Sea of Thieves im Test: Dem MMOG fehlt es an Tiefe, Inhalt und Motivation

Test Paula Sprödefeld
Sea of Thieves im Test: Dem MMOG fehlt es an Tiefe, Inhalt und Motivation
Quelle: PC Games

Das MMOG Sea of Thieves von Entwicklerstudio Rare und Publisher Microsoft hat seine Segel gesetzt. Mit einer riesigen Welt und der Idee, innerhalb einer friedlichen Community dem frevelhaften Piratenleben zu frönen, fanden die Entwickler schon vorab viel Anklang. Hübsch sieht das Ganze ja schon einmal aus! Ob das von Schatzsuchen und Skelette töten geprägte Spiel aber trotzdem auf den Abgrund zusteuert, klären wir in unserem Sea of Thieves-Test.

Räuber und Gendarm ist out, Piraten sind in! Das hofft zumindest Entwicklerstudio Rare. Die Briten, die in den letzten knapp zehn Jahren lediglich an Kinect-Titeln für die Xbox gearbeitet haben, brachten mit Sea of Thieves (jetzt kaufen ) am 20. März 2018 Microsofts größtes Spiel 2018 für PC und Xbox One auf den Markt. Das actionlastige MMOG lebt von Schatzsuchen, Kämpfen gegen Skelette und dem Navigieren eines Schiffes. Das alles natürlich mit einer zufällig zusammengestellten oder befreundeten Crew. Aber hat das Piraten-MMOG wirklich eine Chance, oder ist es ein tatsächlicher Schiffbruch mit Ansage? Lest den Test, dann wisst ihr Bescheid!

Sea of Thieves im Test: Alle Mann an Deck!

Ahoi, setzt die Segel! Oh, Moment, vorher solltet ihr euch noch einen Charakter aussuchen! Rare hat da mal was vorbereitet, es gibt nämlich zufällig generierte Helden, aus denen ihr wählt. Das ist eine eher langwierige Prozedur, da sich die Figuren einerseits nicht unbedingt stark voneinander Zu Anfang des Spiels wählt ihr zunächst aus einer schier unendlich Zahl von automatisch generierten Figuren euren Charakter. Quelle: PC Games Zu Anfang des Spiels wählt ihr zunächst aus einer schier unendlich Zahl von automatisch generierten Figuren euren Charakter. unterscheiden und andererseits im ersten Moment nicht klar ist, ob die Utensilien, die sie bei sich tragen (Pistole, Groggfass, Schaufel usw.) im weiteren Spiel wichtig werden. Werden sie übrigens nicht. Gut, weiter geht's mit der Schiffswahl!

Ihr habt die Möglichkeit, zwischen Galeone und Schaluppe zu wählen. Die Galeone ist das große Schiff, mit mehr Platz für Ressourcen und für eine größere Crew von bis zu vier Leuten. Die Schaluppe ist kleiner, aber auch wendiger und kann in der Solo-Kampagne auch alleine gesteuert werden! Empfehlenswert ist dies aber nicht. Es ist langweilig und aufwändig, teilweise sogar fast unmöglich, alle Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, die auf dem Schiff anfallen. Aber zu den Aufgaben kommen wir später.

Sea of Thieves im Test: Questarmut und stereotype Welt

Die Goldsammler sind eine der drei Fraktionen, die euch Quests geben. Für ihn müsst ihr vergrabene Schätze finden. Quelle: PC Games Die Goldsammler sind eine der drei Fraktionen, die euch Quests geben. Für ihn müsst ihr vergrabene Schätze finden. Zunächst wählt ihr, ob ihr Freunde einladen wollt oder mit zufälligen Mitspielern zusammengewürfelt werdet. Mit Freunden macht Sea of Thieves auf jeden Fall weitaus mehr Spaß, da sich manche Mitspieler als ziemlich unkommunikativ herausstellen oder nicht das gleiche Ziel verfolgen wie ihr. Habt ihr eure Crew zusammen, spawnt ihr auf einer sicheren Insel - Outpost genannt - und erhaltet dort die ersten Reisen oder Quests von drei verschiedenen Fraktionen. Die Goldsammler schicken euch auf Inseln, um dort Schätze auszugraben, der Seelenorden betreut euch mit der Aufgabe, Skelett-Festungen zu stürmen und die glühenden Schädel der Boss-Skelette zurückzubringen und von der Händler-Allianz erhaltet ihr Käfige, um Hühner und Schweine in einer bestimmten Zeit zu fangen und dem Händler auszuhändigen. Wenn ihr euch jetzt fragt, welche anderen Quests es noch gibt: Es gibt keine anderen. Das sind die drei möglichen Quest-Typen. Ob Rare im weiteren Verlauf noch andere Fraktionen oder Quest-Typen per Update unterbringt, ist unklar. Sollten sie jedoch, wenn Spieler weiterhin ans Piratenabenteuer gefesselt werden sollen.

Auf der Karte an Bord eures Schiffes müsst ihr eure Zielinsel finden und markieren. Quelle: PC Games Auf der Karte an Bord eures Schiffes müsst ihr eure Zielinsel finden und markieren. Sobald die Quest angenommen ist - ihr könnt bis zu drei tragen - begebt ihr euch an Bord eures Schiffes und setzt die Segel gen Zielinsel. Ach Stopp! Ihr müsst diese ja zunächst auf einer riesigen Karte finden. Das ist etwas umständlich gemacht. Sobald ihr eine Quest annehmt, erhaltet ihr eine kleine Karte, die euch lediglich ein Bild der Insel zeigt. Diese Form müsst ihr dann auf der großen Karte auf dem Schiff finden. Wenn es soweit ist, sucht sich jeder eine Aufgabe. Steuermann, Segelsetzer, Segelausrichter oder eben der Typ, der auf dem Ausguck sitzt. Funktioniert meistens, aber manchmal ist das mit einer zufälligen Crew auch ein echtes Chaos. Da will jeder mal an Steuer. Habt ihr eine Insel erreicht, wartet die nächste Enttäuschung: Die Inseln sehen fast alle gleich oder ähnlich aus. Generische Pflanzen, Steine, Bäume, Fässer ... nur wenig unterscheidet die kleinen Landmassen voneinander.

Sea of Thieves im Test: Auf weiter, weiter See

Gegner gibt es natürlich auch! Die beschränken sich jedoch auf Skelette, die ihr ganz einfach besiegen könnt.  Quelle: PC Games Gegner gibt es natürlich auch! Die beschränken sich jedoch auf Skelette, die ihr ganz einfach besiegen könnt.  Jetzt gilt es das Schwein einzusammeln, die Goldtruhe auszugraben oder Skelette niederzumetzeln. Dafür habt ihr unterschiedliche Hilfsmittel im Inventar, die sich jedoch niemals ändern. Ihr besitzt von Anfang an immer die gleichen Dinge. Eine Schaufel zum Graben, eine Laterne, Eimer, Kompass, Fernrohr und natürlich die Waffen. Oh, die Waffen. Eine Pistole mit fünf Schuss und ein kleines Schwert sind euch gegeben, was ihr benutzt ist eigentlich egal, denn einen großen Unterschied macht das nicht. Später gibt es noch ein Gewehr und einen Degen, aber auch diese ermöglichen euch keinen präziseren Kampfstil. Es heißt also kaputthacken oder -ballern.

Wenn es dann auf den Rückweg zum Outpost geht, kann euch schon einiges in die Quere kommen. Sei es das Wetter, das zwischen fürchterlichen Stürmen und strahlendem Sonnenschein wechselt, andere Spieler, die mit den Kanonen an Bord euer Schiff zerstören und eure Beute klauen wollen oder der gigantische Kraken, der im zugegeben unglaublich schön gemachten Wasser auf euch lauert. Das riesige Tentakelmonster erscheint zufällig, meist dann, wenn ihr es am wenigsten gebrauchen könnt. Dort wartet aber schon die nächste Enttäuschung, denn Rare hat sich nicht die Mühe gemacht, dem Kraken einen Körper zu bauen. Taucht ihr unter, seht ihr, dass an den langen Tentakeln, nun ja, nichts hängt. Schade drum.

Sea of Thieves im Test: Kosmetika als Ansporn

Im sicheren Hafen angekommen, erwartet euch schon der Questgeber und belohnt euch mit Gold und einem Anstieg eures Rufes bei den anderen Als Belohnung für eure Mühen erhaltet ihr lediglich Gold und einen höheren Status unter den Piraten. Mit dem Gold könnt ihr dann auch nur kosmetische Verbesserungen kaufen. Quelle: PC Games Als Belohnung für eure Mühen erhaltet ihr lediglich Gold und einen höheren Status unter den Piraten. Mit dem Gold könnt ihr dann auch nur kosmetische Verbesserungen kaufen. Piraten. Das ist auch alles, was ihr in Sea of Thieves bekommt. Progression wird hier nicht sonderlich groß geschrieben, denn mit dem Gold kauft ihr euch auch keine neuen Fähigkeiten, ein schnelleres Schiff oder eine größere Crew, sondern lediglich kosmetische Accessoires für Schiff und Pirat. Rare könnte aber mit der Annahme, Spielern reiche es hübscher auszusehen und einen besseren Ruf zu haben, ganz schnell gegen die Wand fahren. Denn sonst hat Sea of Thieves keine große Langzeitmotivation. Das MMOG hat keine Hintergrundstory, das Gameplay und die Quests sind repetitiv. Klar, die Shared World bietet dem Spieler jegliche Freiheiten! Springt in eine Kanone und schießt euch durch die Gegend, betrinkt euch mit Grogg, übergebt euch in einen Eimer und werft es auf Mitspieler, findet Flaschenpost und so kleinere Aufgaben. Klingt alles wirklich spaßig, aber für wie lange? Wie lange wollen Spieler sich selbst ausdenken, was sie tun sollen? Wenn es Rare nicht gelingt, schnell mehr Content in das MMOG zu pumpen, geht das Interesse womöglich schnell flöten.

Sea of Thieves im Test: Social Langweile

Denn, ja, Sea of Thieves ist in erster Linie ein Social-Gaming-Spiel, es geht um die Community, um das Zusammenspiel. Rare möchte ein friedliches Erlebnis schaffen, das im Kontrast zu Online-Multiplayer-Spielen wie Overwatch und PUBG steht. Deshalb haben alle Spieler die gleichen Möglichkeiten zu Beginn, das gleiche Inventar, die gleichen Schiffe. Und auch das Verschönern von Schiff und Pirat zeigt deutlich: Rare möchte nicht, dass Spieler entscheidende Vorteile gegenüber anderen Spielern haben, dass auch jemand mit einem niedrigen Ruf mit jemandem zusammen spielen kann, der vielleicht den legendären Piratenstatus erreicht hat.

Aber diese Gleichheit kann schnell zu Langeweile werden und Langeweile führt schnell dazu, dass das Spiel nicht mehr angefasst wird. Ohne wirkliche Progression hat Sea of Thieves nämlich unwahrscheinlich wenig zu bieten. Eine große Welt, aber wenig darin.
Mit Raids und speziellen Events, die für die Zukunft geplant sind, will Rare Spieler locken. Doch warum sind solche scheinbaren Extras, die das Spiel spannender und abwechslungsreicher machen würden, ein Ding der Zukunft? Warum wird sowas nicht direkt bei Release den Spielern zur Verfügung gestellt, um ihnen zu zeigen, was Sea of Thieves so alles kann? Viel ist es momentan nämlich nicht.

Sea of Thieves im Test: Viel Potential, wenig zu geben

Also seien wir mal ehrlich, zwar ist Sea of Thieves keine totale Katastrophe, mit den richtigen Leuten macht das Piraten-MMOG zu Anfang noch Optisch ist Sea of Thieves wirklich gut geraten, wenn der comichafte Stil euch denn zusagt. Quelle: PC Games Optisch ist Sea of Thieves wirklich gut geraten, wenn der comichafte Stil euch denn zusagt. wirklich Spaß! Aber eben nur zu Anfang. Nach ein paar Stunden sind die Quests ausgelutscht, die Inseln tausend Mal gesehen und die Kämpfe gegen andere Spieler können die Spannung auch nicht wirklich oben halten. Und das alles für einen hübscheren Mantel, ein buntes Segel oder schicke Stiefel? Danke, nein. Sea of Thieves hat viel Potential, das vermutlich im Sand verlaufen wird, wenn Rare nicht schnell reagiert.

Wenn ihr trotzdem Interesse am Thema Piraten habt und vielleicht ein wenig mehr Strategie und Kampf haben wollt, wartet auf das noch in diesem Jahr erscheinende Skull and Bones aus dem Hause Ubisoft. Für Sea of Thieves sind aber die 60 Euro, die es sowohl für den PC als auch für die Xbox One kostet, definitv zu viel.

Sea of Thieves im Test: Fazit und Wertung

Unsere ehemalige Praktikantin, Eleanora Pfanz, hat Sea of Thieves ebenfalls gespielt und sich eine eigene Meinung gebildet:

"Dadurch, dass ich Piraten cool finde, war Sea of Thieves richtig schön zuspielen. Das Feeling und die Welt stimmen perfekt überein. Die Inseln sind schön gestaltet und die zusätzlichen Belohnungen haben mich immer motiviert. Mir persönlich hat es gefehlt, neue Waffen zu bekommen oder die eigenen zu verbessern, aber immerhin sieht man durch die Rufanzeige seinen Fortschritt. Alleine hat mir Sea of Thieves gar keinen Spaß gemacht, denn es ist einfach mühselig. Mit anderen Spielern sind die Piratenabenteuer richtig schön und wenn Rare das Endgame und das Kontingent der Items und Kleidung verbessert, kann es auch langfristig Spaß machen. Ich werde Sea of Thieves auf jeden Fall weiter verfolgen."

Meinung

Wertung zu Sea of Thieves (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Sea of Thieves (XBO)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Viele Quests, aber ...Hübsche Comic-GrafikGroße SpielweltGroße Auswahl an Items und KleidungMacht mit der richtigen Crew zu Anfang SpaßPvP-Schiffskämpfe sind interessant
... nur drei Quest-TypenAtmosphäre und SoundeffekteSegelmechanik funktioniert nicht gutKeine TutorialsSolo-Kampagne macht keinen SpaßNur zwei wählbare SchiffeKaum MotivationGleichförmige WeltRepetitives GameplayEintönige Kampfmechaniken
Fazit

Sea of Thieves hat großes Potential, das das MMOG aber absolut nicht ausschöpft. Auch wenn Rare in Zukunft plant, mehr Content hineinzupumpen, werden die meisten Spieler schon freiwillig über die Planke gegangen sein.

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