Opulentes Grafik-Intermezzo für erwachsene Spieler. id Software zeigt, was auf den iOS Plattformen tatsächlich möglich ist.
Rage? Ist das nicht das verrückte neue Shooter-Abenteuer für die Heimkonsolen aus der Kultschmiede id Software? Das fetzige Feuerwerk welches an die guten alten Zeiten von Doom, Quake und Wolfenstein anknüpfen sollte, es aber schafft mit einer gehörigen Portion Humor, dem bleihaltigen Gefecht ein wenig Witz und Charme einzuflößen? Erstaunlicherweise sorgte Rage aber zuerst auf den iDevices für Furore, hier sicherlich nicht aufgrund des Gameplays, sondern vor allem der Technik wegen.
Rage HD
Noch als Vorgeschmack für das Konsolen-Feuerwerk liefert John Carmack und sein Team ein opulentes Shooter-Fest für die Apple-Jünger. Interessierte Spieler sollten tunlichst prüfen, welches Gerät Verwendung findet, denn die so betitelte HD-Variante ist nur ab der vierten Generation von iPod Touch und iPhone lauffähig oder eben dem iPad. Ansonsten müsst ihr euch mit deutlich mieseren Texturen und einem weniger opulenten Grafikschmaus zufrieden geben. Dann stellt sich die Frage, worin der Sinn von Rage besteht, denn dieses Spiel tatsächlich als Spiel zu bezeichnen, ist äußerst fraglich. Rage ist ein Grafikblender der zwar kurzweiligen Spielspaß bietet, aber vor allem aufgrund der Technik begeistert.
Rage HD
Es reicht allein die Soundkulisse im Hauptmenü, um uns eine schummrige Gänsehaut einzujagen. Klaustrophobisch, geradezu erschreckend und einschüchtern umschmeichelt uns die Musik, welche auch aus einem Horrorfilm stammen könnte. Ohne die mächtigen Argumentationsverstärker wäre die Hose sicherlich gestrichen voll. Etwas verklemmt, aber dennoch frohen Mutes starten wir die Karriere in einer unheimliche TV Show. Rage bedient sich den Elementen von Running Man und speist seine Zuschauer mit einer blutrüstigen Show ab, die zwar einerseits ordentlich Geld verspricht, den Kandidat aber in die Brutstätte für ekelhafte Mutanten und Monster stößt. Das Schusseisen im Anschlag, sollte man definitiv keine Sekunde zögern, wenn sich irgendetwas auf dem Bildschirm bewegt. Möglichst zielsicher empfindliche Teile wie den Kopf anvisieren, um ja kein Risiko einzugehen und das Überleben sichern.
Rage HD
Recht witzig ist die ganze Sache ja schon aufgezogen und die Sprüche des fettleibigen Showmasters nett, wenn auch unter der Gürtellinie. Doch vor allem die Grafik offenbart einen gut servierten Augenschmaus, welche die Kinnlade zu Boden knallen lässt. Postapokalyptisch sieht das Szenario genauso zerstört wie auch dunkel, düster und staubig aus. Über den Touchscreen flimmert aber eine schier unglaubliche Detailfülle, welche mit gestochen scharfen Konturen und Texturen begeistert - sofern natürlich die HD-Variante gespielt wird. Kurzum gesagt, id Software macht das, was sie am besten können: Mit Technik überzeugen! Dennoch wirken die drei Szenarien Wohnstätte, Irrenanstalt und Bunker recht ähnlich und es mangelt auch aufgrund weniger Mutanten, die sich uns in den Weg stellen, an Abwechslung.
Rage HD
Diese Biester werden typisch der id Kost möglichst schnell ins Jenseits befördert mit Pistole, Shotgun oder einer flotten Automatik-Waffe. Einzig für die erstere, schwache Pistole ist der Munitionsvorrat ergiebig und reichlich, für die durchschlagkräftigen Argumente müssen Munitionsbeutel und Kisten gefunden werden. Die Extras sind reichlich verteilt, nur meist in der Hektik schwer zu bekommen. Denn Rage ist kein reinrassiger Ego-Shooter, wie uns die Screenshots vielleicht weiß machen möchten, sondern vielmehr ein Rail-Shooter mit gewissen Einflussmöglichkeiten. Der Show-Kandidat rennt mehr oder weniger selber durch die Level, mittels Neigung oder einer Imitation eines Sticks auf dem Screen kann die Kamera und das Zielkreuz ein wenig navigiert werden. Geschossen, Angriffen und ähnlichen kann man geschickt mit einer Taste noch ausweichen, während beständig die Munition leer geht und nachgeladen werden muss. Das geht vor allem zu Beginn kaum gut und der Bildschirm färbt sich gefährlich rot. Es bedarf einer ordentlichen Gewöhnungsphase, um hier wirklich erfolgreich die Show abzuschließen,
Rage ist opulent, laut und kompromisslos, aber alles andere als langatmig. Nach nur 30 Minuten hat man alle drei Level gesehen. Dann bleibt die reine Highscore-Jagd, die aufgrund zahlreicher Sonderziele durchaus motivierend ist, bzw. der Wechsel in einen höheren Schwierigkeitsgrad. Nicht gerade üppig das Abenteuer, da bereut man fast schon, dass man für eine Art Demo überhaupt Geld ausgegeben hat!
