Was tun, wenn die Unzulänglichkeiten des Vorgängers nicht ausgebügelt und der Lizenzbonus verspielt wurde?
Saw 2: Flesh and Blood
Dreist kommt weiter; sagt man zumindest, doch in Bezug auf Saw II: Flesh & Blood trifft dieses Motto leider nicht zu. Ungeniert hat man sich am Vorgänger bedient und sogar viele der Rätsel des ersten Teils blind in die Fortsetzung kopiert, so dass es oftmals zum ein oder anderen Deja Vu Erlebnis kommt. Viele der Minispiele sind bereits aus Saw: The Videogame bekannt und auch die "größeren Fallen" sprühen nicht wirklich vor Erfindungsreichtum. Hinweise hierzu sind äußerst spärlich gesät, so dass man oftmals vor einem Rätsel steht und erst einmal überhaupt nicht weiß was zu tun ist. Klar kann man viele Dinge im Trial & Error-Prinzip herausfinden, doch erhöht dies nur den Frustfaktor des Spielers, der ohnehin nicht nur mit den Rätseln, sondern auch mit der suboptimalen Steuerung zu kämpfen hat. Außerdem beschleicht einen das dunkle Gefühl, dass man hierdurch nur versucht, die Spielzeit künstlich in die Länge zu ziehen und in der Tat: Kennt man alle Abläufe und Rätsel aus dem Effeff (oder einem Walkthrough) so lässt sich Saw II: Flesh & Blood in ca. 5 bis 6 Stunden absolvieren. Sammelgegenstände sollen zwar den Wiederspielwert erhöhen und die Spielzeit in die Höhe schrauben, doch wird kaum jemand derart masochistisch veranlagt sein und sich mehrmals durch dieses Machwerk schnetzeln.
Tobin Bell vs. Mäßige Technik
Saw 2: Flesh and Blood
Wer dachte, dass man zumindest an der Grafik geschraubt und diese nochmals verbessert hat, erlebt in Saw II: Flesh & Blood eine mehr oder minder böse Überraschung. Den Spieler erwarten Charaktermodelle aus der Steinzeit und auch die streckenweise arg flackernden Wand- und Bodentexturen gehören nicht wirklich zu wünschenswerten "Features". Dazu kommt die Tatsache, dass man sich zwar durch verschiedene Umgebungen bewegt, diese jedoch immer irgendwie ähnlich, wenn nicht gleich aussehen. Klar, zu Anfang wirken die dunklen und zugemüllten Gänge klaustrophobisch, bzw. beängstigend und auch der ein oder andere mittelkleine Schockeffekt kommt zum Tragen, doch das Szenario nutzt sich einfach viel zu schnell ab. Außerdem läuft die Angelegenheit strikt linear ab, wodurch natürlich ideale Inszenierungsmöglichkeiten geboten werden, doch nutzt man diese nur im Ansatz und lässt die Szenerie und den Ablauf eher dahinplätschern. Die eher albern wirkenden Animationen, vor allem in den "Kampf-Quick Time Events" setzen dem Ganzen noch die Krone auf, da die Protagonisten immer und zu jeder Zeit eher hölzern wirken und auch dementsprechend agieren. Wer nun auf einen entsprechend hohen Gorefaktor hofft dürfte ebenso enttäuscht werden. Sicher, das Spiel ist schon blutig und versorgt euch mit der ein oder anderen schauderhaften Einstellung, doch wirklich ekelhaft oder übertrieben ist die Darstellung der Gewaltszenen nicht. Dennoch sollte man erwähnen, dass Saw II: Flesh & Blood nicht wirklich ein Spiel für Kinder ist und auch nicht in die Hände von solchen gehört.
Saw 2: Flesh and Blood
Einen großen Lichtblick gibt es allerdings doch; Den Sound! Der Soundtrack der Saw-Filme, bzw. das grandiose Thema wurde zum Glück eingebunden und sorgt für die nötige Filmstimmung, ebenso wie die bedrohlich, ruhige Stimme von Jigsaw-Darsteller Tobin Bell. Dieser begleitet den Spieler stetig durch das Todeslabyrinth und macht ihn mit den Spielregeln bekannt. Darüber hinaus gibt es jedoch wenig Grund zur Freude, denn die übrigen Protagonisten wirken eher farblos und wenig enthusiastisch vertont, doch die erwähnten Positivaspekte reißen den Wertungspunkt "Sound" deutlich heraus.
