Spider-Man in der Vorschau: ​Die ersten zwei Stunden gespielt

Special Christian Dörre
Spider-Man in der Vorschau: ​Die ersten zwei Stunden gespielt
Quelle: Sony/Marvel

Am 7. September schwingt sich Marvels Spider-Man endlich auf die PS4 und verpasst seinen Kontrahenten ein paar saftige Schellen. Wir haben die ersten zwei Spielstunden des Open-World-Action-Adventures von Insomniac Games bereits vor dem Release gespielt und sind begeistert. In unserer Vorschau erfahrt ihr, warum wir es kaum noch abwarten können, in Spideys Anzug zu schlüpfen.

Fans von Superhelden haben sich den 7. September 2018 bereits fett in ihrem Kalender markiert, denn dann erscheint endlich das PS4-exklusive Action-Adventure mit offener Welt zu Marvels freundlicher Spinne aus der Nachbarschaft. Wir durften uns bereits vor dem Release ins virtuelle Manhattan schwingen und die ersten zwei Spielstunden von Spideys Abenteuer zocken. Auf dem Preview-Event im sonnigen Berlin kraxelten wir auf Wolkenkratzer, vermöbelten jede Menge böser Buben, probierten Spideys Spezialfähigkeiten aus und erlebten auch einige Momente aus Peter Parkers Privatleben, in denen wir unter anderem auf seine Tante May und Ex-Flamme Mary-Jane Watson trafen. Zudem sprachen wir mit dem zuständigen Creative Director Bryan Intihar von Insomniac Games, der uns beantwortete, warum ihr Spiel keine Origin-Story erzählt und, welche Spiele als Inspiration für das Kampfsystem von Spider-Man dienten.

Spider-Man in der Vorschau: Fortgeschrittener Spinner

Genau wie in Spider-Man: Homecoming, dem neuesten Film zu Marvels Spinne, wird sich in Insomniacs Spider-Man nicht mit einer Origin-Story aufgehalten. Bryan Intihar verrät uns, dass sie den Eindruck hatten, dass mittlerweile wirklich jeder weiß, wie Peter Parker seine Superkräfte bekam oder Onkel Ben starb. Man entschied sich daher für einen anderen Einstieg in das Spidey-Universum. In der ersten Szene des Spiels fährt die Kamera durch Peters unaufgeräumte Junggesellenbude und fängt dabei zahlreiche Fotos ein, auf denen Peter mit Mary-Jane, Onkel Ben und Tante May und danach nur mit May zu sehen ist. Das ist schön präsentiert und reicht vollkommen, um einen in das Universum eintauchen zu lassen.

Man steuert nicht nur Spidey, sondern an manchen Stellen auch Peter Parker sowie dessen Ex-Flamme Mary-Jane Watson und erlebt deren private Probleme. Quelle: Sony/Marvel Man steuert nicht nur Spidey, sondern an manchen Stellen auch Peter Parker sowie dessen Ex-Flamme Mary-Jane Watson und erlebt deren private Probleme. Das Spiel Spider-Man unterscheidet sich jedoch von Homecoming darin, dass Peter kein unsicherer Schüler mehr ist. Wir übernehmen die Kontrolle über einen Spider-Man und einen Peter, die sowohl im rot-blauen Kostüm als auch im Privatleben einige Schlachten geschlagen haben. An Peters Wand hängen einige Zeitungsausschnitte, die von vergangenen Heldentaten der Spinne zeugen, während auf dem Boden Mahnungen liegen. Später treffen wir auch auf Mary-Jane und erfahren, dass die beiden seit mittlerweile sechs Monaten getrennt sind. Während Peter in einem Labor arbeitet und nebenher daran arbeitet, seinen Spider-Man-Anzug zu verbessern, ist MJ eine Reporterin für den Daily Bugle, für den Peter einst als Fotograf schuftete. Und apropos Bugle: Chefredakteur J. Jonah Jameson hat nun eine eigene Radiosendung, in der er "die Wahrheit" über Spider-Man erzählt und dabei so herrlich cholerisch ist, dass wir herzhaft lachen mussten, als Spidey auf einem Hochhausdach sitzend die Sendung einschaltete.

Das Schwingen durch die Open-World macht unfassbar viel Spaß, da es sehr eingängig sowie kontextsensitiv ist und die Animationen super geschmeidig sind. Quelle: Sony/Marvel Das Schwingen durch die Open-World macht unfassbar viel Spaß, da es sehr eingängig sowie kontextsensitiv ist und die Animationen super geschmeidig sind. Schön auch, dass es Insomniac Games offenbar gut gelingt, die Persönlichkeiten von Peter und Spider-Man einzufangen. Im Spinnenanzug ist unser Protagonist um keinen frechen Spruch und albernen Witz verlegen, während Peter oftmals unsicher wirkt. Unsere Vorschau-Version lief übrigens schon komplett mit deutscher Sprachausgabe. Die Hauptfiguren wurden dabei sehr gut besetzt, doch einige Nebencharaktere kamen recht hölzern rüber. Das kann in den Interaktionen schon mal etwas nerven. Beispielsweise unterhält sich Spider-Man in einer Szene über Funk mit Polizistin Yuri, für die er einen Auftrag ausführt. Während Spidey wunderbar bescheuert über die Abenteuer des "Spider-Cop" sinniert, wird die genervte Reaktion von Yuri ziemlich teilnahmslos vorgelesen. Schade, denn ansonsten ist die Präsentation richtig klasse.

Spider-Man in der Vorschau: Schwung geholt

Das merken wir auch direkt in der ersten Mission des Spiels, denn wir sollen niemand Geringeren als Spideys Erzfeind Wilson Fisk alias Kingpin dingfest machen. Hierfür schwingen wir erstmal durch die Häuserschluchten Manhattans und vergessen dabei fast unser eigentliches Ziel. Das Schwingen ist so eingängig, so kontextsensitiv und die Bewegungen sind so wunderbar animiert, dass wir uns zunächst gar nicht vorstellen können, mehr Spaß beim Verkloppen von Fieslingen zu haben. Per R2 verschießt ihr Spinnfäden zum Schwingen, mit dem linken Analogstick kontrolliert ihr den Schwung, mit X zieht ihr euch schneller nach vorn und mit gleichzeitig gedrückten R2- und L2-Tasten zieht ihr euch zu einem Vorsprung, von dem ihr euch mit der Sprungtaste schnell weiterkatapultieren könnt.

In und an Gebäuden führt ihr mit gedrückter R2-Taste Parcours-Moves aus und lauft Wände hoch. Die Steuerung ist eingängig, erlaubt dennoch viele Manöver und fühlt sich einfach richtig an. Nach nur wenigen Minuten im Spiel führen wir bereits allerhand tollkühne Aktionen aus, auf die jeder Zirkusakrobat neidisch wäre. Doch wir wollen den Kingpin natürlich nicht warten lassen und schwingen letztendlich zu seinem Aufenthaltsort.
Der großmäulige Spinnenmann bekommt es im Laufe des Abenteuers sogar mit den mächtigen Sinister Six zu tun. Quelle: Sony/Marvel Der großmäulige Spinnenmann bekommt es im Laufe des Abenteuers sogar mit den mächtigen Sinister Six zu tun.

Spider-Man in der Vorschau: Kampf dem Kingpin

Vor und in dem Gebäude erwarten uns natürlich etliche Handlanger des Gangsterbosses, an die wir ein paar zünftige Spider-Schellen verteilen. Mit der Quadrat-Taste prügeln wir auf die Fieslinge ein, erscheint über Spideys Kopf ein Symbol, klingelt dessen Spinnensinn und wir müssen schnell per Kreis ausweichen. Das sieht super akrobatisch aus und lässt sich in die Kombos mit einbinden, wenn wir beispielsweise durch die Beine eines angreifenden Gegners rutschen und ihm dann von hinten einen Schlag verpassen. Haltet ihr die Angriffstaste gedrückt, faustet ihr den anvisierten Fiesling übrigens hoch in die Luft, wo ihr ihn entweder weiter verdreschen könnt oder ihn mit einem Druck auf Dreieck mit Spinnweben auffangt und zu Boden oder auf einen anderen Gegner schleudert. Bryan Intihar erklärt uns, dass sich Insomniac viele Action-Spiele genauestens angesehen hat. Während der Spinnensinn in Verbindung mit dem Ausweichen an die Batman: Arkham-Games erinnert, sei das Juggeln in der Luft von Devil May Cry inspiriert.

Bei bewaffneten Gegnern müsst ihr in Bewegung bleiben und auf Spideys Spinnensinn achten. Ansonsten segnet unser Held schnell das Zeitliche. Quelle: Sony/Marvel Bei bewaffneten Gegnern müsst ihr in Bewegung bleiben und auf Spideys Spinnensinn achten. Ansonsten segnet unser Held schnell das Zeitliche. Zudem dürft ihr verschiedene Objekte in der Umgebung in den Kampf einbinden. So zieht ihr beispielsweise mit gleichzeitigem Druck auf R1 und L1 ein Gerüst auf eure Kontrahenten oder schleudert ihnen einen Gullideckel entgegen. Doch Spidey bekommt im Spielverlauf noch einige Gadgets, die seine Spinn-Attacken verändern und in einem Ringmenü gewechselt werden können. Wir durften unsere Gegner bislang mit Netzen beschießen und sie so kurzzeitig bewegungsunfähig machen oder sie gleich mit einem großen Netz an die Wand schießen. Zudem erhält Peter Parker auch neue Anzüge mit bestimmten Spezialfähigkeiten und durch das Abschließen von optionalen Nebenmissionen verdient ihr Marken, mit denen sich die Anzüge aufrüsten lassen. Insgesamt überzeugte uns das Kampfsystem, da sich die Keilereien angenehm flott spielen und das Ausprobieren von Spideys Fähigkeiten eine wahre Freude ist.

Mit Spideys Fähigkeiten lässt sich auch die Umgebung in Kämpfe miteinbeziehen. So zieht ihr beispielsweise ein Gerüst herunter oder schleudert einen Gullideckel. Quelle: Sony/Marvel Mit Spideys Fähigkeiten lässt sich auch die Umgebung in Kämpfe miteinbeziehen. So zieht ihr beispielsweise ein Gerüst herunter oder schleudert einen Gullideckel. Dennoch ist das Großmaul im rot-blauen Anzug nicht übermächtig, denn die Fieslinge teilen auch ziemlich aus, wenn ihr nicht rechtzeitig aufpasst. Besonders bewaffnete Gegner sind eine echte Gefahr. Nur wenige Schüsse und Spidey segnet (auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad) das Zeitliche. Die Checkpoints sind jedoch super fair gesetzt und ihr könnt euch heilen, wenn die Fokusenergie aufgeladen ist. Das brauchten wir auch, als wir uns dem Kingpin endlich entgegenstellten. Zunächst versteckte sich der Gangster hinter einer kugelsicheren Scheibe, die wir zerstörten, indem wir die von ihm postierten Geschütze dagegen schleuderten. Danach stürmte er immer wild auf uns zu und im Nahkampf hat selbst Spider-Man gegen diesen Brocken keine Chance. Also verlangsamen wir ihn mit Netzschüssen und prügeln auf ihn ein, solange er gefesselt ist. Nach ein paar Runden und weiteren auftauchenden Handlangern verfrachten wir Wilson Fisk ins Gefängnis. Manhattan ist jetzt sicher, oder?

Spider-Man in der Vorschau: Neue und alte Schurken

Natürlich nicht, denn sonst wäre das Spiel ja ganz schön kurz. Mister Negative nutzt das kriminelle Machtvakuum und wird nun Angst und Schrecken verbreiten. In diesem Zusammenhang soll Spidey auch auf die Sinister Six treffen, aber im Rest unserer Demo ist von den Fieslingen noch nicht viel zu sehen. Spider-Man hetzt nicht von Schurke zu Schurke, sondern versucht, eine vernünftige Geschichte aufzubauen, welche die Superbösewichte in Szene setzt.

Die Kämpfe gegen die zahlreichen Bossgegner werden spektakulär inszeniert und setzen auf den geschickten Einsatz der Spezialfähigkeiten. Quelle: Sony/Marvel Die Kämpfe gegen die zahlreichen Bossgegner werden spektakulär inszeniert und setzen auf den geschickten Einsatz der Spezialfähigkeiten. Von Mister Negative treffen wir nur dessen Alter Ego Martin Li, für den - ausgerechnet! - Tante May arbeitet. Dafür bekommen wir es später mit dessen Schergen zu tun, die im Museum eingebrochen sind und dort die Kuratorin bedrohen. Hier müssen wir leise vorgehen, damit sie die Geisel nicht umbringen. Daher schalten wir die Fieslinge nacheinander heimlich aus. Das Stealth-Gameplay fühlt sich auch ein wenig nach den Arkham-Games an, wenn Spidey einen Gegner aus erhöhter Position einwickelt und dieser dann herumbaumelt.

Nun trifft Spidey jedoch überraschend auf Mary-Jane, die ihm erzählt, was sie im Museum zu suchen hat. Cool: Wir dürfen ihre Erzählung selbst spielen und übernehmen damit kurzzeitig Kontrolle über MJ. In diesem Abschnitt liegt der Fokus selbstverständlich nicht so sehr auf Action. Stattdessen versuchen wir die zickige Kuratorin zu überlisten, schleichen an ihr vorbei und lösen ein kleines Rätsel. Laut Bryan Intihar soll es im Spielverlauf immer wieder einige dieser wohltuenden Auflockerungen geben, indem wir Peter oder eben MJ steuern. Als Peter basteln wir übrigens an seinem Arbeitsplatz an einem neuen Anzug und dürfen sogar an einem Projekt forschen, indem wir Pipemania-ähnliche Knobeleien lösen. Was genau dahinter steckt dürfen und wollen wir euch jedoch nicht verraten. Lasst euch überraschen, Insomniac hat nämlich ein paar kleine, aber coole Änderungen im Spider-Man-Universum vorgenommen.

Spider-Man in der Vorschau: Türme und Verbrechen

Überall in Manhattan finden kleinere Verbrechen wie Verfolgungsjagden oder Raubüberfälle statt, denen ihr euch in Nebenmissionen widmen dürft. Quelle: Sony/Marvel Überall in Manhattan finden kleinere Verbrechen wie Verfolgungsjagden oder Raubüberfälle statt, denen ihr euch in Nebenmissionen widmen dürft. Stattdessen widmen wir uns doch lieber den Nebenmissionen, die wir während unserer Spielzeit bereits ausprobieren durften. So drangen wir beispielsweise in eine Baustelle ein, wo sich die Gang des Kingpin herumtreibt. Hier mussten wir mehrere Gegnerwellen verkloppen, um die erwähnten Anzug-Aufrüst-Marken sowie Erfahrungspunkte zu erhalten. Spidey verdient nämlich mit jeder erfolgreichen Mission XP, steigt im Level auf, erhält Fähigkeitspunkte und kann diese in Skills investieren, die auf drei Talentbäume (offensiv, defensiv, Schwingen) aufgeteilt sind.

Dank dieser Baustelle schalteten wir zum Beispiel die Fähigkeit frei, dass Spidey bei perfektem Ausweichen dem jeweiligen Angreifer automatisch ein Netz ins Gesicht schießt. Später erhielten wir auch den Skill, bewaffneten Gegnern die Schusswaffe zu entreißen. Doch wir kloppten natürlich nicht nur auf einer Baustelle herum, sondern suchten auch alte Rucksäcke von Peter, die überall in der Stadt verteilt sind oder nutzten unseren Spinnensinn, um Verbrechen in der Umgebung zu orten und somit Raubüberfälle zu vereiteln oder Verfolgungsjagden zu stoppen.

Die Nebenmissionen und das Sammeln der Rucksäcke war zwar ganz spaßig, allerdings könnten sich diese Quests im Spielverlauf auch recht schnell abnutzen. Hier muss man die fertige Version abwarten. Wenn wir jetzt schon einen Kritikpunkt anbringen möchten, ist dies ganz klar das Freischalten von Türmen. Überall in der Stadt sind kleine Funktürme der Polizei verteilt, welche die Karte mitsamt Aktivitäten eines Stadtteils freischalten, wenn ihr diese in einem Minispiel entschlüsselt habt. Also mal wieder ein Open-World-Spiel mit Türmen. Glücklicherweise macht der Titel ansonsten aber einen verdammt guten Eindruck.

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