Harmonix will seine Fans nicht im Stich lassen: Mit Rock Band 4 macht die Musikreihe einen Sprung auf die Next-Gen - inklusive Support aller alter Instrumente sowie DLC-Songs. Viel Neues darf man aber nicht erwarten.
Verrückt, aber erst vor ein paar Wochen hab ich mich gefragt, warum es eigentlich noch kein Guitar Hero oder Rock Band für Next Gen Konsolen gibt. Damals war ich bei Verwandten zu Besuch und packte die alten Musikspiele wieder aus. Auch nach all den Jahren macht Guitar Hero und Rock Band noch eine Menge Spaß.
Harmonix hat davon wohl Wind bekommen - und bringt noch 2015 Rock Band 4 auf den Markt. Ein genaues Datum wollen die Macher nicht verraten, dieses Jahr gilt aber als gesetzt. Zum ersten Mal tritt Harmonix zusammen mit Hardware-Hersteller Mad Catz als Publisher auf - das fühle sich an wie in einem Indie-Studio, berichten die Macher. Da ist kein Vorgesetzter mehr, der ihnen Vorgaben macht, kein Publisher, der zu allem was sagen will. Ein kleiner Seitenhieb in Richtung EA wohl.
Doch statt großer Neuerungen gibt es ein Rock Band auf kleiner Flamme. Wenn niemand reinpfuscht, konzentriert sich Harmonix lieber auf die Kernelemente der Serie, solche die schon da sind. Keyboard und Pro-Gitarren fallen ersatzlos weg. Eine Rockband besteht gefälligst aus einem Gitarristen, einem Bassisten, einem Drummer und einem Sänger - der Rest sei Firlefanz, den man heute nicht mehr braucht. Erfolgreich waren Keyboard und Pro-Gitarre bei Fans eh nie.
Game as a Service
Quelle: Harmonix
Die Grafik hat sich verbessert - aber wer achtet da schon drauf?
Das neue Publishing-Modell von Harmonix sieht vor, nicht jedes Jahr neue Ableger auf den Markt zu werfen. Solchen Turbo-Kapitalismus kennt ein neugebackener Indie-Entwickler natürlich nicht. Rock Band 4 soll das einzige Rock Band Spiel sein, das in dieser Generation für Xbox One und Playstation 4 erscheint. Inhalte sollen stattdessen als Update oder DLC veröffentlicht werden. Das Spiel als Service oder Plattform, mit der man weitere Inhalte veröffentlicht - das ist der große Trend dieser Gen.
Die Setlist zum Start sieht schon ganz beachtlich aus: The Who, The Killers, Jack White, Fleetwood Mac, Arranged Sevenfold und die Spin Doctors sind bereits bestätigt. Weitere Titel könnten entweder zum Einzelkauf angeboten werden, oder zu einem DLC-Paket geschnürt werden. Eine Singleplayer-Kampagne soll es auch geben, ob weitere folgen, ist nicht bekannt.
Reiner Fanservice
Quelle: Harmonix
Wie viel das neue Set aus Gitarre, Drum-Set und Mikrofon kosten soll, steht noch nicht fest. Jedoch können Fans auch alle alten Instrumente hernehmen.
Inhaltlich verändert sich an Rock Band nicht viel. Die Hintergrundgrafiken, so die Entwickler, seien hübscher, einer neuen Engine sei Dank. Aber sind wir mal ehrlich: Auf die Hintergründe achtet beim Spielen eh niemand. Zu sehr muss man sich auf die heranbrausenden Noten konzentrieren. Rock Band 4 ist ein Dankeschön an Fans: Alle alten Instrumente, egal ob Rock Band oder Guitar Hero, sollen im neuen Rock Band unterstützt werden. Die ganz alten, kabelgebundenen Guitar Hero Gitarren könnten eventuell anfangs nicht funktionieren, doch auch dafür will Mad Catz einen Adapter nachliefern oder die Protokolle nachpatchen. Wer also schon ein altes Bandset zu Hause hat, kann damit weiterspielen.
Außerdem - und das ist ziemlich beachtlich - können Käufer von alten DLCs all ihre bereits gekauften Songs im neuen Rock Band kostenlos importieren. Über 1800 Lieder gibt es immerhin im Harmonix Store - wer auch nur einen Bruchteil davon gekauft hat, bekommt schon eine recht üppige Playlist für Party-Abende. Eines muss der Fan aber beachten: Die Lizenzen gelten nur für die jeweilige Konsolenfamilie. Wer in der letzten Generation auf der Xbox 360 musiziert hat, kann seine DLC-Songs nun nur auf Xbox One importieren, nicht auf Playstation 4.
Die Instrumente
Wer keine alten Instrumente mehr zu Hause hat, kann beim neuen Zubehör zuschlagen. Das wirkt auf den ersten Blick sehr hochwertig. Die Gitarren bekommen ordentliche, große Drücker, nicht nur aufgesetzte, farbige Knöpfe. Das fühlt sich gut an, auch wenn mir der Einstieg noch etwas schwer viel und ich manchmal auf die Tasten schauen musste. Typisch für Rock Band: Die Gitarre hat einen Bewegungssensor, der an einer ruckartigen Bewegung erkennt wenn man die Powerbar betätigt. Mir gefiel schon immer die Handballenauflage mit eingebautem Select-Knopf besser - doch Harmonix bleibt in der Hinsicht unbeeindruckt. So einen Handballen-Button gibt es nicht, stattdessen einen kleinen Select-Knopf weiter unten.
Das Schlagzeug gibt es in zwei Ausführungen: Als normales Set mit vier Pads und als Pro-Set mit vier Pads und drei Becken. Die Pads sind nun deutlich besser gefedert und können erkennen, wie laut man sie anspielt. Das soll sich im Spielton wiederspiegeln - die Drums werden je nach Spielart leiser oder lauter sein.
Kleine Neuerungen
Quelle: Harmonix
Mit dynamischen "Drum Fills" will Harmonix schief klingende Trommel-Barbaren retten.
Ganz ohne Neuerungen kommt selbst Harmonix nicht aus: Weil viele Drummer nicht wussten, was sie in den Freestyle-Phasen machen sollten und weil das wirre Getrommel komisch klang, füllt Harmonix sie nun mit dynamischen Drum Fills auf. Sie sollen zu Takt und Rhythmus passen. Am Mikrofon darf der Sänger hingegen mehr Freestyle wagen. So kann man vor dem Song das Publikum begrüßen ("Hallo München!") - das wird mit Punkten und einer begeisterten Meute belohnt.
Ist ein Song fertig gespielt, soll eine schnelle Wahl nächste Songs bestimmen. Jedes Bandmitglied kann abstimmen, damit man nicht zuerst zurück ins Menü muss. Besonders aufpassen muss man auf sein virtuelles Publikum. Das kann nach Songs verlangen - spielt man sie in der richtigen Reihenfolge, gibt es einen richtigen Boost! Das alles ist ganz nett für Partys, weil man dort sicher keine richtige Playlist zusammenstellt und einfach weiterspielen will.
