Project Cars 3 in der Vorschau: Frischer Wind für die Sim-Racer-Reihe - mit Video!

Special Maci Naeem Cheema
Project Cars 3 in der Vorschau: Frischer Wind für die Sim-Racer-Reihe - mit Video!
Quelle: Slightly Mad Studios I Bandai Namco

Während sich die Arcade-Spielerschaft mit der Forza-Horizon-Serie oder Need for Speed vergnügt, schwören Simulations-Fans mit Hang zur Detailgenauigkeit im Racing-Genre eher auf Titel wie Assetto Corsa oder Project Cars. Jedoch gibt es unter Fans aktuell eine große Sorge: Setzen die Slightly Mad Studios mit dem dritten Teil zu stark auf eine Casualisierung? Wir durften den neuen Teil vorab anspielen und verraten euch, was genau ihr von Project Cars 3 erwarten dürft.

Project Cars 3 steht mit aufgeheiztem Motor in den Startlöchern und möchte die Spielerschaft mit dem bisher größten lizensierten Fuhrpark, einem aufgewerteten Gamepad-Spielgefühl, der Möglichkeit, endlich Fahrzeuge und Charakter persönlich anzupassen und einem komplett neuen Karrieremodus überzeugen. Im gleichen Atemzug muss aber auch gesagt werden, dass Slightly Mad Studios fortan auf wichtige Elemente des Racing-Sim-Genres wie Reifenabnutzung und Boxenstopps verzichtet. Fans wurden spätestens nach dieser Meldung hellhörig. Viele befürchteten, man würde sich, wie so viele Genre-Nachbarn, an einem breiteren Publikum orientieren und die bisherigen Wurzeln sowie die Community aus den Augen verlieren.

Zwar fällt bereits in den ersten Spielminuten auf, dass Project Cars 3 sich auch für Neulinge attraktiver gestalten möchte, alte Stärken stehen aber noch immer im Fokus. Eine der größten Neuerungen ist der komplett überarbeitete Karrieremodus, mit dem das in London angesiedelte Studio punkten möchte.

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Zeit für eine neue Karriere

Slightly Mad Studios möchte mit dem dritten Ableger den Fokus voll auf den Asphalt legen. Zwar wurden Boxenstopps und andere strategische Elemente gestrichen, doch laut Studiochef Ian Bell soll das die Spielerfahrung entscheidend verbessern. Quelle: Slightly Mad Studios I Bandai Namco Slightly Mad Studios möchte mit dem dritten Ableger den Fokus voll auf den Asphalt legen. Zwar wurden Boxenstopps und andere strategische Elemente gestrichen, doch laut Studiochef Ian Bell soll das die Spielerfahrung entscheidend verbessern. Die Project-Cars-Reihe ist eigentlich für ihre raue Präsentation und ihr knüppelhartes Gameplay bekannt. Für die selbe Liga wie iRacing, Automobilista oder rFactor reichte es zwar nicht ganz, auf dem Arcade-lastigen Konsolenmarkt gab unf gibt es aber kaum eine bessere Alternative. Einzige wirkliche Konkurrenz ist die italienische Racing-Reihe Assetto Corsa. Mit Project Cars 3 (jetzt kaufen ) geht das Studio nun aber auffällig frische Wege und scheint sich lieber mit anderen Serien wie Forza, Gran Turismo oder Grid duellieren zu wollen. Ein ausschlaggebender Punkt dabei war sicherlich die Übernahme der Entwickler durch Codemasters im November 2019. Bei der Neuausrichtung helfen soll unter anderem ein neuer Karrieremodus, der stark an die Modi der aufgezählten Konkurrenten erinnert.

Fortan ist es nicht mehr möglich, sich in jede beliebige Rennserie zu stürzen, man arbeitet sich ganz klassisch von unten nach oben. Über den Spielverlauf bekommt man immer neue Rennklassen vorgesetzt, welche die Motivationskurve kontinuierlich in die Höhe treiben sollen. Auf Cutscenes, Story-Elemente und anderen Schnickschnack verzichtet Project Cars 3. Das neue "First Time User Experience"-System, kurz FTUE, soll Neulingen unter die Arme greifen und helfen, sich im hochkomplexen Rennsportalltag zurechtzufinden. Die idealen Setup-Einstellungen zu finden, wird so um ein Vielfaches einfacher. Allgemein fällt auf, dass Slightly Mad beim dritten Teil stark an der Zugänglichkeit und Präsentation gefeilt hat. Des Weiteren gibt es unzählige langfristige Herausforderungen, die uns auch abseits des Treppchens mit Geld und Erfahrungspunkten belohnen.

Sich von der typischen visuellen Ideallinie zu verabschieden ist eine der cleversten Entscheidungen in Project Cars 3. Es würde uns nicht wundern, wenn sich das als Normalität im Genre etabliert. Quelle: PC Games Sich von der typischen visuellen Ideallinie zu verabschieden ist eine der cleversten Entscheidungen in Project Cars 3. Es würde uns nicht wundern, wenn sich das als Normalität im Genre etabliert. Eine bestimmte Anzahl an perfekt gefahrenen Kurven oder andere Challenges wie eine vorgegebene Zeit, die im Windschatten gefahren werden muss, sind nur einige der vielen Beispiele. Eine clevere Idee, nach einem schlechten Manöver oder einem Unfall ist das Rennen nämlich nicht komplett gelaufen und wir bleiben motiviert, das Beste aus der Zeit auf dem Asphalt herauszuholen. Nach dem erfolgreichen Überqueren der Ziellinie werden wir zusätzlich mit Fahrzeug- und Fahrer-EP, Auszeichnungen und Upgrade-Rabatten belohnt. Ein wichtiger Faktor, warum dieses Konzept der Karriere gut funktioniert, ist der große Umfang von Project Cars 3.

Viel Spaß dank viel Umfang

Neben der Karriere gibt es noch viele weitere Spielmodi, die langfristig an Controller oder Lenkrad fesseln sollen. Die Custom Events lassen uns beliebige Rennszenarien selbst erstellen. Hier steht uns die gesamten Inhalte von Project Cars 3 zur Verfügung. Wir können ohne Umwege sofort auf alle Fahrzeuge, Strecken, Wetterkonditionen und Co. zugreifen. Standardmäßig in einem Rennspiel verbaut sind natürlich auch Modi wie Freies Training, Zeitfahren und Multiplayer. Letzteren konnten wir leider in der Preview-Fassung noch nicht anspielen, dazu berichten wir aber natürlich ausführlich in unserem Test in einigen Wochen. Es gibt auch komplett neue Spielvarianten wie den asynchronen Mehrspielermodus "Rivals", welcher auf eine eigene Belohnungs- und Ranglistenstruktur setzt. Darin finden sich tägliche, wöchentliche und monatliche Herausforderungen. Unsere Leistung entscheidet, mit wie viel EP wir am Ende des Monats belohnt werden und ob wir im System auf- oder absteigen. Ebenfalls erwähnenswert ist "Breakout". Auf der Strecke finden sich sorgfältig platzierte Blöcke mit unterschiedlichen Zahlenwerten. Das Ziel ist es, eine gewisse Punktzahl zu erreichen und von bisherigen Fahrlinien abzuweichen. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas öde, macht aber tatsächlich viel Spaß.
Das Gefühl, mit dem McLaren 720S GT3 komplett ohne Fahrunterstützung über die Piste zu jagen könnte kaum besser sein. Allein beim Anblick bekommen wir wieder Bock!  Quelle: PC Games Das Gefühl, mit dem McLaren 720S GT3 komplett ohne Fahrunterstützung über die Piste zu jagen könnte kaum besser sein. Allein beim Anblick bekommen wir wieder Bock!  Der Fokus des Spiels liegt aber natürlich auf den vielen Fahrzeugen und Strecken. Während der Vorgänger noch einen Fuhrpark mit insgesamt 189 Fahrzeugen zur Verfügung stellte, setzt Project Cars 3 hier noch einen drauf: ganze 211 lizensierte Fahrzeuge stehen zur Auswahl. Darunter finden sich natürlich alle großen Hersteller wie Ford, Audi, Ferrari, Mercedes, Lamborghini und Bugatti. Chevrolet, seit Project Cars 2 eine wichtige Marke, bringt erstmals den Chevrolet Corvette C8.R in einen Mainstream-Racing-Titel. Fans können sich also auf eine Vielzahl an Autos freuen. Im Karrieremodus müssen diese natürlich durch Ingame-Währung gekauft werden, auf Mikrotransaktionen wird aber glücklicherweise verzichtet. Bei den Strecken können sich Fans auf insgesamt 51 Kurse und 121 verschiedene Strecken-Layouts freuen. Darunter finden sich legendäre Kurse wie Silverstone, Nürburgring, Imola und Brands Hatch, aber auch extra für das Spiel kreierte Strecken in Havanna, Shanghai oder der Toskana. Ein besonderer Grund zur Freude ist der brasilianische Interlagos Grand Prix, der sein Debüt in Project Cars feiert. Die Strecken sind durch die Bank alle toll und detailliert umgesetzt und bieten oftmals auch abseits des Asphalts schöne Kulissen und lebendige Hintergründe. Grafisch gibt es wie bei den Vorgängern nur wenig zu bemängeln, einzig die Wettereffekte sehen bei der Konkurrenz schlicht besser aus.

Anpassungsmöglichkeiten & Tuning

Egal was man von der Neuausrichtung hält, es ist ein muter Schritt. Es muss sich mit der Zeit erst zeigen, ob der auch von der Community belohnt wird. Quelle: PC Games Egal was man von der Neuausrichtung hält, es ist ein muter Schritt. Es muss sich mit der Zeit erst zeigen, ob der auch von der Community belohnt wird. Neben dem Karrieremodus und dem größeren Umfang ist das dritte große Feature, dass wir Autos individuell anpassen dürfen. Verschiedene Lackierungen, Sticker und Einfärbungen gewisser Fahrzeugteile wie Felgen sollen der Spielerschaft dabei helfen, sich besser mit dem eigenen Rennwagen identifizieren zu können. Das ergibt in Kombination mit den vielen Neuerungen enorm viel Sinn, bedenkt man, dass Autos sehr lange in unserer virtuellen Garage bleiben. Das Tuning hingegen fällt natürlich weitaus komplexer aus als die Design-Möglichkeiten. Wir dürfen nachjustieren in Bereichen wie Bremsen, Karosserie, Reifen, Aufhängung und Getriebe, um so den Rennwagen bestmöglich an die eigenen Ansprüche anzupassen. Jedes Auto besitzt einen Leistungsindex, der uns verrät, für welche Rennklasse sich der Wagen eignet und bis zu welcher Grenze wir den Wagen aufwerten dürfen. Man sollte nämlich vorsichtig sein: Wer zu schnell in allerlei Updates investiert, der wird von einigen Rennen schlicht ausgeschlossen. Wie bereits erwähnt, gibt es in Project Cars 3 keinen Benzinverbrauch, Reifenverschleiß und keine taktischen Elemente wie Boxenstopps. Laut Slightly Mad soll der Fokus diesmal auf der Strecke und dem Spaß am Fahren liegen. Das klingt so, als würde man sich vom bisherigen Simulations-Ansatz verabschieden und sich mehr in die Richtung von Konkurrenten wie GT Sport oder Forza entwickeln. Stimmt das denn nun?

Mit dem Fuß auf dem richtigen Pedal?

Wer jetzt hofft, wir können eine lautstarke Entwarnung aussprechen und alle Arcade-Vorwürfe ins Land der Märchen verbannen, den müssen wir leider enttäuschen. Project Cars 3 setzt auch weiterhin auf die großen Stärken der Vorgänger, in mancher Hinsicht hievt Slightly Mad die Reihe sogar auf einen neuen Level. Zum Beispiel durch die komplett überarbeitete Gamepad-Steuerung. Das Feedback ist großartig und das Fahrgefühl besser, als es noch in Project Cars 2 der Fall war. Auch visuell wurde an den richtigen Stellen gewerkelt. Eine einstellbare sichtbare Ideallinie gibt es nicht mehr, stattdessen drei Punkte, die uns Bremspunkt, Einschlag und Kurvenausgang auf der Strecke symbolisieren.
Grafisch sieht das alles fantastisch aus, nur die Wettereffekte konnten uns noch nicht vollkommen überzeugen. Mal sehen, ob die finale Fassung mehr begeistern kann. Quelle: PC Games Grafisch sieht das alles fantastisch aus, nur die Wettereffekte konnten uns noch nicht vollkommen überzeugen. Mal sehen, ob die finale Fassung mehr begeistern kann. Das sieht nicht nur weitaus besser aus, es hilft auch dabei, eine Hilfe beim Fahren zu haben und sich trotzdem eigenständig mit der Strecke auseinanderzusetzen. Die restlichen Fahrhilfen umfassen genretypisch Bremshilfen, Traktionskontrollen und ähnliches. Für die beste Spielerfahrung sollte man sich aber komplett ohne Fahrhilfen auf den Asphalt begeben, das Feedback der Strecke und das von Slightly Mad präsentierte Fahrgefühl sind nämlich weiterhin Highlights im Rennsport-Kosmos - zumindest auf der Konsole. Die K.I. agiert zwar realistisch und konnte uns überzeugen, eine finale Aussage lässt sich aber anhand einer unfertigen Preview-Fassung nicht tätigen. Das fahrerische Können unserer Kontrahenten lässt sich separat in den Bereichen Aggressivität und Schwierigkeit anpassen.

Ist das noch Project Cars?!

In vielen Belangen hat uns Project Cars 3 mehr an das ebenfalls von Slightly Mad entwickelte Need for Speed Shift denn an die Vorgänger erinnert. Project Cars 3 will, besonders auffällig beim Karrieremodus und der allgemeinen visuell bunten Präsentation, Fuß fassen auf dem umkämpften Mainstream-Markt. Das kann als Kritik verstanden werden, sich breiter aufzustellen muss aber nicht gleich negativer Natur sein. Der Trend im Racing-Genre geht zu offenen Armen und einem deutlichen Fokus auf Zugänglichkeit. Die Wurzeln der Serie hat das Studio aber keinesfalls vergessen. Project Cars 3 setzt weiterhin auf seine Stärken und bleibt Sim-Racer, schmückt sich jedoch mit vielen Elementen bekannter Kontrahenten wie Forza, Need for Speed und GT Sport. Das kann bestenfalls dazu führen, die Lücke zwischen Arcade-Racern und Simulationen zu schließen und so das gesamte Genre maßgeblich in eine modernere Zukunft zu führen. Der Spagat kann aber auch ein gefährlicher sein. Die große Preisfrage bleibt abschließend, wie gut die neue Windrichtung bei der Spielerschaft ankommen wird. Die verzeiht nämlich nur recht wenig, ganz so, wie sie es sich auf dem Asphalt und im knallharten Rennsport wünscht.

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