Republic - The Revolution im Gamezone-Test

Test Peter Grubmair

"Republic" gibt sich wie die russische Seele: Schwer zugänglich aber im Ernstfall treu ergeben.

Republic - Revolution oder Rohrverrecker?

Eine Politik-Simulation der etwas anderen Art präsentiert uns Eidos mit "Republic - The Revolution". In Person eines jungen Russen obliegt uns die Aufgabe das von Rezession geplagte Land wieder auf den richtigen Pfad zu führen, oder auch auf den Falschen, Hauptsache die Kohle stimmt. Denn in Novistrana, unserer Heimatstadt, ist alles möglich. Viele Einwohner sind sich über ihre politische Ausrichtung überhaupt nicht im Klaren, weshalb sie dankbar jedwede Führung annehmen. Allerdings sind wir nicht alleine und haben gegen die verschiedensten Gruppierungen zu bestehen, oder uns mit ihnen zu verbünden, um die absolute Macht über Novistrana zu erringen. Um das zu erreichen gilt es viel zu spionieren, viel zu reden und ab und zu auch mal zu schmieren.

Bis man allerdings soweit ist, muss man den schwersten Einstieg in eine Simulation überhaupt hinter sich bringen. Denn wer hinter dem Punkt Tutorial eine Einweisung ins Spiel erwartet wird herbe enttäuscht. Nichts außer mehrere Bildschirme voller Text, unterlegt mit unscharfen Screenshots und darauf weisenden Pfeilen, sollen uns erklären wie das verbaute Spielprinzip zu funktionieren hat. Leider sind die Informationen oft unvollständig, weswegen das Tutorial gerne auf das mitgelieferte, gut 50 Seiten starke Handbuch, verweist. Dies ist zwar vorbildlich in Farbe gehalten und die präsentierten Screenshots sind allesamt groß und scharf abgebildet, eine ideale Lösung allerdings stellt es nicht dar den Spieler immer wieder aufs Handbuch zu verweisen.
Doch auch mit Handbuch stellt einen das ungewöhnliche Menü mit seinen permanent ineinanderrutschenden Fenstern sowie die wichtigen statistischen Angaben in Form von halbkreisförmigen Kuchendiagrammen vor so manches Rätsel. Bis man dieses System gecheckt hat, hat man das Game bereits mehrmals von Vorne begonnen. Denn es dauert schon eine Weile bis man aus den bunten Kuchenteilen die Bedeutung von Macht, Geld und Einfluss herauslesen kann um daraufhin zu wissen in welchem Stadtteil man wie auf Stimmenfang zu gehen hat. Denn sämtliche Aktionen, vom Informationen sammeln über den Stimmenfang bis hin zum Anwerben von Parteimitgliedern werden anhand der rutschenden Menüs und der gezeigten Stadtkarte ausgelöst. Einzig für die Überzeugungsgespräche schaltet das Spiel in eine Nahansicht um, woraufhin wie mit einem noch undurchsichtigerem Diskussionsmenü zu versuchen haben unser Gegenüber von der eigenen politischen Einstellung zu überzeugen.

Hat man allerdings die ersten quälenden Stunden der Einarbeitung hinter sich und kommt auch langsam mit den Schiebemenüs zurecht, entfaltet "Republic" sein ganzes Potenzial. Die politischen Gegner legen mitunter einen verblüffenden Ideenreichtum an den Tag um sich ihre Pfründe zu sichern und so mancher Gesprächspartner wirkt lustiger als er sein soll. Besonders das dumpfe Pseudorussisch in Verbindung mit den stadtübergreifenden Blähungen der Bewohner sorgt für manchen Lacher im ansonsten so ernsten Russland.

Ebenso ernst, ja fast schon etwas bedrückend und schwer, fiel die zugehörige Soundkulisse aus. Neben den dezenten Stadtgeräuschen werden wir, nicht nur während der langen Ladezeiten, mit melancholischem Singsang der gewichtigsten Sorte belastet, die nur noch von eingefleischten Lenin-Fans schadlos ertragen werden kann.

Die präsentierte Grafik wirkt sehr zweckdienlich und kühl, enttäuscht leider etwas in der verwendeten 3D Stadtansicht, die zwar mit angenehm hochdetaillierten Gebäuden aufwartet, den gesamten Rest aber ziemlich vernachlässigt. Besonders bei den Diskussionen sieht man oft die beiden Gesprächspartner vor schön gestalteten Restaurants sitzen, auf einer Wiese die sich nicht einmal meine Oma auf den Balkon legen würde. Zudem kämpft die frei drehbare Sicht in der Stadt mit der überempfindlichen Maus, welche das gesamte Geschehen schon bei der kleinsten Bewegung um 180 Grad rotieren lässt. Da man aber meist die gewünschte Option per Menü auswählt und so direkt zum Ort des Geschehens portiert wird, kann man dieses kleine Manko vernachlässigen.

Meinung

Wertung zu Republic - The Revolution (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Lustige und abwechslungsreiche Aufgabeninnovatives Gesprächsfeaturefunktionierendes politisches System
Schlimmstes Tutorial seit es Tutorials gibtsehr schwerer Einstiegressourcenfressende Stadtansichtjedes Game wartet wieder mit den gleichen Aufgaben auf
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