Fast perfekt: Warum die Mischung aus Horror und Action in Resident Evil 9 der beste Weg für die Reihe ist

Kolumne Vivien Ziermann
Fast perfekt: Warum die Mischung aus Horror und Action in Resident Evil 9 der beste Weg für die Reihe ist
Quelle: PCGH/Sony, Montage: PC Games

Um alle Spieler glücklich zu machen, will Resident Evil Requiem sowohl Stealth-Horror als auch Action-Horror eine Spielwiese bieten und gleichzeitig den Spielern viele Freiheiten zugestehen. Gelingt Capcom der mutige Spagat?

Schon seit Jahrhunderten sind die Menschen vom Morbiden und Schaurigen, kurz vom Horror, fasziniert. Warum genau solch teils grausame und schreckliche Geschichten immer mehr Menschen so stark in ihren Bann ziehen, kann viele unterschiedliche Gründe haben. Und genauso viele verschiedene Arten des Horrors haben sich inzwischen als Subgenres unter diesem Banner entwickelt.

Dabei hängt es immer von persönlichen Vorlieben, Einstellungen, Vorerfahrungen etc. (diese Liste könnte ich endlos lang weiterführen) ab, ob man nun mehr Gefallen an übernatürlichem Horror findet oder sich doch mehr für den Psychokiller, basierend auf wahren Begebenheiten, interessiert.

Im Bereich der Videospiele gibt es unter den Horrorfans schon immer die fortlaufende Debatte zwischen den Liebhabern atmosphärischen Psycho-Horrors und den Verfechtern des rasanten Action-Horrors. Während die Silent-Hill-Reihe ihren Fokus eher auf die psychischen Aspekte des Horrors mit dichter Atmosphäre setzte, zeichnete sich Resident Evil schon vom ersten Teil an durch actionreiches Gameplay aus, auch wenn das Verhältnis zwischen Horror und Action von Teil zu Teil variierte.

Ich persönlich bin ein großer Fan beider Reihen und schätze beide Serien für das, was sie sein wollen. Auch wenn ich in den meisten Fällen den psychologischen Horror bevorzuge. Doch um einen Vergleich soll es hier gar nicht gehen, man vergleicht ja auch keine Äpfel mit Birnen.

Ein Zombie beißt in einen eisernen Schürhaken, der mit der rechten Hand gehalten wird. Quelle: PC Games Hardware Willkommen bei Resident Evil. Achten Sie stets auf Ihre Umgebung und Gliedmaßen, Sie könnten sonst Bisswunden davontragen. Denn während Silent Hill seinem Konzept über die Jahre hinweg weitestgehend treu geblieben ist (Silent Hill f steht hier als große Ausnahme), hat Resident Evil schon immer experimentiert, zwischen Third- und First-Person gewechselt und den Fokus mal mehr auf Action, mal mehr auf Horror gelegt. Dementsprechend wurden die Fans der einen oder anderen Seite mal mehr und mal weniger abgeholt.

Mit dem kürzlich erschienenen neunten Teil der Hauptreihe, Resident Evil Requiem, hat sich Capcom nun das Ziel gesetzt, sowohl Horror- als auch Action-Fans gleichermaßen abzuholen, eine neue Zielgruppe anzusprechen, aber auch eingefleischte Fans zu begeistern. Ein löbliches Ziel. Doch hat sich Capcom damit auch wirklich nicht übernommen? Ist es ihnen tatsächlich gelungen, die perfekte Mischung aus süß und salzig zu kreieren?

Ein Wechsel der Perspektive

Im Vergleich zu den ursprünglichen Resi-Titeln hat Capcom in puncto Perspektive gleich mehrere Schritte nach vorn gemacht. Immerhin setzte der Anfang der Reihe noch auf feste Kameraperspektiven. Davon wurde zum Glück schnell Abstand genommen. Wenn ich mit einer Horde Infizierter konfrontiert werde, die ich so schnell wie möglich über den Haufen schießen soll, möchte ich mich frei umgucken können, um keinen der Gegner zu übersehen.

Teil 7 und 8 versuchten sich dann in der First-Person-Perspektive, um so die Immersion und damit den Gruselfaktor zu erhöhen. Besonders in Resident Evil Village, das mit fortschreitender Geschichte immer actionlastiger wurde, empfand ich die First-Person-Perspektive allerdings teilweise als schlecht gewählt.

Eine riesige, monströse Hand (links) greift nach dem Kopf einer Leiche, die auf dem Boden liegt (rechts). Quelle: PC Games Hardware Für Grace wird die First-Person-Perspektive empfohlen. So kommt der Horror noch besser zur Geltung. Requiem hingegen überlässt mir selbst die Wahl. Für alle, die sich nicht zwischen First- und Third-Person entscheiden wollen, gibt das Spiel die empfohlene Perspektive für den jeweiligen Charakter vor (First-Person für Horror mit Grace, Third-Person für Action mit Leon). Alle anderen können frei wählen.

Als jemand, der bei First-Person-Perspektiven immer wieder Gefahr läuft, Probleme mit Motion-Sickness zu bekommen, fiel mir die Wahl nicht schwer und ich habe beide Charaktere im Third-Person-Modus gespielt. Für Leon ist diese Perspektive sowieso empfohlen, doch auch Grace spielt sich super in Third-Person, sodass ich durch den Perspektivwechsel keine Abstriche machen musste. Außerdem besteht jederzeit die Möglichkeit, über das Spielmenü die Perspektiven zu wechseln, falls ich mit meiner Wahl doch nicht zufrieden sein sollte.

Grace steht mit dem Rücken zur Kamera in einem verlassenen Flur. In der linken Hand hält sie ein Feuerzeug. Quelle: Capcom Allerdings funktioniert die Third-Person-Perspektive für Grace genauso gut. Ihr habt also die Wahl. Die freie Möglichkeit des Wechsels und die Tatsache, dass beide Perspektiven problemlos funktionieren, schaffen in Resident Evil Requiem (jetzt kaufen 79,99 € / 62,99 € ) einen Komfort, den ich so bisher selten in (Horror-)Spielen erlebt habe. Hier hat Capcom ganze Arbeit geleistet und liefert für jeden Geschmack den perfekten Flavor.

Übrigens: Für alle, die ebenso wie ich anfällig für Motion-Sickness sind, hat Capcom in den Einstellungen einen extra Unterpunkt eingebaut. Hier findet ihr verschiedene Möglichkeiten, das Spiel entsprechend eurer Sensibilitäten für Bewegungs-/Spielekrankheiten einzustellen. Ein Feature, das ich mir in sehr viel mehr Spielen wünsche!

  1. Seite 1 Action vs. Horror, Perspektivwechsel
  2. Seite 2 Leon vs. Grace, Fazit
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