Nur der Dollar zählt: Die größten Akquisitionen der Gaming-Geschichte
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Microsoft kauft Activision Blizzard, Sony schluckt Bungie: Im Jahr 2022 häufen sich die Übernahmemeldungen. In unserem Report blicken wir zurück auf die größten Akquisitionen Geschichte der Spieleindustrie.
Im Jahr 2022 verwandelt sich die Spieleindustrie in den Hamburger Fischmarkt. Zu Beginn des Jahres verging kaum eine Woche ohne große Akquisitionen. Zuletzt traf es das deutsche Entwicklerstudio Daedalic Entertainment: Der französische Publisher Nacon übernahm das Hamburger Unternehmen und sicherte sich für 53 Millionen Euro 100 Prozent des Aktienkapitals. Daedalic entwickelte und vertrieb Adventure-Titel wie Edna bricht aus oder die Deponia-Serie selbst, fungierte aber auch als Publisher für Titel wie Shadow Tactics oder Iron Danger. Besonders spannend: Daedalic arbeitet derzeit am Schleich-Abenteuer The Lord of the Ring: Gollum, das in der zweiten Jahreshälfte 2022 auf den Markt kommen soll.
Allerdings war Daedalic mit besagten 53 Millionen Euro ein wahres Schnäppchen. Denn wenn es um die Übernahmen großer Publisher und Entwickler geht, fließen schon mal gerne zweistellige Milliardenbeträge. In diesem Artikel blicken wir zurück auf die größten Akquisitionen in der Gaming-Historie und deren Protagonisten.
In diesem Artikel
Von Electronic Arts bis Facebook
Die hinteren Plätze des Milliarden-Rankings belegen alte Bekannte der Spiele- und Unterhaltungsindustrie. Die Embracer Group (früher Nordic Games) ging auf aggressive Shopping-Tour und kaufte sich durch gezielte Übernahmen groß. Über die Jahre schluckte das schwedische Unternehmen beispielsweise Saber Interactive (World War Z) für 525 Millionen US-Dollar, Flying Wild Hog (Shadow Warrior 2) für 137 Millionen Dollar oder den Mobile-Entwickler Easybrain für 765 Millionen Dollar. Die größte Investition allerdings war 2021 der Kauf von Gearbox Software für satte 1,3 Milliarden Dollar. Einher mit dem Studio von Randy Pitchford gingen Lizenzen wie etwa Borderlands in den Besitz der Karlstader über.
Quelle: Daedalic Entertainment
Für 53 Millionen Euro übernimmt das französische Unternehmen Nacon den Hamburger Entwickler und Publisher Daedalic Entertainment – inklusive The Lord of the Rings: Gollum.
Auch Electronic Arts schlug zuletzt gleich mehrfach zu: 2020/21 übernahm der US-Konzern Codemasters und damit bekannte Rennspielserien wie Formel 1, DIRT, Project CARS oder GRID. EA ergänzte auf diese Weise das eigene Portfolio rund um Need for Speed, FIFA und Battlefield. Der Preis dafür: 1,2 Milliarden Dollar.
| Platz | Käufer | Ziel | Jahr der Übernahme | Summe in Mrd. |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Microsoft | Activision Blizzard | 2022 | 68.7 |
| 2 | Take-Two Interactive | Zynga | 2022 | 12.7 |
| 3 | Tencent | Supercell (84% Acquisition) | 2016 | 8.6 |
| 4 | Microsoft | ZeniMax Media | 2020 | 7.5 |
| 5 | Activision Blizzard | King | 2015 | 5.9 |
| 6 | ByteDance | Moonton | 2021 | 4.0 |
| 7 | Sony | Bungie | 2022 | 3.6 |
| 8 | Microsoft | Mojang | 2014 | 2.5 |
| 9 | Electronic Arts | Glu Mobile | 2021 | 2.4 |
| 10 | Oculus VR | 2014 | 2.0 | |
| 11 | Zynga | Peak | 2020 | 1.8 |
| 12 | Bandai | Namco | 2005 | 1.7 |
| 13 | Electronic Arts | Playdemic | 2021 | 1.4 |
| 14 | Tencent | Leyou | 2020 | 1.3 |
| 15 | Tencent | Sumo Group | 2021 | 1.3 |
2021 setzte Electronic Arts zudem seinen verstärkten Einsatz auf dem Mobile-Markt durch entsprechende Akquisitionen fort. Gleich zwei weitere Übernahmen folgten: Playdemic für 1,4 Milliarden Dollar und Glu Mobile für 2,4 Milliarden Dollar. Playdemic verantwortete Spiele wie Golf Clash, das zum Zeitpunkt der Akquise über 80 Millionen Mal weltweit heruntergeladen wurde. Glu Mobile dagegen brachte Titel wie Kim Kardashian: Hollywood mit ein. EA machte mit diesen Übernahmen klar, dass man in Zukunft noch stärker auf den Mobile-Bereich setzen würde als bisher.
Quelle: Playdemic
Durch Investitionen in Firmen wie Playdemic wollte Electronic Arts seine Position im Mobile-Markt stärken.
Einen fetten Fang wollen wir an dieser Stelle nicht unter den Tisch fallen lassen: Facebook (heute Meta) akquirierte für zwei Milliarden Dollar Oculus VR. Für die Industrie war dies ein ganz klares Zeichen: Wenn Facebook derart viel Geld in die Hand nimmt, dann muss am Thema Virtual Reality etwas dran sein! Auch wenn die Verbindung von VR und Social Media bislang noch nicht wirklich geglückt ist, so hat sich zumindest die VR-Brille Oculus in verschiedenen Modellen in der Gaming-Szene etabliert.
Sony investiert 3,6 Milliarden Dollar in Bungie
Mit der jüngsten Expansion und dem Kauf von Bungie schafft es Sony immerhin in die Top 10 der größten Akquisitionen. Für Bungie griff man tief in die Tasche: 3,6 Milliarden Dollar kostete der Deal. Die Maxime dahinter: Bungie deckt zwei für Sony sehr interessante Bereiche ab.
Zum einen besitzt Bungie eine lange Reputation für Shooter-Games, die ironischerweise bis zurück zur Xbox-Erfolgsserie Halo reicht. Zum anderen aber herrscht hier auch große Expertise im Online-Gaming vor. Beide Aspekte könnten für künftige Produktionen von Wert sein. Bungie kündigte nach der Bekanntgabe der Übergabe an, dass man nicht exklusiv für Playstation entwickeln werde und dass auch künftig Destiny-Inhalte für alle Plattformen erscheinen. Trotzdem: Für Sony dürfte Bungie eine mehr als lohnende Investition sein.
Tencent im Kaufrausch
Der Name Tencent taucht gleich mehrfach in der Liste der größten Akquisitionen auf. Das chinesische Multimedia-Unternehmen kaufte sich in den vergangenen zehn Jahren mit einer beinharten Geschäftsstrategie in den Gaming-Markt hinein. Im Jahr 2016 gelang der bislang größte Coup: Tencent erwarb 84 Prozent des Mobile-Entwicklers Supercell, der für Hay Day, Clash of Clans und Clash Royale verantwortlich zeichnet. Der Preis: 8,6 Milliarden Dollar.
Damit setzte man ein großes Ausrufezeichen hinter den eigenen Expansionskurs, der bereits in den Jahren zuvor begann. 2011 etwa stockte Tencent die Mehrheitsanteile an League-of-Legends-Entwickler Riot Games für 230 Millionen Dollar auf und sicherte sich 2012 eine 40-prozentige Teilhabe an Epic Games.
Quelle: : Moby Games
Ende 2021 übernahm Tencent die Turtle Rock Studios, die Macher des Zombie-Shooters Back 4 Blood. Allerdings wurden dazu keine finanziellen Angaben veröffentlicht.
Noch tiefer in die Tasche griff Tencent 2020 für die Akquise des in Hongkong ansässigen Gaming-Unternehmens Leyou. Man bezahlte damals rund 1,5 Milliarden Dollar, sicherte sich damit auch Digital Extremes (Warframe), Splash Damage (Gears Tactics) und King Maker. Ein wenig günstiger war 2021 die Übernahme der Sumo Group für 1,25 Milliarden Dollar. Sumo wurde in der Vergangenheit unter anderem durch Titel wie Sackboy: A Big Adventure, Little Big Planet 3 oder Team Sonic Racing bekannt.
Bei anderen Akquisitionen, wie etwa die des deutschen Studios Yager (Spec Ops: The Line) oder zuletzt von Turtle Rock Studios (Back 4 Blood), machte man indes keine finanziellen Angaben.
