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Plants vs. Zombies: Garden Warfare im Test: Das bessere Titanfall

Im März bringt Electronic Arts gleich zwei Xbox-exklusive Online-Shooter auf den Markt: Titanfall und Plants vs. Zombies: Garden Warfare. Der eine Titel wird als Heilsbringer gefeiert, der andere fristet ein Leben in der "Cashcow"-Sphäre. Völlig falsch! Garden Warfare ist ein fantastischer Shooter, der Alltime-Favorites wie Team Fortress 2 Konkurrenz machen könnte - wären da nicht ein paar winzige Patzer. Welche das sind, erfahrt ihr in unserem Test!
Sandro Odak
Plants vs. Zombies: Garden Warfare im Test: Wieso auf Titanfall warten, wenn einer der besten Xbox-One-Shooter schon da ist? Quelle: Popcap

Wenn ich mit Freunden über die Xbox One rede, sind viele immer noch der Meinung, dass die Konsole zu wenig bietet. Aber bald ändert sich das ja: "Bis Halo kommt, wird Titanfall im Laufwerk bleiben." Selten lagen meine Freunde so falsch. Titanfall ist mit Sicherheit kein schlechtes Spiel – aber eben auch nicht der erhoffte Heilsbringer, kein spielgewordenes Jesuswunder. Die meisten haben den geilsten Xbox-Exklusivtitel gar nicht auf dem Radar: Plants vs. Zombies: Garden Warfare!

Als ich im Juni 2013 in Los Angeles saß, musste ich mit Sicherheit erst mal schlucken. Was PopCap auf der Pressekonferenz enthüllte, klang für mich nach einer ganz, ganz schlimmen Cashcow-Sache. Es hat ja auch ins Bild gepasst: EA ist böse und will nur unser Geld. Aber schon als ich Garden Warfare das erste Mal spielen konnte, war ich entzückt. Der kunterbunte Spaß bringt einen immer wieder zum Lachen und funktioniert trotzdem als Shooter ganz hervorragend. Nun ist Garden Warfare still und leise erschienen, sahnt Traumwertungen ab – und noch immer krächzen die Leute nach Titanfall! Mensch, euch fehlen wohl die BRAINZ!

Ulkige Spielfiguren, viele Anpassungsmöglichkeiten

Der Kaktus ist die Sniperklasse der Pflanzen. Quelle: PC Games Der Kaktus ist die Sniperklasse der Pflanzen. Als Fan der Plants vs. Zombies Reihe habe ich mich vor allem auf die vielen ulkigen Figuren des Universums gefreut. Da hüpfen Sonnenblumen, Erbsenranken und Kakteen durch die Gegend und duellieren sich mit dem All-Stars-Footballzombie, einem untoten Bauarbeiter und Co. Endlich mal ein Shooter, der sich nicht so ernst nimmt. Ich bin ja auch ein Fan von den Battlefields und Far Crys dieser Welt, der stete Militarismus in diesen Spielen geht mir aber latent auf die Nerven. Ich mag das Spielprinzip Shooter, es ist ja nicht mehr als ein virtuelles Fangenspiel, aber auf pathetische Heldenbekundungen und diesen ganzen Armee-Mist habe ich eigentlich keine Lust. In all diesem Blut-Schweiß-und-Tränen-Irrsinn tut ein Ballerspiel mal ganz gut, in dem man einen Delfin in der Hand hält und damit kleine Fische verschießt. Oder mit dem Eishockey-Maschinengewehr Pucks, als Kaktus Sniper-Dornen und als Sonnenblume einen Sonnenstrahl.

Plants vs. Zombies: Garden Warfare lässt uns wieder ein bisschen Kind sein, überzeichnet all seine gewalthaltigen Elemente mit Comic-Humor und ist deshalb ganz bewusst ein "Spiel", und nicht die Abbildung eines realen Kriegs.

Im Charakter-Editor kann man seine Spielfiguren individualisieren. Quelle: PC Games Im Charakter-Editor kann man seine Spielfiguren individualisieren. Beide Seiten haben jeweils vier Spielerklassen, jede hat einen normalen Angriff sowie drei Extra-Skills. Sie muss man leider erst separat freischalten. Wer sich von Anfang an zu sehr auf einen Charakter spezialisiert, muss damit leben dass er die anderen später ganz von vorne hochleveln muss. Der allgemeine Spielerlevel hat keine großen Auswirkungen auf Klassen-Freischaltungen. Die Spezialfähigkeit des Bauarbeiter-Zombies ist beispielsweise sein Presslufthammer. Mit ihm kann er schnell über die Karte hüpfen und verlangsamt Feinde in seiner Nähe. Sonnenblume und Erbsenkanone können sich hingegen im Boden verbuddeln und Spezialattacken auslösen, etwa das Erbsen-MG. Die hat eine super Schussfrequenz, man büßt jedoch Beweglichkeit ein. So verhält es sich mit allen Fähigkeiten und Klassen: Plants vs. Zombies basiert auf einem ziemlich ausgeglichenen Stein-Schere-Papier-Prinzip. Für jede Attacke gibt es ein Gegenstück. Gegen das Schnellfeuergewehr des Sportszombies kann zum Beispiel auf nahe Distanzen niemand anstinken, doch gegen den Kaktus-Sniper in der Ferne ist auch er nicht gewappnet. All die vielen Fantasiewaffen bleiben trotz ihrer teils coolen Aufmachung perfekt ausbalanciert. Weder die Klassen, noch die Fraktionen sind an irgendeiner Stelle ungleich, wenn man also verliert, dann liegt es auf jeden Fall an den elf Trotteln im Team. Oder dem Controller.

Die Updates sind aber nicht nur optischer Natur, sie haben auch spielerische Auswirkungen. Dabei bedient sich Popcap im reichhaltigen PvZ-Universum. Den Kaktus, die Sniper-Klasse der Pflanzen, kann man etwa mit Eisarmen ausrüsten. Er sieht dann noch ulkiger aus und wenn er einen Gegner trifft, verlangsamt ihn das Eis. Ähnliche Effekte haben auch die anderen austauschbaren Waffen. Ein Gegner wird dadurch ein bisschen unberechenbarer – denn jeder kann seine Figur ausrüsten wie er mag. Optisches Bling Bling gibt es natürlich obendrein. Bärte, Helme, Tattoos und Co. lassen einen individuell aussehen. So kann der eine Fußsoldat mit normalem Stahlhelm rumlaufen, der nächste mit Astronauten-Glocke. Süß!

Stickerheft – aber kein Micropayment

Items und Freischaltungen bekommt man in einem Sammelkartenspiel - gegen Ingame-Geld, nicht bare Münze! Quelle: PC Games Items und Freischaltungen bekommt man in einem Sammelkartenspiel - gegen Ingame-Geld, nicht bare Münze! Mit Freischaltungen, Levelaufstiegen und Sammelkarten schafft es Garden Warfare auch für längere Zeit für Spielspaß zu sorgen. Denn nicht alle neuen Items lassen sich spielerisch freischalten, viele, gerade optische Veränderungen, erhält man durch Sammelkarten. Wie bei Magic-Karten kauft man im Shop ein Deck mit zufallsgeneriertem Inhalt. Manche Kostüme müssen erst in mehreren Schritten freigeschaltet werden, viele Gesten und Add-Ons gibt es aber auch ohne Hürde. Die Decks bekommt man für Spielgeld, das es als Belohnung für Online-matches gibt. Klingt nach einem dämlichen System, ist aber ziemlich suchterregend. Ähnlich wie reale Sammelkarten will man immer mehr, kann sie sogar in einem Stickerheft einkleben und dann anschauen.

Überraschend: Micropayments gibt es bislang nicht. Obwohl das System geradezu dazu einlädt, Spielgeld für bare Münze zu verkaufen, verzichtet Popcap darauf bis jetzt. Alle Inhalte müssen freigespielt werden. Das finden wir löblich!

Auch im Spiel fordert Garden Warfare einen immer wieder heraus. Jeder Charakter hat Aufgaben und Missionen, mit denen er Sterne sammelt und schlussendlich im Charakter-Level aufsteigt. Die Missionen bringen einem auch fließend die exklusiven Fähigkeiten der Spielfigur bei. Denn wer fünfmal den Raketenrucksack des Fußsoldaten-Zombies benutzt, lernt auf ganz anschauliche Weise wie er damit umgeht. Zusätzlich dazu gibt es kleine Filmchen, die auf gewohnt ironische Weise alle Waffen und Skills vorstellen.

Zu wenige Spielmodi

Der Koop-Modus Gartenkommando ist eine Abwandlung von 'Horde'. Quelle: PC Games Der Koop-Modus Gartenkommando ist eine Abwandlung von "Horde". Potential für Zusatzkäufe gibt es aber noch genug. Denn mit nur drei Spielmodi und fünf Karten ist der Umfang von Plants vs. Zombies: Garden Warfare eher dürftig. Klar, ein Online-Shooter braucht nicht viel, aber ein Deathmatch, eine Variation von Battlefields Rush und Horde ist ganz schön wenig. Den Hordemodus (Gartenkommando) und Rush (Garten und Friedhöfe) hat Popcap zwar nett im PvZ-Stil aufgepeppelt und lässt einen darin auch Verbrauchsgegenstände nutzen. Man kann zum Beispiel Zusatztruppen in Töpfe einpflanzen, um Basen zu verteidigen. Aber sie alle drehen sich um schnelle Action. Mehr als ein Quäntchen Taktik braucht man in keinem der Matches, das nagt am perfekt ausbalancierten Stein-Schere-Papier-Prinzip.

Ärgerlich ist auch, dass man keine Spielparameter festlegen kann. Ein Deathmatch geht immer bis 50 - welches Team zuerst 50 Kills gesammelt hat, gewinnt. Höhere Spielziele oder längere Zeiten gibt es dadurch nicht. Ein Match dauert daher meist nicht mehr als ein paar Minuten. Und auch mit guten Statistiken tut sich der Shooter schwer. Im Spiel kann man sich lediglich seine Abschüsse und Punkte ansehen, in der Spielzusammenfassung noch die Verluste. Richtig aufschlussreich sind die Statistiken nicht. Hier fehlt es zum Teil an Mechaniken, die in den "erwachsenen" Shootern schon lange etabliert sind. Garden Warfare fühlt sich dadurch manchmal nicht so sehr nach Wettbewerb an – dabei täte das einem Online-Shooter ganz gut. Einen Server-Browser sucht man in Garden Warfare leider auch vergebens. Mehr als das automatische Matchmaking bietet das Spiel nicht an – und erschwert damit aktiv das Zusammenspielen mit Freunden. Diese Patzer kosten den Online-Shooter auch eine gehörige Punkteabwertung. Zu einem Dauerbrenner wie Team Fortress 2 kann sich Garden Warfare ohne diese Features nicht durchmausern!

Technik: Spaß steht im Vordergrund

Im Xbox-One-exklusiven Boss-Modus übernimmt ein Spieler die Rolle eines Commanders. Quelle: PC Games Im Xbox-One-exklusiven Boss-Modus übernimmt ein Spieler die Rolle eines Commanders. Plants vs. Zombies: Garden Warfare erscheint vorerst Xbox-exklusiv. Vergangene Woche kamen zwei Versionen für Xbox 360 und Xbox One heraus. Der große Next-Gen-Bruder hat dabei zwei exklusive Features. Zum einen gibt es einen Splitscreen-Modus, der jedoch nur lokal an einer Konsole funktioniert, zum anderen einen Boss-Modus im Spiel. Der Boss übernimmt die Funktion des Commanders aus Battlefield. Er fliegt mit einem Flugzeug umher (beispielsweise in Deppie Daves fliegendem Wohnwagen), sammelt Punkte und kann diese in Luftschläge oder Hilfsgüter investieren. Ein schlauer Commander setzt im Rush-Modus "Gärten & Friedhöfe" zum Beispiel Heilstationen an den Flaggenpunkten ab. Der Modus lässt sich mit Kinect steuern – ist aber mit dem Gamepad präziser. Dankenswerterweise fragt das Spiel bei jedem Neueinstieg als "Boss" nach, welche Steuerung man bevorzugt. Weitere Versionen von Garden Warfare sind denkbar und sogar in Planung. Für den PC soll der Shooter vermutlich schon bald folgen, andere Plattformen schloss ein Entwickler während der E3 zumindest nicht kategorisch aus. Er meinte: "Popcap funktioniert immer nach demselben Prinzip: Wir starten ein Spiel auf einer begrenzten Anzahl von Plattformen und testen wie das Spiel ankommt. Wenn es erfolgreich ist, weiten wir es auf alles andere aus!" Peggle 2 und Plants vs. Zombies sind bestimmt keine Ausnahmen.

Die fleischfressende Pflanze kann sich verbuddeln und Feinde aus dem Hinterhalt auffressen - ein One-Hit-Kill! Quelle: PC Games Die fleischfressende Pflanze kann sich verbuddeln und Feinde aus dem Hinterhalt auffressen - ein One-Hit-Kill! Technisch macht Garden Warfare keine Mucken. Der Comiclook ist wenig ressourcenfressend, das Bild auf der Xbox One entsprechend knackscharf. Besonders gelungen sind die bereits erwähnten Spielfiguren. Die Schlachtfelder orientieren sich an typischen PvZ-Settings. In Gärten & Friedhöfen wollen die Zombies zum Beispiel Deppie Daves Villa erstürmen, herrlich skurril! Aber auch Zomboss' Anwesen hat es als Karte ins Spiel gebracht. Auf der Xbox 360 sieht Garden Warfare ein wenig niedriger aufgelöst aus, ein paar optische Spielereien und Effekte fehlen. Dank der Comicgrafik geht jedoch nicht viel von dem Charme verloren. Leider bleibt man dank ungünstiger Kameraperspektiven manchmal an kleinsten Gegenständen wie Hecken oder Gerüsten hängen. Der Tribut für einen Third-Person-Shooter, der sich steuert wie ein First-Person-Shooter.

Beim Netzcode macht der Shooter glücklicherweise keine Probleme. Für einen Third-Person-Shooter ohne Deckungssystem ist Garden Warfare sogar recht fix. Zu einer solchen Ruckelei wie beim Start von Battlefield kam es zu keiner Zeit. Immerhin basiert Garden Warfare auf der Frostbite 3 Engine.

Leider steht dieses Video für Smartphones nicht zur Verfügung.
Meinung
  • Avatar Sandro Odak Autor Xbox One Besitzer, höret meine Worte: Garden Warfare ist das bessere Titanfall! Ich verstehe nicht genau, warum Electronic Arts im Zeitraum von nur wenigen Wochen zwei Xbox-exklusive Online-Shooter veröffentlicht. Jetzt ist es Plants vs. Zombies: Garden Warfare, in ein paar Tagen Titanfall. Der eine Titel geht total unter, weil es kaum Marketing gibt, der andere Titel wird als großer Xbox-One-Heilsbringer beweihräuchert. Dabei ist der kleine Comic-Shooter mein heimlicher Favorit, wenn es um den One-Shooter-Thron geht. Schnelle Action, coole Shooter-Mechaniken, funktionierender Netzcode. So hätte ich mir Battlefield 4 gewünscht. Und dann dieser Humor! Delfingewhre, Hockeypuck-MGs und zombiefressende Flanzen – haha! Die Individualisierungen machen richtig Spaß, das Stickerheft fast schon süchtig. Hoffentlich bleibt Popcap auch weiterhin Micropayment-abstinent. Punktabzug muss Garden Warfare jedoch für seine Online-Patzer hinnehmen. Ein Serversystem gibt es nicht, die drei starren, nicht anpassbaren Spielmodi sind zu wenig. Zum Wettbewerb mit Freunden lädt das nicht ein, Garden Warfare will einen lieber per automatischer Spielsuche irgendwo reinwerfen. Fast so, als solle der semiprofessionelle Online-Bereich für Mitte März warmgehalten werden. Schade.

Plants vs. Zombies: Garden Warfare (XBO)

Wertung:

8.0/10

Plants vs. Zombies: Garden Warfare (X360)

Wertung:

8.0/10
Pro & Contra
kunterbunter Spielespaß mit den coolsten Charakteren des PvZ-UniversumsIndividualisierungen ohne EndeMeta-Gameplay mit vielen Missionen und Aufgaben für jede einzelne SpielerklasseSticker-Feature wie bei einem Sammelkartenspielflotte Ballerei mit gutem Netzcodespaßiger Hordemodus und Rush-Derivat „Gärten & Friedhöfe“tolle Grafiklustige Sounds, vor allem Waffeneffekte und Spezialangriffekeine Micropayments (DANKE!)
drei Spielmodi und fünf Maps sind wenigfür Offline-Spieler gibt es lediglich den Hordemodus, der allein aber keinen Spaß machtes fehlen typische Competative-Features wie ein Serverbrowsergelegentlich bleiben die Spielfiguren hängenunübersichtliches StatistiksystemMatches erlauben keine Anpassung, man spielt immer nur bis 50kein Splitscreen auf der Xbox 360

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