Sacred 2: Fallen Angel im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Nahezu konkurrenzlos erobert dieses Action-RPG nach mehrmonatiger Bedenkzeit endlich auch die Herzen der Konsoleros.

Sacred 2: Fallen Angel Sacred 2: Fallen Angel Denn insgesamt erstrahlt "Sacred 2" in einer wunderschönen naturbezogenen Landschaft. Trotz der unglaublichen Größe der Spielwelt, die selbst nach Wochen nicht vollkommen erforscht sein wird, fühlt man sich zu keiner Zeit wirklich verloren. Markante Punkte, auf den langen Laufwegen immer wieder aufkommende Raststätten in Form von Bauernhöfen, Dörfer und Städte und eine auch auf den Konsolen zum größten Teil atemberaubende Landschaft lädt zu ausgiebigen Erkundungstouren ein. Natürlich musste die Optik gegenüber den kraftvollen Heimcomputern Federn lassen, dennoch haben die Entwickler die völlig frei erkundbare Welt recht gelungen auf die Konsolen portieren können. Zahlreiche Details wie ein Tag/Nacht-Wechseln, Witterungsbedingungen, aber auch wunderschöne und sich in der Schlacht üppig bewegende Graslandschaften, herumschwirrendes Getier, sowie zahlreiche Bewohner sorgen für eine fast gar lebendiges Ancaria. Optisch macht der Titel obgleich zahlreicher unscharfer Texturen aufgrund der Detailverliebtheit viel her und kann sich stellenweise durchaus mit Größen wie "Fable II" messen.

Sacred 2: Fallen Angel Sacred 2: Fallen Angel Der Ambiente kommt auch die seichte musikalische Untermalung zu Gute. Außerhalb des Kampfes überwiegen Naturgeräusche wie das Wasserrauschen und Vogelgezwitscher, manchmal untermauert mit seichten orchestralen Klängen. Im Kampf ertönen wiederum auf den Charakter bezogene hektische Klänge. Wunderschön ist der Alltag durchzogen, denn man lauscht den Kindern, hört sich die Gesänge von besoffenen Fans auf den Marktplätzen an, die sich ihrer Lieblingsband widmen und bekommt es mit einer einigermaßen passablen Sprachausgabe zu tun. Die unsrige war noch in Englisch, welche nicht ganz so gelungen ist - sollten die deutschen Aufnahmen der PC-Variante den Weg auf die Konsolen-Disc finden, bekommt ihr es mit traumhaften und namhaften Sprechern zu tun, die wirklich wissen, was sie für einen Job tun. Ihr solltet übrigens auch nicht das letzte Konzert von Blind Guardian - die Metal-Band spielte den Titelsong zum Spiel ein - in Ancaria verpassen. Die Tickets sind aber schwer zu bekommen. Da müsst ihr euch schon etwas Besonderes einfallen lassen, um in die Konzerthalle eingelassen zu werden!

Sacred 2: Fallen Angel Quelle: Deep Silver Sacred 2: Fallen Angel Im Gegensatz zur Akustik bietet die Optik gleichwohl aller Lobeshymnen ein Wechselbad der Gefühle. Manche Landstriche wirken ungeachtet aller Mühen karg, es mangelt vor allem aufgrund der ewig langen Spielzeit ein wenig an Abwechslung und in technischer Natur hat leider auch die Konsolen-Version mit einigen nicht ganz unkritischen Problemen zu kämpfen. Die frei zoombare Kamera bietet eine anfänglich sehr ungewohnte Spielperspektive. Aus der Sicht eines Vogels ist die Spielfigur zu klein, dafür kann das Terrain optimal observiert werden, spielt der Kameramann eher die dritte Person, fehlt die Weitsicht, da die Kamera zu Boden schaut. Dadurch wird natürlich vermieden, dass neben den Feldern und Bäumen eben auch die fernen Bergketten oder gar der Himmel dargestellt werden müssen. Ein weiterer Kompromiss dahingehen ist auch der Nebel, der deutlich entfernte Landstriche fein umschmeichelt. Trotz dieser Technik tauchen einige Objekte recht gern plötzlich auf dem Bildschirm auf, vor allem, wenn ein neuer Abschnitt durch Teleport-Reisen angepeilt wurde. Deutlich ärgerlicher ist da aber vor allem das beständige Ruckeln der Grafik, was besonders bei weitem Zoom aus der Vogelperspektive extrem ins Gewicht fällt und das Bild mit unschönem Tearing ziert. Diese Effekte kommen je nach TV-Gerät unterschiedlich stark auf und können mit entsprechenden Software-Filtern sogar teilweise vertuscht werden - optimal läuft das Spiel auf Konsolen aber leider dennoch nicht.

Frisch gebackener Wanderarbeiter

Sacred 2: Fallen Angel Quelle: Deep Silver Sacred 2: Fallen Angel Als frisch gebackener und vor allem motivierter Held landet ihr nun inmitten dieser schönen, wenn auch teils verwunderlichen oder gar ärgerlichen Pracht und müsst euch mit den politischen Gegebenheiten von Ancaria anfreunden. Je nach ausgeführter Entscheidung bei der Charakterwahl gibt es zwar unterschiedliche Startpunkte, doch liegen diese prinzipiell eng beieinander. Kaum die ersten Schritte durch die unwegsame Pampa getan, taucht auch schon das erste große Fragezeichen vor euch auf. Damit ist nicht die Ratlosigkeit aufgrund der schier unendlichen Welt gemeint, sondern ein Bewohner, der euch allzu gerne eine Mission andrehen möchte. Ein kurzer Plausch mittels Textboxen verrät das Anliegen und je nach Wunsch erfüllt ihr den Auftrag oder winkt dankend ab. Einzig allein golden gefärbte Quests müssen irgendwann erledigt werden, da diese der Haupthandlung angehören und die Geschichte voran treiben.

Sacred 2: Fallen Angel Quelle: Deep Silver Sacred 2: Fallen Angel Da dieses erste Fragezeichen aber bei fast 600 zur Verfügung stehenden Quests wohl nicht alleinig in das Logbuch niedergeschrieben wird und schon bei der Erledigung der ersten Aufträge meist mehr neue Missionen hinzukommen, als tatsächlich erledigt wurden, sind Begriffe wie Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit für die nächsten Wochen für den Spieler definitiv Fremdwörter. Sehr löblich, dass der Umweg über das verschachtelte Menü zum Logbuch aber mittels der Weltkarte umgangen werden kann. Zielpunkte aller angenommenen Quests sind dort schnell ersichtlich verzeichnet und bei Anwahl kann ein bestimmter Auftrag auch für den oben links im Bildschirm befindlichen Radar aktiv geschalten werden. Es ist natürlich völlig unabhängig aktiver Missionen euch überlassen, was zuerst erledigt wird und wohin die Reise geht, wobei die Hauptstory zumindest für die Tour durch Ancaria einen gewissen roten Faden liefert. Dies ist in Sachen Storytelling leider nicht der Fall, denn aufgrund der erschlagenden Menge an Nebenaufgaben verliert sich die eigentliche Handlung in zig unwichtigen Familientragödien und ähnlichem.

Sacred 2: Fallen Angel Quelle: PC Games Sacred 2: Fallen Angel Aufgrund einer stets ausführlichen Beschreibung mit Hintergrundinformationen und warum es überhaupt zu der misslichen Lage kam, aus der wir einen Dorfbewohner oder einen Soldaten helfen sollen, erscheinen die etlichen Missionen in den ersten Spielstunden sehr abwechslungsreich. Wie üblich gilt es gestohlene Ware zurückzubringen, irgendwelchen Banditen das Handwerk zu legen, einige Meuchelmörder ausfindig zu machen oder schlicht und einfach die Bewohner und ihren Besitz vor den Gefahren der Welt zu retten. Seien es nun irgendwelche Käfer, oder Ausgeburten der Hölle - irgendwelche Monster haben es immer auf die Einwohner, deren Ernte oder sonstigen Dingen abgesehen. Schaut man aber mal unter den Deckmantel, den die Entwickler mit gekonnt guter Schreibe über die Quests gelegt haben, entdeckt man den allseits typischen Missionsaufbau solcher Hack'n'Slay Action-Rollenspiele: Besorgt eine bestimmte Anzahl von Items des Typus A, liefert Gegenstand B an irgendjemanden aus oder erschlagt eine Armee aus den Feinden X plus ihren Oberhaupt Y. Irgendwie können die meisten Mission in ein solch ähnliches Schema gepackt werden - ob wir nun die Kräuter für eine Heilerin im gefährlichen Wald nebenan oder Zähne für einen Oger sammeln, der daraus eine wunderschöne Kette für seine Angebetete bastelt. Neben einer mit viel schwarzem Humor gespickten Beschreibung solcher Aufgaben ist es aber vor allem der menschliche Sammlertrieb Entdeckernaturen, welcher wie auch schon in "Diablo" oder ähnlichen Spielen für unendliche Motivation sorgt. Für jeden erschlagenen Gegner, wie auch für jede erfüllte Quest hagelt es Erfahrungspunkte, Gold und nicht selten auch reizvolle Gegenstände. Das Wettrüsten um den besten Charakter ist zwar nicht derart ausgefeilt und allgegenwärtig, wie in einem richtigen MMORPG wie "World of Warcraft", doch der Suchtfaktor solcher Titel übermittelt auch "Sacred 2 - Fallen Angel" kompromisslos.

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