Rebel Galaxy Outlaw: Epic-Games-Store-exklusives Weltraumabenteuer im Test - mit Video!
Test
Klein, aber fein: Double Damage Games verabschiedet sich im Nachfolger der Weltraum-Action von den Großkampfschiffen - und das ist auch gut so. Was die fleißigen Entwickler sonst alles richtig gemacht haben und wo es noch ein wenig hakt, verraten wir euch in unserem Test.
Chris Roberts' Mammutprojekt Star Citizen lässt allem Anschein nach noch eine gute Weile auf sich warten - wenn es denn überhaupt jemals erscheinen wird. Kein Wunder, denn die Erschaffung einer Galaxie voller Sternensysteme mit Dutzenden Planeten kann in Arbeit ausarten - vor allem, wenn man so penibel wie der Wing-Commander-Schöpfer ans Werk geht. Dass es aber auch anders geht und man sehr wohl mit einer überschaubaren Spielwelt ein Weltraum-Open-World-Erlebnis bieten kann, das sowohl kurzweilig als auch motivierend ausfällt, davon hat uns Double Damage überzeugt. Mit Rebel Galaxy Outlaw entführt uns das kleine, von ehemaligen Diablo-Entwicklern gegründete Studio in den Dodge-Sektor, der dank seiner Western-Anleihen allen Firefly-Fans sogleich merkwürdig vertraut vorkommt. Wir schlüpfen in die Rolle von Juno Markev, die auf der Suche nach dem Mörder ihres geliebten Mannes ist. Doch aller Anfang ist schwer, denn zu Beginn ihres Abenteuers steht unsere Heldin ohne Raumschiff oder sonstige Ausrüstung da. Immerhin bekommt sie aber eine - um es noch nett auszudrücken - Schrottmühle von einem ehemaligen Geschäftspartner geschenkt, die wir in den ersten Spielstunden kräftig aufmotzen. Wie das vonstattengeht, was wir sonst alles in Rebel Galaxy: Outlaw veranstalten und wie gut das Spiel schlussendlich ist, das verraten wir euch in unserem Test.
Auf dieser Seite
Rebel Galax Outlaw im Test: Klein, aber fein
Von Juno Markev dürften die Kenner des ersten Rebel Galaxy gehört haben, schließlich handelt es sich um die Tante des Protagonisten aus Teil 1 (hier geht's zum Test von Rebel Galaxy). Die Gute hatte uns ein großes Raumschiff vermacht und uns durch einen kryptischen Hinweis quasi den Auftrag erteilt, uns auf die Suche nach ihr zu begeben. Bei Rebel Galaxy Outlaw handelt es sich folglich um ein Prequel, das uns die Vorgeschichte darüber erzählt, wie Juno zu ihrem riesigen Schiff und Ruhm gekommen ist. Doch wie schon im ersten Teil ist die Handlung von Rebel Galaxy Outlaw nur Beiwerk, das uns zwar einige erinnerungswürdige Missionen und Charaktere beschert, aber insgesamt niemanden vom Hocker haut. Viel wichtiger war es den Entwicklern allem Anschein nach, sich spielerisch vom Erstlingsspiel abzusetzen - und hier müssen wir sagen, dass es ihnen durchaus gelungen ist!
Im Gegensatz zu Rebel Galaxy übernehmen wir in Outlaw nämlich nicht die Kontrolle über riesige Weltraumschiffe, sondern setzen uns in die Cockpits von kleinen, flinken Jägern oder mittelgroßen Handelsschiffen, die über wenige Verteidigungstürme verfügen. Die unterhaltsamen Weltraumkämpfe haben dadurch eine nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeit mit den arcadelastigen, einfach gestrickten Gefechten der Wing-Commander-Reihe. Wir können uns nun in allen Dimensionen bewegen, müssen auf unsere Geschwindigkeit und Schilde achten und im richtigen Moment auf die Feuertaste drücken. Dabei ist der Schwierigkeitsgrad aber recht hoch, denn zumeist kämpfen wir alleine oder mit einem KI-Kameraden gegen sechs oder mehr Feinde, die eigentlich über ein besseres Equipment verfügen und meisterhaft unseren Schüssen ausweichen. Am besten steuert man die Kämpfe mit einem Gamepad, aber auch mit Maus und Tastatur lässt sich Rebel Galaxy: Outlaw noch einigermaßen gut spielen. Unterstützt werden übrigens auch Joysticks und HOTAS-Systeme, die aber wegen des Augenmerks auf ein arcadiges Spielgefühl unserer Meinung nach nicht so recht zum Weltraumabenteuer passen.
Quelle: PC Games
Im Gegensatz zum Vorgänger können wir zwar nicht die Kontrolle über Großkampfschiffe übernehmen, aber müssen gelegentlich gegen sie kämpfen.
Dass unsere Schrottmühle keine dauerhafte Lösung ist, macht uns Rebel Galaxy Outlaw schon in den ersten Spielminuten klar. Insgesamt schalten wir im Laufe des etwa 30 Stunden langen Sci-Fi-Abenteuers bis zu vier weitere Typen frei, allesamt zwar besser als unser erstes Schiff, aber jeweils mit gewissen Vor- und Nachteilen. So ist der Sandhawk etwa am schnellsten und wendigsten, hat zudem vier Waffenbuchten, verfügt aber nur über eine Frachtraumgröße von sechs Tonnen. Durston hingegen ist unglaublich langsam und lässt sich nur schwer manövrieren, kann aber 24 Tonnen transportieren und hat obendrein zwei zusätzliche Verteidigungstürme.
Doch auch unsere Schrottmühle lässt sich upgraden - natürlich gegen Bares. Mit einem überschaubaren Repertoire an Schiffswaffen, Schilden, Generatoren, Radargeräten und Nachbrennern können wir uns das Leben ein Stück einfacher machen. Um an die nötigen Moneten zu kommen, erledigen wir genretypische Aufträge. Mal gilt es, Piraten an einer bestimmten Stelle zu bekämpfen, ein Handelsschiff zu eskortieren oder eine Weltraumstation vor einem Angriff zu beschützen. Dabei fällt spätestens nach einigen Stunden auf, dass die Entwickler mit den Missionsarten etwas sparsam umgegangen sind - bis auf spezielle Story-Missionen sind sich die Aufträge sehr ähnlich und wir kämpfen obendrein fast immer gegen die gleichen Schiffstypen. Wir können uns auch zwei Gilden anschließen, um so an lukrativere Aufträge zu kommen, die aber sonst mit den normalen Missionen fast identisch sind.
Rebel Galaxy Outlaw im Test: Kriminelle Ader
Doch die immer gleichen Aufträge fallen am Ende gar nicht so stark ins Gewicht, denn wir haben auch andere Möglichkeiten, uns zu bereichern. Zum einen können wir Handel treiben und so relativ schnell viele Credits machen. Hier sollte man aber kein komplexes, dynamisches Handelssystem erwarten, sondern ein recht simples mit etwa 20 unterschiedlichen Gütern. Eine andere Option zum Reichwerden ist das Abbauen von Rohstoffen. Mit einem speziellen Laser und einem Bergbau-Scanner können wir umherfliegende Asteroiden untersuchen und so etwa Diamanten oder Gold mit einem Traktorstrahl in unser Schiff ziehen. Die interessanteste Möglichkeit, viel Geld auf einen Schlag zu machen, sind hingegen die Kopfgeldaufträge. In Bars fragen wir nach Hinweisen nach dem Verbleib eines Verbrechers und müssen dann auf einer Übersichtskarte herausfinden, in welchem Sektor der jeweilige Kriminelle sein Unwesen treibt. Falls wir ihn lebend schnappen, können wir ihn dann zu einer Raumstation bringen und bekommen einen Haufen Credits für unsere Verdienste.
Quelle: PC Games
In manchen Missionen gilt es, Frachter zu beschützen. Das kann aufgrund vieler Feinde auch mal in Stress ausarten. (1)
Wir können uns aber auch für eine kriminelle Laufbahn entscheiden und Frachtschiffe ausrauben. Dafür fragen wir auf Raumstationen nach Frachtern, die im Sektor gesehen wurden. Gegen eine kleine Gebühr markiert man uns dann Koordinaten auf der Übersichtskarte, wo die Schiffe zuletzt gesichtet wurden. Zumeist müssen wir uns noch gegen die Begleiter der Händler einen Kampf liefern, werden dann aber mit Gütern belohnt, die wir mit unserem Traktorstrahl an Bord ziehen. Hierbei sollte man beachten, dass man über genügend Frachtraum verfügt - sprich am besten ein fettes Durston sein Eigen nennt. Wer nun nicht gleich ein Weltraumpirat werden möchte, kann sich für eine Schmugglerkarriere entscheiden. Neben normalen Handelsgütern gibt es nämlich auch illegale Waren wie etwa verbotene Waffen oder Drogen, die wir mit unserem Schiff transportieren können. Damit die Polizei nicht sogleich unsere wertvolle Lieferung einkassiert, empfiehlt es sich, den Frachtraum mit einem Geheimversteck auszustatten. Der Platz im Versteck ist zwar begrenzt, aber normalerweise sind die illegalen Güter auch deutlich mehr wert als etwa Groschenromane, Stahl oder Multiplayer-Spiele. Für beide kriminelle Karrieren gilt aber auch, dass die Polizei immer mehr auf uns aufmerksam wird und wir so bereits nach einigen Verbrechen von ihr gesucht werden. Um dagegen vorzugehen, müssen wir im Anschluss Aufträge erledigen, in denen wir gegen Piraten kämpfen.
Rebel Galaxy Outlaw im Test: Sprücheklopfer
Für etwas Abwechslung sorgen zudem Arcade-Automaten, einarmige Banditen und Billardtische, die wir auf den Raumstationen finden. Das 8-Ball genannte Billardspiel gibt uns sogar die Möglichkeit, um Schiffskomponenten wie einen Schildgenerator oder ein Radarsystem zu spielen und so vor allem am Anfang den Fortschritt zu beschleunigen. Apropos Fortschritt: Rebel Galaxy Outlaw gehört leider zu den Spielen, die nicht ganz ohne lästige Grindingphasen auskommen. Wie bereits erwähnt, sind die Missionstypen relativ ähnlich und damit wir im Verlauf des Spiels auch die interessanten Story-Aufträge absolvieren können, müssen wir immer wieder einige Stunden entweder Handelsgüter von einer Raumstation zur nächsten bringen oder viele Piraten und andere Kriminelle ausschalten. Da wir aber immerhin einige unterschiedliche Möglichkeiten des Geldverdienens haben, kamen uns zumindest die besagten Phasen nicht ganz so langweilig und aufgesetzt vor.
Quelle: PC Games
Heldin Juno dürfte Spielern des Vorgängers bekannt vorkommen.
Schön fanden wir zudem die Charaktere im Spiel. Sie wirken zwar nicht ganz so abgefahren und verrückt wie etwa die von der Borderlands-Reihe, sind uns aber im Laufe des Abenteuers am Ende ein wenig ans Herz gewachsen - ähnlich wie auch die Protagonistin Juno. Richter ist zum Beispiel der Bruder eines Konzernchefs, der stets versucht, durch Betrug und kriminelle Aktivitäten an das große Geld zu kommen. Obwohl wir bei jeder seiner Missionen von vornherein wissen, dass seine Pläne auf die eine oder andere Weise misslingen werden, will man dem etwas dümmlichen Möchtegern-Millionär doch stets zur Hand gehen. Obendrein fliegen einige der Charaktere auf Wunsch mit uns und helfen uns bei den Kämpfen. Zwar sind ihre Flugkünste nicht gerade bahnbrechend, aber immerhin kommentieren sie das Geschehen mit einigen flapsigen Sprüchen und tragen so zur Atmosphäre bei. Ein wenig nervend ist aber, dass Juno selbst nur wenige unterschiedliche Sätze auf Lager hat. Spätestens nach einigen Spielstunden kennt man ihre Sprüche in- und auswendig und manchmal möchte man die Dialoge im Spiel deshalb fast schon ausschalten.
Rebel Galaxy Outlaw im Test: Star Citizen light
Quelle: PC Games
Die Auswahl an unterschiedlichen Missionen ist leider recht begrentzt.
Insgesamt ist Rebel Galaxy Outlaw unserer Meinung nach genau das richtige Spiel für diejenigen, die Elite: Dangerous zu ernsthaft und simulationslastig finden, aber trotzdem Lust auf ein episches Weltraumabenteuer im Stil von Privateer oder Freelancer haben. Double Damage liefert uns einen Open-World-Titel, der zwar kein riesiges oder überhaupt abwechslungsreiches Universum bietet, dafür aber sehr kurzweilige Raumkämpfe und einige erinnerungswürdige Charaktere in petto hat. Zudem muss man auch erwähnen, dass die Entwickler dem Spiel einen über 20 Stunden langen Soundtrack beigefügt haben, den wir ähnlich wie in der GTA-Reihe über unterschiedliche Radiosender hören können. Die Bands mögen zwar nicht die bekanntesten sein, aber am Ende ist mit Elektro, Rock, Pop und Klassik für jeden Geschmack was dabei. Auch sonst überzeugt Rebel Galaxy Outlaw fast auf ganzer Linie, vor allem in Anbetracht des kleinen Entwicklerteams. Die Western-Atmosphäre kommt dank sehenswerter Grafik, den Charakteren und der passenden Musikuntermalung richtig gut rüber. Ein kleiner Minuspunkt ist hingegen die offene Spielwelt. Man merkt einfach, dass Double Damage die Ressourcen fehlten, alle Sonnensysteme und Raumstationen abwechslungsreich zu gestalten. Gleiches gilt auch für die Missionen abseits der Story-Aufträge. Angesichts des eher kleinen Preises von Rebel Galaxy Outlaw kann man das alles aber verschmerzen, denn für 30 Euro bekommt man hier ein gutes Spiel im Stile von Borderlands und Privateer geboten.
