Spider-Man Miles Morales: Spinnen war nie schöner! Unser Test zum PS5-Launch-Titel
Test
Neue Playstation, neue Spinne - Miles Morales erhält zum Start der PS5-Ära ein Spin-off, das zwar kürzer, in manchen Belangen aber sogar besser ist als das Abenteuer von Peter Parker. Wie gut Spider-Man: Miles Morales ist, verrät euch Chris im Test!
Fans von Superhelden-Comics kennen Miles Morales bereits seit etwa neun Jahren, als Autor Brian Michael Bendis und Illustratorin Sara Pichelli den neuen Spider-Man erfanden, der in der Ultimate-Reihe nach dem Tod von Peter Parker zum Helden aufsteigt. Das größte Jahr von Miles Morales war jedoch 2018, denn zum einen war der Teenager aus Brooklyn Hauptdarsteller im großartigen und sogar Oscar-prämierten Animationsfilm Spider-Man: A New Universe und zum anderen spielte der Charakter auch eine Rolle im ebenfalls ausgezeichneten Spider-Man-Videospiel von Insomniac Games, das exklusiv für die PS4 erschien.
Hier gab Peter Parker zwar nicht den Löffel ab, doch Miles wurde trotzdem von einer radioaktiven Spinne gebissen und entdeckte im Abspann des Spiels seine Kräfte. Die Entwickler verrieten uns, dass ihnen die Figur Miles so gut gefiel, dass sie schon vor der Auslieferung des letzten Spider-Mans mit der Entwicklung eines Miles-Spin-offs begannen. Im Verlaufe der Entwicklung switchte man jedoch auf die PS5-Hardware um und liefert somit nun einen ersten Blockbuster für die Next-Gen-Konsole. Miles' Abenteuer ist zwar kürzer als das von Peter vor zwei Jahren, dennoch sagen wir nach dem Durchspielen ganz klar, dass es kaum ein besseres Spiel geben kann, um eine neue Konsole einzuweihen.
In diesem Artikel
Vom Teenie zum Helden
Spider-Man: Miles Morales (jetzt kaufen 36,80 € ) setzt zeitlich etwa ein Jahr nach den geschehnissen des letzten Teils ein. Peter Parker hat den Schüler der Brooklyn Visions Academy unter seine Fittiche genommen und dem Jungspund den Umgang mit den Spinnenfähigkeiten beigebracht. Obwohl Miles seine Kräfte genießt, hadert er jedoch noch damit und versteht es noch nicht so ganz, sein Privatleben und die Verbrecherjagd mit Pete unter einen Hut zu kriegen. Er ist mit seiner Mutter Rio gerade erst von Brooklyn nach Harlem gezogen und lernt das Viertel kennen, während seine Mom bereits für den Stadtrat kandidiert. Direkt zu Beginn des Spiels muss Miles jedoch über sich hinauswachsen, denn bei einem Gefangenentransport bricht Superbösewicht Rhino aus und verwüstet dabei New York. Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird Peter auch noch verletzt und Miles muss sich alleine dem Fiesling entgegenstellen. Von Wut und Verzweiflung getrieben entdeckt Miles dabei jedoch seine bioelektrischen Kräfte, mit denen er Gegner schocken und ihnen damit mehr Schaden zufügen kann.
Quelle: Sony Interactive Entertainment / Marvel Games
Im Verlaufe der Geschichte muss Miles vom unsicheren Teenager zum Helden werden. Dabei legt sich der tapfere Jung-Spidey auch mit übergroßen Fieslingen wie Rhino an.
Miles entscheidet den Kampf zwar für sich, hat jedoch kaum Zeit, alles richtig einzuordnen, denn erst taucht Simon Krieger, der Chef des zwielichtigen Energiekonzerns Roxxon, mit seinen Wachleuten auf und nimmt Rhino in Gewahrsam und nur wenige Momente später wird Miles von Peter mitgeteilt, dass er Mary-Jane auf einen Auslandsjob begleite und Miles so für eine Weile der einzige Spider-Man in New York sei. Pete hinterlässt seinem Schützling zwar seinen alten (nicht ganz passenden) Anzug und ein paar AR-Trainingseinheiten, welche über die Stadt verstreut sind, doch einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte sich der Original-Spidey kaum aussuchen können, um eine Weile zu verschwinden. Kurz nachdem Miles auf sich gestellt ist, taucht nämlich der mysteriöse Tinkerer auf, der eine Terror-Organisation namens Underground anführt, seine Gefolgsleute mit High-Tech-Gadgets ausgestattet hat und dem Roxxon-Konzern den Krieg erklärt. Der schlägt mit seinen bewaffneten Söldnern jedoch zurück und Harlem droht, als Schlachtfeld der beiden verfeindeten Lager komplett zerstört zu werden. Miles muss also seine neuen Fähigkeiten unter Kontrolle kriegen und beweisen, dass er bereit ist, die Verantwortung als Spider-Man zu tragen.
Typisch Marvel
Wie schon im Vorgänger gelingt es Insomniac auch bei Spider-Man: Miles Morales genau den richtigen Ton bei der Erzählung und Präsentation zu treffen. Im Laufe des Abenteuers erleben wir genial durchinszenierte Abschnitte, in denen es gewaltig kracht. So müssen wir beispielsweise dafür sorgen, dass der wildgewordene Rhino keine unschuldigen Menschen verletzt und springen auf seinen Rücken, um ihn durch ein Einkaufszentrum zu lenken. An anderer Stelle bricht eine Brücke entzwei und wir müssen die Zivilisten in Sicherheit bringen. Das ist spektakulär inszeniert und steht den Film-Blockbustern von Marvel in nichts nach. Gleichermaßen lernen wir aber auch den Charakter Miles Morales und dessen Wünsche, Verpflichtungen und Unsicherheiten kennen. Ob wir nun die Musik für das Familienessen zu Heiligabend auswählen und Miles dabei in Erinnerungen an seinen Vater und seinen Onkel schwelgt, er seine Heldenidentität vor seiner Mutter versteckt oder er einfach mit seinem (eingeweihten) Kumpel Ganke über das Viertel plaudert - ohne Holzhammer wird so der toll und nachvollziehbar geschriebene Protagonist nähergebracht. Wir nehmen an seinem Leben teil. Zudem ist Insomniac auch wieder die Balance zwischen Humor und Dramatik gelungen. Während des Spielens wird man oftmals über Miles' Sprüche grinsen und in der einen oder anderen Situation ob seiner Unbeholfenheit auch mal laut lachen, gleichzeitig sind viele Schlüsselszenen aber auch richtig emotional. Gerade im letzten Drittel versteht es Spider-Man: Miles Morales ausgezeichnet, zu berühren, ohne dabei auf die Tränendrüse zu drücken. Selten war eine Comingof-Age-Story in einem Videospiel so gelungen.
Quelle: PC Games
Zum turbulenten Beginn des Abenteuers geht Miles noch mit Mentor Peter Parker auf Verbrecherjagd. Nach dem Prolog muss er jedoch alleine für Recht und Ordnung in New York sorgen. (PS5)
Zum Genießen
Obwohl sich die Geschichte Zeit nimmt, uns den Charakter Miles nahe zu bringen, ist sie schneller vorbei als die Kampagne im letzten Spidey-Game. Die Entwickler verglichen ihr Spiel hinsichtlich der Spielzeit bereits im Vorfeld mit dem Uncharted-Spin-off The Lost Legacy und haben damit tatsächlich noch untertrieben. Spielt man ausschließlich die Hauptmissionen, sieht man - genau wie bei The Lost Legacy - nach etwa acht Stunden den Abspann über den Bildschirm flimmern. Wer das macht, verpasst jedoch einiges, denn die Nebenmissionen wurden ein wenig umgestaltet und fügen sich nun besser in die offene Spielwelt ein als noch beim Vorgänger. Natürlich gibt es auch weiterhin allerhand Sammelkram (der tatsächlich im Kontext der Story Sinn ergibt), wir treffen auf Zufallsverbrechen, wo ein paar Gangster gerade einen Laden ausrauben oder der Underground und Roxxon sich eine Schießerei liefern, und auch Kriminellenverstecke sowie die von Verbrechern besetzten Baustellen haben es auf eine bestimmte Art wieder ins Spiel geschafft. Wer das letzte Spider-Man gespielt hat, weiß also ganz genau, welche kleinen Aktivitäten ihn erwarten. Neu hingegen sind die von Peter Parker installierten AR-Trainingseinheiten, in denen Miles' Geschick im Nahkampf, beim Schleichen und beim Schwingen auf die Probe gestellt wird.
Die größte Mühe gab sich Insomniac jedoch bei der Gestaltung der echten Nebenmissionen. Über die von Miles' Kumpel Ganke programmierte FNSM-App (Friendly-Neighborhood- Spider-Man-App) können sich die Bürger Harlems direkt mit ihren Sorgen und Problemen an den neuen Spidey wenden. Die App öffnet man mit Druck auf das Touchpad und sieht so sofort sämtliche Nachbarschaftsmeldungen sowie größere gemeldete Verbrechen. Mal sind die Nebenmission recht kurz, mal ergeben sich kleinere Questreihen. So sollen wir beispielsweise die entlaufene Katze eines Ladenbetreibers wiederfinden und stoßen auf einen groß angelegten Banküberfall, während wir die Spur des Vierbeiners verfolgen. Die kleinen Geschichten, die sich durch die Quests ergeben, fügen sich gut in das Gesamtbild ein und tragen zur Atmosphäre bei. Wir erleben, wie Miles immer mehr zu Harlems eigenem Spider-Man wird und er den Menschen dort Hoffnung gibt. Es ist nicht so, dass einem wichtige Story-Details entgehen, wenn man die Nebenmissionen nicht spielt, doch die Geschichte des Spiels ist weitaus stimmiger und runder, wenn man sich um die Probleme der Bürger in Miles' Nachbarschaft kümmert. Zudem wird die Spielzeit so eben noch mal aufgestockt. Wer Nebenmissionen und -aktivitäten macht, wird gute zwölf Stunden beschäftigt sein.
Quelle: PC Games
Das normale Kampfsystem ist den flotten Kloppereien aus Teil 1 nachempfunden. Mit Hilfe des Spinnensinns weicht man aus, vermöbelt Feinde und nutzt verschiedene Netz-Fähigkeiten. (PS5)
Gewohnt gutes Gekloppe
Zu Beginn des Spiels besitzt Miles quasi die gleichen Fähigkeiten wie Peter Parker aus dem letzten Teil. Mit R2 schwingen wirdurch die Stadt, mit Dreieck ziehen wir Gegner heran oder entwaffnen diese, indem wir die Taste gedrückt halten. Zusätzlich dürfen wir mit R1 ein Kreismenü öffnen, wo wir erweiterte Netzangriffe auswählen. So darf man Feinde beispielsweise wieder einspinnen. Mit X springt man, mit Kreis weicht man feindlichen Attacken aus und mit Quadrat haut man den bösen Buben selbst aufs Maul. Wie im Vorgänger oder bei den sehr ähnlichen Batman-Games von Rocksteady kommt es in den Prügeleien auf den Flow an. Spideys Spinnensinn verdeutlicht einem, dass Gefahr in Verzug ist, sodass man schnell ausweichen kann. Spider-Man ist wunderbar agil, wodurch man zügig lernt, Angriffe zu kombinieren, Geschossen auszuweichen und das dann direkt mit Netzattacken zu verbinden. Steigt der Kombo-Zähler auf 15 dürfen wir sogar per Dreieck und Kreis direkt einen Takedown ausführen, der unseren Gegner sofort ausschaltet.
Auch hier gilt: Wer das erste Spider-Man gespielt hat, kommt sofort zurecht, wer mit Miles Morales erst einsteigt, ist aber auch schnell drin im Kampfsystem. Richtig gut ist zudem, dass man mit Miles nicht erneut die gleichen Fähigkeiten freischalten muss wie mit Peter im letzten Teil. Miles kann direkt Feinde entwaffnen und denen ihren eigenen Schießprügel ins Gesicht hauen oder aus dem Stand so hoch springen, dass er direkt weiterschwingen kann. Alles andere wäre ja auch nervige Spielzeitstreckung gewesen. Dennoch hat natürlich auch Miles einen Fähigkeitsbaum. Für jede Mission, jedes vereitelte Zufallsverbrechen und jeden eingesackten Sammelgegenstand erhalten wir Erfahrungspunkte. Haben wir davon genug, steigen wir automatisch im Level auf und erhalten dafür einen Skill-Punkt, mit dem wir im dreigeteilten Skill-Tree neue Fähigkeiten freischalten dürfen. Der erste Ast des Talentbaumes bezieht sich auf normale Angriffe, die anderen beiden jedoch auf die zwei speziellen Fähigkeiten von Miles.
