Resident Evil 4: Warum ein Remake des Action-Adventures nicht nötig ist - Kolumne

Kolumne Christian Dörre
Resident Evil 4: Warum ein Remake des Action-Adventures nicht nötig ist - Kolumne
Quelle: Capcom

Laut einer Meldung befindet sich bereits ein Remake zu Resident Evil 4 bei Capcom in Entwicklung. Trotz der hohen Qualität der Neuauflagen von Resi 2 und 3 ist dies jedoch kein Grund zur Freude, findet PCG-Redakteur Chris. Warum er ein Remake von Residnet Evil 4 für absolut unnötig hält, erklärt er in seiner Koumne.

Nach der hohen Qualität und vor allem dem kommerziellen Erfolg der Neuauflage von Resident Evil 2 war wohl selbst dem größten Realitätsverweigerer klar, dass Capcom weiteren Spielen Remakes spendieren wird. Resident Evil 3 war der logische nächste Schritt, doch Fans diskutierten bereits angeregt über weitere Neuauflagen. Vor allem Resident Evil Code: Veronica und Dino Crisis standen ganz hoch im Kurs. Nun aber wurden wir alle von der Meldung überrascht, dass angeblich bereits ein Remake zu Resident Evil 4 in Entwicklung ist. Keine Frage, das Original ist ein ausgezeichnetes Spiel, doch genau diese Qualität könnte unter anderem dafür sorgen, dass die Neuauflage dieses Klassikers eine Enttäuschung werden könnte.

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Wann ist ein Remake sinnvoll?

Während sich Remaster meiner Meinung nach eigentlich nur für Zocker lohnen, die das Original eine oder zwei Konsolengenerationen zuvor verpasst haben, bin ich Remakes und (Soft-)Reboots von Videospielen gegenüber durchaus aufgeschlossen. Da das Medium aktiv rezipiert wird, ist es teilweise sogar unumgänglich einer Reihe mit einem Reboot neuen Esprit zu verleihen oder durch ein Remake dafür zu sorgen, dass große Titel nicht nur in den nostalgischen Erinnerungen einiger Leute weiterleben.

Das Remake von Resi 2 bringt den Survival-Horror-Klassiker in die Moderne. Quelle: PC Games  Das Remake von Resi 2 bringt den Survival-Horror-Klassiker in die Moderne. So ist God of War aus dem Jahr 2018 wohl ein gutes Beispiel für ein gelungenes Reboot. Die Serie brauchte eine Frischzellenkur, die sie durch ein neues Setting, verändertes Kampfsystem und viel mehr Fokus auf Story und Charaktere bekam. Bei Remakes wird die Notwendigkeit sogar noch deutlicher. Man kann einem jüngeren Zocker noch so oft erzählen, wie toll ein Final Fantasy VII oder ein Resident Evil 2 sind, aufgrund der veralteten Optik und der angestaubten Spielbarkeit (zumindest im Falle von Resi 2 mit der Panzersteuerung) ist die Wahrscheinlichkeit jedoch nicht sonderlich hoch, dass diese Klassiker wirklich nachgeholt und durchgezockt werden.

Mit den Remakes der beiden Spiele werden diese Hürden genommen und einer ganz neuen Generation von Spielern ermöglicht, endlich diese Spiele zu erleben. Diese Notwendigkeit nach Remakes kann man dem Medium Videospiel als Makel auslegen, doch hier können Remakes wenigstens funktionieren. Man denke nur an die Filmbranche mit unnötigen Remakes von Die Glorreichen Sieben oder Ben Hur oder dem verkorksten Ghostbusters-Reboot. Selbst wenn die Qualität der Filme stimmen sollte, fragt man sich trotzdem automatisch, warum die Streifen überhaupt existieren. Das passive Medium hat schließlich nicht die Hürden, die bei alten Games auftreten. Alt ist hier auch das richtige Stichwort, denn wo ist ein Remake von Resident Evil 4 bitte nötig?

Fühlt sich an wie neu

Klar, Resi 4 hat seit seinem ursprünglichen Release auf Nintendos Gamecube auch schon 15 Jahre auf dem Buckel, aber es kommt einem nicht so vor. Das hat zwei Gründe, die auch gegen ein Remake sprechen sollten. Zum einen denkt man nicht unbedingt an das für Videospiele fast schon biblische Alter von 15 Jahren, da Capcom selbst dafür sorgt, dass man Resi 4 nicht in die Nostalgie-Ablage des Gamer-Gehirns legen kann. Der Klassiker verfolgt einen regelrecht, da er seit der Veröffentlichung auf dem Gamecube nach und nach für andere Plattformen verfügbar gemacht wurde.

Resident Evil 4 gibt es als HD-Version mittlerweile für fast jede Plattform. Braucht es da überhaupt eine Neuauflage? Quelle: Games Aktuell Resident Evil 4 wurde für so viele Plattformen immer wieder veröffentlicht, dass der Titel immer noch aktuell wirkt. Das sogar noch generationenübergreifend, denn der Titel erschien nicht nur auf dem Gamecube und dann noch für PC und PS2, sondern (als HD-Remaster) auch noch für Wii, Wii-U, Switch, Xbox 360, Xbox One, PS3 und PS4. Wer in den letzten 15 Jahren irgendwas mit Videospielen zu tun hatte, hatte stets die Möglichkeit, Resident Evil 4 zu spielen. Selbst wenn man daran nicht interessiert war, war der Titel stets präsent, da auf Webseiten über die Remaster-Releases berichtet wurde oder man beim Einkaufsbummel im Online-Store automatisch irgendwann mal über das Action-Adventure von Capcom stolperte. Das Verlangen nach einem Remake hält sich also allein schon deshalb in Grenzen.

Der zweite Grund, warum man nicht an das Alter des Titels denkt und eigentlich auch keine Neuauflage braucht, fällt allerdings noch schwerer ins Gewicht: Resident Evil 4 ist immer noch so gut, dass ein Remake absolut unnötig ist und die Entwickler auch gar keinen Spielraum für kreative Änderungen und Erneuerungen haben. Natürlich kann man jetzt darüber streiten, ob man einige Abschnitte, in denen man Präsidententochter Ashley als Leon. S. Kennedy beschützen muss, so verändern könnte, dass sie weniger nerven, aber ansonsten ist Resi 4 immer noch ein absolutes Top-Game.

Leon S. Kennedy in Resident Evil 4. Quelle: Capcom Auch 15 Jahre nach Release ist Resi 4 immer noch ein grandioses Spiel. Die Steuerung funktioniert gut, die Settings sind abwechslungsreich, die Gegner sind fies, die Spielwelt ist atmosphärisch und vor allem hat das Spiel ein richtig tolles Pacing. Abschnitte und Gameplay-Elemente sind so gut getaktet, dass es eigentlich nix zu verbessern gäbe. Und hier hat ja gerade das Remake von Resident Evil 2 brilliert, indem es einige Abläufe modernisierte und somit veränderte. Dadurch fühlte sich die Neuauflage gleichermaßen frisch, aber auch vertraut an.

Die Änderungen waren aber auch zumeist nötig, da das Original an manchen Stellen nicht so gut gealtert war. Gerade von der modernisierten Erzählung profitierte das Remake, da Story und Präsentation im Original so trashig waren, dass man heutzutage eher darüber lacht, statt sich zu gruseln. Das entfällt aber eben bei Resi 4. Was also tun? Alles so lassen wie im Original oder Änderungen durchführen, nicht weil sie nötig sind, sondern nur um etwas zu ändern? Klingt alles doof. Meiner Meinung nach kann man ein Remake von Resident Evil 4 noch nicht mal im technischen Sinne rechtfertigen, denn der Titel sieht immer noch echt ordentlich aus.

Gerechtfertigte Skepsis?

Ich möchte hier aber auch gar nicht so viel meckern. Ich liebe Resi 4 und mache mir da selbst nichts vor. Wenn es ein Remake geben sollte, werde ich es spielen. Momentan kann ich mir aber nicht vorstellen, dass es mich genauso packen könnte wie die Neuauflagen von Teil 2 und 3, die man ja quasi komplett neu erleben konnte. Ich persönlich könnte den Entschluss zu einem Remake von Resi 4 einfach nicht verstehen, weil ich keine Notwendigkeit dazu sehe. Vielleicht bin ich aber (genau wie viele Fans) einfach enttäuscht, dass dann erstmal nicht mit Remakes zu Code: Veronica oder Dino Crisis zu rechnen wäre. Oder hab ich einfach nur Angst, dass auf Resi 4 auch noch die miesen Teile 5 und 6 folgen? Keine Ahnung, aber man könnte es mir wohl nicht verübeln.

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