Spieltechnisch und atmosphärisch stark an Doom 3 angelehnt, bereichern die Ukrainer das Genre um einen weiteren Horror-Shooter.
Scorpion: Disfigured
Während der ersten paar Levels bewegt man sich hauptsächlich durch Gänge und Bauten des industriellen Gebäudekomplexes. Das Design der Levels und die Texturierung erinnern ein wenig an Doom 3 bzw. an F.E.A.R. und sind im Grunde genommen nicht schlecht aber auch nicht bemerkenswert. Hier und da begegnet man einem entstellten Mutanten oder einem bewaffneten Soldaten und man wird spieltechnisch nicht wirklich überfordert. Die zahlreichen Sonderfähigkeiten, die sich im Laufe des Spiels ausbauen lassen, spielen zu Anfang keine Rolle. Allerdings spielen sie auch später im Spiel nicht wirklich eine Rolle wenn man es genau nimmt. Aber dazu später mehr.
Scorpion: Disfigured
Alles ist verdammt dunkel und man muss öfters die Taschenlampe zücken, als den Abzug der Waffe betätigen. Während des Spielens wird die Geschichte natürlich weiter gesponnen. Durch Videoübertragung mittels des eingebauten System unseres Kampfanzuges, den wir von Anfang an unser Eigen nennen können, bekommen wir Hinweise und Anweisungen was jetzt warum und wie zu geschehen hat. Besagte geflüchtete Wissenschaftlerin versorgt uns mit allem was nötig ist, um der ganzen Ballerei einen tieferen Sinn zu geben. Abenteuerspielgefühl kommt deshalb aber doch nicht auf. Es spielt sich wie ein Shooter, es sieht aus wie ein Shooter und man wird den Verdacht nicht los, dass es sich wirklich um einen waschechten Shooter handelt. Wer im Spiel was anderes behauptet, wird erschossen.
Scorpion: Disfigured
Wir haben hier und da einen Terminal zu bedienen, über unsere Aktionstaste (Taste "h"), mit der neue Informationen zu der Wissenschaftlerin hochgeladen werden. Mit der gleichen Taste lassen sich auch Leichen durchsuchen oder Items aufheben. Alles in allem sind die ersten Levels ganz normale Standard-Shooter-Kost. Nichts spektakuläres aber auch nichts übermäßig schlechtes. Atmosphärisch gelingt es dem Spiel einen gewissen Spannungslevel aufrecht zu erhalten, was nicht gerade wenig mit dem Doom 3 ähnlichen Spielgefühl zu tun haben dürfte. Allerdings haben sich die Entwickler nicht nur bei Doom 3 bedient, sondern - wie schon erwähnt - auch bei F.E.A.R. Eine Priese Deus Ex ist ebenfalls vorhanden, abgeschmeckt wurde das Ganze dann noch mit ein wenig Half-Life. Trotzdem weist Scorpion: Disfigured eine eigene Charakteristika auf. Ist also nicht bloß ein Versuch von jedem Spiel etwas hinzuzufügen sondern eigene Akzente zu setzen. Dazu zählt besonders das detailiertere Leveldesign und das aufgebohrte Charakterdesign mit Spezialfähigkeiten.
Die Benutzerschnittstelle - Innovationen und Unergonomie
Scorpion: Disfigured
Eigentlich ist die Benutzerschnittstelle von Scrorpion: Disfigured relativ gelungen, um es mal vorweg zu nehmen. Doch die Bedienung krankt häufig an klaren Erklärungen und Hinweisen, was jetzt womit und weshalb zu bedienen ist. Es gibt aber auch einige schöne Ideen im Spiel die man so umgesetzt noch in keinem Spiel gesehen hat. Eine davon ist beispielsweise der als Scanner bezeichnete interaktive 3D-Gebäudeplan, der einem hin und wieder die richtige Route weißt. Sofern der Gebäudeplan vollständig und aktuell ist. Was nicht immer der Fall ist. Man kann diese 3D-Karte in alle Richtungen drehen und wenden und so recht genau ausmachen, wo man jetzt eigentlich rumlungert. Allerdings ist die Darstellung zu grob um jetzt wirklich jedes Detail über den Plan erkennen zu können. Es ähnelt daher mehr einem stark vereinfachten Modell der Umgebung.
Scorpion: Disfigured
Wie in der Einführung schon erwähnt beansprucht das Spiel für sich, ein Ego-Shooter mit Rollenspielelementen zu sein. Mal davon abgesehen das diese "Rollenspielelemente" landläufig meist nur auf ein Inventarsystem und vielleicht noch auf Spezialkräfte irgendwelcher Natur oder Künstlichkeit beruhen, haben die Entwickler Scorpion: Disfigured auch noch ein rudimentäres Charaktersystem spendiert. Man kann ähnlich wie im Kultspiel und ewigen Evergreen Deus Ex bzw. Deus Ex: Invisible War diverse "Upgrades" für Waffen oder die im Spiel relativ wichtige "Suit" (der Kampfanzug) ergattern. Mal findet man eines dieser Upgrades bei einem getöteten Feind und mal sind diese Teile in kleinen Geheimverstecken platziert. Die hat da wohl wer vergessen.
Jedenfalls lassen sich so nach und nach die diversen Spezialfähigkeiten der Spielfigur verbessern. Die Spezialfähigkeiten des menschlichen Spielers lassen sich ja bekanntlich nur durch zuckerreiche Getränke und Geschmacksverstärker geschwängerte Kartoffelchips verbessern. Aber das ist ja heute schon Schulwissen, meine Generation musste sich derartige Informationen noch aus der Werbung destilieren, mit bloßen Händen und einer selbstgeschnitzten Fernbedienung aus Hartholz.
Scorpion: Disfigured
Zentral mit der TAB-Taste läßt sich ein internes Informationssystem aufrufen, mit dem sich eine ganze Reihe an Informationen abrufen lassen. Über ein Reitersystem, ähnlich einer Webseitensteuerung, lassen sich eigene Anzeigen für das "Log" (Emails), für die "Suit" (den Kampfanzug), den schon erwähnten "Scanner" (3D-Gebäudeplan) und ein sich selbst weiterschreibendes "Wiki" abrufen. Die Bezeichnung "Wiki" für den letzten Reiter ist natürlich etwas irreführend, da man ein Wiki selbst editieren könnte, dieses Wiki ist aber eigentlich eine dynamische Spielenzyklopädie, der Informationen automatisch hinzugefügt werden, wenn ein neues Objekt zum ersten Mal im Kontakt mit dem Spieler tritt. Dazu gehören Gegner ebenso wie Waffen oder Fähigkeiten.
Scorpion: Disfigured
Wirklich interessant ist für das Spiel vor allem der "Suit"-Reiter, kann man über dieses kombinierte Inventar- und Kampfanzugsystem doch später im Spiel diverse Upgrades installieren, bzw. die Waffenkonfiguration einstellen. Eigentlich bräuchte man das ganze Fähigkeitendrumherum von Scorpion: Disfigured nicht wirklich, denn das Spiel lässt sich ganz ordinär als Ego-Shooter durchspielen, ohne auch nur einmal eine dieser PSI-Kräfte eingesetzt zu haben, über die wir im Spiel ebenfalls verfügen. Diesbezüglich muss sich Scorpion: Disfigured den Vorwurf gefallen lassen, dass diese Spieleigenschaften mehr oder weniger unzureichend ins Spielgeschehen eingebunden sind. Die einzige Fähigkeit die man im Spiel wirklich dringend braucht ist die Fähigkeit, die Taschenlampe möglichst effektiv zu nutzen und der drohenden Dunkelheit in den Gängen etwas leuchtendes entgegen zu setzen. Auch das scheint vom "großen inoffiziellen Vorbild" Doom 3 übernommen worden zu sein.
Man sollte noch erwähnen, das die ganze standardmäßig vergebene Tastaturbelegung irgendwie unergonomisch ist. Man hat diverse Funktionen wie die Benutzung von PSI-Energie oder Medipacks, von denen es im Spiel eigentlich immer ausreichend gibt, auf allerlei Funktionstasten gelegt.
