Paper Mario: Höhen, Tiefen, Kontroversen der Nintendo-Reihe im Retro-Special - Seite 3
Special
Die Paper-Mario-Reihe hat viele Höhen, Tiefen und Kontroversen hinter sich. In diesem Special analysieren wir die Reihe und wie sie sich verändert hat.
Der letzte Punkt, den viele an Sticker Star kritisieren ist die absolute Gesichtslosigkeit der Charaktere. In Paper Mario 2 wurde fast jede Figur individuell designt und mit einer eigenen Persönlichkeit ausgestattet. In Sticker Star gibt es dagegen nur eins: Toads! Toads, Toads und noch mehr Toads, die alle absolut identisch sind und deren Persönlichkeit sich maximal durch ihre Textboxen erahnen lässt.
Mit all diesen Punkten hat sich Nintendo immer mehr in eine kindliche Schiene entwickelt, in der Story und Charme nicht so wichtig sind und einzig und allein der Spielspaß im Vordergrund steht. Und daran mangelt es Paper Mario Sticker Star auch nicht.
Immerhin hat es sich ebenfalls etwas über zwei Millionen Mal verkauft und ist für einige sogar das beste Ninteno-3DS-Spiel. Für Fans der ersten Teile war es dennoch eine grobe Enttäuschung, da ihrer Meinung nach die Magie der alten Paper-Mario-Spiele gänzlich verloren gegangen ist.
Mittlerweile teilt sich das Lager größtenteils in Leute, die Sticker Star entweder über alles lieben oder absolut nicht mögen, was den Titel zu dem wahrscheinlich kontroversesten und am heißesten diskutierten Nintendo-Spiel macht.
In diesem Artikel
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Paper Mario: Color Splash - Ein schwarz-weißes Farbabenteuer
Nach der Kontroverse Paper Mario: Sticker Star war das Image der Reihe angeknackst. Das änderte sich auch nicht mit der Ankündigung des fünften Teils Paper Mario: Color Splash, der im Oktober 2016 für Wii U erschien. Es wurde nämlich ziemlich schnell ersichtlich, dass er sich eher an Sticker Star orientiert als an den Ursprüngen und für die Fans somit nur eine weitere Enttäuschung darstellte.
Gameplaymäßig ist es fast identisch zu Sticker Star. Das Hauptaugenmerk liegt nur diesmal nicht auf Stickern, sondern, wie der Name schon vermuten lässt, auf Farbe. Statt Klebebildchen kann man nun Karten sammeln, die teilweise eingefärbt werden müssen und die Sticker in ihrer Funktion ersetzen.
Quelle: PC Games
Auf der Wii U dreht sich alles um Farbe.
Statt Kersti begleitet einen nun der Farbeimer Farbian und anstelle des Papierisierens hat man die Möglichkeit, über das Wii U-Gamepad Teile aus der Welt auszuschneiden und dadurch die Umgebung zu verändern. Auch die Dingse sind in Form von Ding-Karten wieder dabei.
Neu ist allerdings Marios Farbhammer, mit dem er farblose Flecken in der Welt einfärben kann. Jedoch hat er nicht unendlich viel Farbe und muss sie immer wieder durch Farbtropfen in der Welt auffüllen.
Die Story ist im Vergleich zum Vorgänger aber schon deutlich innovativer. Zum einen spielt Paper Mario: Color Splash nicht im Pilzkönigreich, sondern auf der Prisma-Insel. Zum anderen wird Prinzessin Peach nicht direkt am Anfang entführt. Sie reist sogar zusammen mit Mario auf die Insel und wohnt dort einige Zeit, während der bemützte Klempner sein Abenteuer bestreitet.
Die Prisma-Insel wurde mit schwarzer Farbe verseucht und Mario muss die sechs großen Farbsterne in sechs verschiedenen Welten finden, um dem Ort seine Farbe zurückzugeben. Dabei werden die wahren Ereignisse erst mit der Zeit klar, da jeder gerettete Farbstern seine Erinnerungen an das Geschehene beiträgt. Schließlich ist klar, das Bowser an der Entstehung der schwarzen Farbe schuld ist, und diese ihn sogar korrumpiert hat, was ihn zu einer schwarzen Version seiner selbst werden ließ. Diese ist dann auch der Endboss des Spiels.
Auch im Bezug Charaktere macht es Color Splash besser als der Vorgänger. Es wimmelt zwar immer noch fast nur von Toads, jedoch gibt es auch spezielle Exemplare, die sich optisch unterscheiden und für die Story eine gewisse Rolle oder Nebenrolle spielen.
Nichtsdestotrotz ist auch Paper Mario: Color Splash ein Action-Adventure und eben kein RPG. Es ist zweifellos ein gutes Spiel. Aber um die Fans der ersten Stunde glücklich zu machen, hilft wohl nur eine Rückkehr zu den Wurzeln der Paper-Mario-Reihe.
Paper Mario: The Origami King - Faltenfreier Kompromiss?
Paper Mario: The Origami King ist der sechste und aktuellste Teil der Reihe und wurde am 17. Juli 2020 für die Nintendo Switch veröffentlicht. Mit diesem wollte Nintendo versuchen, einen Spagat zwischen den alten und den neuen Spielen zu schlagen und die Fans zu versöhnen, und das Spiel bringt tatsächlich einige Elemente zurück.
Zum einen gibt es keine Welten- und Levelunterteilung mehr. Es gibt nun wieder eine große Karte mit verschiedenen Gebieten, die man mit Mario nach und nach erkunden kann. Sogar die Partner aus den ersten beiden Teilen kehren zurück. Zwar nehmen sie nicht mehr aktiv an den Kämpfen teil, aber ihre Geschichten und Persönlichkeiten sind auf jeden Fall eine schöne Verbesserung. Neben unter anderem einem friedliebenden Bob-omb und einem Toad-Archäologen schließt sich mit der Zeit sogar der König der Koopas höchstpersönlich dem Abenteuer an.
Quelle: PC Games
Der Switch-Teil vereint altes und neues Paper-Mario-Feeling.
Moment, Bowser hilft Mario? Das heißt ja, dass er nicht der Bösewicht ist! Ja, tatsächlich schlüpft Bowser diesmal wie in Paper Mario 2 und 3 nicht in die Rolle des Hauptgegenspielers. In diesem Spiel übernimmt das nämlich der Origami-König Olly, der die Welt in sein eigenes Origami-Königreich verwandeln will. Um seinen Plan entfalten zu können, verwandelt er Prinzessin Peach in eine Origami-Figur, reißt ihr ganzes Schloss aus dem Boden, wickelt es in Luftschlangen ein und verfrachtet es auf die Spitze eines Vulkans.
Mario muss nun die fünf großen Luftschlangen finden und zerstören, damit das Schloss zurückgebracht und Olly besiegt werden kann. Dabei muss er sich Origami-Versionen von Bowsers Schergen stellen, die vom bösen König gefaltet wurden und nun ihm gehorchen.
Neben den Partnern, die Mario im Laufe des Spiels trifft, hat er noch eine weitere Gefährtin an seiner Seite: Olivia, die kleine Schwester des Königs, die ihre Kräfte lieber für das Gute einsetzt. Durch sie erlernt Mario auch eine neue Fähgkeit: die Faltarme. Mit ihnen kann Mario seine Arme zu Origami falten und so deutlich länger und kräftiger machen. Das hilft ihm zum einen beim Erkunden der Oberwelt, zum anderen bei den Kämpfen.
Beim Kampfsystem hat sich Nintendo diesmal aber etwas ganz Neues einfallen lassen. Die Kämpfe finden zwar wieder in einer Art Arena statt wie in den ersten beiden Teilen. Allerdings befinden sich die Gegner in einem 360°-Kampffeld mit 4 verschiebbaren Ringen um Mario herum und man muss sie erstmal möglichst ideal anordnen, um den maximalen Schaden machen zu können. Das ist anfangs noch recht leicht, wird aber mit der Zeit sehr herausfordernd, was den Kämpfen einen gewissen Taktik-Aspekt verleiht.
Auch außerhalb der Kämpfe gibt es ein neues Gimmick. König Olly hat nämlich Teile der Papierwelt herausgerissen. Mario kann diese Löcher mit seinem neuen Schnipsel-Beutel stopfen und die Umgebung reparieren. Dieser hat allerdings wie in Color Splash ein Limit, und muss immer wieder mit herumliegenden Papierschnipseln aufgefüllt werden.
Mit der Individualität der Charaktere verhält es sich ähnlich wie beim Vorgänger. Zwar gibt es immer noch massenhaft Toads, die Vielfalt an anderen und individuellen Charakteren ist aber deutlich größer als noch in Sticker Star.
Paper Mario: The Origami King kombiniert alte und neue Elemente der Paper-Mario-Reihe und gibt noch ein paar neue Ideen dazu. Die Partner sind zurück, wenn auch nicht in dem Umfang der alten Spiele. Einerseits ist die Welt ist wieder offen und in Kapitel unterteilt und das Kampfsystem ist wieder rundenbasiert. Allerdings in einem neuen Stil. Andererseits gibt es wieder kein Levelsystem und die verschiedenen Story-Stränge sind längst nicht so tiefgreifend wie beispielweise in Paper Mario 2.
Dennoch ist Paper Mario: The Origami King ein guter Schritt von Nintendo, um die Fans der verschiedenen Spiele einen Schritt aufeinander zuzubewegen. Viele werden natürlich trotzdem erst zufrieden sein, wenn ein Spiel ganz im Stil des zweiten Teils erscheint. Aber selbst, wenn das passiert, wird es wahrscheinlich nicht das Erlebnis von damals sein.
Nintendo fährt mittlerweile einfach eine andere Schiene und das zeigt die Paper-Mario-Reihe mit all ihren Kontroversen sehr gut. Wir müssen also abwarten, was die Entwickler mit der Reihe vorhaben und sind gespannt ob die Papier-Spin-Off-Reihe unseres geliebten Klempners noch ihr volles Potenzial entfalten kann.
