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PC Games Logbuch: Gothic nachholen? Ist es dafür nicht zu spät?

In der heutigen Ausgabe unserer Logbuch-Rubrik fragt sich Sascha, ob es mittlerweile vielleicht zu spät ist, um die Faszination Gothic noch zu verstehen.
Sascha Lohmüller
Quelle: THQ Nordic (bearbeitet mit ChatGPT)

Wir alle haben sie: Lücken. Und damit meine ich keine fehlenden Erinnerungen durch das ein oder andere Kaltgetränk, beispielsweise wenn man am letzten Schultag schon um 8 Uhr morgens von einem Kollegen das erste Bier gereicht bekommt, dann im Park mit der Nachbarschule zu Sekt auf das bestandene Abitur anstößt, danach einen großen Schluck puren Whisky nimmt, weil der Kollege vorher grinsend behauptet hätte, es wäre mit Cola gemixt, danach dann auch noch ein Hansa-Pils gereicht bekommt und sich dann irgendwann zu Hause vor dem PC im Dachgeschoss wundert, wann man aus dem Park nach Hause gelaufen ist. Also jetzt als komplett fiktives Beispiel.

Nein, ich spreche von Gaming-Lücken. Die wird jeder von euch sicherlich haben, die hat bestimmt auch jeder hier in der Redaktion. Dieses eine Spiel, das damals aus irgendeinem Grund an einem vorüberging. Oder gleich eine ganze Reihe, in die man nie den Einstieg gefunden hat. Nicht etwa, weil man das Genre nicht mag - das ist ja noch mal was ganz anderes. Sondern ein Spiel, bei dem man auf ein "Oh, das hab ich nie gespielt" ein verwundertes "Echt? Das dürfte doch genau dein Ding sein." als Antwort bekommt.

Bei mir ist das (unter anderem, aber dazu später vielleicht mehr): Gothic. Die einfache Begründung, warum das damals an mir vorbeiging, ist schnell gefunden: Everquest. Das war mein erstes MMO und hat mehr Tage meiner Freizeit gefressen, als ich hier je zugeben würde. Aber auf den zweiten Blick ist es schon komisch, dass ich das Spiel damals völlig ignoriert habe. Ich liebe Rollenspiele, ich liebe Fantasy-Welten, all die alten 80er- und 90er-RPGs zählen zu meinen Lieblingen. Ich komme sogar aus dem Ruhrpott und gehe auf Mittelaltermärkte!

Und es ist ja auch nicht so, als wäre ich anno 2001 komplett mit Scheuklappen herumgelaufen: Ich habe GTA 3 gespielt, Baldur's Gate: Dark Alliance, dutzende Stunden Final Fantasy X, und wahrscheinlich gar hunderte Stunden Diablo 2: Lord of Destruction. Es war also definitiv Zeit da, neben der Dauerbespaßung im MMO-Land.

Aber Gothic? Bis heute nicht angefasst, genau wie all die Nachfolger. Mein einziger Berührungspunkt mit der Reihe war lustigerweise hier im Verlag während des Praktikums, als sich ungefähr folgender Dialog zutrug:

  • Mensch: "Kennst du dich mit Gothic aus?"
  • Ich: "Nö."
  • Mensch: "Echt? Das müsste doch genau dein ..."
  • Ich: "Ja, ja, ich weiß. Aber nein."
  • Mensch: "Na gut. Ist auch egal. Hier, das ist Götterdämmerung, das Add-on zu Gothic 3. Kannst du das mal ein bisschen spielen und dir alle Bugs aufschreiben, die du findest?"

Zwei Stunden später hatte ich drei DIN-A4-Seiten voll, und die Schnauze vom Spiel ebenfalls. Der damalige Kollege aber wohl auch, denn ich wurde dann lieber an etwas Sinnvolles gesetzt. Wie dem auch sei: Nicht unbedingt der beste Ersteindruck, den ich so von der Serie gewonnen habe.

Damals, anno 2008, war ich aber eh schon an einem Punkt angelangt, den ich an dieser Stelle "Point of no interest" taufen möchte. Denn irgendwann hat man ein Spiel oder eine Reihe so lange vor sich hergeschoben, dass man sich denkt: "Ach nee, das hol ich jetzt auch nicht mehr nach, das ist jetzt mittlerweile viel zu alt." Zumindest geht es mir so. Das ist der Grund, wieso ich wohl niemals die alten Fable-Teile nachhole, bevor dann im nächsten Jahr der neue Teil erscheint. Oder diverse ältere Zeldas vor mir herschiebe, obwohl ich A Link to the Past vergöttere. Die sehen und fühlen sich für mich mittlerweile einfach zu alt an.

Der Herr hier ist sicherlich äußerst vertrauenswürdig. Oder auch nicht. Wer weiß das schon? Nun, wahrscheinlich jeder, der mal Gothic gespielt hat. Quelle: THQ Nordic Der Herr hier ist sicherlich äußerst vertrauenswürdig. Oder auch nicht. Wer weiß das schon? Nun, wahrscheinlich jeder, der mal Gothic gespielt hat. Bei Klassikern aus derselben Zeit, die ich damals gespielt und geliebt habe, kann ich hingegen darüber hinwegsehen - da obsiegt dann einfach die Nostalgie. Ich verbinde Gefühle mit den Spielen, Erinnerungen an eine bestimmte Zeit, vielleicht sogar Menschen. Mit den anderen alten Schinken, die ich nicht kenne, verbinde ich halt ... nichts.

Und damit kommen wir dann auch zur Eingangsfrage: Ist es zu spät, Gothic nachzuholen? Immerhin ist jetzt das Remake draußen und ich könnte das Spiel in hübsch erleben. Doch wenn ich den Kollegen hier im Büro zuhöre, schwingt in jedem Satz immer so ein wenig Nostalgie mit. "Das war früher anders." - "Oh, das ist ja wie früher." - "Ha, das kenn ich noch!" Das sind alles Sätze, die mir beim Spielen nie durch den Kopf gehen würden. Ich verbinde schlicht nichts mit dem Ur-Gothic und frage mich daher: Würde ich tatsächlich ein so gutes Erlebnis haben wie die Kollegen, die gerade mit leuchtenden Augen im Minental versinken? Oder würde ich einfach nur ein Spiel spielen, aber die Faszination dahinter nie verstehen? Würde ich ein Rollenspiel spielen, aber die Seele dahinter einfach nicht verstehen, weil mir die persönliche Bindung zum Urspiel fehlt?

Wie denkt ihr darüber? Lohnt sich ein Einstieg in Gothic, selbst ohne Nostalgie-Gefühl? Habt ihr auch solche Spiele und Spielereihen, die ihr immer mal nachholen wolltet, bei denen ihr aber mittlerweile denkt: "Jetzt ist's auch zu spät"? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen - und wie immer: Ein schönes Wochenende!

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