Phoenix Wright Ace Attorney: Ein Star-Anwalt wird 20 - Retro-Special, Seite 2
Special 26,99 €
2001 hätte niemand gedacht, dass ein urjapanisches Nischen-Adventure international so beliebt würde: Wir blicken zurück auf Phoenix Wight: Ace Attorney!
Übrigens hätte Ace Attorney ursprünglich auf dem Game Boy Color veröffentlicht werden sollen, aber die stärkere Hardware des neuen Nintendo-Handheld Game Boy Advance erschien den Entwicklern geeigneter, um ihre Vision umzusetzen.
Mit seinem kleinen Team, davon nur zwei Programmierer, stellte Takumi auf Basis seiner alten Idee das erste Ace Attorney auf die Beine.
Er brauchte dafür zwar nicht nur sechs, sondern zehn Monate, intern bei Capcom und bei den Spielern kam das Ergebnis aber sehr gut an. Kollege Atsushi Inaba, heute bei Platinum Games, damals bei Capcoms Studio Clover, war so beeindruckt, dass er sich dafür einsetzte, eine Trilogie aus dem Adventure zu machen.
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Lust auf einen Donut?
Quelle: Mobygames
Wendy Oldbag ist eine recht anstrengende, alte Dame, die neben anderen Figuren in mehr als nur dem ersten Spiel ihre (wohlverdienten) Auftritte hat.
Bei der Arbeit war sich Takumi nicht sicher, ob das Spiel im Westen erscheinen würde, weshalb er vorsichtshalber auf Wortspiele und Rätsel verzichtete, die nur für das japanische Publikum Sinn ergeben. Auf seine Frage, ob denn ein Release außerhalb des Landes geplant sei, erwiderte Mikami nach der Fertigstellung nur "Nein, auf gar keinen Fall", sodass Takumi im zweiten und dritten Spiel ohne Rücksicht auf Verluste all die Japan-fokussierten Elemente nutzte, die er im ersten Teil zurückgehalten hatte.
Nun kann man sicher geteilter Ansicht sein, wie international verständlich die Handlung insbesondere im zweiten Kapitel von Ace Attorney ist, aber dem Erfolg stand dies nicht im Weg.
2005 wurde Phoenix Wrights erstes Abenteuer für Nintendo DS neu aufgelegt und mit einem Zusatzfall versehen, an Bord waren außerdem englische Texte, weshalb viele Spieler den Titel aus Japan importierten. Schon etwas später im gleichen Jahr war dies nicht mehr nötig, denn dann erschien die Fassung für die USA, kurz darauf die europäische Ausgabe mit deutschen Texten!
Quelle: Mobygames
Mit der Ace Attorney Trilogy ging eine überarbeitete Optik einher. So erkennt man Details auf großen Bildschirmen besser.
Auch in der hiesigen Fassung wurde die Entscheidung aus der US-Version übernommen, Bezüge zu japanischer Kultur zu ersetzen und durch eine hanebüchene Parallelwelttheorie zu erklären. So ist der Schauplatz des Abenteuers außerhalb Japans die US-Westküstenmetropole Los Angeles, die im Ace-Attorney-Universum von japanischen Einflüssen geprägt wurde.
So stark, dass im Hinterland offensichtlich ein traditionelles japanisches Dorf samt Tempel errichtet wurde. Man könnte meinen, dass demzufolge die Existenz von Speisen wie Ramen (japanische Nudelsuppe) und Onigiri (Reisbällchen) im Spiel ausreichend erklärt sind, nichtsdestotrotz werden diese in der lokalisierten Fassung als Burger oder auch Donuts bezeichnet.
Aber es ist eben schwieriges Unterfangen, ein Spiel kulturell halb entwurzeln zu wollen, um für ein besseres Verständnis zu sorgen.
Ein Mann, viele Jobs
Quelle: Mobygames
Zwar geht es in Ace Attorney um Verbrechen und auch Mord, aber allzu blutrünstig werden die Straftaten nie dargestellt.
Aber kommen wir noch mal zurück zu Shu Takumi. Der gute Mann ist nämlich ein echtes Multitalent und hat in den ersten drei Ace-Attorney-Spielen überall seine Handschrift hinterlassen. Im ersten Teil der Reihe war er nicht nur Director, sondern auch Autor für die Szenarios und Fälle sowie verantwortlich für das ganze Spielkonzept, er lieh Phoenix auch noch die (japanische) Stimme! Musikalisch begabt ist.
Takumi ebenfalls, für Apollo Justice: Ace Attorney, bei dem er selbst nicht mehr groß mitarbeitete, komponierte er das Stück The Guitar's Serenade. Nach der Arbeit an der Ace-Attorney-Trilogie schuf Takumi das zu Unrecht wenig bekannte, großartige Adventure Ghost Trick für Nintendo DS, danach gestaltete er das Crossover Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney (jetzt kaufen 79,99 € / 26,99 € ) in federführender Rolle mit.
Komplett zur Anwaltsserie zurück fand er dann mit The Great Ace Attorney, bei beiden Teilen des Adventures verfasste er Szenarios und Dialoge, war Producer und Game Director. Dabei nutzte er Ideen, die ihm schon bei der Gestaltung des ersten Teils der Reihe durch den Kopf schwirrten.
Auch mit der Anime-Serie hatte Takumi zu tun, als Script Supervisor trug er Sorge, dass die Autoren die Fälle gut für das Fernsehen umsetzen. Zuletzt kümmerte er sich aber um etwas ganz Anderes, nämlich das (noch) Switch-exklusive Monster Hunter Ride, für das er einige Quests schrieb.
Die Geschichte von Ace Attorney zeigt, dass auch aus einem kleinen, aber mit viel Herzblut gestalteten Spiel mit Nischenthematik ein echter Hit werden kann. Die vielen Fortsetzungen, Spin-Offs, der Kinofilm, das Musical, die Anime-Serie und nicht zuletzt die Verkaufszahlen beweisen das. Was die nächsten 20 Jahre für Ace Attorney wohl bringen werden?
Wir sind jedenfalls gespannt, in welche Richtung die Reihe sich entwickelt, ob es weitergeht mit Phoenix Wright in der Hauptrolle, ein anderer Anwalt dessen Platz einnehmen wird und ob wir weitere Zeitsprünge erleben werden. Unser Urteil: Klasse, dass Capcom Ace Attorney in den Westen brachte - wir hätten es sonst sehr vermisst.
