Ein solider Titel mit abwechslungsreichem Aufbau und intuitiv zu bedienender Steuerung.
Das Snowboard auf vier Rädern?
Shaun White Skateboarding
Das Kredo bei "Shaun White Skateboarding" bezüglich des Gameplays: Leichte Zugänglichkeit. Logisch, dass sich daher die Steuerung praktisch zu jedem Zeitpunkt absolut simple, intuitiv und nie überfordernd gibt. Bewegt wird euer Protagonist durch den linken Analogstick, Tricks führt ihr durch die entsprechenden Buttons bzw. Buttonkombis aus und wollt ihr mal vom Board springen, also euren Weg per pedes fortsetzten, genügt auch ein einfacher Tastendruck. Übrigens funktioniert dies alles ohne größere Verzögerungen, also die Aktionen werden wirklich dann ausgeführt, wann ihr das wollt. Technisch kann man dem Titel daher nicht viel vorwerfen. Spielerisch allerdings schon. "Nie überfordernd" wurde bereits eingangs in Bezug auf die Steuerung erwähnt - und "nie überfordernd" ist wirklich wörtlich zu nehmen. Die Steuerung wurde perfekt auf den Gelegenheitsspieler ausgelegt, allerdings fehlt es daher auch komplett an der entsprechenden Tiefe. Gerade Hardcoregamer, die sich gerne etwas intensiver mit einem Spiel auseinandersetzen wollen, werden hier kaum ihre Freude finden - daran ändern auch die laut Publisher mehr als 80 integrierten und natürlich absolut unterschiedlichen Tricks überhaupt nichts.
Shaun White Skateboarding
Übrigens kann auch die Wii-Variante von "Shaun White Skateboarding" mit derselben Anzahl an Drehungen, Jumps und Moves dienen. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Obwohl auch die Umsetzung für Nintendos Spaßkonsole durchaus den Ansatzpunkt der leicht zugänglichen Steuerung verfolgt, kann diese Version auch damit punkten etwas mehr Tiefgang zu besitzen. Vor allem die Bedienung über das Balance Board sticht hierbei hervor. Einziger Wermutstropfen: Ohne Fernbedienung bzw. Nunchuk kommt ihr hierbei nicht aus. Unter anderem für die grundlegenden Elemente, wie Beschleunigen, Bremsen und einfaches Steuern, wird auch dann immer noch z. B. der Stick (Nunchuk) benötigt. Schade, denn hier wäre eine komplett unabhängige Balance Board-Bedienung schöner gewesen. So sind nur die Tricks auf diese Zusatzhardware gelegt, welche sich dann aber zum Glück absolut intuitiv, wie auch genial ausführen lassen. Übrigens gibt sich auch hier die Technik kaum eine Blöße. Zwar kämpft die Bewegungserkennung hin und wieder schon mit einer gewissen Verzögerung, aber alles noch in einem Rahmen, den man als hinnehmbar bezeichnen kann. Insgesamt ist es aber auf jeden Fall genau dieses tiefgängigere Bedienungsfeature über das Wii Balance Board, welche diese Umsetzung von den anderen spielerisch etwas absetzt.
Langweilige Optik und kein Handbuch
Shaun White Skateboarding
Grafisch braucht ihr mit "Shaun White Skateboarding" ganz sicher kein Meisterwerk erwarten. Solide könnte man die Optik bezeichnen, aber sicher nicht überragend. Schön anzusehen sind die recht großen Protagonisten und ihre wirklich sehr realistischen Animationen. Letztere laufen zwar nicht immer absolut flüssig ab, können aber damit punkten, dass sie zu diesem Spiel einfach passen. Gerade wenn man sein Alter-Ego beobachtet, wie es Balancierenderweise einen seiner endlos langen Grinds vollführt und hierbei mit den Armen rudert oder seinen Körper verrenkt, kann man den Entwicklern kaum Kritik entgegenbringen. Ganz anders sieht es aus, wenn man mal den Blick von seinem Skater abwendet und sich die Umgebung etwas genauer ansieht, da wird schnell klar: Hier wurde gespart - an Zeit, an Arbeit. Zwar bietet die Stadt durchaus ihre Details, aber alles im eher überschaubaren Rahmen. Die Gebäudearten wiederholen sich und sind trotzdem nur mit langweiligen Texturtapeten ohne große Struktur überzogen. Eine Weitsicht gibt es sowieso nicht. Und weil dies alles noch nicht genügt, muss man auch noch mit Clippingfehlern und Popups leben. Trotzdem ist es aber auch schön zu sehen, wie die Entwickler diesen Verwandlungseffekt - von Grau zu Bunt, von langweilig zu "Skatboardfreundlich" - hinbekommen haben. Dies klappt nämlich meist ohne Verzögerung und Ruckler gibt es diesbezüglich auch nicht zu beobachten. Etwas lästiger sind da schon die langen Ladezeiten auf PC, PS3 und Xbox360. Auch wenn selbige schön mit witzigen Hinweistafeln - irgendwie erinnert der schwarze Humor an SEGAs "Headhunter" - unterlegt sind, nervt es, wenn man des Öfteren im rechten unteren Eck für viele, lange Sekunden den berühmten Text "Laden" eingeblendet bekommt.
Shaun White Skateboarding
Gibt sich der Titel schon auf dem heimischen Rechner bzw. den HD-Konsolen recht comic-lastig, so ist er es auf der Wii erst Recht. Wohl auch der schwächeren Hardwareleistung Rechnung tragend wurden hier die Details der Stadt noch mehr zurückgefahren und den Protagonisten selbst der sogenannte Comic-Look verpasst. Und irgendwie passt das auch ganz gut zu der gesamten Thematik des Spieles. Dieser extreme Kontrast von absolut trist zu extrem knallig wird auf der Wii besonders gut getroffen. Ebenfalls schön, dass auch die Animationen der Protagonisten den Vergleich mit den anderen Umsetzungen nicht scheuen müssen. Ganz im Gegenteil: Sie laufen auf der Wii über weite Strecken sogar flüssiger ab.
Shaun White Skateboarding
Großes Lob übrigens dafür, dass "Shaun White Skateboarding" auf allen Plattformen komplett lokalisiert - also in Text und Sprache - in die deutschen Läden kommt. Weniger löblich - zumindest für uns -, dass Ubisoft am Handbuch spart. Das mitgelieferte Begleitheftchen besteht aus sage und schreibe zwei Seiten in denen neben den natürlich sehr wichtigen rechtlichen "Blabla" nur darauf hingewiesen wird, dass man das "richtige" Handbuch als "Ingame-Manual" aufrufen kann. D. h. wollt ihr euch über die Steuerung, die Spielinhalte oder sonst was bezüglich des Titels informieren, bleibt euch nur die Möglichkeit dies am TV-Gerät und über den entsprechenden Menüpunkt zu tun. Dumm nur, dass man das Handbuch aktuell auch nicht über das Internet herunterladen und somit eventuell selbst ausdrucken kann. Übrigens brauchen sich Wii-User hier nicht angesprochen fühlen, denn hier ist alles beim Alten. Soll heißen, ein greifbares, auf Papier gedrucktes Handbuch liegt bei. Warum das so ist? Ubisoft fragen.
