Rage 2 im Test: Fahrzeuge - Upgrades - Technik - Bugs - Wertung
Test 35,99 €
Im Test erfüllt Rage 2 nahezu alle Erwartungen, im Guten wie im Schlechten: Entwickler Avalanche tischt herrlich derbe Ballereien auf, verfrachtet die brachiale Action aber in eine gähnend leere Open-World-Spielwiese voller eintöniger Nebenaktivitäten. Warum Rage 2 trotzdem viel Spaß machen kann, klären wir im Test. UPDATE: Jetzt mit Wertungen für PS4 und Xbox One!
Allerdings gibt es optionale Bosskämpfe auf offener Straße, für die ihr den Phönix halbwegs beherrschen müsst: Feindliche Konvois fahren auf festen Routen durch die Spielwelt, die ihr mit euren Bordwaffen Stück für Stück dezimieren müsst, bis ihr schließlich das schwer gepanzerte Bossfahrzeug erreicht. Eine automatische Zielhilfe nimmt euch hier die gröbste Arbeit ab, ihr müsst euch aufs Ausweichen und Lenken konzentrieren - das spielt sich zwar sehr arcadig, geht aber gut von der Hand und sieht dank fantastischer Explosionseffekte auch großartig aus.
Quelle: PC Games
Kämpfe gegen Konvois spielen sich schön arcadig und sehen dank toller Explosionseffekte auch sehr schick aus.
Schick, aber leblos
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Die Ortschaften sind deutlich belebter und stimmungsvoller als der Rest der Spielwelt.
Das postapokalyptische Ödland hat mehr zu bieten als nur eintönige Endzeitwüsten, diesmal bereist ihr auch Waldregionen, Steppen, Sümpfe, Stadtruinen und riesige Gebirgsformationen, allesamt hübsch durch die Apex Grafikengine ins Leben gerufen. Zusammen mit der riesigen Weitsicht und den Tag- und Nachtwechseln liefert Rage 2 oft bildschöne Endzeit-Panoramen! Doch leider bleibt die hübsche Welt von Anfang bis Ende leblos: Ein Wettersystem wie in Mad Max fehlt komplett und tierische Bewohner sind so selten, dass man die paar Vogelschwärme und Büffel, die sich über die Welt verteilen, kaum noch wahrnimmt. Wie schade, dass Avalanche die Gelegenheit nicht genutzt hat, um sich verschiedene coole Mutantenviecher auszudenken - das Setting hätte es doch möglich gemacht! Auch NPCs sind rar gesät, auf den Straßen trefft ihr nur selten einen fahrenden Händler oder mal einen Rennfahrer - der Rest besteht aus Standard-Gegnern, die zufällig in der Wildnis spawnen.
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Stimmungsvoll: Wellspring ist eine von mehreren hübschen Ortschaften, in denen ihr Händler und Quest-NPCs trefft.
Völlig anders sieht es dagegen in den fünf kleinen Ortschaften aus, die ihr im Spielverlauf erkundet. Hier trefft ihr jede Menge Bewohner, Händler und Informationsgeber, die zum kurzen Plausch einladen und euch Munition und Upgrades verkaufen. Zum Rollenspiel mutiert Rage 2 zwar nie, doch trotzdem sorgen diese ruhigen Momente für willkommene Verschnaufpausen. Die Minispiele aus dem ersten Rage wurden allerdings ersatzlos gestrichen, schade! Ein nettes Kartenspiel à la Gwent hätten wir gerne gesehen.
Trotzdem hat Avalanche auch an ein paar liebevolle Details gedacht, die uns immer wieder zum Schmunzeln bringen. Etwa unser sprechendes Auto, das sich sehnsüchtig von uns verabschiedet, sobald wir aussteigen. Oder die Fotos von Charakteren aus Rage 1, die wir im Büro von Loosum Hagar entdecken. Oder die vielen NPCs und Datenpads, die uns kleine Lore-Schnipsel liefern und die Spielwelt ein bisschen glaubwürdiger machen.
Upgrades in Hülle und Fülle
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Für nahezu alles im Spiel gibt es ein Upgrade-System.
Ob wir nun Konvois von der Straße schießen, Türme zerlegen, Kopfgelder eintreiben, Banditen aufmischen, Mutatennester ausräuchern oder eine andere Open-World-Aktivität erledigen - für praktisch alles erhalten wir Fortschrittspunkte, die wir in vier Talentbäumen ausgeben können, um so nach und nach unsere Fähigkeiten zu verbessern. Außerdem können wir jedes Nanotrit-Talent mehrmals mit gesammelten Feltritkristallen aufleveln und sie anschließend noch in weiteren Talentbäumen ausbauen. Ähnlich verfahren wir auch mit den Waffen: Jede Knarre lässt sich mit Feltrit in fünf Rängen verbessern, außerdem können wir pro Stufe eines von zwei Upgrades wählen. Und wer die nötigen Materialien gesammelt hat, kann sich in Wellspring beim Cyber-Doc weitere Boni freischalten, die Walkers Lebenskraft oder Waffenschaden drastisch steigern. Für sich genommen ist keines dieser Systeme wirklich tiefgängig, doch in der Summe erfüllen sie trotzdem ihren Zweck: Die Charakterentwicklung sorgt für ausreichend Beschäftigung und gibt uns genug Anreize, um die vielen Orte auf der Map nach Versorgungskisten und Ressourcen abzugrasen. Einzig die Waffenverbesserungen hätten für unseren Geschmack vielfältiger ausfallen dürfen - eine Stufe-5-Shotgun spielt sich nämlich im Grunde noch genauso wie am Anfang.
Bildergalerie
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Solche penetranten Einblendungen seht ihr in Rage 2 viel zu oft.
Ein weiterer Kritikpunkt: Bei nahezu jeder erledigten Nebenaktivität pausiert das Spiel und blendet riesige, penetrante Fortschrittsbalken ein - selbst mitten im Gefecht! Zudem wird die Unterbrechung jedes Mal von einem lauten Soundeffekt begleitet, der uns schnell auf die Nerven ging. Warum man die gesammelten Fortschritte nicht einfach still am Bildschirmrand einblendet, wissen wohl nur die Entwickler.
PC-Version: Grafik mit Höhen und Tiefen
Rage 2 basiert auf der Apex-Engine, die schon in Just Cause 4 oder Mad Max zum Einsatz kam. Optisch liefert die PC-Version ein überwiegend gutes Bild ab: Die hohe Weitsicht, die hübschen Landschaften, die sauber animierten Gegner und natürlich die satten Effektgewitter in den Kämpfen bieten viel fürs Auge! Aus der Nähe fallen aber auch immer wieder matschige Texturen und erschreckend detailarme NPCs auf, außerdem ist die statische Wasserdarstellung schlichtweg unzeitgemäß. Unschön sind auch die häufigen Popups, vor allem beim Fliegen mit dem Helikopter sehen wir immer wieder Levelobjekte, die ruckartig auftauchen, aber auch aus der Nähe werden manche Lichtquellen und Schatten ungeschickt ein- und ausgeblendet. Dem gegenüber steht ein ordentlicher Hardware-Hunger: Eine Geforce 980 mit 4GB VRAM zeigte sich im Test mit Ultra-Grafikeinstellungen leicht überfordert, hier kam es immer wieder zu kleineren Rucklern und wir mussten die Details reduzieren. Eine GTX 1060 mit 6 GB Videospeicher schafft dagegen auch auf hohen Settings noch 60fps, selbst auf betagten CPUs.
Tipp: Mehr Infos zur Technik und Tuning-Tipps zu Rage 2 findet ihr hier im Special unserer Kollegen von PC Games Hardware!
PC-Version: Bugs in Rage 2
Frei von Bugs ist Rage 2 leider nicht: Unsere PC-Testversion stürzte mehrmals ab, wenn wir einen manuellen Spielstand anlegen wollten. Das klingt aber schlimmer als es ist: Die Savegames waren nie kaputt und dank sehr kurzer Ladezeiten waren wir schnell zurück im Spiel. Trotzdem sollte Avalanche hier schleunigst einen Patch nachschieben! Der darf dann auch die anderen Mängel beheben, etwa eine Händlerin in Wellspring, die in der Hälfte unserer Spielzeit schlichtweg unsichtbar war (obwohl man sie problemlos ansprechen konnte). Oder die ungeschickt platzierte Kamera, die beim Starten mit dem Ikarus gerne mal unter dem Helikopter landet. Oder die fehlende Sprachausgabe in bestimmten Dialogen, weshalb wir gelegentlich auf die Untertitel zurückgreifen mussten. Kurioserweise konnten wir auch die Luftkissenboote in der Sumpfregion nicht benutzen - das ist zwar kein großer Verlust, schließlich brauchen wir die Fahrzeuge ohnehin nicht, doch auch hier gilt: Da muss ein Patch her, Avalanche!
Die PC-Fassung ist über Steam und den Bethesda-Store erhältlich. Wer zur Steam-Version greift, muss den Bethesda-Launcher nicht nutzen!
Konsolenversionen: PS4 und Xbox One im Test
Auf den normalen PS4- und Xbox-One-Konsolen läuft Rage 2 mit 30 Bildern pro Sekunde, auf PS4 Pro und Xbox One X dagegen werden flüssige 60fps erreicht. Da Tempo eine große Rolle in Rage 2 spielt, macht es auf den stärkeren Konsolen zwar ein wenig mehr Spaß, aber auch auf den älteren Maschinen lässt es sich vernünftig spielen. Interessant: Auch in den Konsolenfassungen dürft ihr das Sichtfeld (Field of View) regulieren, das ist ungewöhnlich. Außerdem lassen sich Chromatic Aberration und die Bewegungsunschärfe abschalten. Auf Letztere haben wir auf den schwächeren Konsolen übrigens gerne verzichtet, da das Bild bei 30fps sonst gerne mal zum Verwischen neigt. Grafisch wird nicht ganz der Detailgrad der PC-Fassung auf Ultra-Settings erreicht, in der Praxis fallen die Abstriche aber kaum ins Gewicht.
Quelle: PC Games
Die dicken Mutanten-Bosse sehen cool aus, vertragen aber nur wenige Treffer.
Sehr unschön: Beim Durchschalten der Menüs kommt das Spiel regelmäßig ins Stocken, das fühlt sich unsauber und technisch unfertig an. Zwar gibt es hier auch in der PC-Version kleine Ruckler, allerdings ist die Verzögerung dort längst nicht so störend wie auf PS4 und Xbox One, zumal man in Rage 2 viel Zeit in den Talente- und Upgrade-Menüs verbringt. Ein klarer Minuspunkt!
Auch auf den Konsolen kam es während unserer Spielzeit gelegentlich zu kleinen Bugs, grobe Aussetzer wie Abstürze hatten wir bislang aber nicht zu verzeichnen. In unserer PS4-Fassung stand beispielsweise eine unwichtige Nebenfigur urplötzlich doppelt vor uns und ließ sich auch individuell ansprechen. Bugs wie diese werden hoffentlich schnell getilgt, denn auch wenn sie den Spielfortschritt nicht behindern, zeigen sie doch, dass Rage 2 noch ein paar Wochen in der Qualitätssicherung gut getan hätten.
Kein Multiplayer, aber neuer Content am Horizont
Schon lange ist bekannt, dass Rage 2 als reiner Einzelspielertitel konzipiert wurde, Koop oder andere Multiplayer-Modi gibt es also nicht. Über eine Freundesliste sollt ihr eure Fortschritte zwar mit anderen Spielern vergleichen können, was aber selbst einige Tage nach Release für uns noch nicht möglich war.
In den kommenden Wochen und Monaten wollen die Entwickler das Spiel mit weiteren Inhalten erweitern, darunter einige kostenlose Neuerungen, aber auch kostenpflichtige DLCs, die neue Missionen, Waffen und Gegner hinzufügen.
Lesenswert: Einen Überblick auf die geplanten Inhalte für 2019 findet ihr in dieser Meldung!
Quelle: PC Games
Das fetzt! Man merkt, dass id Software bei den Shooter-Kämpfen beratend mit an Bord war.
Quelle: PC Games
Unschwer zu erkennen: Rage 2 ist ungeschnitten.
Rage 2 umfasst auch einen Store im Hauptmenü, in dem wir Skins für Waffen kaufen können, was aber zum Spielen vollkommen überflüssig ist. Die Preise sind erwartungsgemäß happig, allerdings haben die Mikrotransaktionen in Rage 2 null Auswirkungen auf den Spielspaß und werden auch zu keinem Zeitpunkt im Spiel beworben. Solange sich daran nichts ändert, raten wir einfach dazu, die Miktrotransaktionen zu ignorieren - die braucht nämlich kein Mensch.
Rage 2 ist seit dem 14. Mai 2019 für PC, Xbox One und PS4 erhältlich. Der Shooter ist multilingual und komplett ungeschnitten.
