Planet Zoo: Liebevoll, umfangreich, aber mit technischen Problemen - Test der Tierparksimulation
Test 40,49 €
Frontier Developments hat bereits viel Erfahrung im Aufbausimulationsgenre gesammelt. Nun wollen die Briten mit Planet Zoo zeigen, wie umfangreich und liebevoll eine Tierparksimulation sein kann. Ob das heiß erwartete Spiel uns ganz und gar überzeugt hat, verraten wir euch in unserem Test.
Mit Planet Coaster und Jurassic World: Evolution hat der britische Entwickler Frontier Developments demonstriert, dass man in Cambridge gute Aufbausimulationen kreiert. Ganz ohne Fehl und Tadel waren die beiden beliebten Titel jedoch nicht. Während der Karrieremodus von Planet Coaster auf Dauer langweilte und die Bedienung manchmal etwas fummelig war, fehlte es Jurassic World: Evolution zum Start ein wenig an Umfang, zudem gab es in der Dino-Simulation kaum wirtschaftliche Herausforderungen. Mit Planet Zoo (jetzt kaufen / 40,49 € ) wollen die Briten nun aber alles richtig machen: Der Tierparksimulator soll trotz seines riesigen Umfangs sowie seiner Komplexität für Einsteiger geeignet sein und Genreveteranen auch Geschäftssinn abverlangen. Ob den fleißigen Entwicklern all das gelungen ist und für wen Planet Zoo das richtige Spiel ist, genau das wollen in unserem Test klären.
Auf dieser Seite
Planet Zoo im Test: Unglaublich umfangreich
In einem Punkt haben die Entwickler wahre Arbeit geleistet, denn wenn es um den Umfang und die Spielzeit geht, bietet Planet Zoo unheimlich viel für seine 45 Euro. Uns stehen vier unterschiedliche Modi zur Verfügung, mit denen man gut und gerne für Monate beschäftigt ist. Den Anfang macht die Kampagne, in der wir zu Beginn einige - jedoch nicht alle! - Spielmechaniken lernen und bekommen nebenher auch eine nette Geschichte erzählt, die aber wahrlich nicht spannend ist. Die austauschbare Story werfen wir einer Aufbausimulation natürlich nicht vor, schließlich ist es im Genre eher üblich, dass man anhand einiger Missionen die grundlegenden Spielprinzipien kennenlernt, damit man sich später im Sandkastenmodus so richtig austoben kann. Doch leider krankt die Kampagne genau an dieser Stelle. Uns wird zwar zum Beispiel beigebracht, wie man die Gehege für unterschiedliche Tierarten optimiert, dem Personal Arbeitsbereiche zuweist oder wie man Forschung betreibt. Aber wie wir nun einen Zoo ab dem ersten Baustein erstellen, wird in der Kampagne nur unzureichend erklärt. Da man die Benutzeroberfläche von Planet Zoo locker als überladen bezeichnen kann, brauchten wir zum Beispiel eine Weile, bis wir wussten, wie man Straßen oder Mauern mit einer Steigung baut oder welche Einrichtungen zwingend notwendig sind, damit im Zoo alles rund läuft. Das ist ein wenig schade, denn man merkt schon, dass die Entwickler uns möglichst viele Hilfen zum Start mitgeben wollten, sich aber offensichtlich in Details verrannt haben.
Quelle: PC Games
Die Kampagne bietet auch einige ungewöhnliche Missionen. Hier müssen wir einen Zoo auf einem ehemaligen Tagebaugelände errichten. (PC)
Ob man überhaupt alle Gameplay-Mechaniken innerhalb von zwölf Kampagnenmissionen lernen und dabei auch noch ein wenig Spaß am Spiel haben könnte, wagen wir zu bezweifeln - dafür ist Planet Zoo einfach viel zu komplex. Jedoch wäre es unserer Meinung nach geschickter gewesen, wenn die Entwickler sich in den Kampagnenmissionen mehr auf die grundlegenden Features konzentriert hätten statt uns Dinge beizubringen, die wir erst im späten Spielverlauf zwingend benötigen.
Zudem hat es uns in der Kampagne gestört, dass wir es fast immer mit vorgefertigten Zoos zu tun hatten, die zwar sehr schön aussahen, aber auch kaum noch über freie Flächen verfügten. Wenn der Bauplatz sehr überschaubar ist und man deshalb minutenlang nach einer Lücke für einen Transformator oder ein Wasseraufbereiter sucht, kann das mitunter echt nerven! Alles in allem ist die Kampagne von Planet Zoo aber unterhaltsam und man kann anhand der von den Entwicklern gebauten Zoos zumindest sehen, was sich in der Theorie so alles mit dem Tierparksimulator erstellen lässt.
Planet Zoo im Test: Technische Probleme
Quelle: PC Games
Jede Klimazone hat ganz eigene Herausforderungen. In Europa bekommen wir es mit Schneestürmen zu tun.
Erst nach der Kampagne empfiehlt es sich, mit den drei anderen Modi von Planet Zoo loszulegen. Für diese drei Modi können wir wie in Planet Coaster Mods und andere Community-Inhalte aus dem Steam-Workshop herunterladen und so das Spiel kostenlos noch umfangreicher machen. Zum Testzeitpunkt hatten wir aber recht große technische Probleme mit dem eigentlichen Herzstück des Spiels, dem Franchise-Modus. In diesem Modus können wir wie in einer üblichen Sandbox einen Zoo auf einer riesigen Fläche ganz nach unserem Geschmack bauen, egal ob in Afrika, Indien, Europa oder anderen Kontinenten mit ganz eigenen Herausforderungen. Das Besondere der Franchise-Variante liegt in der Online-Anbindung: Wir können von uns gezüchtete Tiere mit anderen Spielern austauschen und auch ihre Zoos besuchen. Allerdings hatten wir stets lange Ladeverzögerungen, sobald Planet Zoo Daten mit dem Server austauschen wollte, zudem ist die Verbindung zum Server des Öfteren abgebrochen. An manchen Tagen hatten wir gar keinen Zugriff auf den Franchise-Modus und konnten deshalb auch nicht an unserem Zoo weiterarbeiten. Das ist natürlich ärgerlich, aber wir sind uns sicher, dass Frontier Development bereits an einer Problemlösung arbeitet und der Online-Modus mit der Zeit vernünftig spielbar sein wird.
Wir haben uns wegen der technischen Probleme im Herausforderungs-Modus ausgetobt. Hier sind wir zwar auch auf einige Bugs gestoßen, die aber nicht gravierend waren. Der Modus an sich ist dem Franchise-Modus recht ähnlich, jedoch komplett offline. Das heißt, dass wir im Gegensatz zur Sandbox-Variante uns auch um die Finanzen kümmern müssen und es gelegentlich zu Krankheitsausbrüchen und anderen Herausforderungen kommen kann. Damit wir hier Erfolg haben, müssen wir zum einen dafür sorgen, dass unsere Tiere sich in unserem Zoo wohlfühlen, aber ebenso unsere Gäste und Mitarbeiter.
Planet Zoo im Test: Attenboroughs Erben
Man merkt aber, dass Frontier Developments sich bei der Entwicklung um eine möglichst akkurate Simulation der insgesamt 77 Vierbeiner, Insekten und Primaten gekümmert hat - die übrigens grafisch unglaublich schön und putzig umgesetzt sind. Die Gäste und die Mitarbeiter sind im Vergleich zu den Tieren deutlich einfacher zufriedenzustellen und auch das Finanzielle läuft unserer Erfahrung nach eher nebenher. Bis auf die Anfangsphase mussten wir uns zumindest nie großartig mit den Gehältern des Personals, den Preisen für Tickets oder Snacks beschäftigen und trotzdem war unser Konto stets gut gefüllt.
Quelle: PC Games
Wir können zwar die Gehälter unserer Mitarbeiter einstellen, aber wirklich nötig ist das nicht. (PC) (1)
Die Erstellung der Tiergehege ist hingegen kein Selbstläufer. Wir müssen nicht nur darauf achten, dass die Tiere genügend Platz haben, sondern ebenso etwa ihr Sozialverhalten berücksichtigen und für passende Pflanzen und Spielzeuge sorgen - auch wenn man sich für ein recht schlichtes Gehege entscheidet, ist man mit dem Optimieren jeweils gut und gerne mehr als zehn Minuten beschäftigt! Das liegt aber auch zum Teil daran, dass die Bedienung nicht ganz optimal ist und die Benutzeroberfläche - wie bereits erwähnt - recht überladen ist. So stehen uns zum Beispiel mehrere hundert Pflanzenarten zur Auswahl, die je nach Tierart besser oder schlechter in das Gehege passen. Pandas lieben zum Beispiel asiatische Gewächse, Grizzlybären hingegen Bäume aus Nordamerika. Zudem schalten wir durch Forschung noch weitere Spielzeuge für die Tiere frei, die für das Wohlbefinden immens wichtig sind. Deshalb müssen wir auch nach dem Erstellen die Gehege immer wieder bearbeiten, was bei größeren Zoos mit mehreren Tierarten in richtig viel Arbeit ausartet. Die Mühe zahlt sich aber aus, denn nicht nur die Tiere freuen sich über optimale Bedingungen, sondern ebenso unsere Gäste. Falls es unseren Bären, Löwen und Affen so richtig gut geht, ist auch der Besucherandrang hoch.
Planet Zoo im Test: Moneten satt
Quelle: PC Games
Für alle Tiere müssen wir passende Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Primaten etwa freuen sich über Kletterparcours. (PC)
Die Tiere selbst können wir per Mausklick kaufen. Es gibt jedoch zwei Währungsarten, die wir für die Anschaffungen benötigen. Die normalen Credits bekommen wir von unseren Gästen, die zum einen für den Zoobesuch zahlen und zudem Geld in Spendenboxen schmeißen. Da Planet Zoo - wie auch die anderen Frontier-Developments-Titel - uns wirtschaftlich nicht herausfordert, hat man nach wenigen Stunden zur Genüge Credits angesammelt, sodass man kaum noch auf sie achten muss. Viel schwerer ist es hingegen, Arterhaltungspunkte zu sammeln, die wir für exotische Tiere wie Geparden, Elefanten oder Flusspferde benötigen. Wir bekommen die Punkte, indem wir Tiere in der Wildnis freilassen. Das wiederum funktioniert auf Dauer nur dann, wenn unsere Vierbeiner auch Nachwuchs bekommen. Hierfür müssen wir zum einen gesunde und zum anderen glückliche Tiere in einem Gehege halten. Wenn der Nachwuchs dann groß geworden ist, können wir entweder die Eltern oder sie selbst in die Freiheit setzen. Wie viele Arterhaltungspunkte wir durch das Auswildern bekommen, hängt von der Größe, Lebenserwartung, Fruchtbarkeit und Immunität der Tiere ab. Abgesehen von der Größe können wir durch Forschung und optimale Gehege an diesen Faktoren arbeiten - was nach dem Erstellen eines Zoos auch die meiste Zeit einnimmt. Das finden wir gut, denn schlussendlich legt Planet Zoo damit das Hauptaugenmerk auf das Wohlbefinden der Tiere und deren Auswilderung und nicht so sehr darauf, dass wir möglichst viel Geld durch nicht artgerechte Haltung verdienen.
Planet Zoo im Test: Für Schönbauer
Quelle: PC Games
Wir können unsere Parks auch mit Safari-Fahrten und gar Gondeln ausstatten.
Insgesamt ist Planet Zoo ebenso wie Planet Coaster viel mehr eine Aufbau- als eine Wirtschaftssimulation. Wer etwa einen Tierpark mit indischer oder asiatischer Thematik erstellen möchte, dem stehen Hunderte Ausstattungsgegenstände zur Verfügung, mit denen sich wunderschöne Zoos errichten lassen. Ebenso kann man Gondelfahrten anbieten oder gar Safari-Bahnen erstellen, die recht kompliziert zu bauen sind und recht wenig Geld einbringen, dafür aber prächtig aussehen. In finanzielle Nöte gerät man auch dann nicht, wenn man sich kaum mit den Personalkosten oder den Eintrittspreisen beschäftigt. Die wahre Herausforderung, die das Spiel bietet, liegt bei den Tieren. Für eine artgerechte Haltung unserer Zoobewohner zu sorgen, kostet viel Zeit, aber es zahlt sich schon wegen der glücklich aussehenden und zugleich unheimlich putzigen Tiere aus. Wer also ein Interesse für Zoos mitbringt und in anderen Aufbausimulationen vor allem auf das Aussehen der eigenen Kreationen Wert legt, liegt mit Planet Zoo goldrichtig. Aufgrund der Komplexität müssen wir aber - trotz der Thematik - jüngeren Spielern von Frontier Developments' Spiel abraten und auch älteren Semestern, die auf der Suche nach einer herausfordernden Wirtschaftssimulation sind. Zudem sollte man eventuell noch etwas mit dem Kauf von Planet Zoo warten, da das Spiel im Franchise-Modus noch technische Probleme hat und wir auch so auf einige kleinere, aber unnötige Bugs gestoßen sind.
