sich einlassen. Wer sich davon jedoch nicht frustrieren lässt, den erwartet ein toll designetes Universum, in dem zu verlieren sich lohnt.
