Rain im Test: Ein Pflichtkauf für Liebhaber besonderer Spiele

Test Alexander Winkel

Rain! Das ist eine mysteriöse, traumhafte Geschichte einer unsichtbaren Welt, die durch den sanft prasselnden Regen ganz seicht enthüllt wird. Dieses Abenteuer eines Jungen entführt uns ähnlich wie Flower oder Journey in eine märchenhafte Welt, die teils spielerisch, aber vor allem stilistisch ihresgleichen sucht. Trotz einiger Macken ist Rain eine klare Kaufempfehlung für all diejenigen, die auf ungewöhnliche Spiele stehen.

Rain ist die unglaubliche Geschichte eines kleinen Jungen, der bei strömenden Regen sein warmes Bett verlässt und eher unfreiwillig in eine traumhafte Parallelwelt eintaucht. Ein unsichtbares Mädchen hat ihn gelockt, welches voller Angst vor etwas skurrilem, womöglich gefährlichem flieht. Ein wahrer Gentleman muss dem armen Ding einfach unter die Arme greifen. Doch kaum stapft man in den Schuhen des Jungen durch die Häuserschluchten, stellt man fest, dass auch er jegliche Erscheinung abgelegt hat und nur noch durch den prasselnden Regen zu erkennen ist. Es bildet sich eine mysteriös schillernde Silhouette, wenn man durch das herab strömende Nass wandert. Begibt man sich unter eine Brücke, in einen Durchgang oder unter einen hervorstehenden Balkon, so verliert man unweigerlich den Jungen aus dem Auge.

Rain (8) Quelle: Sony Rain (8) Das kühle Nass ist in Rain das vorherrschende Spielelement. Es ist aber nicht nur ein adäquates Mittel um die beiden Kinder sichtbar zu machen, auch die düstere und stets lauernde Gefahr verrät sich durch nasse Fußspuren ober ebenfalls sichtbar werdende Silhouetten. Gefährliche Biester, wütende Kreaturen die an Dinosaurier, Hunde und Käfer erinnern, machen Jagd auf die unschuldigen Kids, wann immer diese sich im Regen blicken lassen. Verkriechen sie sich im Schutz einer Mauer im Trockenen, wittern selbst die feinen Nasen der Kreaturen keines der Kinder. Wehe aber dem, der dabei eine Flasche umwirft oder unbedacht durch eine laut plätschernde Pfütze stapft, derjenige verrät unweigerlich seinen Aufenthaltsort und setzt sich der lauernden Gefahr aus.

Rain (7) Quelle: play³ Rain (7) Eine direkte Konfrontation mit den Kreaturen muss gemieden werden. Sobald die Biester einen erwischen, ist das Spiel sofort vorbei und der letzte, meist aber sehr gut gesetzte Checkpoint wird geladen. Die beiden Kinder laufen daher beständig um ihr Leben und suchen sich Wege durch den Klettergarten der Stadt. Kleine Schlupflöcher, ein wasserdichter Spind oder über die Balkone hinweg, Hauptsache durch Passagen, welche nur den Kindern vorbehalten sind. Hartnäckige Biester werden in eine Falle gelockt, so dass ihre Peiniger den Rest des unsichtbaren Lebens im Käfig verbringen oder dank schwerer Steine wohl mit Kopfschmerzen am Boden liegen. Ohne List ist das Abenteuer kaum zu meistern und nur mit ein wenig Köpfchen und geschickten Fingern am Gamepad wird man die Kreaturen der Paralellwelt überraschen können. Vor allem im späteren Verlauf, wenn das Mädchen und der Junge endlich gemeinsam ihren Weg gehen, gilt es Feinde beständig durch kleine Tricks zu überrumpeln. Durch Laute und Geräusche werden die Biester zum Beispiel vom Partner weggelockt oder man hetzt kleine Käfer auf die übergroßen Kreaturen, so dass sie anderweitig beschäftigt sind.

Trotz zahlreicher Kletter- und Sprungeinlagen spielt der Regen stets eine tragende Rolle. Inmitten des prasselnden Vorganges können wir die beiden Kinder genau erkennen und diese ungehindert durch den wunderschön angelegten Parcours der altertümlichen und dennoch modernen Stadt, vorbei an Zirkus und Kirche bis in eine verrückte Fabelwelt manövrieren. Sobald der stets recht lineare und offensichtliche Weg uns durch Tunnels und ähnliches führt, verraten nur noch nasse Fußspurren und umkippende Kisten, Flaschen oder Bänke, wo sich die Kinder – aber eben auch die Feinde – derzeit befinden. Es ist ein unglaublich intensives und spannendes Katz und Maus Spiel, in dem das Element Regen oder Schmutz alles enthüllen kann. Dadurch kommen zahlreiche nette Spielsituationen zustande und auch die Emotionen werden subtil und dennoch rührend herüber gebracht.

Rain (4) Quelle: play³ Rain (4) Sprechen können die Kinder nicht wirklich, doch die Story wird mit stilvoll in die Spielumgebung integrierten Texteinblendungen voran getrieben. Eine Erzählform wie aus einem Märchenbuch. Die unsichtbaren Kinder können dabei nur mit Gesten und bedingter Mimik ihre Gefühle vermitteln, doch die superb gelungene Hintergrundmusik wiegt die fehlende Sprachausgabe vollkommen auf. Genau dieses Zusammenspiel aus Spielmechanik, einfallsreichen Aufgaben und einer mysteriösen Welt setzt der Entwickler sehr geschickt um. Der Stil von Rain ist einzigartig und extrem gelungen. Vor allem zu Beginn begeistert die Möglichkeit, dass die Kids unsichtbar durch die Gassen wandern und damit ihren Peinigern gekonnt aus dem Weg gehen.

Rain (2) Quelle: play³ Rain (2) Umso weiter das Abenteuer jedoch voran schreitet, umso hektischer wird der Ablauf. Das ursprüngliche Versteckspiel im Schutze der Unsichtbarkeit, das vorsichtige Herantasten und der nur gelegentliche Sprint nachdem die Biester einen entdeckt haben, ist plötzlich nur noch ganz selten wirklich gefragt. Kaum mehr gilt es Feinde mit Geräuschen abzulenken oder ähnliches, es wird gerannt. Die Kinder müssen die Füße in die Hand nehmen und schauen, dass sie Land gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt flacht auch ein wenig die Interaktion zwischen dem Jungen und dem Mädchen ab und es kommt zu einem zwar schönen, aber durchaus zu erwartenden Ende. Zum Schluss hin kann Rain die Klasse nicht halten, die uns bis knapp über die Hälfte des Abenteuers aber konstant begleitet und begeistert. Und mit noch einem Manko muss Rain sich zufrieden geben: Trotz zusätzlicher Sammlerobjekte verliert ein erneuter Durchgang an Reiz – man hat die mysteriöse Welt dann leider schon komplett erkundet und das in ca. 4-5 Spielstunden!

Meinung

Wertung zu Rain (PS3)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
zauberhafte, wenn auch stark verregnete Kulissetolles Katz und Mausspiel mit den unsichtbaren Kreaturenideenreichen Aufgaben rund um den Regeneinfühlsame Geschichte zweier verlorener Seelenwird dank tollem Soundtrack musikalisch grandios untermauert
mit ca. 4-5 Stunden und kaum Wiederspielwert recht kurze Spielzeitgegen Ende wird immer weniger die einzigartige Spielmechanik um und mit dem Regen eingesetztinsgesamt ist Rain sehr einfach ausgefallen und die Aufgaben meist recht offensichtlich
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