Return to Monkey Island im Test mit Video: Da scheiden sich die Geister(piraten)

Test Felix Schütz 24,50 €
Return to Monkey Island im Test mit Video: Da scheiden sich die Geister(piraten)
Quelle: Terrible Toybox

Riesige Vorfreude und ein hässlicher Streit um die Grafik begleiten den Release von Return to Monkey Island. Kann Altmeister Ron Gilbert wirklich an das kultige Monkey Island 2 anknüpfen - oder sind die Erwartungen der Fans einfach zu hoch? Wir haben das Piratenabenteuer doppelt durchgespielt und verraten im Test (ohne Spoiler), worauf ihr euch freuen könnt.

Es ist das Adventure-Comeback des Jahres: Nach über drei Jahrzehnten (!) kehrt Ron Gilbert nochmal zu seiner kultigen Piratensaga zurück und serviert den Fans ein brandneues Monkey Island. Also: Ein klassisch-abgefahrenes Karibikabenteuer im Point & Click-Stil, das an viele alte Lucas-Arts-Tugenden anknüpfen soll. Mit an Bord: liebgewonnene Charaktere, vertraute Schauplätze, jede Menge Geisterpiraten, Voodoo-Magie, verborgene Schätze, schlechte Manieren, coole Musik und natürlich unser aller Lieblingspirat Guybrush Threepwood. Aber: Kommt es an die Originale ran? Setzt es vielleicht sogar neue Akzente? Und wie wirkt sich der kontroverse Grafikstil auf den Spielspaß aus? Wir haben Return to Monkey Island gleich zweimal durchgespielt und verraten euch, warum das Piraten-Adventure zwar die meisten Erwartungen erfüllt, aber nur selten darüber hinauswächst.

Bitte keine Spoiler! Wir haben in unserem Test ganz bewusst einige Handlungsdetails ausgeklammert oder möglichst vage umschrieben, um keine Überraschungen zu verraten. Solltet ihr das Spiel schon gespielt haben, bitten wir euch ebenfalls darum, in den Kommentaren möglichst nichts zu spoilern. Danke!

Spielt ihr schon und hängt irgendwo fest? Dann werft einen Blick in unsere Komplettlösung zu Return to Monkey Island!

Nostalgie ist nicht alles

Obwohl die Story ein paar faustdicke Überraschungen auf Lager hat, ist der Großteil des Spiels um eine simple Grundidee gestrickt: Guybrush, mittlerweile spürbar gereift, startet erneut einen Anlauf, um ein für alle Mal das sagenumwobene Geheimnis von Monkey Island zu entdecken. Dass er sich dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem Erzfeind LeChuck liefert, versteht sich fast von selbst. Und auch sonst wird nicht an Nostalgie gespart, man verbringt zum Beispiel wieder viel Spielzeit auf Mêlée Island, also der Hauptinsel aus dem allerersten Teil. Die hat sich im Laufe der Jahre natürlich verändert, zum Beispiel hat der Kartenzeichner Wally hier nun seinen Shop eröffnet, die ehemals Schrecklich Wichtigen Piraten mussten ihren Platz in der Scumm Bar räumen und auch in der Gouverneursvilla weht nun ein frischer Wind (mit bekanntem Gesicht). Alles in allem ist das eine sympathische Mischung aus alt und neu, als Fan fühlt man sich direkt zu Hause. Allerdings hätten wir uns gewünscht, endlich mehr von Melée Island zu sehen und neue Bereiche der Insel zu erkunden. Doch daraus wird leider nichts, im Grunde besuchen wir die gleichen Schauplätze wie vor 32 Jahren und genießen dabei keinerlei Freiheiten. Eine verpasste Chance.

Return to Monkey Island im Test Quelle: Terrible Toybox Return to Monkey Island im Test Natürlich bereist ihr später aber auch ganz neue Orte, etwa das verschneite Nest Brrrr Muda oder das tropische Scurvy Island, auf dem Elaine eine riesige Limettenplantage aufgebaut hat. Auch Terror Island, eine Insel wie aus einem Horrorfilm, zählt zu den neuen Schauplätzen. Das alles sind zwar willkommene Tapetenwechsel, allerdings sollte man auch hier nicht zu viel erwarten: Auch in diesen neuen Gebieten gibt es oft erstaunlich wenig zu entdecken, manche Inseln bestehen sogar zum Großteil nur aus Bildschirmen, die nicht das Geringste zum Gameplay beitragen. Stattdessen schicken euch die Entwickler lieber mehrmals an alte Schauplätze zurück, zum Beispiel werdet ihr euch häufiger auf LeChucks Schiff umsehen müssen und auch Mêlée Island wird in der zweiten Hälfte aufgewärmt. Das ist zwar nicht schlecht und passt gut zum Puzzle-Design, doch etwas mehr Abwechslung hätte für unseren Geschmack ruhig sein dürfen.

Eher amüsant als lustig

Auch in Sachen Humor ziehen die Entwickler nicht alle Register. Es gibt zwar massenhaft Zoten und Anspielungen, doch so richtige Knaller sind uns im Test nicht untergekommen. Gerade die ersten drei Monkey-Island-Spiele wirken im Vergleich spürbar scharfzüngiger, schlagfertiger und witziger als der jüngste Teil. Charmant ist das Ganze aber natürlich trotzdem geworden, auch dank der ausgezeichneten englischen Sprecher. Ganz vorn mit dabei: Dominic Armato, der Guybrush schon seit 1997 seine unverwechselbare Stimme leiht. Deutsche Sprecher gibt's allerdings nicht, ihr müsst also mit Untertiteln und deutschen Texten vorliebnehmen. Das ist auch deshalb so schade, weil Teil drei bis fünf doch deutlich gezeigt haben, dass Monkey Island auch auf Deutsch erstklassig funktionieren kann.
Tipp: Im Optionsmenü könnt ihr die Einstellung "Writer's Cut" aktivieren, wozu wir euch raten würden. Dahinter verbirgt sich kein Audiokommentar der Entwickler, sondern zusätzliche, optionale Dialoge. So begegnet ihr dann zum Beispiel gleich im ersten Akt den Piraten-Anführern und könnt mit ihnen über vergangene Zeiten plaudern.

Mit Schwert und Verstand

Bei den Puzzles erwartet euch endlich mal wieder ordentliche Adventure-Kost nach dem klassischen Lucas-Arts-Schema. Das hat schon in Thimbleweed Park unheimlich Spaß gemacht und funktioniert auch hier wieder prima: Ihr führt ausführliche Dialoge, erhaltet mehrere Aufgaben auf einmal, findet Hinweise und Tipps. Und natürlich wird wieder alles eingesackt, was nicht niet- und nagelfest ist: Messer, Schlüssel, Schaufeln, Voodoo-Zeugs, Fische, Dämonenpfeffer und vieles mehr kommen bei verschiedensten Puzzles zum Einsatz, die sich ordentlich in die Handlung einfügen und auch nie zu knifflig geraten. Was genau zu tun ist, wird diesmal in einer Aufgabenliste erfasst, die ihr jederzeit einsehen könnt. Dadurch (und durch einen sympathischen Story-Kniff) findet man wieder gut zurück ins Spiel, selbst wenn man es mal ein paar Tage lang liegen lässt.

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