Resident Evil 2 Remake im Test: Seite 2 - mit Fazit und Wertung

Test Christian Dörre 35,99 €
Resident Evil 2 Remake im Test: Seite 2 - mit Fazit und Wertung
Quelle: PC Games 

Der Survival-Horror-Klassiker Resident Evil 2 ist zurück und erstrahlt in neuem Glanz, ohne jedoch alte Tugenden außer Acht zu lassen. Wir haben die Neuauflage des Klassikers noch vor dem Release getestet und verraten euch, warum das Remake von Resident Evil 2 fast alles richtig macht!

Atmosphärischer Horror

Selbstverständlich trefft ihr im Spielverlauf aber nicht nur auf gewöhnliche Untote, sondern auch auf allerhand weitere Mutationen, die euch das Leben schwer machen.

Doch egal, ob ihr nun gegen einen Standard-Zombie, einen Licker, den mächtigen Tyrant oder ein mutiertes Krokodil antretet - das Design der Kreaturen ist fantastisch gelungen und jagt einem den einen oder anderen Schrecken ein. Zudem machen die Kämpfe gegen die verschiedenen Monster richtig Laune, da sich die verschiedenen Waffen unterschiedlich sowie schön wuchtig anfühlen und man an den Gegnern wundervoll das Treffer-Feedback beobachten kann. Lediglich die Bosskämpfe sind ein wenig enttäuschend, da sie immer in sehr engen Arealen stattfinden, sehr kurz und auch etwas zu einfach sind. Die Schwachstellen der Bosse sind meist arg offensichtlich und in den allermeisten Fällen reicht es einfach aus, in Bewegung zu bleiben und mit etwas Abstand draufzuballern. Hier hätte man den Klassiker für die Neuauflage gerne ein bisschen mehr überarbeiten können.

Dass das zuständige Team von Capcom ansonsten weiß, wie man das Original vernünftig aufpeppt, beweisen sie nämlich vor allem mit dem Wenn euch der riesige Tyrant durch das Polizeirevier verfolgt, bringt das ganz schön den Puls zum Rasen. Nehmt besser die Beine in die Hand! Quelle: PC Games  Wenn euch der riesige Tyrant durch das Polizeirevier verfolgt, bringt das ganz schön den Puls zum Rasen. Nehmt besser die Beine in die Hand! atmosphärischen Aufbau des Spiels. Waren die Räumlichkeiten im alten Resi 2 noch hell beleuchtet, schickt euch das Remake nur zu gerne in die Finsternis. Vor allem im Polizeirevier ist in großen Teilen der Strom ausgefallen und Leon oder Claire bahnen sich langsam mit dem Schein ihrer Taschenlampe einen Weg durch die blutbesudelten und mit entstellten Leichen übersäten Gänge. Resident Evil 2 spielt hervorragend mit Licht und Schatten, um euch in stetige Anspannung zu versetzen. Hinzu kommt eine absolut herausragende Soundkulisse, die eine zum Schneiden dichte Grusel-Atmosphäre kreiert. Das Remake ist kein schnelles Action-Spiel wie Teil 6, sondern nimmt sich genügend Zeit, richtig Spannung aufzubauen, bevor es zur Eskalation kommt. Ein Beispiel: War der Licker im Original plötzlich da, verstehen es die Entwickler im Remake, die Kreatur richtig aufzubauen. Bevor wir das Monster mit der langen Zunge und dem offenliegenden Gehirn zu sehen kriegen, stoßen wir erstmal auf dessen Opfer, erkennen im Schein der Taschenlampe riesige Kratzspuren an den Wänden und sehen einen unheimlichen Schatten weiter vorne umherhuschen.

Bis wir den Licker zum ersten mal sehen, ist er in unserem Kopf bereits so eine furchteinflößende Bestie, dass das erste Aufeinandertreffen viel spannender und gruseliger ist als es ohne diesen Aufbau wäre. Klar, auch Resident Evil 2 beinhaltet den einen oder anderen Jumpscare, doch im Je nach Gebiet lauern andere Gefahren auf Leon und Claire. In der Kanalisation warten beispielsweise diese netten Mutanten. Quelle: PC Games  Je nach Gebiet lauern andere Gefahren auf Leon und Claire. In der Kanalisation warten beispielsweise diese netten Mutanten. Großen und Ganzen entsteht der Horror aus der famosen Atmosphäre und geschicktem Spannungsaufbau. Zudem versteht es der Titel, an manchen Stellen das Tempo wirkungsvoll anzuziehen. Die meiste Zeit ist Resi 2 ruhig und stimmungsvoll, doch dann konfrontiert es uns auf einmal mit einer riesigen Horde Zombies im Weg, einem mutierten Krokodil, das uns durch die Kanalisation jagt oder dem grimmigen Tyrant, der uns durch das komplette Polizeirevier verfolgt und dessen stampfende Schritte bei uns schon Panik schüren. Zudem wurden die verschiedenen Areale im Spiel abwechslungsreich gestaltet und bieten eigene Horror-Elemente. Während man im Polizeirevier quasi allein im Dunkeln mit Monstern eingesperrt ist, watet man in der Kanalisation durch einen Sumpf von Leichen und Därmen, zwischen denen sich seltsame Mutationen verstecken und in den Labors von Umbrella trifft man sogar auf noch weitere widerliche Kreaturen, die ganz deutlich zeigen, dass der Mensch - und schon gar nicht bösartige Konzerne mit Regenschirm im Logo - nicht Gott spielen sollte. Jeder Abschnitt im Spiel bietet neue Schrecken, sorgt für diese nervöse, aber auch irgendwie wohlige Anspannung und motiviert, weiterzuspielen, um den Wahnsinnigen von Umbrella auf die Schliche zu kommen und unseren jeweiligen Protagonisten die Zombie-Apokalypse überleben zu lassen.

Hin und her und wieder zurück

Im Gegensatz zu vielen anderen Action-Adventures und auch einigen neueren Resident-Evil-Teilen sind die verschiedenen Gebiete im Spiel nicht nur bloße Kulissen, durch die ihr hindurch gescheucht werdet. Sämtliche Areale sind quasi ein großes Rätsel, bei dem ihr verschiedene Dinge erfüllen müsst, um es zu lösen oder - besser gesagt - einen Weg hindurch zu finden. Gelangt ihr in ein Gebiet, sind zunächst nur wenige Türen Die verschiedenen Bossgegner sehen zwar eindrucksvoll aus, sind aber leider ziemlich einfach zu besiegen. Hier hätten wir uns spektakulärere Action gewünscht. (2) Quelle: PC Games  Die verschiedenen Bossgegner sehen zwar eindrucksvoll aus, sind aber leider ziemlich einfach zu besiegen. Hier hätten wir uns spektakulärere Action gewünscht. (2) offen. Mal fehlt euch ein bestimmter Schlüssel für besondere Türen, mal fehlt euch ein Gegenstand, um einen Mechanismus in Gang zu setzen, der dafür sorgt, dass sich ein neuer Pfad öffnet oder ihr ein weiteres Item erlangt, das ihr für ein Rätsel benötigt, dessen Lösung wiederum eine vormals verschlossene Tür oder gar einen Geheimgang öffnet. Teilweise funktioniert dies sogar gebietsübergreifend, sodass ihr zum Beispiel erst in der Tiefgarage einen Gegenstand erhaltet, der wichtig ist, um im Polizeirevier, wo ihr zuvor schon wart, etwas auszulösen. Dies sorgt dafür, dass ihr die verschiedenen Gebiete im Spiel bald wie eure Westentasche kennt, da ihr die Gänge viele Male entlanglaufen werdet.

Im Kontext des Spiels ist das absolut schlüssig, da ihr ja einem großen Geheimnis auf der Spur seid und euch zur Lösung durchknobeln müsst, allerdings ist es eben auch Backtracking. Während dies bei vielen anderen Titeln einfallslos erscheint und nur als Beschäftigungstherapie oder zur Spielzeitstreckung dient, fällt dies bei Resident Evil 2 jedoch kaum negativ ins Gewicht. Spieler der alten Resident-Evil-Teile sind das Backtracking Das allgemeine Spieltempo ist zwar recht gemächlich, doch immer wieder mal wirft euch das Spiel in hektische Situationen, wo ihr schnell flüchten müsst. Quelle: PC Games  Das allgemeine Spieltempo ist zwar recht gemächlich, doch immer wieder mal wirft euch das Spiel in hektische Situationen, wo ihr schnell flüchten müsst. eh gewohnt und das Remake kaschiert dieses Spielelement ganz gut. Statt sich zu denken: "Och nö, jetzt muss ich wieder dahin zurück!", erfreut man sich eher daran, dass man wieder einen Schritt weitergekommen ist. Zudem reizt der Titel das Backtracking nicht so sehr aus, dass man vom Ende des Spiels wieder zum Anfang zurück muss. Selbst wenn die Item-Hatz gebietsübergreifend ist, fällt der Weg nie sonderlich lang aus. Sehr oft schaltet man sogar Abkürzungen frei oder findet einen Geheimgang oder f'Fahrstuhl, der die beiden Gebiete miteinander verbindet.

Allerdings sollte man sich im Klaren darüber sein, dass das Studieren der Karte quasi Pflicht ist. Anfangs findet man sich auch so noch gut zurecht, doch je mehr Wege, Abkürzungen oder Stockwerke ihr freischaltet, desto empfehlenswerter ist es, den kürzesten oder besten Weg zu kennen. Auch weil ihr euch bei Resident Evil 2 nie in Sicherheit wiegen solltet. So kann das Öffnen eines neuen Pfades etwa dafür sorgen, dass wieder mehr Zombies in bestimmte, bereits gesäuberte Gänge kommen oder ein paar Licker sich in der Zwischenzeit irgendwo einquartiert haben und dort auf Beute warten.Oder der fiese Tyrant taucht auf und muss abgeschüttelt werden. Es ist also absolut zu empfehlen, ab und zu mal auf die Karte zu schauen und sich Abkürzungen sowie auftretende Gefahren gut zu merken.

Ein Vorzeige-Remake

Vergleicht man das Original von 1998 mit dem Remake, ist es fast unglaublich, wie es den Entwicklern gelang, den Charme und die Stärken des Spiels ins Jahr 2019 zu hieven. Capcom gelingt genau die richtige Balance zwischen Oldschool und Moderne. Klar, Neueinsteiger werden aufgrund Zombies öffnen nicht nur Türen, sondern klettern auch durch kaputte Fenster. Sammelt deshalb besser Bretter und verbarrikadiert euch. Quelle: PC Games  Zombies öffnen nicht nur Türen, sondern klettern auch durch kaputte Fenster. Sammelt deshalb besser Bretter und verbarrikadiert euch. des klassischen, etwas fummeligen Inventarmanagements, des Rätseldesigns oder des Backtrackings vielleicht etwas verdutzt gucken, doch die Elemente haben Hand und Fuß und Resi-Veteranen wären wohl auf die Barrikaden gegangen, hätte Capcom zu viel klassischen Charme entfernt. Das Entwicklerteam modernisierte deshalb lieber Elemente, die wirklich eine Generalüberholung brauchten. Technisch ist Resident Evil 2 nämlich absolut klasse. Bis auf den einen oder anderen kleinen Clipping-Fehler oder ab und an mal eine etwas matschige Textur, sieht das Action-Adventure hervorragend aus.

Die Charaktermodelle der Protagonisten und Nebenfiguren sind absolut top, das Design der Zombies und anderen Monster ist herrlich widerlich und das Zusammenspiel von Lichteffekten und der grandiosen Soundkulisse sorgt für wunderbar unheimliche Gruselstimmung. Selbst bei noch so viel Gesplatter und Explosionen auf dem Bildschirm lief der Titel zudem immer flüssig. Doch auch abseits der technischen Aspekte zeigen die zuständigen Entwickler von Capcom, wie man einen Klassiker würdig in die heutige Zeit bringt. Die Umgestaltung Die Zwischensequenzen sind toll inszeniert und auch die deutschen Sprecher machen bis auf wenige Ausnahmen tolle Arbeit. Quelle: PC Games  Die Zwischensequenzen sind toll inszeniert und auch die deutschen Sprecher machen bis auf wenige Ausnahmen tolle Arbeit. einiger Schauplätze, das Ausschmücken einiger Figuren und Veränderungen an Ablauf sowie Dialogen sorgen dafür, dass Resident Evil 2 ernster, düsterer und dramatischer wirkt. Überhaupt gelingt es dem Spiel wunderbar mit der Dramaturgie und dem Tempo zu spielen, sodass man als Spieler zwischen Panik und sich anschleichendem Grusel schwankt, man aber immer schön angespannt ist. Auch wenn man schnell lernt, dass es gewisse Sicherheitszonen gibt, versteht es Resi 2, einem stets das Gefühl zu vermitteln, man sei nirgends sicher. Es ist schon eine ganze Zeit her, dass dies einem "modernen" Spiel gelungen ist. Da muss erst dieser 21-jährige Videospiel-Opa nach einer Schönheits-OP vorbeikommen, um den Jungspunden zu zeigen, wie es geht.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Resident Evil 2 Remake (PS4)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Unglaublich dichte GruselstimmungWunderbare LichteffekteGrandiose SoundkulisseViele Unterschiede zwischen den KampagnenAbwechslungsreiches, tolles LeveldesignGeniales Treffer-Feedback, sinnvolle BrutalitätSchaurig schönes Gegner-DesignSimple, aber spannende und toll inszenierte Story
Ohne Zweitwaffe keine AbwehrchanceEinge schwache deutsche Stimmen (Sherry)Einfache, etwas lahme BosskämpfeRätsel oftmals zu leicht
  1. Seite 1 Resident Evil 2 Remake im Test: Seite 1 - frisch, aber vertraut
  2. Seite 2 Resident Evil 2 Remake im Test: Seite 2 - mit Fazit und Wertung
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk