Mittlerweile gibt es die beliebten Pokémon bereits seit 20 Jahren. Während damals noch alles ganz überschaubar mit einem Gameboy-Spiel in zwei verschiedenen Varianten (rot und blau) begonnen hat, fällt es mittlerweile schwer, noch den Überblick zu behalten, da sich die Taschenmonster auf sämtlichen Nintendosystemen breitgemacht haben. Und das nicht nur in ihrem ursprünglichen Genre. Es gibt zahlreiche Spin-Offs und kaum noch einen Bereich, in den die zahlreichen Taschenmonster noch nicht ihre Nase hinein gestreckt hätten. Mit Pokémon Tekken wird das nun auf ein neues Level gehoben, da hier zwei Genre-Giganten aufeinandertreffen. Tekken, als einer der ganz Großen im Prügelspielbereich und Pokémon, das in seinem Genre der rundenbasierten Kämpfe ebenfalls ganz oben mitspielt. Bei einer Fusion, zwei solcher Urgesteine, kann ja eigentlich nur ein Hit herauskommen, oder?
Schnapp dir... eins!
Von den ursprünglichen Pokémon-Spielen ist man gewöhnt, dass man sich möglichst alle Taschenmonster schnappen muss, diese trainiert, sich entwickeln lässt und so mit der Zeit eine heitere Kämpferriege beisammen hat. In Pokémon Tekken läuft das ein wenig anders. Während man zwar ebenfalls als junger, aufstrebender Nachwuchstrainer in die Welt zieht, muss man sich zu Beginn für lediglich eines von 14 Pokémons entscheiden. Mit diesem zieht man dann in die Solokampagne. Man bestreitet Liga-Matches mit anderen Trainern, gelangt nach den ersten Erfolgen in das Liga-Turnier und am Ende tritt man in einer Rangprüfung gegen den Liga-Chef an. Hat man auch diesen platt gemacht, steigt man im Rang auf und die nächste Liga, die nach dem gleichen Muster abläuft, wartet bereits.
Quelle: Nintendo
Pokémon Tekken (14)
Dass man nur ein einziges Pokémon an seiner Seite hat, ist aber nicht der einzige Unterschied. Man steuert dieses nämlich nicht mehr rundenbasiert, über die Eingabe von Befehlen, welche schließlich ausgeführt werden sollen, sondern kontrolliert das Pokémon selbst. Die Attacken werden also per Knopfdruck ausgelöst und laufen in Echtzeit. Nach jedem erfolgreichen Kampf gibt es Erfahrungspunkte, die man bei einem Levelanstieg auf die Bereiche Angriff, Verteidigung, Resonanz und Strategie verteilen darf, doch dazu später mehr. Neue Attacken können aber nicht erlernt werden und es gibt auch keine Möglichkeit, die Pokémon in ihrer Entwicklungsstufe weiterzubringen. Pikachu bleibt also immer Pikachu und kann nicht zu Raichu verwandelt werden.
Der Einzelspieler bietet also nur mäßige Mittel zur Entfaltung. Das gilt auch für die Geschichte. Warum setzt man hier nur auf ein einziges Pokémon und darf nicht mit mehreren gleichzeitig losziehen? Warum hat man eine Story entwickelt, die sich abseits der Liga-Kämpfe lediglich um ein seltsames Mewtu dreht, das immer wieder mal auftaucht, alles auf den Kopf stellt und wieder verschwindet? Warum hat man hier nicht ein bisschen mehr Kreativität bewiesen und eine echte Geschichte eingebaut oder zumindest jedem Pokémon eine individuelle Endsequenz spendiert, wie wir es von Tekken kennen? Es wäre so vieles möglich gewesen... Schade!
Wo sind all die Pokémons?
Quelle: Nintendo
Pokémon Tekken (13)
Ein Spiel, das sowohl Pokémon im Namen trägt, als auch Tekken, suggeriert doch ganz klar, dass von diesen beiden Genre-Giganten auch zentrale Elemente enthalten sind. Doch leider ist das nur bedingt der Fall. Es gibt mittlerweile über 700 der knuffigen Taschenmonster, doch man hat gerademal eine Auswahl aus 16! Wer ein Riesenfan von Shiggy ist, Turtok über alles liebt oder Endivie, der wird schwer enttäuscht sein, wenn er seinen Liebling nicht in der spärlichen Auswahl findet. Es tauchen zwar schon noch mehr Pokémon auf (z.B. als Helfer oder in der Hintergrundkulisse), aber man kann diese weder selbst steuern, noch darf man dem Sammelfieber nachgehen oder sich in irgendeiner Form um sie kümmern. Ein essentieller Aspekt, der Pokémon eigentlich zu dem macht, was es ist, bezieht sich aber nun mal genau darauf. Wenn man nichts sammeln kann, nur eingeschränkte Möglichkeiten hat, seine Kämpfer weiterzuentwickeln und nicht mit anderen tauschen kann, dann wird Pokémon ein Großteil seines Reizes und viel von dem, was es eigentlich ausmacht, bereits genommen... Und 16 aus 700 ist nun wirklich kein sonderlich guter Schnitt, besonders, weil Pikachu und Mewtu zweimal vorkommen (Pikachu als Wrestler und Mewtu in seiner düsteren Version). Effektiv sind es somit eigentlich sogar nur 14. Aber nun gut... Auch mit 16/14 Kämpfern könnte man ein tolles Spiel auf die Beine stellen.
Dafür vielleicht mehr von Tekken?
Immerhin ist das Tekken im Namen ja ein Garant für ein aufwändiges Kampfsystem, tolle Komboangriffe und ein ausgewogenes Gameplay. Das sollte man zumindest meinen, doch leider ist auch das nicht so wirklich der Fall. Wenn man es nicht wüsste, dass das Spiel mit Tekken zu tun hat, dann würde man es durchs Anspielen auch nicht herausfinden. Das Kampfsystem orientiert sich so gar nicht an der namensgebenden Vorlage, sondern wurde komplett neu erschaffen. Dabei spielen zwei Phasen eine wichtige Rolle. Zum einen die Feldphase, in der jeder Kampf startet und zum anderen die Duellphase. In der Feldphase hat man totale Bewegungsfreiheit und kann nach links und rechts zur Seite ausweichen. Sobald die Duellphase beginnt (zum Beispiel indem einer der beiden Kämpfer einen harten Treffer gelandet hat), wird quasi nur noch in "2D" gekämpft. Man steht sich gegenüber und kann den Raum als solchen nicht mehr nutzen. Es ist nur möglich auf den anderen zuzugehen, nach hinten zu laufen und zu springen. Auch die Attacken verändern sich dadurch. Jetzt liegt der Fokus mehr im Nahkampf und Distanzangriffe machen weniger Sinn.
Quelle: Nintendo
Pokémon Tekken (12)
Dieses Konzept (wenngleich es absolut nichts mit Tekken zu tun hat) ist prinzipiell gut durchdacht und funktioniert. Auch die Steuerung ist einwandfrei und man findet schnell ins Spiel. Hier liegt nicht das Problem, sondern vielmehr darin, dass die Möglichkeiten der 14/16 Pokémon sehr beschränkt sind und weit hinter dem Repertoire der Genre-Kollegen liegen. Lange und ausgeklügelte Komboangriffe sucht man vergebens. Komplizierte Tastenkombinationen muss man sich nicht einprägen, weil es keine gibt.
Innerhalb des Kampfsystem läuft zwar alles rund und es gibt nicht viel auszusetzen, aber es ist eben ein sehr vereinfachtes Kampfsystem, das wenige Finessen hat. Als Einsteiger in die Welt der Prügelspiele ist das genau richtig, aber als Tekken-Fan wird einem das bei Weitem nicht reichen.
Helfer-Pokémons und Resonanzanzeige
Quelle: Nintendo
Pokémon Tekken (10)
Pokémon-Fans dürfen sich aber immerhin über das Helfersystem freuen. Vor jedem Kampf muss man sich ein festgelegtes Zweierteam aussuchen (insgesamt gibt es 15 dieser Teams), das einen unterstützt. In diesem Team muss man dann nochmals vor jeder Runde auswählen, ob man das eine oder das andere Pokémon zu gegebener Zeit als Helfer einsetzen will. Dabei gibt es ganz gewöhnliche Angreifer, wie etwa Amphizel, der euch unterstützt, indem er eurem Gegner eine Aquawelle vor den Latz knallt. Es gibt außerdem Verstärker, wie etwa Psiana, welche einen kleinen Teil eures erlittenen Schadens oder auch Statusveränderungen heilt und es gibt Saboteure. Dazu zählt beispielsweise Glibunkel, der mit Toxin dafür sorgt, dass die Verteidigung des Gegners für kurze Zeit schwächelt. Eure Helfer sind allerdings immer erst dann einsatzbereit, wenn sich ihre Leiste vollends gefüllt hat. Das geht je nach Pokémon mal schneller und mal langsamer. Zudem kommt es darauf an, wie viele Erfahrungspunkte ihr für den Punkt "Strategie" lockergemacht habt. Ward ihr spendabel, dann geht es schneller, bis die Helfer zum Einsatz kommen.
Habt ihr aber mehr Erfahrungspunkte für "Resonanz" ausgegeben, dann füllt sich eure Resonanzanzeige dafür umso schneller. Ist diese gefüllt, könnt ihr euer Pokémon kurzzeitig in seine Ultra-Version verwandeln und einen gigantischen Angriff starten. Dieser zieht sehr viel Energie ab (falls er trifft) und ist bombastisch inszeniert! Während euer Pokémon sich im Ultra-Zustand befindet, ist es außerdem stärker und kann mehr einstecken. Doch lange dauert dieser Zustand nicht.
Technisch auch nur halbgar?
Quelle: Nintendo
Pokémon Tekken (9)
Während die eben erwähnten Ultra-Moves enorm gelungen in Szene gesetzt sind und ein wahres Effektfeuerwerk abbrennen, ist das restliche Spiel rein optisch eher durchschnittlich ausgefallen. Die Qualität der Texturen reißt heute niemanden mehr vom Hocker und auch die Arenen, die zwar sehr schön anzusehen sind, wirken wenig dynamisch und kaum belebt. Es gibt zwar spannende Schauplätze wie den Vulkan Phos, Telluria, Neos City oder das Ferrum-Stadion, aber nirgendwo ist wirklich was los. Im Hintergrund stehen Pokémon und bewegen sich minimal oder man sieht einen kleinen Rummel, aber man kann weder mit dem Hintergrund agieren, noch gibt es hier und da mal einen Eyecatcher oder ein Highlight. Das ist ein bisschen langweilig und passt somit wunderbar zur Soundkulisse. Die lahmen Melodien bleiben nicht im Ohr und wirken belanglos. Auch die Sprachausgabe (nur Englisch) nervt eher, da eure Mentorin eine echte Quasselstrippe ist, wenngleich man sie in den Einstellungen ein bisschen zügeln kann. Man darf ihr (und seinem eigenen Avatar) außerdem die erspielten Klamotten, Frisuren, Accessoires... "anziehen". Das wertet die mittelmäßige Grafik aber leider auch nicht wirklich auf.
