Zwischen Red Dead und Shovelware: Darum gibt es kaum gute Pferdespiele
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Ohne sie geht nichts - na ja, außer uns, denn ohne Pferde müssten wir in unseren Spielwelten ganz schön viel laufen. Trotzdem gibt es kaum gute Spiele, die die Tiere in den Mittelpunkt stellen. Doch warum eigentlich?
Sie sind treue Begleiter in Videospielen, retten uns aus diversen misslichen Lagen und bringen uns selbst dann ans Ziel, wenn wir uns kaum noch im Sattel halten können: Die Rede ist natürlich von Pferden.
Doch obwohl sie in so vielen Spielen fest verankert sind, gibt es kaum Spiele, die sie komplett in den Fokus rücken - oder besser gesagt, es gibt kaum gute! Ein Blick in Richtung Community zeigt nämlich, dass das Interesse daran auf jeden Fall vorhanden ist.
Wie kann es also sein, dass so viele Studios dieses Genre einfach nicht hinbekommen oder sich ihm gar nicht erst widmen? Diesen Widerspruch haben wir uns mal genauer angeschaut, denn Pferdespiele sind vor allem eins: völlig unterschätzt.
In diesem Artikel
Spiel mit Pferden = Pferdespiel?
Bevor wir uns der Fehlkommunikation und den Vorurteilen in der Spielebranche widmen, stellt sich allerdings eine zentrale Frage: Was ist ein Pferdespiel eigentlich genau? Vielleicht geht es euch wie uns und als Allererstes denkt ihr an die Mädchenspiele aus den 2000er-Jahren, in denen ihr nicht nur Pferde striegeln und mit ihnen ausreiten konntet, sondern auch so viel wie möglich in ein knalliges Pink getaucht wurde.
Solche Werke gibt es natürlich auch heute noch, und sie haben definitiv ihre Daseinsberechtigung - Girly Games verdienen ohnehin mehr Liebe und Aufmerksamkeit, als sie bekommen, doch das ist noch mal eine ganz andere Geschichte.
Aber streng genommen ist zum Beispiel auch Red Dead Redemption 2 ein Pferdespiel. Die Tiere sind dort zwar nicht das zentrale Element, schließlich stehen die Handlung sowie die Erkundung des Wilden Westens in dem Action-Adventure im Vordergrund.
Aber die Pferde dienen dort eben nicht nur als reines Fortbewegungsmittel, sondern haben sogar eigene Spielmechaniken spendiert bekommen. Ihr könnt sie in der Wildnis fangen und zähmen oder einfach bei einem Händler kaufen, Tricks mit ihnen ausführen, sie versorgen und sogar ihre Attribute verbessern, je höher die Zuneigung zwischen euch ist.
Quelle: PC Games
Red Dead Redemption 2 ist nicht ohne Grund so beliebt in der Pferde-Community. Das Setting ist zwar nicht für jeden etwas, aber das Spiel ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich Pferde als Mechanik integrieren lassen.
Selbst hartgesottene Gesetzlose wie Protagonist Arthur betrachten Pferde also nicht nur als Mittel zum Zweck. Er kümmert sich um sie und schließt sie sogar ins Herz - und die Mechaniken rund um die Tiere haben dafür gesorgt, dass Red Dead unter den Pferdefans noch heute äußerst beliebt ist.
Es gibt aber noch weitere Spiele abseits von klassischen Genrevertretern wie zum Beispiel der Ostwind-Reihe, die die Tiere stärker in den Fokus rücken, ohne sie zum Alleinstellungsmerkmal zu machen. The Legend of Zelda hatte mit Epona viele Jahre lang eines der ikonischsten Pferde der Spielegeschichte zu bieten - die Stute reiht sich mit vierbeinigen Kollegen wie Plötze aus The Witcher oder Agro aus Shadow of the Colossus ein.
Mit dem Release von Breath of the Wild im Jahr 2017 schlug die Reihe dann aber eine andere Richtung ein: Statt des bekannten Begleiters kann man sich nun selbst ein Pferd in der offenen Spielwelt suchen und zu seinem Gefährten machen.
Quelle: PC Games
Gut festhalten: In Breath of the Wild müsst ihr die Pferde erst mal einreiten und zähmen, bevor ihr sie registrieren lassen könnt.
Vorausgesetzt, das Anschleichen und Einreiten funktioniert, ohne dass Link hochkant von seinem Rücken geworfen wird. Je höher die Attribute des Tiers sind, desto schwieriger gestaltet sich das Zähmen.
Habt ihr es aber erst mal beim Stall registriert und seine Zuneigung gewonnen, sorgt es für ein fantastisches Freiheitsgefühl, die große Spielwelt zusammen mit dem Pferd zu erkunden. Zeit für Streicheleinheiten und ein paar Snacks ist zwischendurch natürlich auch immer mal wieder da, auch wenn man sich ansonsten leider nicht um die Tiere kümmern kann.
Deswegen würden wir Breath of the Wild und auch den Nachfolger Tears of the Kingdom, der in dieser Hinsicht fast identisch ist, auch nicht so weit oben auf der Pferdespielskala einordnen wie Red Dead Redemption 2 - das Versorgen und das Trainieren zählen für uns da zu den Kernelementen eines Pferdespiels.
Quelle: PC Games
Bleiben wir bei dem Tier aus dem Prolog oder entscheiden wir uns für ein anderes? Ghost of Yotei stellt uns dabei vor eine schwierige Wahl.
Das ist auch der Grund, weshalb wir unser drittes und letztes Beispiel Ghost of Yotei eher als Spiel mit zentralem Pferd bezeichnen würden - trotzdem möchten wir es an dieser Stelle nicht unterschlagen, da es einen interessanten Ansatz verfolgt: Das Tier spielt direkt zu Beginn eine große Rolle und wird in die Erzählung eingebunden.
Das wird nicht nur durch den Prolog und die Hintergrundgeschichte der Protagonistin Atsu deutlich, sondern auch durch ein kleines Detail: Im Rahmen einer Nebenquest dürft ihr euch einen von drei Namen für euer Pferd aussuchen, den Atsu von da an verwendet. Es macht die Verbindung zwischen Mensch und Tier glaubhafter, obwohl es euch ein wenig Raum für eine eigene Entscheidung lässt.
Es ist also abseits von klassischen Reiterhofspielen gar nicht so einfach zu definieren, was genau als Pferdespiel zählt und was nicht - vor allem, da Pferde in so vielen Werken vorkommen und längst nicht mehr nur für die schnellere Fortbewegung eingesetzt werden.
Wir können aber festhalten: Es gibt spannende Ansätze, Pferde auf unterschiedliche Arten stärker ins Geschehen einzubeziehen, sowohl als zentrales Gameplay-Element als auch zur Unterstützung der Erzählung oder des Spielgefühls. Die technischen Möglichkeiten sind also vorhanden. Umso mehr brennt uns nun die eingangs gestellte Frage auf der Seele, wieso es einfach kaum gute Pferdespiele gibt. Und dafür gibt es tatsächlich gleich mehrere Gründe. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, welche Fehler viele Entwickler machen und was die Community damit zu tun hat.
