Rocket League im Test mit Video-Review für Nintendo Switch, PC, PS4 und Xbox One: Besser als FIFA!

Test Peter Bathge
Rocket League im Test mit Video-Review für Nintendo Switch, PC, PS4 und Xbox One: Besser als FIFA!
Quelle: PC Games

Der Hype ist berechtigt: Rocket League ist auch zwei Jahre nach Release ein (eSports-)Hit. Wer Fußball schon immer mal mit kleinen Spielzeugautos statt mit seinen Füßen spielen wollte, der ist hier an der richtigen Adresse. Unser Test entschlüsselt das Geheimnis hinter dem Multiplayer-Phänomen: die famose (Wieder-)Spielbarkeit. Egal ob auf PC, PS4, Xbox One oder jetzt auch der Nintendo Switch: Rocket League ist besser als FIFA!

Aktuelle Änderungen hervorheben

Den Rocket League-Test von PC Games haben wir zum Nintendo-Switch-Release am 14. November 2017 überarbeitet und mit Infos zu zwei Jahren DLCs und kostenlosen Updates aktualisiert.

Fußball mit Autos! Warum hat da vorher keiner dran gedacht? Blöde Frage, schließlich hat Psyonix schon 2008 Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars für die Playstation 3 veröffentlicht. Rocket League (jetzt kaufen ) ist der Nachfolger und hui, ist der vielleicht eingeschlagen! Im Sommerloch 2015 erschien das Spiel für PC und Playstation 4, 2016 folgte die Adaption für Xbox One. Seitdem tummeln sich Abend für Abend Hunderttausende auf den Online-Servern, haben bald 40 Millionen Spieler zumindest schon mal reingeschnuppert. Dank der Umsetzung für Nintendo Switch werden es in den kommenden Wochen wohl noch einige mehr werden. Und womit? Mit Recht.

Rocket League-Test: Dribbelstarker Spielmacher

Jeder hat in Rocket League die gleichen Chancen, es gibt weder Ronaldo-Sportwagen noch Stolper-Vans vom Schlage eines Niklas Bendtner. Wenn es darum geht, den Ball mit der Stoßstange ins Netz zu zwirbeln, kann sich jeder nur auf sein eigenes Geschick im Umgang mit den Analogsticks verlassen. Wer spektakuläre Fallrückzieher, geniale Weitschüsse oder sehenswerte Rettungsversu
che abliefert, der hat sich diese Fähigkeiten in stundenlangem Training erworben und darf zu Recht mit seinem "Skill" angeben.

Bei einem Tor explodiert der Ball und alle Autos werden davongeschleudert. Witzig! Quelle: PC Games Bei einem Tor explodiert der Ball und alle Autos werden davongeschleudert. Witzig! Der Einstieg fällt leicht: Die Steuerung funktioniert wie in einem Arcade-Rennspiel. Aus der Verfolgerperspektive (wahlweise mit Fokus auf den Ball) steuert sich euer Flitzer wunderbar direkt und eingängig, ohne Verzögerung. Eine Turbofunktion (aufgeladen durch das Sammeln auf dem Feld verteilter Kugeln) erlaubt schnelles Voranstürmen oder rasantes Zurückfallen. Wahlweise fahrt ihr an den Wänden des Spielfelds entlang oder fliegt bei aktiviertem Boost. Um den Pilotenschein zu machen, bedarf es aber einiger Übung. Zahllose, teils von Spielern erstellte Tutorials und Trainingsaufgaben helfen bei der Perfektion des eigenen Fahr- und Flugstils.

Bei zweimaligem Drücken der Sprungtaste macht das Auto einen Salto nach vorne oder zur Seite. Wird dabei der Ball getroffen, nimmt das Spielgerät Fahrt auf. Rempelt ihr den Gegner, drängt ihr ihn ab; bei aktiviertem Boost wird der Getroffene gar kurzzeitig aus dem Spiel genommen. Eine Strafe gibt es dafür nicht, entsprechend chaotisch laufen viele Partien ab. Das Ziel ist simpel: den Ball durch Stupsen, Schieben und Schießen in Richtung des gegnerischen Tors zu befördern, die Kugel über die Linie zu karren und am Ende der fünf Minuten langen Partie mit mehr Toren als der Gegner dazustehen. Ansonsten gibt es Verlängerung mit Golden-Goal-Regel: Wer als Erster trifft, gewinnt das Spiel.

Rocket League-Review für Nintendo Switch: Taktische Meisterleistung

Je nach Modus stehen sich zwei, vier, sechs oder acht ferngesteuerte Rennwagen in je zwei Teams gegenüber - KI-Fahrer füllen im "Casual"-Modus eventuelle Lücken, falls sich nicht genügend menschliche Mitspieler finden. Das ist aber unwahrscheinlich, denn dank Crossplay-Funktion könnt ihr bei aktiver Internetverbindung auch gegen Spieler aus dem PC-, PS4- und Xbox-One-Lager antreten. Neben dem üblichen Auto-Fußball stehen bei "Casual" auch Spielvarianten wie "Hoops" (Basketball) oder "Snow Day" (Eishockey) zur Auswahl. Die brechen die bekannte Gameplay-Formel auf und machen enormen Spaß, egal ob mit Fremden im Online-Modus oder mit bis zu drei Kumpeln an einer Konsole per Splitscreen (zwei Spieler im Switch-Handheld-Betrieb).

Psyonix hat Rocket League mit zahllosen Gratis-Updates versorgt, die neue Arenen und Spielmodi umfassen. Quelle: PC Games Psyonix hat Rocket League mit zahllosen Gratis-Updates versorgt, die neue Arenen und Spielmodi umfassen. In "Rumble" gibt's sogar schräge Power-ups wie einen Boxhandschuh oder die Möglichkeit, den Ball aus der Entfernung zu sich heranzuziehen - das erinnert an Mario Kart. Und dann ist da noch "Dropshot", bei dem der aufprallende Ball Löcher in den Boden der Arena schlägt - je mehr dieser Hexagone ihr in der feindlichen Hälfte auftut, umso leichter ist es, das Spielgerät darin zu versenken und so einen Treffer zu markieren. Noch ungewöhnlicher geht es nur in den "Rocket Labs" zu. Deren Arenen weichen stark vom Standard ab und weisen höchst experimentelle Layouts auf.

Unabhängig vom Modus ist bei Rocket League Top-Unterhaltung garantiert. Wenn beim Anstoß oder in Tornähe alle Spieler wie F-Jugend-Fußballer zum Ball hetzen, an der Pille vorbeispringen oder sich gegenseitig rammen, kommt es zu ulkigen Szenen. Oft entstehen aus solchen Karambolagen schräge Eigentore, über die man einfach lachen muss - spätestens, wenn die exzellente Replay-Funktion die Frage nach dem Torschützen auflöst.

Die Wiederholungen nach jedem Treffer sind ein Genuss und eine prima Lernhilfe. Quelle: PC Games Die Wiederholungen nach jedem Treffer sind ein Genuss und eine prima Lernhilfe. Dass das nicht zu sehr nach Zufall schmeckt und zu Frust führt, liegt an der perfekten Ballphysik. Das Spielgerät verhält sich immer nachvollziehbar und wer mit Gefühl oder Wucht gegen die Pille "tritt", bemerkt eindeutige Unterschiede. Wahre Ballkünstler antizipieren durch das Einbeziehen der Bande das Spiel oder umgehen Gegner per Ritt über die Wände. Mit jeder Partie lernt man neue Kniffe dazu, probiert andere Tricks aus und fühlt sich wie ein König, wenn der erste Flugschuss satt im Tor des Gegners landet.

Zwischen Abwehr und Angriff wird fließend gewechselt, es gibt keine festen Spielerrollen. Gerade bei mehr als zwei Teilnehmern ist es aber empfehlenswert, einen Kameraden im Tor zu lassen. Dessen Paraden können genauso für Freudentänze und Flüche sorgen wie Lattentreffer und Abstauber. Basketball, Eishockey oder lustige Gadgets und Waffen: Die Zusatzmodi stellen eine prima Abwechslung dar. Quelle: PC Games Basketball, Eishockey oder lustige Gadgets und Waffen: Die Zusatzmodi stellen eine prima Abwechslung dar.

Technisch beschlagen

Die Switch-Server von Rocket League funktionierten zum Launch genauso prima wie auf PC, PS4 und Xbox One, in unserem Test kam es nur ganz vereinzelt zu minimalen Lags oder Problemen beim Matchmaking. Dazu hat Psyonix Wartezeiten intelligent minimiert. Während man gerade in Online-Shootern zwischen Partien gerne mal minutenlang in der Lobby wartet, geht es nach dem Ende eines Rocket League-Matchs meist sofort weiter. Grafisch hängt die Switch-Version den anderen Fassungen leicht hinterher, besonders im Handheld-Modus fällt die pixelige Darstellung unangenehm auf. Dafür liefert die Unreal-Engine aber bombenfeste 60 Fps, was für extrem flüssige Partien sorgt.

Wer will, nutzt Rocket League als heiteren Zeitvertreib für zwischendurch. Doch das Spiel besitzt genug Tiefe, um Hunderte Stunden lang zu unterhalten. Nichts muss, alles kann. So auch bei der Kommunikation. Da reicht es normalerweise, sich bei Spielen mit Fremden auf die wenigen, per Steuerkreuz ausgelösten Zurufe wie "Ich hab ihn!" oder "Schöner Pass!" zu beschränken. Doch wer will, gründet eine Gruppe mit engen Freunden und tauscht sich mittels Voice-Chat oder Nintendos Smartphone-App über Spielzüge und Taktiken aus.

Wer das Spiel derart "ernst" nimmt, kann sich in den Online-Ranglisten hocharbeiten und dazu Ranked-Matches austragen. Profis finden hier herausfordernde Gegner; wer einfach mal reinspielt, muss viel Lehrgeld zahlen. Aber hat man sich erst einmal reingebissen, motiviert der Ligamodus mit dem Aufstieg in immer höhere Spielklassen gewaltig. In diesen Partien werden Spieler, die das Feld vorzeitig verlassen, mit einer kurzzeitigen Sperre belegt, weil im Ranked-Modus keine Bots nachrücken. Die KI-Spieler sind extrem treffsicher, haben aber in der Rückwärtsbewegung immer wieder Aussetzer und befördern auch schon mal den Ball ins eigene Tor.

Bildergalerie

Apropos Bots: Wer nicht vorhat, Rocket League online beziehungsweise im Splitscreen-Modus zu spielen, der wird nur bedingt Spaß haben. Die Solo-Variante eignet sich vor allem zum Üben, selbst der Saisonmodus fesselt aufgrund mangelhafter Inszenierung und wenig Drumherum nur bedingt. Ihr absolviert schlicht eine Bot-Partie nach der anderen und versucht, Rang 1 in der Tabelle zu erreichen.

Im Gegenzug ist es aber schade, dass es auch zwei Jahre nach dem ursprünglichen Release keine Mehrspieler-Variante des Ligamodus für längere Turniere gibt. Inzwischen hat Psyonix eine Beta-Version dieses Features für Ende 2017 angekündigt. Auf den anderen Plattformen hat sich Rocket League aber auch so bereits zur festen E-Sports-Größe gemausert, mit ein wenig Organisationstalent lassen sich bereits jetzt, auch ohne direkte Ingame-Unterstützung, Turniere veranstalten. Der Zuschauermodus unterstreicht den kompetitiven Anspruch des Spiels. Karosserie, Farbe, Muster, Felgen, Turbo-Strahl, Antenne und Hut - all das lässt sich in der Garage anpassen. Quelle: PC Games Karosserie, Farbe, Muster, Felgen, Turbo-Strahl, Antenne und Hut - all das lässt sich in der Garage anpassen.

Modebewusster Superstar

Der Ligamodus kommt spartanisch daher, ihr bestimmt lediglich Name, Logo und Bot-Zusammensetzung eures Teams. Quelle: PC Games Der Ligamodus kommt spartanisch daher, ihr bestimmt lediglich Name, Logo und Bot-Zusammensetzung eures Teams. Der große Erfolg von Rocket League ist auch auf den vorbildlichen Support von Psyonix zurückzuführen. Der Entwickler hat in den vergangen zwei Jahren mit einem steten Strom an kostenlosen Updates inklusive neuer Arenen, Spielmodi und besonderer Events die Community auf PC, PS4 und Xbox One bei Laune gehalten. Dazu erschienen knapp 20 Auto-DLCs, die zu fairen Preisen von 1,99 bis 3,99 € zusätzliche Rennkarren ins Spiel integrieren und auch in der Nintendo-Switch-Version verfügbar sind. Darunter fallen auch allerlei coole Lizenz-Fahrzeuge, etwa aus dem Batman-Franchise oder den Zurück in die Zukunft-Filmen. Switch-exklusiv sind zudem drei im Hauptspiel enthaltene Auto-Skins, die auf dem Farbschema von Mario, Luigi und Metroid-Heldin Samus basieren.

Alle Karosserien lassen sich in der Garage verschönern, so verpasst ihr ihnen etwa einen schrägen Hut, packt eine Handgranate ans Ende der Antenne oder sorgt dafür, dass bei aktiviertem Turbostrahl Blümchen aus dem Antrieb fliegen. Auch Einstellungen für Farbe, Muster, Felgen, Motorensound und die Art der Ballexplosion bei einem erzielten Tor sind vorhanden; bei den DLC-Autos habt ihr aber nicht auf alle Optionen Zugriff. Schließlich soll Vin Diesels Dodge Charger aus der The Fast and the Furious-Kinoreihe am Ende eurer Schrauberei immer noch einen gewissen Wiedererkennungswert besitzen.

Die Spielfelder sind von Glaskäfigen umschlossen, ihr dürft an den Wänden hochfahren. Quelle: PC Games Die Spielfelder sind von Glaskäfigen umschlossen, ihr dürft an den Wänden hochfahren.

Neue Ausrüstungsgegenstände verdient ihr beim Spielen ganz automatisch. Die Auswahl ist gigantisch und es gibt verschiedenste Qualitätsstufen wie Selten oder Einzigartig. Hier setzt Rocket League mit seiner Lootbox-Mechanik an: Immer wieder mal werdet ihr statt mit einzelnen Items mit einer Kiste voller Goodies belohnt. Doch um diese zu öffnen, bedarf es eines Schlüssels - den es ausschließlich mit echtem Geld zu kaufen gibt. 20 Schlüssel kosten knapp 17 Euro, fünf Stück gibt es für etwas über vier Euro. Auf dieses Angebot müsst ihr aber nicht eingehen, wir haben in über 150 Stunden mit der PC-Version keinen einzigen Schlüssel gekauft und hatten trotzdem Zugriff auf extrem viele kosmetische Upgrades. Pay2Win sieht anders aus!

Zumal Rocket League in seiner Basisversion egal ob als Download oder Retail-Version ein echtes Schnäppchen ist; die Transfergebühr beträgt läppische 20 Euro. Als Gegenleistung gibt es Hunderte Stunden großartiger Multiplayer-Unterhaltung - wer kann da schon Nein sagen? (Rocket League in der Wikipedia.)

Rocket League-Test: Wertung + Fazit

Meinung

Wertung zu Rocket League (PC)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Rocket League (PS4)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Rocket League (XBO)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Rocket League (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Skillbasiertes Spielprinzip motiviert zum TrainierenKurze Partien und minimale Wartezeiten laden zum Weiterspielen einTaktisch geprägte 2vs2- und 3vs3-MatchesViel Potenzial für chaotische Unfälle, Eigentore und spektakuläre ParadenHervorragende Spielbalance mit gleichen Bedingungen für alle SpielerFliegen als KönigsdisziplinSehr gute, nachvollziehbare BallphysikReplay-Funktion mit Speichermöglichkeit und EditorViele abwechslungsreiche ArenenSpaßige Spielmodi abseits des "normalen" Auto-FußballsViele lustige AusrüstungsgegenständeCrossplay-Funktion für (fast) alle PlattformenGruppenbildung möglichLustiger Splitscreen-ModusRanked-Partien möglichSchicke Grafik mit flüssigen 60 fpsMittlerweile flotte Server ohne Lags
Kein Ligabetrieb im MehrspielermodusBots sind als Menschenersatz zu treffsicher, aber schwach in der AbwehrZugriff auf die Garage nur aus dem Hauptmenü1vs1 spielt sich etwas behäbigWenig Spielanreize für SolistenPixeliges Bild im Handheld-Modus (Nintendo Switch)
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