Ein Fitness-Coach versteckt in einem Party-Spiel. Shape Up verspricht spaßige Unterhaltung und gnadenloses Trainingsprogramm auf einmal. Die Idee ist grandios, das können wir den Entwicklern von Ubisoft keinesfalls abstreiten. Dennoch konnte uns das Xbox-One-exklusive Werk leider nicht überzeugen. Zu viele Probleme und Ungereimtheiten trüben den Spielspaß gewaltig.
Mit der Just-Dance-Reihe und den Ablegern von Your Shape haben die Entwicklerteams von Ubisoft bereits reichlich Erfahrung im Bereich Kinect gesammelt. Beide Serien bieten bis heute grandiose Ableger, die unglaublich viel Spaß und ein ordentliches Training versprachen. Da das Fitness-Studio nach wie vor den einen oder anderen abschreckt, aber auch Fitness-Programme wie Your Shape zu sehr den Drill eines knallharten Ausbilders offerieren, soll Shape Up nun den letzten Muffel vom Sofa vor die Kamera locken. Shape Up bietet eigentlich wie einst die ersten EyeToy Spiele spaßige und kurzweilige Aufgaben, die spielerisch viel Akrobatik und Sport abverlangen. Macht Kniebeugen um eine Rakete zum Mond zu schießen, fahrt mit Inline-Skates eine Achterbahn hinauf, um anschließend im Rausch der Abfahrt Hindernissen auszuweichen oder hüpft zum Takt der Musik über diverse Bodenplatten. Shape Up verpackt den Fitness-Aspekt unglaublich gut in einer Party-Spiel-Hülle.
Quelle: Ubisoft
Shape Up im Test. (2)
Das beginnt bereits mit der sowohl frisch-modernen, doch aber auch mit reichlich Retro-Style geschmückten Präsentation. Die Comic-Grafiken werden gekonnt mit überdimensionierten Pixel-Texten vermischt und der Synthesizer und gar MIDI-Sound lassen vor allem Teilnehmer des älteren Semesters schmunzeln. Shape Up wirkt von Anfang fröhlich gelaunt. So stürzt man sich doch gerne in die einfallsreichen Aufgaben. Zur Auswahl stehen kurzweilige Einzelrunden um die beste Highscore, gerne auch gegen Freunde und andere User aus aller Welt. Die Schnellspiele sind vor allem für eine Party ganz gut geeignet und für den kurzen Fitness-Hunger zwischendurch. Motivierte Kinect-Freunde liebäugeln dagegen einem der im Moment verfügbaren beiden Trainingspläne. Das 4-wöchige Programm bietet drei Trainingstermine pro Woche und jeweils einen Bossfight am Ende und sorgt somit für kontinuierliche Auslastung. Das strafft nicht nur Muskeln und Sehnen, auch die Pfunde werden Verluste hinnehmen müssen.
Denn Shape Up ist alles andere als leicht bzw. man sollte die Thematik doch eher von einer anderen Seite betrachten. Auch wenn sich jede Disziplin wie ein Minispiel anfühlt, wie man es schlichtweg auch aus etlichen Partyspielen kennt, so sorgen die geforderten Bewegungen doch für ziemlich schweißtreibende Unterhaltung. Wenn man mit Push-Ups oder schnellen Kniebeugen das Spiel beeinflusst, über Hindernisse hinweg springen muss oder wie Frogger der Frosch und mit einem Sprungseil in der Hand von Stein zu Stein im reißenden Fluss hüpft, läuft der Schweiß in Strömen von der Stirn. Selbst als durchaus trainierter Kerl, der auch mal über 10 km am Stück Joggen geht bzw. auch zahlreiche Fitness-Programme auf der Xbox vor Kinect absolviert hat, traf mich Shape Up wie ein Schlag aufs Auge. Die einzelnen Aufgaben nehmen Muskelpartien in Angriff, von denen ich noch gar nicht gewusst habe – auch weil die Vielfalt der Minispiele groß ist und die Bewegungen aus allen Bereichen des Sports entnommen wurden.
Quelle: Ubisoft
Shape Up im Test. (3)
Das 4-wöchige Programm ist durchaus unterhaltsam, auch wenn die Messlatte für Rekorde extrem hoch gelegt ist und man von Anfang an aufgrund des Schwierigkeitsgrades doch etwas demotiviert wird. Nicht selten haben wir uns gefragt, warum ein Duell gegen den Computer immer und immer wieder scheitert, obwohl die Darbietung gar nicht so schlecht war und unsere Handtücher triefend nass sind. Mit der Zeit merkt sich Shape Up aber auch die eigenen Rekorde und lässt euch gegen diese Ghost-Daten antreten. Seine eigene Spitzenleistung nochmals zu toppen ist dann doch aufbauender, als von den Trainern und Charakteren von Shape Up fertig gemacht zu werden.
Mit der Retail-Fassung könnt ihr euch entweder auf Kardio fixieren, oder speziell den Muskelaufbau anstreben. Wem das nicht genügt, der darf sich auf ein Trainingsprogramm mit einem Shape Up Coach freuen. Aus individuellen Übungen werden Fitness-Routinen zusammengestellt und wer möchte, kann sich sogar auf einen optimierten Ernährungsplan inklusive Einkaufslisten einlassen. Der Coach ist quasi eine Weiterführung der alten Your-Shape-Reihe, mit zusätzlichen Inhalten und einem organisierten Trainingsplan. Allerdings sollte euch das auch was wert sein, denn der Coach steht nur einen Monat kostenlos zur Verfügung. Anschließend kostet der Spaß für drei Monate 29,99 Euro, für sechs Monate 49,99 Euro und ein Jahr 74,99 Euro. Das ist nicht gerade wenig. Auch der Spielumfang für einen Titel, der fast zum Vollpreis auf den Markt kam, ist doch etwas gering. Nur zwei 4-wöchige Programme stehen zur Verfügung. Zusätzliche sollen noch folgen, dürften aber auch ein paar zusätzliche Euros kosten. Ein passender Season Pass ist auf jeden Fall bereits erhältlich.
Quelle: Ubisoft
Shape Up im Test. (4)
Das größte Ärgernis sind aber nicht die versteckten Kosten. Grundsätzlich bietet Shape Up ein wundervolles und spaßiges Unterhaltungsprogramm, welches zugleich auch Gutes für unseren Körper tut. Doch leider funktioniert die Technik hinten und vorne nicht. Vor jeder Trainingseinheit bzw. vor jedem Spiel beschwert sich die Kamera über die Lichtverhältnisse. Es sei zu dunkel, man könne uns nicht erkennen. Das Testlabor ist zugegeben nicht ideal für Kinect ausgestattet, aber bis dato haben wir keine derartigen Probleme gehabt. Außerdem sollten vier Strahler mehr als genug Licht in den Raum bringen, damit die Kamera ihre Arbeit verrichten kann. Zahlreiche andere Kinect-Spiele beweisen dies auch. Just Dance macht eine prima Figur und alles geht sauber von der Hand, auch die alten Your Shape Teile erkannten die Bewegungen recht akkurat und mühten sich nur in wenigen Fällen erfolglos ab. Noch kein Spiel hat uns derart vor den Kopf gestoßen, wie es Shape Up mit jedem Warnhinweis tut.
Dabei hat Ubisoft dank Just Dance oder Your Shape doch mehr als genug Erfahrung mit der Kamera und bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass damit etwas anzufangen ist. Die schlechten Lichtverhältnisse sind das eine, die akkurate Auswertung das andere. Prinzipiell scheint Shape Up ja zu funktionieren. Im Speziellen fällt aber auf, dass sich die Entwickler keinerlei Gedanken über den Lag von Sound und Bild gemacht haben. Vor allem die Bossduelle gegen Beatmaster offenbaren das riesige Manko, welches man anfänglich nur erahnen kann und sich aber über schlechte Wertungen wundert. Sobald wir aber zur Musik herum hopsen und ähnlich 'wie in Guitar Hero und Co. zeitgenau entsprechende Bodenplatten treffen sollen, ist das Problem ganz offensichtlich. Weder beim Seilspringen, noch beim Tanzen stimmt die Musik mit der Eingabe überein und Shape Up verpasst uns eine schlechte Wertung nach der anderen. Leider lässt sich die Problematik auch nicht über die Optionen anpassen, wie es bei Musikspielen der Vergangenheit der Fall war. Somit verdirbt das unglaublich schlechte Timing – welches natürlich für jeden Spieler je nach TV und Soundanlage unterschiedlich ist – jeglichen Spaß an Shape Up.
