Pokémon Ultrasonne & Ultramond im Test: Mehr als nur ein lauwarmer Aufguss?

Test Johannes Gehrling
Pokémon Ultrasonne & Ultramond im Test: Mehr als nur ein lauwarmer Aufguss?
Quelle: Nintendo

Die Frage aller Fragen bezüglich der neuen Pokémon-Spiele ist klar: Gibt es genug Neuerungen im Vergleich zu Pokémon Sonne & Mond? Wir haben uns die vermutlich letzten Taschenmonster-Abenteuer für Nintendos in die Jahre gekommene Handheld-Konsole ausführlich angeschaut und auf Herz und Nieren geprüft, um euch diese Frage zu beantworten.

Schon seit Anbeginn der Pokémon-Hauptspiele sind Serien-Fans einen Mechanismus gewohnt: Nach Pokémon Rot & Blau folgte etwas später die leicht erweiterte und veränderte Fassung Pokémon Gelb, bei Pokémon Gold & Silber übernahm Pokémon Kristall diese Rolle, später folgte auf Pokémon Schwarz & Weiss Pokémon Schwarz 2 & Weiss 2 und nun Pokémon Ultrasonne & Ultramond (jetzt kaufen ), nachdem 2016 Spieler mit Pokémon Sonne & Mond erstmals ein Abenteuer in der Alola-Region erlebten. Und der Name ist Programm: Nicht nur bekommt ihr mit Ultraforschungsteam, Ultrabestien, Ultrapforten und so weiter bei jeder Gelegenheit das Wort Ultra um die Ohren gehauen, Pokémon Ultrasonne & Ultramond sind auch, wenn man so möchte, Ultra-Versionen für den Abschied der Pokémon-Hauptspiele von Nintendo Handhelds. Immerhin ist schon ein Serien-Haupttitel für die Switch in Arbeit (die ja primär als Heimkonsole vermarktet wird) und ein weiterer Ableger für 3DS eher unwahrscheinlich. Ein gelungener Abschied?

Pokémon Ultrasonne & Ultramond: Alles beim Alten (?)

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde Nintendo nicht müde, mit zahlreichen Pressemitteilungen und Video-Trailern klarzustellen, dass Pokémon Ultrasonne & Ultramond eigenständige Spiele und nicht nur schnöde Neuauflagen sind. Stellenweise stimmt das auch, grundsätzlich habt ihr es aber erst einmal mit dem gleichen Spiel wie schon vor einem Jahr zu tun. Das heißt: Als Neuankömmling in der von Hawaii inspirierten Alola-Region lernt ihr die Taschenmonster namens Pokémon kennen, freundet euch mit NPCs wie Professor Kukui, Lilly, Tari und anderen Figuren an und macht euch auf dem Weg, der allerbeste Trainer aller Zeiten zu werden - wie also vor einem Jahr in Pokémon Sonne & Mond und rund 20 Jahren in Pokémon Rot & Blau auch schon. Am Ende dieses Weges steht immer noch die Top Vier, zuvor erlebt ihr jede Menge Abenteuer, legt euch mit dem bösartigen, aber kaum ernst zu nehmenden Team Skull an, fangt und trainiert Pokémon und meistert insgesamt acht Prüfungen (die seit Pokémon Sonne & Mond die langjährig üblichen Arenen ersetzen) sowie die Großen Prüfungen der Insel-Könige.

Auf dem Rücken von Solgaleo oder Lunala bereist ihr in ferne Dimensionen durch die Ultrapforten. Dort wartet unter anderem Ultrametropolis auf euch. Quelle: N-ZONE Auf dem Rücken von Solgaleo oder Lunala bereist ihr in ferne Dimensionen durch die Ultrapforten. Dort wartet unter anderem Ultrametropolis auf euch. Dieses Grundgerüst, das eben schon aus dem letzten Jahr bekannt ist, wurde aber stellenweise um kleine Neuerungen erweitert. So trefft ihr im Laufe des Spiels immer wieder auf das mysteriöse Ultraforschungsteam, das aus einer anderen Welt stammt. Ihr Auftrag: Alola und die Pokémon studieren, um das Licht in ihre eigene Welt zurückzubringen, das von Necrozma gestohlen wurde. Dass am Ende ihr selbst diese Aufgabe übernehmt, dürfte für Pokémon-Fans sicher keine Überraschung sein. Um Necrozma zu bekämpfen, reist ihr spät im Story-Verlauf durch eine Ultrapforte, was in Pokémon Sonne & Mond noch nicht möglich war. Mittels Bewegungssteuerung sammelt ihr dabei bestimmte Gegenstände auf, um möglichst weit zu reisen. Dadurch erreicht ihr nicht nur Ultrametropolis, wo sich Necrozma aufhält, sondern auch andere ferne Dimensionen mit besonders starken Vertretern gewöhnlicher Pokémon. Ultrametropolis versprach in den Video-Trailern im Vorfeld des Release allerdings noch mehr, als es im tatsächlichen Spiel letztendlich ist. Es handelt sich nämlich nur um eine kleine Stadt mit einem großen Turm, in der ihr nichts erkunden könnt, die nur zwei NPCs aufweist und wo es keine wilden Pokémon gibt. Im Grunde hat sich an der Story somit nicht allzu viel getan. Weitere kleine Änderungen solltet ihr am besten selbst erleben satt schon im Vornherein davon zu lesen. Auf der Spitze des Turms in der Mitte von Ultrametropolis wartet das einzig Interessante in der fremdartigen Stadt auf euch, ansonten ist sie leider sehr leer. Quelle: N-ZONE Auf der Spitze des Turms in der Mitte von Ultrametropolis wartet das einzig Interessante in der fremdartigen Stadt auf euch, ansonten ist sie leider sehr leer.

Pokémon Ultrasonne & Ultramond: Vom Surfen und Fotografieren

Eine weitere Neuerung ist der Alola-Fotoclub, der den Pokémon-Sucher übrigens nicht ersetzt und auch gar nichts damit zu tun hat. Im Fotoclub dürft ihr Fotos von eurer Spielfigur und beliebigen eurer eigenen Pokémon anfertigen. Dabei wählt ihr die Pose, den Ausdruck sowie den Hintergrund frei aus und verschönert die Bilder mit Rahmen, Stickern und mehr. Anschließend könnt ihr die Bilder nicht nur auf eurer Konsole speichern, sondern auch in der Festival-Plaza ausstellen. Apropos Festival-Plaza, dort gibt es noch eine weitere Neuerung: In der Kampfagentur leiht ihr euch starke Pokémon aus und zieht mit ihnen in den Kampf.

Sammelt ihr fleißig die gold-glitzernden Herrscher-Sticker, bekommt ihr von Eich am Kantai-Strand die mächtigen Herrscher-Pokémon der Prüfungen geschenkt. Quelle: N-ZONE Sammelt ihr fleißig die gold-glitzernden Herrscher-Sticker, bekommt ihr von Eich am Kantai-Strand die mächtigen Herrscher-Pokémon der Prüfungen geschenkt. Ebenfalls komplett neu: Mantax-Surfen. An bestimmten Stellen reist ihr nicht mehr mit einem Boot von einer zur nächsten Insel, sondern auf dem Rücken des namensgebenden Wasser-Pokémon. Dabei führt ihr Tricks aus (und vermeidet tunlichst Fehler), die ihr beim ersten Mantax-Surfen in einem Tutorial erlernt. Als Belohnung für eure Fertigkeiten erhaltet ihr Punkte, die ihr wiederum gegen Items, Attacken und mehr eintauschen könnt. Eine nette kleine Erweiterung, welche die Reise zwischen den Inseln zwar etwas auffrischt, aber kaum mehr als eine Spielerei ist.

Ebenfalls nur eine nette Spielerei sind die Änderungen an ein paar Prüfungen. Bei der fünften Prüfung erwartet euch beispielsweise ein neues Minispiel, die achte Prüfung wurde gar komplett überarbeitet. Gegen die Prüfungs-Versionen aus Pokémon Sonne & Mond spricht aber auch nichts, weshalb man diese ruhig hätte beibehalten können. Viel grundsätzlicher jedoch: Weiterhin müsst ihr euch nicht in Arenen gegen Arenaleiter beweisen, was zuvor zum Pokémon-Standard gehörte. Das ist aber gar nicht schlimm, denn die Prüfungen bieten eine gelungene Abwechslung zu den meist doch sehr ähnlichen Arenen.

Eine richtig coole Neuerung sind dagegen eindeutig die Herrscher-Sticker, die überall über der Spielwelt verteilt darauf warten, von euch gefunden und gesammelt zu werden. Diese schimmernden Gegenstände findet ihr oft in verwinkelten Ecken oder auch komplett zufällig an einem Möbelstück in einem beliebigen Zimmer eines beliebigen Gebäudes. Das Sammeln lohnt sich aber, denn von Eich bekommt ihr am Kantai-Strand im Gegenzug für die Herrscher-Sticker die Herrscher-Pokémon aus den Prüfungen geschenkt, beispielsweise für 20 Sticker das Herrscher-Rattikarl. Dieses neue System motiviert dazu, die Spielwelt noch ausführlicher und genauer zu erkunden und dabei auch wirklich alles zu entdecken, was es zu finden gibt - auf der Suche nach sämtlichen Herrscher-Stickern, quasi als Nebenprodukt und nicht primäres Ziel.

Beim Mantax-Surfen vollführt ihr verschiedene Tricks, während ihr von einer Insel zur nächsten reist, was mit Punkten belohnt wird. Eine nette Spielerei. Quelle: N-ZONE Beim Mantax-Surfen vollführt ihr verschiedene Tricks, während ihr von einer Insel zur nächsten reist, was mit Punkten belohnt wird. Eine nette Spielerei.

Pokémon Ultrasonne & Ultramond: Ganoven, vereinigt euch!

Weitere, größere Neuerungen erwarten euch nach Ende der Hauptstory, die ihr je nach Spielstil normalerweise in etwa 20 bis 25 Stunden abschließt. So dürft ihr es mit dem Team Rainbow Rocket aufnehmen, dass unter der Führung des unter Pokémon-Fans bekannten Bösewichts Giovanni Ganoven aller bisheriger gegnerischer Teams vereint. Dazu gehören beispielsweise Team Aqua und Team Magma, Team Plasma und so weiter. Außerdem könnt ihr unglaublich viele legendäre Pokémon aller bisherigen Hauptspiele fangen, in Pokémon Ultrasonne jedoch andere als in Pokémon Ultramond und umgekehrt. Zusammen mit einer Hand voll komplett neuer Taschenmonster könnt ihr in den neuen Ablegern somit insgesamt um die 400 Pokémon einfangen. Eine enorme Zahl, deren Vervollständigung euch für lange, sehr lange Zeit beschäftigen dürfte, solltet ihr sie tatsächlich erreichen wollen. Davon abgesehen ist aber auch die Story nach Abschluss der Hauptstory noch nicht zu Ende, im Gegenteil: Direkt nachdem ihr den Champions-Titel errungen habt, warten vor eurem Haus schon wieder eure Freunde mit neuen Aufgaben. Auch das sorgt für ordentlich extra Spielzeit. Eine zu kurze Spieldauer war aber ohnehin noch nie das Problem eines Pokémon-Hauptspiels. PokéMobil ersetzt seit Sonne & Mond die VMs. Damit durchquert ihr auch unwegsames Gelände auf dem Rücken von Pampross, Bissbark und Co. mit Leichtigkeit. Quelle: N-ZONE PokéMobil ersetzt seit Sonne & Mond die VMs. Damit durchquert ihr auch unwegsames Gelände auf dem Rücken von Pampross, Bissbark und Co. mit Leichtigkeit.

Pokémon Ultrasonne & Ultramond: Was hat sich seit früher getan?

Lohnt also die Anschaffung von Pokémon Ultrasonne & Ultramond? Wenn ihr Sonne & Mond schon gespielt habt, nein. Zwar gibt es Neuerungen, diese sind aber nicht so tiefgreifend, dass es sich um wirklich neue Spiele handeln würde. Stattdessen erlebt ihr die Story weithin genauso wie schon zuvor und auch Mantax-Surfen, Alola-Fotoclub, Team Rainbow Rocket und Co. liefern nur bedingt den Anreiz, das im Grunde gleiche Spiel nochmal zu erleben. Das ändert aber freilich nichts daran, dass Pokémon UItrasonne & Ultramond wie schon ihre Vorgänger herausragend gute und spaßige Spiele sind.

Im neuen Alola-Fotoclub setzt ihr euch selbst mitsamt oder ohne eure liebsten Pokémon aufwändig in Szene. Quelle: N-ZONE Im neuen Alola-Fotoclub setzt ihr euch selbst mitsamt oder ohne eure liebsten Pokémon aufwändig in Szene. Ein paar Gründe für "alte Hasen" gefällig, die vielleicht seit der ersten, zweiten oder dritten Generation kein Pokémon-Hauptspiel mehr in die Hand genommen haben? Derer gibt es nämlich mehr als genug. Da wäre beispielsweise die PokéPause. Dabei handelt es sich um eine Tamagotchi-artige Möglichkeit, mit euren Taschenmonstern zu agieren. So könnt ihr sie streicheln, mit PokéBohnen belohnen oder nach Kämpfen gar ihre Statusveränderungen heilen und dadurch den Item-Einsatz. Dadurch steigen auch die Bindung und das Vertrauen eures Monsterchens, was euch im Kampf wiederum mehr Erfahrungspunkte, Volltreffer und weitere Vorteile einbringt. Das PokéMobil, dass die früher lange Zeit üblichen VMs ersetzt, bringt weitere Abwechslung ins Spiel und vereinfacht euer Vorankommen an einigen Stellen. So ruft ihr euch Mittels dieses kleinen Geräts beispielsweise ein Glurak, um zu anderen Orten zu fliegen oder ein Tauros, mit dem ihre große Felsblöcke mit Leichtigkeit zerstört. Ebenfalls erwähnenswert ist der Rotom-Pokédex. Dank dieser Kreuzung des Pokémom Rotom und eines klassischen Pokédex wird eben dieser um zahlreiche nützliche Funktionen erweitert. So gibt er euch beständig Tipps und Hinweise, wie ihr die Story weiter vorantreibt und verrät euch im Kampf die Effektivität eurer Attacken gegen andere Pokémon, wenn ihr diesen wenigstens einmal begegnet seid. Gelegentlich wechselt der Rotom-Pokédex in den Rotomat-Modus; eine Art kleines Glücksspiel, bei dem ihr mit nützlichen Items belohnt werdet. Freudig ist außerdem, dass die Entwickler die Performance-Probleme zu einem guten Teil in den Griff bekommen haben, die es beispielsweise bei Pokémon X & Y noch in den Kämpfen gab. Das geht zwar auf Kosten des 3D-Effekts und ab vier Taschenmonstern gleichzeitig im Kampf bricht die Framerate immer noch gewaltig ein, diese Art Kämpfen kommt aber nur selten vor. Abgesehen davon läuft Pokémon auf dem 3DS so rund und sauber wie noch nie zuvor. Auch die Steuerung, die fast gänzlich auf den Einsatz der schlecht zu erreichenden Schultertasten verzichtet, fiel uns im Test positiv auf. Am Ender jeder der acht Prüfungen müsst ihr euch mit besonders großen und starken Herrscher-Pokémon messen, die später im Spiel durchaus schwierig sind. Quelle: N-ZONE Am Ender jeder der acht Prüfungen müsst ihr euch mit besonders großen und starken Herrscher-Pokémon messen, die später im Spiel durchaus schwierig sind.

Pokémon Ultrasonne & Ultramond: Einen Kauf wert?

Lohnt also die Anschaffung für alte Pokémon-Fans, die schon lange kein Hauptspiel mit den Taschenmonstern mehr erlebt haben? Ja, auf ganzer Linie! Klar, die gesammelte Pokémon-Fangemeinde fiebert aktuell ungeduldig dem Switch-Ableger entgegen. Bis der aber fertig ist und veröffentlicht wird, vergeht noch einige Zeit. Bis dahin sind Pokémon Ultrasonne & Ultramond die besten und ultimativsten Pokémon-Spiele, die bis dato erschienen sind. Nur, wer schon Pokémon Sonne oder Mond gespielt hat, sollte sich den Kauf lieber zweimal überlegen.

Meinung

Wertung zu Pokémon Ultrasonne & Ultramond (3DS)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Wie Sonne & Mond, trotztdem richtig tolle SpieleSpielspaß für sehr lange ZeitToll inszentierte GeschichteJede Menge legendäre PokémonFür alte Fans: Giovanni und alte GanovenEffektivität der Attacken wird angezeigtPokéMobil praktischer als VMsHilfreicher Rotom-Pokédex
Neuerungen zu Vorgängern sind kein KaufgrundRuckler bei Kämpfen mit vier oder mehr PokémonUltrametropolis enttäuschend klein und leer
Fazit

Das bis dato beste Pokémon-Spiel, das ihr für Geld bekommen könnt

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