Rückblick auf Super Castlevania 4: Ein absoluter Klassiker!

Special Stefan Wilhelm
Rückblick auf Super Castlevania 4: Ein absoluter Klassiker!
Quelle: PC Games

Graf Dracula lädt zum großen Ball im Schloss des Bösen, aber statt der Korken knallen hier die Peitschen. Redakteur Stefan wirft einen Blick auf die lange Geschichte der Reihe und begibt sich mit dem SNES-Remake des ersten Castlevania auf eine Geisterbahnfahrt zurück zu den Anfängen!

Castlevania. Das ist der Name einer altehrwürdigen und berühmten Spielereihe, den man heutzutage nur noch in Verbindung mit einer überraschend erfolgreichen Netflix-Serie hört. Oder wenn das tief gefallene Entwicklerstudio Konami sich einmal alle paar Jahre dazu herablässt, seinen alten Klassikern zumindest einen Funken Beachtung zu schenken: Dann gibt es für den ausgehungerten Fan immerhin ein paar feine Collections der besten und bekanntesten Serienteile, ohne viel Schnickschnack auf moderne Systeme portiert.

Neue Software aus dem Vampiruniversum erschien zuletzt im Jahr 2014 in Form des gelungenen, aber etwas beliebigen 3D-Action-Adventures Castlevania: Lords of Shadow 2. Der aktuelle Teil der mit Symphony of the Night ins Leben gerufenen Metroidvania-Sparte von Castlevania, also Order of Ecclesia für den Nintendo DS, liegt sogar noch weiter zurück: 2008! Und was waren wir begeistert! Bockschwer, wunderschön, innovativ und mit einem traumhaften Soundtrack veredelt, beendete Order of Ecclesia die 2D-Laufbahn der Reihe immerhin mit einer Punktlandung.

Zurück zu den ... Knoblauchwurzeln?

Schon der erste Screen des Spiels ist wunderbar düster und atmosphärisch. Bis wir das Schloss überhaupt erreichen, müssen wir einige Levels überstehen. Quelle: PC Games Schon der erste Screen des Spiels ist wunderbar düster und atmosphärisch. Bis wir das Schloss überhaupt erreichen, müssen wir einige Levels überstehen. Es sind jedoch die Castlevania-Puristen, also Fans der alten Schule im Stil des Serienerstlings, die bereits am längsten ohne neues Futter ausharren müssen. Der letzte wirklich neue Titel dieses Spektrums, mal abgesehen von diversen Neuauflagen und Remakes, war Castlevania Legends für den Game Boy aus dem Jahr 1998. Fragt man die Fans heutzutage nach dem besten Teil der klassischen Reihe, erhält man meist zwei Antworten: Rondo of Blood oder Super Castlevania 4. Ersteres wurde bereits auf der PSP mit einer Remake-Collection bedacht, und damit auch erstmals in seiner Urform außerhalb Japans veröffentlicht. Letzteres dürfte jedoch für viele eingefleischte Fans hierzulande der Favorit sein. Grund genug für uns, die Peitschen zu zücken und uns den SNES-Klassiker Super Castlevania 4 noch einmal genauer anzusehen.

Zum Vergleich der erste Bildschirm, den wir im NES-Originalspiel sehen. Das Schloss ist auch hier schon sehr gelungen, nur Simon ist etwas... einfarbig. Quelle: PC Games Zum Vergleich der erste Bildschirm, den wir im NES-Originalspiel sehen. Das Schloss ist auch hier schon sehr gelungen, nur Simon ist etwas... einfarbig. Ihr merkt schon, es hat etwas gedauert, um ins Thema einzusteigen. Zu zersplittert ist die Geschichte der Serie, zu unverständlich ihr aktuelles Schattendasein. Zu Super Castlevania 4 selbst gibt es nur noch eine Sache, die wir voranstellen müssen: Es ist streng genommen nämlich nicht der chronologische vierte Teil der Reihe, sondern eine Neuinterpretation des ersten Castlevania. Wir schlüpfen also abermals in die (sehr) knappe Lederrüstung von Simon aus dem Hause Belmont, einer Familie von alteingesessenen Vampirjägern, die Transsilvanien einmal alle hundert Jahre von Graf Dracula und seinen Heerscharen von Dämonen befreien müssen. In ikonischer Pose stehen wir wieder vor den Toren des Schlosses, und das Ziel ist einmal mehr der höchste Turm, in dem der Fürst der Finsternis auf seine Abreibung wartet.

Pilgerfahrt in die Hölle

Glaf Dracura? In der West-Version des Spiels fehlen das Kreuz auf dem Stein und auch die „engrishe“ Schrift. Keine Religion bei Nintendo! (Quelle: MobyGames) Quelle: PC Games Glaf Dracura? In der West-Version des Spiels fehlen das Kreuz auf dem Stein und auch die „engrishe“ Schrift. Keine Religion bei Nintendo! (Quelle: MobyGames) Doch halt! Wo wir im ersten Castlevania schon nach wenigen Sekunden durch die Eintrittspforte spazieren und dem Grafen seine ersten Kerzenleuchter demolieren durften, spannt uns Teil vier noch etwas länger auf die Folter. Denn die Levelanzahl ist diesmal ordentlich aufgebohrt und die erste Hälfte des Spiels über sind wir nur damit beschäftigt, überhaupt erst in die Nähe des Schlosses zu gelangen. Dazu müssen wir unter anderem durch ein zerstörtes Dorf, über einen sumpfigen Friedhof, wir müssen einen Fluss durchschreiten, bei dem sich wie von Geisterhand die Strömung ändert, und eine brüchige Tropfsteinhöhle überleben. Was sofort ins Auge fällt: Super Castlevania 4 sieht gerade für einen frühen SNES-Titel verdammt gut aus!

Frankensteins Monster lauert uns am Ende eines wahrlich ätzenden Levels auf. Zum Glück ist der langsame Riese einigermaßen leicht zu besiegen. Quelle: PC Games Frankensteins Monster lauert uns am Ende eines wahrlich ätzenden Levels auf. Zum Glück ist der langsame Riese einigermaßen leicht zu besiegen. Wir durchqueren detaillierte, stimmungsvolle Umgebungen mit verschiedene Ebenen von Hintergründen, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten scrollen und damit ein Gefühl von räumlicher Tiefe erzeugen. In einem Abschnitt der vierten Stage lässt das SNES dann seine Mode-7-Grafikmuskeln spielen und zaubert einen täuschend echten, dreidimensionalen Tunnel in den Hintergrund. Gut, die Bildrate geht dabei gehörig in den Keller, aber der Überraschungseffekt war es wert! Der optische Abwechslungsreichtum ist auch sonst hoch, denn haben wir das Schloss dann einmal erreicht, hüpfen wir über gigantische schwingende Kronleuchter, durch düstere Folterkammern und natürlich einen mit Fallen gespickten Uhrenturm empor.

Eine Familie, so steif wie die Untoten, die sie jagen

Momentaufnahme vor der Katastrophe: Der kleine Feuerball ist schon genug, um Simon direkt von den Socken zu hauen. Quelle: PC Games Momentaufnahme vor der Katastrophe: Der kleine Feuerball ist schon genug, um Simon direkt von den Socken zu hauen. Und wie hüpft es sich denn nun mit dem guten Simon Belmont? Nun, verglichen mit dem ersten Castlevania sind wir uns sicher, dass der Stock in seinem Hintern nicht mehr ganz so tief sitzt. Zwar stolziert Simon immer noch steif wie ein Brett durch sein Abenteuer, aber das hat bei den Belmonts einfach Tradition. Hinsichtlich der Steuerung hat sich dagegen einiges getan: Wir können in acht Richtungen peitschen, geduckt laufen, auf (aber nicht von) Treppen springen und unsere Bewegungsrichtung auch in der Luft ändern. Letzteres allein sorgt schon für ein dramatisch besseres Spielgefühl, als noch zuvor in den 8-bit-Ablegern. Auch die vormals so tückischen Treppen sind nun wesentlich leichter zu überqueren, und den wie gehabt wahnsinnig nervigen fliegenden Gegnern machen wir mit unserer vielseitigen Peitsche etwas schneller den Garaus. Zudem können wir durch Gedrückthalten der Angriffstaste unsere Kette hängen lassen und manuell bewegen, um etwa Geschosse abzuwehren.

Wir können uns gut vorstellen, dass vielen Spielern bei diesem Effekt im Jahr 1991 die Kinnlade auf den Boden gefallen ist. Das arme SNES ist jedenfalls überfordert! Quelle: PC Games Wir können uns gut vorstellen, dass vielen Spielern bei diesem Effekt im Jahr 1991 die Kinnlade auf den Boden gefallen ist. Das arme SNES ist jedenfalls überfordert! Der gute alte Vampirkiller, wie unser Mordinstrument liebevoll genannt wird, eignet sich jedoch nicht nur zum Töten: An bestimmten Punkten in manchen Levels können wir uns mit der Peitsche einhaken und dann von Plattform zu Plattform schwingen. Das funktioniert überraschend gut und wird etwa in einer besonders originellen Sequenz dazu benutzt, einen gesamten Abschnitt um uns herum rotieren zu lassen, während wir am Haken baumeln. Mode 7 sei Dank! Zusätzlich sind wir noch mit einer der klassischen Subwaffen ausgestattet, etwa Wurfäxten, Wurfmessern, Weihwasserflaschen und Kreuzen (wobei die beiden Letztgenannten hierzulande natürlich zu Feuerbomben und Bumerangs verniedlicht wurden). Bedeuten dieses umfangreiche Waffenarsenal und die benutzerfreundlichere Steuerung nun etwa den Wegfall des berühmt-berüchtigten Schwierigkeitsgrades von Castlevania?

Nur ruhig Blut!

Dieser fliegende Schädel mit der Riesenzunge heißt in der westlichen Version des Spiels „Puweyxil“. Wer seinen Namen rückwarts liest, weiß auch, warum! Quelle: PC Games Dieser fliegende Schädel mit der Riesenzunge heißt in der westlichen Version des Spiels „Puweyxil“. Wer seinen Namen rückwarts liest, weiß auch, warum! Ja, Super Castlevania 4 ist einfacher als der Serienerstling. Ungefähr so wie es leichter ist, über glühende Kohlen zu laufen, wenn man dabei Socken tragen darf. Denn die unzähligen Fallen, Plattformen sowie alte und neue Feinde sind weiterhin mit akribischer Präzision sehr oft genau dort platziert und bewegen sich genau an die Orte, wo wir sie absolut nicht gebrauchen können. Trifft uns auch nur die kleinste Fledermaus, segeln wir meterweit zurück und fallen meistens direkt in den nächsten Abgrund, denn fliegende Gegner und winzige Plattformen gehen auch bei Super Castlevania 4 Hand in Hand! Ansonsten bekommen wir es wieder mit einem bunten Potpourri aus allen möglichen Geistern, Untoten, Filmmonstern und belebten Objekten zu tun.

Ghost Love Score: Das spektrale Tänzerpaar mag ein recht nerviger Boss sein, es fängt die Horror-Romantik-Stimmung von Castlevania aber hervorragend ein. Quelle: PC Games Ghost Love Score: Das spektrale Tänzerpaar mag ein recht nerviger Boss sein, es fängt die Horror-Romantik-Stimmung von Castlevania aber hervorragend ein. Hier glänzt das Spiel mit sehr viel Abwechslungsreichtum: Während wir verschiedenen Variationen von Skeletten, Axtrittern und Geistern in beinahe jedem Level begegnen, sind viele Feinde thematisch an ihre Umgebungen angepasst. Im noblen Ballsaal wollen uns etwa Geistertänzer und lebendiges Edelmobiliar an den Kragen, auf dem Friedhof brechen Zombiehände aus ihren modrigen Gräbern und unterirdische Seen werden von Fischmenschen bevölkert. Bei den Bosskämpfen, die uns am Ende der meisten Levels (oder gerne auch mittendrin) erwarten, wirkt sich unser aufgebohrtes Angriffsarsenal jedoch deutlich spürbar auf den Schwierigkeitsgrad aus. Die Mini-Sensen von Gevatter Tod oder Medusas Schlangen können wir mit der Abwehrhaltung unserer Peitsche wesentlich leichter zerstören als zuvor, und einige Bosse gehen im Subwaffen-Inferno sang- und klanglos unter. Auch das soll aber nicht heißen, dass Super Castlevania 4 ein Spaziergang ist.

Denn an die vielen Schlagrichtungen der Peitsche, die wir logischerweise mit unserer Bewegungsrichtung steuern, müssen wir uns gewöhnen. Checkpoints liegen weit auseinander, Heil-Items sind selten und Bossgegner müssen wir weiterhin auf engstem Raum bekämpfen, wo uns dank ihrer riesigen Hitboxen schnell der Platz zum Ausweichen ausgeht. Viele Herausforderungen im Spiel laufen nach dem Trial-and-Error-Prinzip, nur, dass wir für jeden neuen Versuch gerne ein paar Räume wieder und wieder durchqueren müssen. Frustresistenz ist also weiterhin eine Grundvoraussetzung, um bei der schaurig-schönen Geisterbahnfahrt nicht die Nerven zu verlieren! Abschließend ein paar Worte zum Soundtrack. Moment, jetzt erst?

Ist die Musik nicht immer DAS Markenzeichen von Castlevania, und ist sie nicht immer so ohrwurmverdächtig, dass sich die vielen Frustmomente nur halb so schlimm anfühlen? Nicht in Super Castlevania 4, denn statt beschwingter, eingängiger Melodien setzt das Spiel vor allem anfangs auf eine mystische, bedrohliche Klangkulisse. Alte und neue Hits wie Bloody Tears, Simon's Theme und natürlich den Vampire Killer gibt's erst spät zu hören, dafür sind sie jedoch genau richtig platziert: In der letzten Phase des Kampfes gegen den Grafen setzt die Titelmelodie von Simon ein und liefert den nötigen Motivationsschub, um Dracula mal wieder die Lichter auszupusten!

Meinung

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk