Beim ersten Schauen ist Secret Level nur schön, beim zweiten Schauen ist es perfekt

Kolumne Antonia Dreßler
Beim ersten Schauen ist Secret Level nur schön, beim zweiten Schauen ist es perfekt
Quelle: Amazon

Die Serie Secret Level funktioniert auf so vielen Ebenen, dass mir zunächst einige Details und Ansätze entgangen sind. Aber dafür lohnt sich ein Nochmalschauen umso mehr.

Ich war wahrscheinlich noch nie so gehypt während einer Opening Night Live wie dieses Jahr auf der Gamescom 2024. Grund waren nicht die Ankündigung von Borderlands 4 oder das niedliche Spiel mit den Mäusen mit Froschrucksack, auf das meine Kollegin Anni sich so freut.

Nein, ich war erst aus dem Häuschen, als der Trailer zu Secret Level lief, der neuen Serie von Tim Miller, dem Schaffer von Love, Death and Robots - einer der besten Anthologie-Serien, die es gibt.

Endlich ist die Serie da

Vier Monate später ist die erste Hälfte der Serie endlich draußen und ich kann ich das neue Werk auf Amazon Prime schauen. Secret Level greift mit jeder Folge ein anderes Spiel auf und erzählt eine eigene Geschichte dazu. Doch obwohl es um bekannte Welten geht, ist die Serie extrem vielschichtig. So vielschichtig, dass ich nach dem ersten Schauen eher verwirrt war und erst nach reiflicher Reflexion verstand, warum die Serie in der Tat ein Meisterwerk ist.

Aufmacher zur Serien von Scecret Level Quelle: Amazon Mein allererster Gedanke beim Schauen war das absolute Gegenteil. Wie konnte nach Love, Death and Robots eine solch mittelmäßige Serie entstehen? Aber je länger ich über die einzelnen Episoden nachgedacht und sie teilweise noch ein zweites Mal geschaut habe, desto sicherer war und bin ich, dass Secret Level Tim Millers letzte Serie in einigen Belangen sogar übersteigt.

Mein erster Fehler war, die Serie am Stück durchzuschauen. Denn erst, nachdem ich angefangen hatte, jede Episode einzeln zu analysieren, fiel mir auf, dass hinter jeder Folge mehr steckt, als es den Anschein hat.

Aber zunächst muss ich darüber sprechen, wie verdammt gut Secret Level aussieht.

Ein wahrer Augenschmaus

Der Stil ist wunderschön und passt immer zum jeweiligen Spiel. Die Animationen legen noch einmal eine Schippe drauf und sind so wahnsinnig detailverliebt, dass man jede Szene auch mehrmals sehen kann und trotzdem immer noch etwas Neues entdeckt. Und auch die Inszenierung ist einfach fabelhaft: Besonders die Kämpfe sind spektakulär choreografiert und es macht unheimlich Spaß, zuzuschauen. Allerdings muss man für empfindliche Gemüter dazusagen, dass Secret Level an Bluteffekten und Schockmomenten ebenso wenig spart wie Love, Death and Robots.

Und trotz all des Lobes: Auf den ersten Blick stimmt etwas nicht mit der Serie. So sehr, dass ich nach jeder Folge auf das Überspringen des Abspanns verzichtete, um dafür lieber zwei Minuten lang darüber zu rätseln, was mich gerade so nervte.

Und dann dämmerte es mir: Love, Death and Robots verfolgt in jeder Folge neue philosophische Ansätze und geht nebenbei der menschlichen Psyche auf den Grund. Die Serie greift grundlegende Fragen nach dem Sinn des Lebens mit derartigem Geschick auf, dass man teilweise gar nicht merkt, wie tief die Episoden eigentlich gehen.

Figur mit Schwert und Schild aus der ersten Episode von Secret level Quelle: Amazon

Versteckter Tiefgang

Secret Level nimmt zwar einen ähnlichen Pfad, geht aber einen größeren Umweg. Während Love, Death and Robots die Handlung als Aufhänger für die philosophischen Überlegungen der Serie nutzt, ist das neue Werk von Tim Miller weniger direkt. Er versteckt die eigentliche Bedeutung der Episoden hinter den offensichtlichen Handlungssträngen, die jeweils so plakativ sind, dass sie von den "richtigen" Ideen der Folgen ablenken. Es finden sich also zwei Bedeutungsebenen in Secret Level.

Jeder "geheime Level" gehört zu einem Spiel wie Dungeons and Dragons, Warhammer 40,000 oder Pac-Man. Und jede Folge erkundet augenscheinlich die immer gleichen Fragen: Was ist die Motivation der Charaktere, was bewegt sie und warum ergibt es Sinn, was sie tun?

So war ich nach dem ersten Durchschauen sicher, dass mich die Serie für dumm verkaufen will und mir uninspiriert die plattesten Story Arcs hinwirft, die die Videospielwelt zu bieten hat. Das sind in D&D beispielsweise der Zusammenhalt und der Glaube an das Gute, in Crossfire denkt jeder Söldner, dass er auf der guten Seite kämpft und in Sifu ist es schlicht, dass Rache sich nicht lohnt.

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