Saints Row (dt.) im Gamezone-Test

Test CharLu

In Stilwater brennt die Luft und du wirst bereits sehnlichst erwartet. Worauf wartest du noch: Geh endlich aufräumen.

Lebendige Stadt

Eins muss man THQ lassen: Sie haben eine durchaus lebendige Stadt geschaffen, die vor allem mit ihren verwinkelten als auch z.T. interessanten Straßenverläufen begeistern kann. Ein gewisses Echtheitsgefühl lässt sich Stilwater nicht absprechen, wenngleich im Gegenzug die Häuserfassaden dann wieder etwas ärmlich wirken. Prinzipiell ist eine Stadt nicht bunt - darüber muss man sich im Klaren sein. Dennoch wissen aber gerade verschiedene architektonische Bauarten und Weisen zu begeistern und vor allem zu überzeugen. Hier sollten die Mannen von THQ vielleicht noch einmal Hausaufgaben machen, damit das beim nächsten Mal besser funktioniert und so das Straßenbild einfach ein wenig mehr Abwechslung spendiert bekommt.

D Saints Row (dt.) Saints Row (dt.) ennoch erscheint Stilwater als gelungen und muss sich hinter Genrekollegen bei Weitem nicht verstecken - eher das Gegenteil ist der Fall. Denn auch die zum Einsatz gekommene Physik weiß zu gefallen; Natürlich immer berücksichtigend, dass gewisse Dinge in Natura so niemals möglich wären. Denn wo geht es schon, dass man eine Ampelanlage mal mir nichts, dir nichts über den Haufen fährt. Dafür fliegen die Passanten, so fern man sie auf Haube nehmen mag, überaus genial durch die Gegend. Anders kann man es schon nicht mehr beschreiben. Je nach Geschwindigkeit bekommt man dann so im Vorbeifahren wunderbar akrobatische Einlagen spendiert, die zwar für den Passanten in den allermeisten Fällen mit dem virtuellen Tod enden - uns aber irgendwie Spaß bereiten. Dass das umgemähte Völkchen dann und wann auch noch Knete beim Sterben verliert, kann uns nur recht sein - das eigene Konto nimmt es dankbar an.

Gesamt bewegen sich die Protagonisten, Haupt- wie Nebendarsteller, durchaus sauber, flüssig und vor allem cool. Klar wirkt es in sich betrachtet sehr überspitzt, wenn das eigens geschaffene virtuelle Ich super relaxed in der Schussbahn feindlicher Gangmitglieder steht. Locker in den Hüften, leicht gekrätschte Beine, den rechten Arm ganz leicht hängend und dann bequem mit dem linken Arm die Waffe betätigt. Es muss in jedem Fall cool aussehen. Ganz klarer Fall: Hier nimmt sich das Spiel nicht ernst - wobei das generell für das gesamte Spiel gilt. Nichts desto weniger wissen auch die Passanten so weit zu überzeugen (neben ihren fliegerischem Vermögen), da sie vielfältig geraten sind (Hautfarbe, Typ, Figur, usw.). Zwar sind sie gesamt eher mit minderer Intelligenz gesegnet (wie sonst erklärt es sich, dass sie z.B. freiwillig vor unser fahrendes Auto springen), aber immerhin zeigt sich der Bewegungsablauf ohne nennenswerte Mängel. Ebenfalls eine lobenswerte Kiste sind die regelmäßig stattfindenden Tag- und Nachtwechsel und auch zugehörige Wetterveränderungen lassen Stilwater richtig zur Geltung. Dabei zweifelsohne gelungen ist die Tatsache, dass z.B. bei Regen sogar das Fahrverhalten der Autos berücksichtigt wurde. So wird man sehr schnell merken, dass auf nasser Fahrbahn die Kurve zu nehmen ganz anders funktioniert als noch auf trockener Straße.

Was uns damit auch zu den Fahrzeugen bringt, von denen es in Stilwater reichlich viele gibt. Ein eigenes Auto steht natürlich nicht zur Verfügung - zumindest so lange nicht, bis man sich einen fahrbaren Untersatz organisiert hat. Im Zweifelsfall heißt das auf die Straße springen, ein Auto anhalten, Fahrer raus holen und selbst einsteigen. Auf diese Art und Weise lässt sich jedes Fahrzeug in Stilwater erobern als auch fahren. Und wen man dann mal so ein paar Karren Probe gefahren hat, wird man sehr schnell feststellen, dass sie alle über unterschiedliche Eigenschaften verfügen. Das generelle Handling für die Kisten ist zwar gleich - dennoch unterscheiden sich die Typen, wie sie am Ende in der Kurve, aufs Bremsen, usw. reagieren.

Generell positiv kommt Saints Row aber leider nicht davon. Zeigt sich das Stadtbild zwar, wie beschrieben, recht gut und lebendig, bleiben die stets immer wieder präsenten technischen Unfeinheiten nicht aus. Kann man über gelegentliche Pop Ups vielleicht noch hinweg sehen, stört das immer wieder z.T. heftig auftretende Tearing den grafischen Genuss doch immens. Dafür halten sich Ruckler und Grafikblitzer Gott sei Dank absolut in Grenzen bzw. sind so gut wie gar nicht vorhanden. Einen Grauschleier kann man leider auch nicht leugnen, wobei selbiger sich noch - typisch für eine US-Stadt - als Smogzustand entschuldigen lassen kann. Nichts desto Trotz kann man dem Spiel wiederum zu Gute halten, dass die Optik nur minimalste Unterschiede zwischen einem hochauflösenden Monitor und einem normalen, guten Standard-TV zeigt.

Hip-Hop, Heimatmelodien & Slang

Saints Row (dt.) Saints Row (dt.) Durchaus artverwandt zeigt sich auch die Soundkulisse in Saints Row. So bald man in ein Auto steigt, wird man von passenden Radiosender unterschiedlicher Couleur berieselt. Vom stampfenden Ghetto Hip-Hop Sound über klassischen Rap sowie Hardrock, ja sogar Heimatmelodien schallmeit einem so einiges entgegen. Wem das eine oder andere nicht gefällt, schaltet einfach die Radiosender durch, bis man etwas passendes gefunden hat. Leider - dies sei hier gleich angemerkt - lässt sich ein eigener Soundtrack nicht einspielen bzw. verwenden.

In Sachen Kommunikation sind die Jungs wie sie sein müssen: Verdammt hart. Sie bringen einem den Slang direkt ins Wohnzimmer und dabei nehmen sie kein Blatt vor den Mund. Von gut verständlich bis absolut unverständlich ist das Repertoire breit gefächert. Zudem gehen normale Unterhaltungen mit nicht mehr jugendfreiem Wortlaut Hand in Hand. Böse Buben müssen einfach böse sein - wobei das selbstverständlich auch für die Schnecken des Spiels gilt. Zumeinst geht's derbe zu, was die Kollegen aber nicht daran gehindert hat, die Texte recht originalgetreu zu übersetzen. So bekommt man schlussendlich die Englische Sprache um die Ohren gebeutelt und ein passender Untertitel serviert den passenden deutschen Text.

Nebenbei sei noch bemerkt, dass die gesamte Stadtkulisse in Sachen Sound durchaus zu überzeugen weiß. Blätterrauschen in den Bäumen, dazu Reifen quietschen, Unterhaltungen auf der Straße (u.a. Kommentierungen zu Aktionen, die man selbst durchführt), Radiosender vorbeifahrender Autos, Schussgeräusche & Co. runden das akustische Bild beinahe perfekt ab und lassen so gut wie keine Wünsche offen.

Auch Online geht was

Wer nicht unbedingt Lust hat sich immer nur offline einen Namen in Stilwater zu machen, der darf es gerne Online versuchen. Verschiedene Modi laden dazu ein, der Xbox Live Welt zu zeigen, was für ein Gangsta in einem steckt. So können z.B. online ebenfalls Bandenkriege geführt werden, um sich gegenseitig die Territorien streitig zu machen. Wer online geht, ist in der Lage eine Gang zu gründen und mit der fertig formierten Gruppe kann dann anderen Truppen der Krieg erklärt werden. Da heißt es dann auch die verfeindeten Fronten über die Jordan zu schicken, verschiedene Dinge zu klauen oder die Zuhälter der gegnerischen Fraktion zu eliminieren. Gern genommen auch der Auto Wettbewerb, wo man mit aufgemöbelten Kisten zeigt, wer die Nase vorne hat. Wahlweise können die modifizierten Karren auch gern mal zerstört werden - ganz wie es einem beliebt.

Unterschiede

Saints Row (dt.) Saints Row (dt.) Hinlänglich bekannt dürfte sein, dass von Saints Row zwei Versionen verfügbar sind. War man sich bisher nicht wirklich einig, was der Unterschied zwischen der cut und der uncut Version gewesen ist, kann nun Abhilfe geschaffen werden. Dank direkter Gegenüberstellung wurde deutlich, dass die betroffenen Merkmale gar nicht so gravierend sind. Dennoch sind die Rationalisierungen so ausgefallen, dass sie den Spielspaß trüben können. Somit gilt dann für die cut Version, dass das verwendete Ragdoll Verfahren nur begrenzt zum Einsatz kommt. Fliegende Passanten als auch das eigene virtuelle Ich verfügen zwar darüber, z.B. wenn sie angefahren/überfahren werden oder wenn man selbst den Versicherungsbetrug in Angriff nimmt. Prügelt man z.B. aber seinen Gegner zu Boden und möchte vielleicht nachtreten, ist dies schon nicht mehr möglich, da sich die Figur ruckzuck auflöst. In der uncut Fassung bleiben die jeweiligen Figuren liegen. Gleiches passiert auch, wenn Feuer als Waffe ins Spiel kommt. Fackeln die Jungs und Mädels in der uncut Version mit z.T. extremen Schreieinlagen ab, brutzeln sie in der cut Fassung nur kurz und verschwinden.

In der gekürzten Fassung wird man auch ohne zwei Missionstypen auskommen - auch wenn die beigefügte Karte etwas anderes erzählt (die im Übrigen wiederum in der uncut Version fehlt). Jedenfalls dürfen Spieler des Cut-Spiels keine Attentate ausführen und auch den Vandalismus sucht man vergeblich. Alle anderen Missionen bzw. Aufgaben sind dann wiederum gleich ausgefallen und in beiden Versionen identisch. Lediglich die Orte, an denen man sie findet, sind unterschiedlich. Last but not least sei angemerkt, dass das Kriterium Blut kein wirkliches ist. In beiden Fassungen spritzen getroffenen Opfer eher wenig bis gar nicht. Hier hat man sich generell eher bedeckt gezeigt und man beweist, dass es nicht immer eine Saftelorgie sein muss.

Meinung

Wertung zu Saints Row (dt.) (X360)

Wertung:

8.8 /10
Pro & Contra
große und frei befahr- bzw. begehbare Stadtabwechslungsreiches Stadtleben (optisch als auch akustisch)viele Radiosender mit sehr kunterbuntem Programmwitzige Herausforderungen und die Unterteilungen in kleine Missionen und Big Dealscoole Story und Charaktereüberdurchschnittlich hohe Spieldauerwitziger Online Modusz.T. sehr derber aber guter schwarzer Humor
z.T. sehr nervige Pop Upshäufig auftretendes Tearingbisweilen eher dumme Gegner und Passantenoft zu grau wirkende Optik (die dennoch bis auf Pop Up & Tearing auf jeden Fall sauber ist!)anfänglich störrisches Verhalten der Fahrzeuge
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