Space Hulk: Deathwing: Space Hulk: Deathwing in der Vorschau: Der Tabletop-Shooter verträgt mehr Action

Special Sandro Odak
Space Hulk: Deathwing: Space Hulk: Deathwing in der Vorschau: Der Tabletop-Shooter verträgt mehr Action
Quelle: Focus Home Interactive

Nachdem wir im letzten Jahr noch eine Techdemo zum Tabletop-Shooter Space Hulk: Deathwing sahen, gab es dieses Jahr eine ausführliche Anspiel-Vorschau. Nur eines haben wir schmerzlich vermisst: Ein Spielziel und richtige Action.

Jedes Jahr veranstaltet der französische Publisher Focus Home Interactive ein Line-Up-Event, auf dem die neuesten Entwicklungen französischer Studios präsentiert werden. Dieses Jahr besonders zahlreich: Tabletop-Umsetzungen. Focus hat in den letzten Jahren Lizenzen von Games Workshop erworben. Eines der ambitioniertesten Projekte ist Space Hulk: Deathwing. Beim letzten Event gab es lediglich eine kleines Techdemo der Unreal Engine 4. Nun ist der Ego-Shooter bald fertig – und wir konnten diese Version ansehen.

Tabletop als Shooter?
Space Hulk: Deathwing in der Vorschau. (2) Quelle: StreumOn Studio Space Hulk: Deathwing in der Vorschau. (2) Zunächst die drängendste Frage: Wie bringt man ein Tabletop-Strategiespiel als Ego-Shooter auf die Mattscheibe? Die strategischen Elemente transportiert Streum On Studio mit einer Übersichtskarte. Auf ihr dirigiert man sein Team von bis zu fünf Spielern umher und gibt taktische Befehle. Jede Karte ist zufallsgeneriert mit Gegnern bestückt, die komplett auf KI-Angriffe setzen und nicht geskriptet sein sollen. "Die Gegner können sich mit einem kleinen Angriff antasten und eure Verteidigung checken, warten bis ihr euch trennt oder erst am Ende des Levels zu einem riesigen Schlag gegen euch ausholen", erklärt der Produzent. Damit kein Angriff dem anderen gleicht, entscheidet der Computer jedes Mal aufs Neue.

Weil man aber auch in Tabletop-Spielen nicht unendlich Zeit hat, begrenzt das Spiel die Taktikkarte. Jedes Mal wenn man sie öffnet, fängt ein Countdown an herunter zu zählen. Hat man am Ende der Zeit seine Befehle noch nicht verteilt, ist man aufgeschmissen. Ziel der Angreifer ist es, Artefakte im "Space Hulk" zu suchen – ein intergalaktisches Schrottfeld im Warhammer-Universum. Im Singleplayer steuert man dabei den übermächtigen "Librarian" (dt.: Bibliothekar), der vier KI-Kämpfer befehligt. Er kann primitive Befehle geben, etwa "folgt mir", "nehmt diesen Raum ein", verteidigt oder greift an. Im Koop-Modus bleibt der Posten des Bibliothekars unbesetzt, stattdessen springen die vier in die Fußstapfen normaler Space-Soldaten. "Wir wollten nicht, dass ein Streit um die besonders coole Rolle des Librarians entsteht", klärt der Produzent auf.

Space Hulk: Deathwing in der Vorschau. (1) Quelle: StreumOn Studio Space Hulk: Deathwing in der Vorschau. (1) In so einem Team stapft man nun durch enge, dunkle, verwinkelte Raumschiffe und –stationen. Die Unreal Engine 4 tut dabei guten Dienst. Die spärliche, passive Beleuchtung wirkt atmosphärisch und erzeugt eine düstere Stimmung. Die wenigen aktiven Lichtquellen spiegeln sich an den meist metallischen Oberflächen und verstumpfen bald zu schummrigen Lichtspielen. In einem Raum lodert etwa nur in der Mitte eine kleine Flamme, die den Rest der Kammer in ein trübes Licht hüllt. In einem anderen Maschinenraum drehen sich dafür überall Bolzen und riesige Zahnräder. Ein Bewegungs-Overkill wohin das Auge schaut. So gehen die winzigen Kreaturen, die immer wieder vorbeihuschen, unter – bis sie plötzlich aus ihrem Versteck hervorspringen und angreifen!

Tolle Atmosphäre, lahme Action
Space Hulk: Deathwing in der Vorschau. (3) Quelle: StreumOn Studio Space Hulk: Deathwing in der Vorschau. (3) Atmosphärisch weit Space Hulk: Deathwing solche Momente toll zu inszenieren. Doch sobald es zum Kampf kommt, versagt die Vorschauversion. Kämpfe, egal ob mit Nahkampfwaffen wie Riesenschwertern, Hämmern und Äxten oder mit Fernwaffen wie MGs und Flammenwerfern, wirken lahm und nicht ausbalanciert genug. Unser Bibliothekar zieht mit seiner schweren MG, die Geschosse von der Größe von Flak-Kugeln verschießt, durch die Gänge und tötet Aliens ohne große Mühe. Nur einmal während der Präsentation dringen Gegner überhaupt nah genug an das eindringende Team heran. An Balancing und Feedback müssen die Entwickler noch arbeiten. Die Shooter-Passagen wirken einfach noch zu lahm.

Und am Ende stellen sich alle anwesenden Journalisten dieselbe Frage: Was war nun eigentlich das Ziel dieser Mission? Space Hulk: Deathwing schmeißt einen auf eine Map irgendwo im Weltall – und dann trampelt man mit seinem Space-Anzug so lange herum, bis man zufällig auf ein Artefakt trifft? So richtig motivierend klingt das nicht. Das Konzept klingt nicht gut durchdacht, auch wenn es weitere strategische Elemente gibt. So kann man Türen öffnen, schließen und deaktivieren, um Durchgänge für Aliens zu kontrollieren. Oder man kann sie für immer zerstören. Dann können die fies aussehenden Viecher unkontrolliert durchjagen. Wenn die Macher nicht noch motivierendere Elemente einbauen, könnte Deathwing zum reinen Horde-Modus werden. Das wäre schade – vor allem für die vielen Fans, die sich ein spannendes Singleplayer-Abenteuer erhoffen.

Space Hulk: Deathwing erscheint Ende 2015 für PC, Playstation 4 und Xbox One. Die Oculus Rift Version, die wir im letzten Jahr noch gesehen haben, ist vorerst auf Halde. Sie könnte zwar noch erscheinen, aber erst mal wollen die Macher das eigentliche Spiel fertigstellen.

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