Pokémon Unite: Das etwas andere MOBA im Test
Test
Tencent und die Pokémon Company versuchen mit Pokémon Unite, sich im Genre MOBA einen Namen zu machen. Das kommt reichlich spät, denn MOBAs stehen schon länger nicht mehr an der Spitze der Spielecharts. Ob es dem Spiel trotz allem gelingt und welche Hürden sich dem Vorhaben in den Weg stellen, klären wir im Test.
Pokémon Unite ist endlich auch in westlichen Regionen spielbar und nicht nur auf dem asiatischen Markt. Die beliebten Taschenmonster haben in der Vergangenheit schon viele Spin-offs spendiert bekommen. Jetzt ist endlich die Zeit gekommen für ein MOBA, in dem Pokémon in Teams gegeneinander antreten. Doch Pokémon Unite macht einiges anders als andere Genre Vertreter wie League of Legends, Dota, Heros of the Storm und Arena of Valor. Tencent Games, die auch schon an der Entwicklung von Arena of Valor beteiligt waren, setzten mit neuen kreativen Ideen das Fundament für ein erfolgreiches MOBA-Konzept.
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Pokémon Unite funktioniert in seinen Grundzügen wie jedes andere MOBA, doch es macht viele Dinge ganz anders als seine Genre-Kollegen. Seid ihr ein eingefleischter MOBA-Veteran, wird euch der Einstieg nicht besonders schwerfallen, trotz all der Dinge, die ungewohnt sind. Wer sich ein paar Tipps & Tricks abschauen möchte, der kann gerne mal hier vorbeischauen.
Die Spielregeln
Quelle: PCGames
Jedes Pokémon hat eine andere Animation, wenn es punktet.
Zum Launch gibt es drei verschiedene Spielmodi: Ranked, Standard und Quick Matches. Bei Letzteren erwarten euch drei unterschiedliche Karten für kleinere Teams und wenige Spieler. Standard und Ranked werden beide in derselben Arena ausgetragen, Remoat Stadium, und es treten zwei Fünferteams gegeneinander an. Die Map besteht aus zwei Lanes und einem Bereich dazwischen. Dieser wird als Jungle bezeichnet. Entlang der Lanes sind die Punktefelder der Teams verteilt - pro Team zwei auf jeder Lane und zusätzlich noch eines in der Base. Das macht in Summe fünf Punktefelder pro Team. Alle Felder bis auf das in der Base lösen sich auf, wenn ein bestimmtes Punktelimit erreicht wird. Nur das erste Feld auf jeder Lane kann verwendet werden. Erst, wenn dieses erlischt, kann im nächsten Bereich gepunktet werden.
Gespielt wird in Zehn-Minuten-Matches. Das Team, das nach Ablauf der Zeit die meisten Punkte hat, gewinnt. So simpel, wie sich das anhört, ist es tatsächlich auch. Pokémon Unite ist nicht mal ansatzweise so komplex wie andere Vertreter des Genres und somit ausgesprochen einsteigerfreundlich. Punkte erhält man, indem man wilde Pokémon besiegt, dadurch Aeros-Bälle erhält und diese dann in der Goalzone mit einem Slam Dunk in Punkte verwandelt. Je mehr Bälle ihr habt, desto länger dauert es, bis euer Pokémon zum Wurf ausholt. Auch das gegnerische Team versucht natürlich, Punkte zu machen, deshalb verteidigt ihr eure Goalzone und unterbrecht gegnerische Spieler beim Versuch, ihrerseits zu punkten. Besiegt ihr ein Pokémon des gegnerischen Teams im Kampf, erhaltet ihr einen Teil seiner Bälle.
Aeosdex vervollständigen
Doch kommen wir auch mal auf die süßen Taschenmonster zu sprechen. Von denen gibt es bisher 20 Stück, die gespielt werden können. Zum einen Fan-Favoriten wie Glurak oder Knackrack und Überraschungen wie Urgl sind mit dabei - beziehungsweise deren englisch benannten Exemplare, denn deutsche Texte existieren bisher keine. Typ-Schwächen wie in den Spielen der Hauptreihe gibt es in Unite nicht. Also streicht es euch aus dem Kopf, mit eurem Pikachu Wasser-Pokémon ohne weiteres besiegen zu können. Die Pokémon werden in Unite stattdessen in unterschiedliche Klassen unterteilt.
Quelle: PCGames
Steht ihr mal alleine da, verteidigt ihr am besten euren Korb.
Die sogenannten Defender sind Tanks, die darauf ausgelegt sind, möglichst viel einzustecken und Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Attacker sind die Damage-Dealer. Ihnen geht es nur darum, in kürzester Zeit gehörig auf die Fresse zu geben. Doch es fehlt ihnen dafür an der nötigen Verteidigung und somit sind sie leichte Beute für andere Pokémon. Deshalb sind sie am besten mit einem Defender oder Supporter im Team unterwegs. Allrounder sind hingegen sehr ausgeglichene Pokémon und haben keine wirklichen Schwächen. Daher sind sie gute 1vs1-Charaktere. Speedster wiederum sind sehr flink und dank ihrer Schnelligkeit besonders bedrohlich für Attacker. Außerdem können sie besonders gut dunken, also Punkte in die gegnerische Zone bringen, da sie sich anschließend schnell aus dem Staub machen können. Supporter sind dazu da, das Team mit Buffs und Heilung zu unterstützen.
Rumble in the Jungle
Auch die wilden Pokémon bieten einiges an Abwechslung. Von schwachen bis hin zu legendären Viechern wie Zapdos ist alles mit dabei. Je nach Stärke des wilden Pokémon bekommt der Spieler beim Besiegen mehr oder weniger Bälle und Erfahrung. Manche besiegte Monsterchen halten zusätzlich zu den Aeos Bällen auch besondere Effekte als Belohnung für den Fänger bereit. Besonders das Zapdos, welches in der Mitte der Arena erscheint, wenn nur noch zwei Minuten zu spielen sind, ist ein echter Gamechanger. Das Team, welches es besiegt, kann ohne Verzögerung dunken. Als wenn das noch nicht genug wäre, bekommt man auch noch doppelte Punkte fürs Dunken. So können selbst Runden, in denen ein Team permanent dominiert, in der letzten Minute noch rumgerissen werden.
Quelle: PCGames
Es braucht fast ein ganzes Team, um Zapdos zu besiegen.
Euer Ziel ist es also, Bälle zu erhalten, um Punkte für euer Team zu machen. Nebenher müsst ihr Erfahrungspunkte sammeln, um dem Gegner im Level voraus zu sein. Denn mit jedem Level-up werdet ihr stärker und schaltet neue Fähigkeiten frei. In Unite hat jedes Pokémon zwei normale Fähigkeitsplätze und einen besonders starken Unite Move. Auch hier macht Pokémon Unite einiges anders als Branchen-Kollegen. Fähigkeiten wechseln dynamisch im Laufe des Spiels. So wie in den Hauptspielen, erlernt euer Pokémon beim Level-up neue Attacken. Dabei habt ihr die Auswahl zwischen zwei unterschiedlichen Varianten pro Fähigkeitsslot. So könnt ihr während einer Runde die Fähigkeiten optimal an die Situation anpassen. Ihr könnt beispielsweise ein Glurak mit Feuerfaust oder Flammenwurf spielen und somit zwischen Fernkampf und Nahkampf wählen. Manche Pokémon können sich beim Aufleveln auch entwickeln.
Machen Free 2 Play und Pay 2 Win das Spiel kaputt?
Quelle: PCGames
Habt ihr ein Item auf Stufe 20 gelevelt, bekommt ihr einen signifikant spürbaren Bonus
In einer Hinsicht gleich Unite anderen MOBAs dann aber doch sehr, nämlich bezüglich des Ingame-Shops. Hier erhaltet ihr allerlei Skins für Pokémon und Outfits für Trainer. Einen Battle-Pass gibt es auch schon. Einige Elemente des Passes sind auch nicht zahlungswilligen Spielern zugänglich, natürlich sollt ihr aber schon dazu gebracht werden, Geld auszugeben. Pokémon etwa müssen mit Echtgeld oder einer gewaltigen Summe Ingame-Währung gekauft werden. Auch tragbare Items können im Shop erstanden werden. Euer Pokémon kann bis zu drei Stück davon für den Kampf ausrüsten.
Der Ingame-Shop sorgt natürlich für viele kontroverse Diskussionen unter Spielern. So dauert es unglaublich lange, genügend Münzen zu erhalten, um sich ein neues Pokémon zu kaufen. Da ihr in der Woche maximal knapp 2000 Coins rein durchs Spielen bekommen könnt, dauert es bei effektivem Grinden satte fünf Wochen, um sich eines der teureren Pokémon zu kaufen. Das ist extrem lange und soll dazu motivieren, dass man doch lieber die Kreditkarte aus Mamis Portemonnaie nimmt. Momentan bekommt man durch Events einige Pokémon umsonst und auch einen ordentlichen Berg Münzen extra. Doch sobald diese Anfangsevents auslaufen, ist Frust abzusehen. Zudem ist es so, dass das Item-System im Grunde ganz offensichtlich auf Pay 2 Win setzt, da man sich mit Echtgeld Upgrades einfach kaufen kann. Was das mit dem Spiel macht, zeigte der bekannte Youtuber Cr1TiKaL kurz nach dem Launch. Mit 100 Dollar und den damit erkauften Items nahm er es in einem Feldversuch mit einem ganzen gegnerischen Team alleine auf.
Quelle: PCGames
Gengar ist momentan eines der stärksten Pokémon.
Gamefreaks knuddelige Monster machen alles besser
Doch kann das Gesamtpaket aus Kampfsystem, den Pokémon und dem innovativen Spieldesign trotz dieser fiesen Abzockmethoden überzeugen? Glücklicherweise ja, denn nichtsdestotrotz spielt sich Pokémon Unite ausgezeichnet. Die kurzen Runden sind von Anfang bis Ende spannend. Andere MOBAs haben kein Zeitlimit und ziehen sich somit wie Kaugummi. In Unite hingegen kommt kein Frust oder Langeweile auf, denn Matches dauern immer nur zehn Minuten. Deshalb kann man auch mal darüber hinwegsehen, wenn man mal verliert. Das Design der Pokémon ist auch gut gelungen, sogar hübscher als in den aktuellen Spielen der Hauptreihe. Die kultigen Taschenmonster versüßen die kurzweiligen Arenakämpfe. Zudem bringt das Level-up-System mit den wechselnden Fähigkeiten mehr spielerische Tiefe ins Genre, als man denken mag. Ein Item-Shop innerhalb der Matches, so wie man ihn aus anderen MOBAs kennt, ist nicht vorhanden und verleiht dem Spiel eine wiederum eine angenehme Schlichtheit.
So bleibt Unite trotz interessanter Gameplayideen anfängerfreundlich und verlegt den Schwerpunkt auf die Kämpfe. Und die machen auch richtig Laune. Auf technischer Ebene kann man nicht meckern. Auf der Switch läuft das Spiel größtenteils flüssig und Ruckler sind eine echte Seltenheit. Der Soundtrack ist Pokémon-typisch, passt zum Geschehen und vermittelt die richtige Stimmung. Der einzige richtig große Kritikpunkt ist also das sehr invasive Free2Play-Modell, der hat es dafür aber in sich. Es wird sich zeigen müssen, ob Pokémon Unite sich noch weiter zu dem entwickelt, was er auf gewisse Weise jetzt schon ist - nämlich ein Pay2Win-Titel -, oder ob das Spiel es in Zukunft weiterhin ermöglichen wird, durch Events an die nötigen Materialen zu kommen, um neue Pokémon freizuschalten und um die tragbaren Items zu upgraden.
Pokémon Unite gibt's derzeit nur für die Nintendo Switch, in absehbarer Zeit soll eine Umsetzung für Mobile folgen.
