Ikonen der Spieleindustrie: Roberta Williams - Seite 2

Special Sönke Siemens Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Ikonen der Spieleindustrie: Roberta Williams - Seite 2
Quelle: Moby Games

Roberta Williams gilt als eine der einflussreichsten Frauen der Gaming-Geschichte. Wir haben uns ihren beeindruckenden Werdegang mal genauer angeschaut.

Als King's Quest am 10. Mai 1984 erscheint, ist es eine echte Sensation und stellt aufgrund seiner liebevollen Machart alles bisher Dagewesene im Adventure-Sektor in den Schatten. Dass sich das Spiel zunächst trotzdem nur sehr schleppend verkauft, liegt am holprigen Start des PCjr, der Kunden nicht so recht interessiert. Um gegenzusteuern, wird King's Quest schon bald für technisch vergleichbare Systeme wie etwa den Apple IIe sowie den Tandy 1000 umgesetzt, dem das Spiel aufgrund eines Marketingabkommens sogar direkt beiliegt. Später folgen außerdem Portierungen für den Amiga, den Atari ST, den Macintosh, DOS-Rechner, den Apple IIGS und selbst Segas Master System, wobei letztgenannte Version zweifelsohne die schwächste darstellt.

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Robertas Hit wird erstmals fortgesetzt

Im August 2001 bringt der Non-Profit-Entwickler Tierra Entertainment (heute AGD Interactive) ein geduldetes VGA-Remake des ersten King’s Quest auf den Markt. Den Gratis-Download findet ihr unter www.agdinteractive.com. Quelle: Moby Games Im August 2001 bringt der Non-Profit-Entwickler Tierra Entertainment (heute AGD Interactive) ein geduldetes VGA-Remake des ersten King’s Quest auf den Markt. Den Gratis-Download findet ihr unter www.agdinteractive.com. King's Quest ist Ende 1984 in aller Munde und Roberta Willans bereits drauf und dran, eine Fortsetzung zu entwickeln, die im Juni 1985 erscheint. King's Quest II: Romancing the Throne - der Name ist ein Seitenhieb auf Robert Zemeckis romantische Action-Komödie Romancing the Stone (Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten) - spielt ebenfalls im Königreich Daventry und macht inhaltlich dort weiter, wo Teil eins aufhört. Sir Graham ist mittlerweile König und auf der Suche nach einer Frau an seiner Seite. Wie es der Zufall so will, zeigt ihm sein magischer Spiegel die bildhübsche Valanice. Da sie sich jedoch in einem Kristallturm in Gefangenschaft befindet, bricht Graham in die Welt von Kolyma auf, um sie aus den Fängen einer garstigen Hexe zu befreien.

Wer in King’s Quest II: Romancing the Throne (1985) möglichst friedliche Lösungswege wählt, streicht dafür besonders viele Punkte ein. Quelle: Moby Games Wer in King’s Quest II: Romancing the Throne (1985) möglichst friedliche Lösungswege wählt, streicht dafür besonders viele Punkte ein. Was folgt, ist ein charmant designtes Adventure, das für seine Logikrätsel einmal mehr verschiedene Lösungswege anbietet und Spieler mit einer Vielzahl von bekannten Figuren konfrontiert, darunter Rotkäppchen, Meeresgott Neptun und Vampirfürst Dracula. Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger ist es außerdem größer, gespickt mit noch mehr interessanten Orten und 14 ohrwurmigen Musikstücken von Sierra-Soundexperte Al Lowe. Ergebnis dieser Bemühungen: Begeisterte Fans und eine jubelnde Fachpresse. Die deutsche ASM (Aktueller Software Markt) etwa zückt für die Story 9 von 10 Punkten und bedenkt die übrigen drei Wertungskategorien (Grafik, Vokabular, Atmosphäre) sogar mit 10 von 10 Punkten. Zitat: "Hier ist Unterhaltung garantiert!"

King’s Quest III: To Heir is Human (1986) ist in etwa so umfangreich wie die Storys der beiden Vorgängerspiele kombiniert, avanciert schnell zum Publikumsliebling und schafft es 2016 sogar auf Platz 50 der „Beste Spiele aller Zeiten“-Liste des US-Magazins Time.<br> &nbsp; Quelle: Moby Games King’s Quest III: To Heir is Human (1986) ist in etwa so umfangreich wie die Storys der beiden Vorgängerspiele kombiniert, avanciert schnell zum Publikumsliebling und schafft es 2016 sogar auf Platz 50 der „Beste Spiele aller Zeiten“-Liste des US-Magazins Time.
 
Sierra On-Line hat zu dieser Zeit einen echten Lauf und legt die Grundsteine für viele andere Adventure-Marken, allen voran Space Quest (Oktober 1986) aus der Feder von Mark Crowe und Scott Murphy. Roberta Williams hingegen bleibt ihrer geliebten King's-Quest-Reihe treu und werkelt nach der Fertigstellung von Teil zwei am dritten Ableger. "Meine bisherigen Spiele, von Mystery House bis King's Quest II waren allesamt großartig. Letztendlich handelte es sich dabei jedoch stets um glorifizierte Schatzsuchen. Aufgrund der technischen Limitierungen war es nicht möglich, größere und komplexere Geschichten zu haben", erinnert sie sich im Buch Games vs. Hardware: The History of PC Gaming: The 80's. Um aus diesem Korsett auszubrechen, setzt Williams auf die Rechenpower der 16-Bit-Heimcomputer und konzipiert ihr bis dato aufwendigstes Spiel. Als Chef-Programmierer wird der talentierte Al Lowe eingespannt, dessen Arbeit die Willams so beeindruckt, dass sie ihm später eine eigene Spielereihe anvertrauen: das schlüpfrige Leisure Suit Larry, das im Jahr 1987 durchstartet.

Der Soundtrack von King’s Quest IV: The Perils of Rosella (1988) trifft für damalige Verhältnisse voll ins Schwarze und besteht aus 75 kurzen, von William Goldstein komponierten Musikstücken. Quelle: Moby Games Der Soundtrack von King’s Quest IV: The Perils of Rosella (1988) trifft für damalige Verhältnisse voll ins Schwarze und besteht aus 75 kurzen, von William Goldstein komponierten Musikstücken. Passend zum Namen des Spiels setzt Roberta die Familiengeschichte der Grahams in King's Quest III: To Heir is Human auf raffinierten Wegen fort. Anstelle von Graham übernimmt der Spieler nun nämlich die Rolle des Teenagers Gwydion, dessen wahre Identität sich erst im letzten Spieldrittel offenbart. Schon seit vielen Jahren wird der 17-jährige vom bösen Zauberer Manannan in dessen Zuhause festgehalten, wo er sich den Buckel krumm schuften muss. Doch eines Tages packt er eine günstige Gelegenheit beim Schopf, stöbert im Zauberbuch von Manannan und ... weitere Details verkneifen wir uns an dieser Stelle für all jene, die den Adventure-Klassiker noch mal nachholen möchte.

Mit King’s Quest: Maske der Ewigkeit wagt Roberta Williams 1998 den Sprung in die dritte Dimension und reichert das Ganze mit Action-Adventure-Elementen an. Nicht allen eingefleischten Fans gefällt das.<br> &nbsp; Quelle: Moby Games Mit King’s Quest: Maske der Ewigkeit wagt Roberta Williams 1998 den Sprung in die dritte Dimension und reichert das Ganze mit Action-Adventure-Elementen an. Nicht allen eingefleischten Fans gefällt das.
 
Klassiker trifft es gut, denn spielerisch legt das am 1. Oktober 1986 erscheinende King's Quest III noch mal einen ganzen Zahn zu. So ergänzt das Entwicklerteam unter anderem eine automatische Karte samt magischer Teleport-Schnellreisefunktion. Eine weitere wichtige Neuerung: Zaubersprüche, die man immer wieder aus dem mitgelieferten Handbuch abtippen muss. Obwohl anfangs nicht als solches konzipiert, entpuppt sich diese Art der Handbuch-Gameplay-Verknüpfung damals als ein recht probates Mittel, um weniger versierte Raubkopierer abzuschrecken. Hartnäckigere Kopierer lassen sich davon allerdings nicht ausbremsen und kaufen das günstigere Lösungsbuch. Da das ebenfalls von Sierra On-Line produziert wird, kann das Unternehmen aber selbst dann noch mitverdienen, wenn das Spiel illegal kopiert wurde. Auch Robertas King's Quest III wird von der Adventure-Community zum Release ins Herz geschlossen und verkauft sich bis einschließlich Februar 1993 mehr als eine Viertelmillion Mal.

Heldinnen an die Front

Die Eastereggs in King’s Quest II: Romancing the Throne – wie etwa dieses Batmobil – gehen auf die Kappe von Mark Crowe und Scott Murphy. Roberta Williams war nicht eingeweiht.<br> &nbsp; Quelle: Moby Games Die Eastereggs in King’s Quest II: Romancing the Throne – wie etwa dieses Batmobil – gehen auf die Kappe von Mark Crowe und Scott Murphy. Roberta Williams war nicht eingeweiht.
 
Dank King's Quest, Space Quest, Leisure Suit Larry und Police Quest (ab 1987) ist Sierra On-Line in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre finanziell sehr gut aufgestellt. Um diese Position nicht zu gefährden, werden die genannten Spielereihen kontinuierlich fortgesetzt - so auch King's Quest, dessen Marschrichtung Roberta verantwortet. Ihr Ziel ist dabei stets klar: Die Serie noch besser machen und am Puls der Zeit bleiben. Im Falle von King's Quest IV: The Perils of Rosella setzt Williams dazu Gameplay-seitg auf das Element Zeit, das eng mit dem Ablauf der Geschichte verknüpft wird und Spieler zum Beispiel zwingt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Bei der Story geht Williams ebenfalls neue Wege und drückt Grahams Tochter Rosella das Heldenzepter in die Hand - und stärkt damit indirekt die Rolle weiblicher Protagonisten in Videospielen. Schockiert von der plötzlichen Herzattacke ihres Vaters im knapp zehnminütigen Intro, macht sich Rosella auf den Weg ins Feenreich Tamir. Hier nämlich soll es eine magische Frucht geben, die ihren im Sterben liegenden Vater heilen könnte. Bis es allerdings so weit ist, muss Rosella erst einmal drei Herausforderungen meistern, das Vertrauen der bösen Fee Lolotte gewinnen und einen magischen Talisman finden.

King’s Quest VII: The Princeless Bride wird unter großem Zeitdruck fertiggestellt, um noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 1994 zu erscheinen. Richtig rund läuft es erst nach dem Patch auf Version 2.0.<br> &nbsp; Quelle: Moby Games King’s Quest VII: The Princeless Bride wird unter großem Zeitdruck fertiggestellt, um noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 1994 zu erscheinen. Richtig rund läuft es erst nach dem Patch auf Version 2.0.
 
Auf technischer Seite gibt bei Teil vier eine neue Engine, der objektorientierte Sierra Creative Interpreter (kurz SCI) den Ton an - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn dank SCI werden auf PC erstmals auch moderne Soundkarten wie etwa die populären AdLib-Karten oder die Roland MT-32 unterstützt. Gleiches gilt für Trends wie Maussteuerung, höhere Auflösungen von bis zu 320x200 Pixeln (bei 16 Farben), Pop-up-Fenster und ein verbessertes Scripting-System.

Als Ganzes betrachtet findet King's Quest IV eine sehr gute Balance aus inhaltlichen und technischen Neuerungen und kann daher auch im Verkauf überzeugen. Allein in den ersten zwei Wochen gehen knapp 100.000 Exemplare über die Ladentische; später wird die Marke von 400.000 Einheiten geknackt. Fragt man Robert Williams, was ihr rückblickend an Teil vier am besten gefallen hat, dann ist es vor allem die weibliche Protagonistin. "Ich habe mich wirklich mit ihr identifiziert", gibt sie beispielsweise in einem Interview mit der Zeitschrift Computer Gaming World zu verstehen. "Manchmal ist sie delikat, trotzdem ist sie stark, weiß was sie will und hat keine Angst, zu tun, was getan werden muss. Sie ist mutig. Es machte wirklich Spaß, einen weiblichen Charakter zu erschaffen."

Abstecher in neue Gefilde

2015 bringt der kalifornischen Entwickler The Odd Gentlemen eine in fünf Kapitel aufgeteilte Neuinterpretation der King’s-Quest-Saga auf Basis der Unreal Engine 3 heraus.<br> &nbsp; Quelle: The Odd Gentlemen 2015 bringt der kalifornischen Entwickler The Odd Gentlemen eine in fünf Kapitel aufgeteilte Neuinterpretation der King’s-Quest-Saga auf Basis der Unreal Engine 3 heraus.
 
Nach dem Erfolg von King's Quest IV kümmert sich Roberta nach längerer Zeit erstmals wieder um ein neues Projekt außerhalb der King's-Quest-Sphäre. Ein Grund hierfür ist das Erstarken von Konkurrent Lucasfilm Games, die mit Maniac Mansion (1987), Zak McKracken and the Alien Mindbenders (1988) sowie Indiana Jones and the Last Crusade: The Graphic Adventure (1989) gleich dreimal hintereinander für Aufsehen im Adventure-Bereich sorgen - sowohl spielerisch dank Point'n'Click-Interface als auch grafisch. Um Lucasfilm ein bisschen den Wind aus den Segeln zu nehmen, tüftelt Roberta am ersten Teil ihrer neuen Adventure-Reihe The Laura Bow Mysteries. Der Titel? The Colonel's Bequest.

Inspirieren lässt sie sich dabei von ihrem Debüttitel Mystery House. Im Gegensatz zum 8-Bit-Klassiker legt sie dieses Adventure allerdings als ein in acht Akte gegliedertes Abenteuer an, verabschiedet sich von einem linearen Verlauf und implementiert einmal mehr den Faktor Zeit. Der Clou hier: Werden bestimmte Handlungen durchgeführt, schreitet die Ingame-Uhr um eine Viertelstunde voran, was wiederum einen Einfluss darauf hat, wohin sich bestimmte Figuren bewegen oder wo bestimmte wichtige Items zu finden sind.

Laura Bow: The Colonel’s Bequest (1989) kann beendet werden, ohne ein einziges Puzzle zu lösen. Um den Wiederspielwert zu erhöhen, weist das Spiel am Ende darauf hin, was man so alles verpasst hat.<br> &nbsp; Quelle: Moby Games Laura Bow: The Colonel’s Bequest (1989) kann beendet werden, ohne ein einziges Puzzle zu lösen. Um den Wiederspielwert zu erhöhen, weist das Spiel am Ende darauf hin, was man so alles verpasst hat.
 
Im Mittelpunkt der Handlung steht die Studentin, Detektivtochter und zukünftige Journalistin Laura Bow. Sie wird im Jahr 1925 von einer Freundin auf eine Zuckerplantage geladen, auf der sich schon bald Schreckliches abspielt. Denn kaum hat Plantagenbesitzer Colonel Dijon seinen letzten Willen verkündet, sterben die ebenfalls geladenen Verwandten wie die Fliegen. Laura muss nun alles daransetzen, den Mörder zu entlarven und dabei zusehen, dass sie nicht selbst zum Opfer wird. Ohne zu viel zu verraten: In diesem Adventure gibt viele Möglichkeiten zu sterben - später auch durch den Mörder, der Laura unter bestimmten Umständen sogar unter der Dusche erdolcht. Alfred Hitchcocks Kultfilm Psycho von 1960 lässt grüßen!

Das innovative, vor allem auf Charakter-Interaktion gemünzte Konzept von The Colonel's Bequest findet schnell viele positiv gestimmte Kritiker, punktet mit einer sehr guten Präsentation und erobert sich im Jahr 2011 immerhin einen Platz in der Top-100-Liste der renommierten Genre-Webseite Adventure Gamers. Ein kommerzieller Abräumer wie das letzte King's Quest wird es aber leider nicht.

Anbruch der Point'n'Click-Ära von Sierra

Wohl auch deshalb widmet sich Roberta nach The Colonel's Bequest wieder King's Quest. Teil fünf soll her - und das mit einem großen Knall. Um diesen herbeizuführen, nimmt Sierra On-Line ein Entwicklungsbudget von knapp einer Million Dollar in die Hand, schwenkt auf ein Point'n'Click-Interface um und optimiert die Engine für den VGA-Standard (256 Farben).

Um möglichst viele Fans zu mobilisieren, rückt Robert beim Plot von King's Quest V: Absence Makes the Heart Go Yonder! zudem wieder den allseits beliebten König Graham in den Mittelpunkt und lässt ihn auch prominent auf der Packung abbilden. Seine Mission diesmal: Das eigene Schloss und dessen Bewohner wiederfinden, die von Mordack - dem Bruder des verwunschenen Manannan - verzaubert wurden. Unterstützt von einer freundlichen Eule namens Cedric bricht Graham sodann auf ins Land Serenia, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen.

King's Quest V kommt am 9. November 1990 - pünktlich zum anbrechenden Weihnachtsgeschäft - auf den Markt, kassiert Topwertungen und wird das erste Sierra-Spiel, das sich über 500.000 Mal verkauft. Nicht nur das: Für die CD-ROM-Version aus dem Jahr 1992 verpflichtet man 50 Synchronsprecher, die ausnahmslos jeden Dialog vertonen. Damals eine kleine Sensation und eines der ersten Spiele, für das ein solcher Aufwand betrieben wird.

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