Eine lohnende Abwechslung für den Online-Shooter-Enthusiasten, der die geringe Zahl der Maps und Optionen verschmerzen kann.
Sehr viele Taktiken auf sehr wenig Karten
Shadowrun
Es lässt sich leicht erkennen, dass hier die wahre Stärke von Shadowrun liegt. Das Kombinieren und Ausprobieren der Magie und Fertigkeiten kann Tage erfreuen und wird durch das harte Drei-Slot-System nur noch besser. Es ist einem Spieler zwar erlaubt soviel an Zeugs zu kaufen wie er kann und möchte, auf die Schnelltasten lassen sich nur drei der Fertigkeiten legen. Das Wechseln einer vierten Fertigkeit auf eine der Tasten dauert im Kampf einfach zu lange, so dass eine Kombination der drei Verfügbaren gut überlegt sein will. Auf diese Weise kristallisiert sich auch der Charakter eines Spielers heraus und es zeigt sich wer was für ein Kämpfer ist. Die andere wichtige Entscheidung, die auch in diese Kombinationen mit hineinspielt, ist die Wahl der Rasse des Charakters. Zur Auswahl steht der Troll, ein prädestinierter Kämpfer, langsam, groß und selbst mit Dauerfeuer nur schwer zu töten, perfekt in Verbindung mit der Minigun. Der Elf hat viel Essenzenergie, die man für die Zauber benötigt, ist schnell, regeneriert sich und hält unter Beschuss nicht viel aus. Ein Zwerg ist zwar klein, kann sich dafür aber auch ganz gut verstecken und hat einen solchen Dickschädel, dass ein Kopfschuss zwar weh tut aber nicht zwangsläufig tödlich endet. Ein Mensch ist ein Mensch, nichts Besonderes aber alles ausgewogen. Außerdem wird seine Magiefertigkeit nicht negativ durch Technikverbau im Körper beeinflusst.
Shadowrun
All diese Optionen geben jedem neuen Rundenset Würze, man ist ständig versucht, etwas Neues zu testen und findet immer neue Wege, den anderen Spielern, bevorzugt den generischen, das Leben schwer zu machen. Wer so viele Möglichkeiten hat, braucht auch nicht viele Maps oder Spielmodi. Dachte sich wohl FASA. Denn anders ist die erschreckend kleine Zahl von beiden in einem reinen Onlinespiel nicht zu erklären. Hätte Shadowrun eine brauchbare Solokampagne, würde ich hier über einen absolut angemessenen Multiplayerteil schreiben. Nur leider kostet das Spiel immerhin 50 € und hat sehr magere zwölf Maps. Es sind gute Maps, heruntergekommen Vororte, verlassene Lagerhallen, eine Konzernlobby, alles sehr passend und mit vielen Schleichwegen, Verstecken und endlosen Möglichkeiten, die Fertigkeiten zum Einsatz zu bringen. Aber ein Dutzend Maps sind zu wenig, zumal es eigentlich nur neun echte und drei verkleinerte Varianten für die schnelle Runde sind.
Shadowrun
Noch schwerer wiegt das Versäumnis, Abwechslung in den grundsätzlichen Ablauf zu bringen. Gerade hier hätte die Marke Shadowrun unglaublich viel zu bieten gehabt, von Infiltrationen und Diebstählen in Konzerngebäuden, Überfällen auf Lineage-Territorien, Attentaten und vieles mehr wäre vor dem exzessiven Cyberpunkhintergrund möglich gewesen. Stattdessen gibt es drei altbekannte Modi, die alle darauf hinauslaufen, dass sich beide Teams meist vor dem Ablauf sowieso dezimiert haben. Es dreht sich immer um ein magisches Artekfakt, das entweder verteidigt oder erobert werden muss und alle drei Modi spielen sich praktisch gleich. Teilweise wusste ich nicht einmal, in welchem Modus ich mich gerade befand und es war letztlich auch fast völlig egal. Eine von vielleicht 20 Runden wurde nicht durch Elimination der Gegner sondern durch das Erobern des Artefakts oder das Verteidigen von Schlüsselpunkten gelöst und das ist für ein reines Onlinespiel zu wenig.
Cross-Plattform-Gaming: PC und Konsole rücken zusammen
Shadowrun
Gut funktionieren tut dagegen das Zusammenspiel von PC und Xbox, wobei ich die Xbox 360 - Version selbst noch nicht testen konnte. Der Vorteil des PC's, dass sich ein Spieler mit Maus und Tastatur in der Regel weit schneller drehen und zielen kann wird durch die Zielgenauigkeit der Waffen ausgeglichen. Wer zu schnell nach einer Drehung feuert, muss mit einer eingeschränkten Präzision kämpfen, erst nach einigen Sekundenbruchteilen bessert sich diese wieder. Da inzwischen eine ganze Reihe von Shootern nach diesem Prinzip funktionieren, fällt dies nicht mehr ganz so auf, wie es in der Hochphase von Unreal Tournament oder Quake 3 der Fall gewesen wäre, Puristen werden sich aber trotzdem daran stoßen. Lediglich im Nahkampf hat der PC mit dem Katana oder der Shotgun einen entscheidenden Vorteil. Wer dagegen ganz fair spielen möchte, kann sich auch an den PC das Xbox-Pad hängen, die Buttons werden alle richtig gemappt und schon ist das Konsolengefühl perfekt. Das Teamwork funktioniert auch plattformübergreifend ohne Fehl und Tadel, denn mittels Headset gibt es keine Kommunikationshürde.
Shadowrun
Shadowrun ist eins der ersten Spiele, die nur auf Vista laufen und wie auch bei Halo 2 gibt es dafür nur einen Grund: Microsoft möchte Vista verkaufen. Der LIVE-Service ist wirklich schick, nur nutzt er keine Technologie, die nicht auf XP umsetzbar wäre. DirectX 10 kommt wieder nicht zum Einsatz, was aber Shadowrun zu keinem hässlichen Spiel macht. Besonders die Umgebungen und die Effekte, magische allen voran, sehen teilweise wirklich spektakulär aus und ersten Berichten, dass die PC-Version schlicht hässlich wäre, kann ich nur widersprechen, denn dass, was man heutzutage technisch erwarten kann, liefert Shadowrun. Erstaunlicherweise gibt es aber ein paar kleine und grundlose Unschönheiten, die den an sich positiven optischen Eindruck schmälern. Ein paar Texturen sind hässlich, ein paar Objekte hätten ein paar Polygone mehr vertragen und es gibt keine Kletter-Animation. Es trübt das Bild, wenn der Elf die Treppe hinaufschwebt, statt die Sprossen zu erklimmen. Auf Dauer macht es auch keinen guten Eindruck, wenn es für jede Rasse einer Seite nur einen Skin gibt. Alle Menschen sehen gleich aus, alle Trolle sind wohl geklont, wenigstens unterscheiden sich die beiden Seiten von RNA und Lineage noch ein wenig. Aber letztlich sind dies alles nur Haarspaltereien, der Gesamteindruck stimmt. Beim Sound gibt es dagegen weniger Positives sondern mehr Neutrales zu vermelden. Alle Effekte klingen so, wie man es erwarten würde, ohne allerdings jemals besonders aufzufallen. Besonders die Magie wird mit einem teilweise undefinierbaren, teilweise langweiligen Gezische und Geblubber untermalt, dass nicht die Macht des gewirkten Zaubers erahnen lässt. Musik ist wie in so vielen Online-Shootern sowieso Fehlanzeige.
