Railway Empire Test: KI-Probleme, Fazit
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Wäre Branchenurgestein Sid Meier stolz auf Kalypsos geistigen Nachfolger von Railroad Tycoon? Unser ausführlicher Test von Railway Empire gibt euch die Antwort und sagt zudem, welche Stärken und Schwächen die Eisenbahn-Tycoon-Simulation hat. Ebenso wollen wir in unserer Review die Frage beantworten, für wen das von Gaming Minds entwickelte Spiel gedacht ist.
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Railway Empire im Test: Unfaire Kontrahenten
Das schwerwiegende Problem von Railway Empire ist nicht wie beschrieben das Verlegen der Schienen, sondern vielmehr die künstliche Intelligenz. Denn obwohl wir uns für das komplexere System entscheiden, spielen die Computergegner im einfachen Modus und müssen sich entsprechend nicht um Kollisionen oder andere daraus resultierende Probleme kümmern. Ergo: Während wir mühevoll und kostenintensiv Ausweichgleise für beliebte Strecken legen, kann die Konkurrenz einfach eine beliebige Anzahl an Zügen ohne Schwierigkeiten auf einer Verbindung einsetzen.
Der KI-Faktor wird dadurch noch verstärkt, dass man im Spiel die Aktien der Konkurrenten kaufen kann und sie unsere. Leider gibt es keine richtige Gegenmaßnahme gegen eine feindliche Übernahme und so gewinnt unserer Erfahrung nach jenes Unternehmen, das mehr Kapital für die Aktiengeschäfte aufbringen kann. In den von uns gespielten Kampagnenmissionen hatten wir deshalb ab dem dritten Kapitel kaum eine Chance gegen die KI, vielmehr wurden wir jedes Mal innerhalb weniger Spielstunden von einem Kontrahenten aufgekauft. Der Grund: Trotz der Tatsache, dass wir 2.000 Kilometer mehr Schienen als die Konkurrenz vorzuweisen hatten, konnten wir auf unseren Strecken statt 100 Loks nur rund 20 einsetzen. Sobald wir aber auf das "einfache Schienensystem" umgestellt hatten, hatten wir keine Schwierigkeiten mehr, gegen die Konkurrenz anzukommen.
Quelle: PC Games
Unfair: Die KI-Gegner brauchen nicht auf Zugkollisionen zu achten und können deshalb deutlich mehr Loks auf einer Strecke einsetzen.
Railway Empire im Test: Eigentlich super
Wenn es dieses Problem nicht gäbe, müssten wir sagen, dass Railway Empire fast ohne Fehl und Tadel ist. Dank eines dynamischen Handelssystems und der Vielzahl unterschiedlicher Waren bleibt die Kampagne bis zum Schluss abwechslungsreich. Obendrein beeinflussen unsere Geschäfte das Wachstum der Städte auf der Landkarte. Wenn wir uns um die Nöte eines kleinen Weilers kümmern, kann er mit der Zeit zu einer Metropole heranwachsen. Das bringt gewaltige Vorteile für uns. Denn je größer eine Stadt ist, desto mehr Industrien kann sie beherbergen - und damit
Quelle: PC Games
Je größer eine Stadt ist, desto mehr unterschiedliche Industrien kann sie unterhalten.
wächst die Anzahl der potenziellen Transporte. Aufgrund dieser Mechanik ist jede Partie anders. Lassen wir zum Beispiel eine florierende Kleiderindustrie in Bel Air statt New York entstehen, kann Bel Air tatsächlich der weltberühmten Metropole den Rang ablaufen und zu einem neuen Handelszentrum werden. So zählt es dann nicht mehr, Verbindungen nach New York aufzubauen, sondern das Schienennetz mit dem Mittelpunkt Bel Air zu konzipieren. In einer anderen Partie könnten stattdessen auch Baltimore oder Boston wichtige Städte werden.
Ähnlich verhält es sich auch mit Betrieben wie Holzrodungsflächen oder Mastfarmen. Je mehr wir ihre Waren transportieren, desto größer werden sie. Im späteren Spielverlauf können wir sogar einige der Betriebe durch Auktionen kaufen und so unsere Profite noch mehr steigern.
Railway Empire im Test: Do the Locomotion
Ebenso haben wir uns über die akkurate Umsetzung der über 40 Loks gefreut, die wir im Laufe des Spiels erforschen. Diese dürften dank ihrer präzisen Modelle auch hartgesottenen Märklin-Fans gefallen und bringen zudem zusätzliche Abwechslung ins Spiel. Wir müssen nämlich nicht nur auf die Geschwindigkeiten der Lokomotiven achten, sondern ebenso auf ihre Leistung. Während eine Super Hudson 4-6-4 mit der Spitzengeschwindigkeit von 90 Meilen die Stunde als Expresszug für Passagiere sowie Post hervorragend geeignet ist, kommt sie wegen ihrer relativ geringen Zugleistung mit schweren Gütern und vor allem mit Steigungen kaum klar. Eine Mallet 2-6-6-2 kann dagegen viel Fracht auf einmal transportieren, ist aber bei den Fahrgästen nicht gerade beliebt und hat zudem einen hohen Wartungsbedarf. Da auf den meisten Strecken eine Mischung aus Fracht und Passagieren transportiert wird, dauert es eine Weile, bis man die optimalen Loks herausgefunden hat.
Quelle: PC Games
Komfortabel: Wir können mit dem Mausrad jederzeit stufenlos hinein- und herauszoomen.
Railway Empire im Test: Einsteiger greifen zu
Auch grafisch macht Railway Empire was her. Die Landschaften sind detail- und auch abwechslungsreich gestaltet. Ein kleiner Schwachpunkt sind jedoch die Städte, deren Gebäudemodelle und Passanten grafisch nicht unbedingt überzeugen. Doch für Genreverhältnisse ist die Präsentation auf jeden Fall auszeichnungswürdig. Uns hat es zudem gut gefallen, dass wir uns in die Fahrerkabine eines Zuges setzen und so hautnah erleben können, wie unsere Strecken tatsächlich aussehen.
Insgesamt kann man Railway Empire damit allen angehenden Eisenbahn-Tycoons danks seiner Einsteigerfreundlichkeit empfehlen - Experten sollten aber lieber zu Transport Fever (den Test findet ihr hier) greifen.
Metacritic bewertet das Spiel mit 74%.
