Electronic Arts schickt sich an den inzwischen angestaubten Train Simulator von Microsoft in die Rente zu schicken.
Rail Simulator
Zu jeder Strecke gibt es jeweils drei oder vier Szenarien. Das ist leider sehr dürftig, denn die insgesamt 15 Szenarien hat man doch recht schnell durchgespielt. Die Szenarien selbst sind allerdings auf Grund der neuen Möglichkeiten deutlich komplexer geworden. So kann man nun Fracht und Passagier (sichtbar) aufnehmen und wieder abliefern, Fahrzeuge und Fahrtrichtungen wechseln bzw. grundsätzlich kann ein Szenario nun aus mehreren voneinander getrennten verschiedenen Aufgaben bestehen. Leider kann man momentan noch keine größeren Szenarien selber erstellen, denn das Entwicklungs-Toolkit hierzu wird von Kuju erst im November nachgeliefert. Dafür funktioniert der Streckeneditor sehr ordentlich. Im Vergleich zum MSTS kann nun jedermann sehr einfach, wie mit einem Malprogramm, seine eigenen Strecken zusammenbauen. Die US-Version des Rail Simulators, welche erst Anfang 2008 erscheint, wird auch amerikanische Rollmaterialien und Strecken enthalten, die dann den europäischen Kunden als Download zur Verfügung stehen werden. Diese Veröffentlichungspolitik erzeugt leider den Eindruck, man versuche hier ein noch unfertiges Produkt so schnell wie möglich auf den Markt zu werfen.
Rail Simulator
Die Steuerung des Programms orientiert sich sehr stark am MSTS, so dass Umsteiger sich sofort zu Recht finden werden. Prominenteste Änderung ist der Tausch der beiden Tasten A und D für Beschleunigen bzw. Abbremsen. Die Kameraperspektive lässt sich nun vom Zug loslösen und man kann frei durch die Landschaft gleiten. Ebenso wurde nun ein beidseitiger Fensterblick ergänzt, so dass der virtuelle Lokführer bei Abfahrt des Zuges diesen überwachen kann. Praktisch sind auch die beiden Kartenmodi, die man eingebaut hat. Man kann hier zwischen einer 3D Ansicht aus der Vogelperspektive und einer Darstellung der Gleisanlagen durch Vektoren wählen. In der letzeren, technisch orientierten Ansicht, lässt sich auch ersehen, wo Signale und Fahrzeuge stehen, welches Bild die Signale zeigen und welche Blöcke von den verschiedenen sich bewegenden Zügen besetzt werden. Beim Stellen der Weichen hat man aber einen groben Fehler gemacht, der unbedingt mit einem Patch korrigiert werden sollte. Erstens muss man bei Szenarien oft die Weichen selber stellen. Hat man sich mal vertan und landet auf dem falschen Gleis, kommt eine Meldung, man habe die Strecke verlassen mit einem Countdown, der das Ende der Simulation ankündigt. Oft bleibt keine Zeit, diesen Fehler zu korrigieren und man muss das Szenario wieder von vorne beginnen. Das wirkt daher so unnötig, da im Gegensatz zum MSTS das Überfahren eines roten Signals nicht mehr mit dem Ende der Simulation, sondern einer Zwangsbremsung quittiert wird. Warum also dann ein Simulationsende nur wegen einer falsch gestellten Weiche? Zweitens ist die Tastenbelegung zur Schaltung der Weichen oft spiegelverkehrt (vorne ist beim Zug nun mal sehr eindeutig definiert) und das Programm lässt es zu, dass man Weichen unter seinem Zug umstellen kann. Das ist im Vorbild durch technische Maßnahmen nicht möglich und passiert im Rail Simulator durch die oft spiegelverkehrte Tastaturbelegung doch gelegentlich. Da wir schon bei Weichen sind: Das Aufschneiden einer Weiche (also Befahren der Weiche aus der momentan nicht gestellten Richtung) führt zu einer Entgleisung. Das ist völlig unrealistisch. Ein Vermerk im Fahrprotokoll im Sinne von Strafpunkten würde hier reichen. Im Vorbild springt normalerweise die Verriegelung der Weiche auf, um die Mechanik des Stellmotors zu schützen und das Fahrzeug stellt sich die Weiche selbst um.
Rail Simulator
Dem Lokführer steht noch eine Reihe von weiteren Informationstafeln zur Erfüllung seiner Aufgaben zur Seite: Das entsprechende Fenster zeigt nicht nur den Blick auf die Strecke in der Vektoransicht, sondern zeigt auch das Steigungsprofil, den nächsten Planhalt samt Entfernung und geschätzter Ankunftszeit, sondern auch einen Überblick über den Zug samt Wagennummern, Zustand der Kupplungen und der Handbremsen. Das schon aus MSTS bekannte HUD gibt es nun in zwei Varianten und zeigt alle wichtigen Infos zum Zustand des Zuges auf einen Blick. Ein weiterer nachbesserungsbedürftiger Patzer existiert beim Thema Fahrplan: es gibt nämlich leider keinen richtigen Buchfahrplan. Zwar zeigt das Programm die nächsten Haltestellen mit einer Ankunfts- und Abfahrtszeit an, die Zeiten werden aber ständig auf Basis der aktuellen Geschwindigkeit nachberechnet. Eine große Herausforderung eines Lokführers - die genaue Einhaltung eines Fahrplans - ist damit leider entfallen.
Zu einer realistischen virtuellen Welt gehören aber auch gute Soundeffekte. Auch hier hat man ordentliche Arbeit geleistet. Verfügt man über eine Soundkarte mit EAX Unterstützung, so darf man sich über Raumklang freuen. Beobachtet man seinen Zug aus der Gleisansicht erlebt man nicht nur einen Ohrenschmaus, wenn der Zug vorbeirauscht, sondern darf sich auch am Gezwitscher der Vögel, dem Lärm aus den Fabriken und an den Geräuschen des Autoverkehrs erfreuen.
