Takeshi no Chousenjou: Weirdes Japano-Spiel mit einzigartiger Entstehungsgeschichte - Seite 2

Special Katharina Pache Lukas Schmid 53,99 €
Takeshi no Chousenjou: Weirdes Japano-Spiel mit einzigartiger Entstehungsgeschichte - Seite 2
Quelle: Taito

Takeshi no Chousenjou st ein faszinierendes, leider (?) nur in Japan veröffentlichtes NES-Spiel mit obskuren Mechaniken - und einem Promi am Regiestuhl.

Er kann Leute verprügeln, Karaoke singen, in der Bar trinken, Pachinko spielen oder in einer Art Volkshochschule Fähigkeiten lernen, die einem das Leben als Schatzsucher erleichtern. Etwa das Musizieren mit einer Laute oder das Manövrieren eines Segelgleiters. "Fahrt" nimmt die Story von Takeshi no Chousenjou auf, sobald Takeshi im Pachinko-Schuppen seine letzten Kugeln verliert. Wer das nicht kennt: Pachinko ist eine Art Glücksspiel, bei dem hunderte Metallkügelchen zufällig in unterschiedliche, teils interaktive Gewinnbereiche fallen.

An dieser Stelle jedenfalls wird das Spiel zum ersten Mal kryptisch: Im japanischen Famicom ist beim zweiten Controller ein Mikrofon verbaut. Wenn Takeshi bei seiner letzten Kugel angelangt ist, muss der Spieler in den Controller schreien (oder nach Aktivierung der alternativen Steuerung einfach den A-Knopf drücken), damit ein Yakuza auftaucht, der sich von Takeshis Wutanfall gestört fühlt. Ein paar Faustschläge später geht es weiter zum Karaoke. Auch dort wird das Mikrofon genutzt, aber natürlich kann die Hardware nicht erkennen, wie gut oder schlecht der Spieler trällert - so weit war die Technologie erst viele Jahre später. Es genügt, in den Controller zu pusten oder gelegentlich den A-Knopf zu drücken. Das Leben als Schatzjäger ist jetzt zum Greifen nahe, denn nach einer weiteren Prügelei erhält Takeshi von einem alten Mann ein merkwürdiges Blatt Papier.

Wichtig: Beim Chef so schnell wie möglich die Kündigung einreichen!<br> Welcher Schatzsucher hat schließlich einen langweiligen Bürojob? Quelle: Taito Wichtig: Beim Chef so schnell wie möglich die Kündigung einreichen!
Welcher Schatzsucher hat schließlich einen langweiligen Bürojob?
Wichtig: Diesen alten Mann muss Takeshi ebenfalls zusammenschlagen, da dieser ihm sonst den Schatz später wegschnappen und das ganze Unterfangen in einem Game Over enden würde. Ohne Komplettlösung kann man das natürlich nicht ahnen. Solche überraschenden Vollbremsungen sind auch der Grund, wieso Takeshi sich trennen und kündigen muss: Macht er sich nämlich auf, ohne die alten Zöpfe abzuschneiden, wird er von Arbeitgeber und/oder Ehefrau zurück nach Japan beordert. Game Over!

Und das ominöse Blatt Papier, dass Takeshi vom verprügelten alten Mann erhält? Dabei handelt es sich um eine Schatzkarte, allerdings ist darauf keine Schrift zu erkennen. Die wird erst sichtbar, wenn Takeshi entscheidet, sie in die Sonne zu legen. Der Spieler darf dann 60 Minuten keine Eingabe am Controller tätigen.

Die Umgebung in der Stadt sieht auffällig heruntergekommen aus. Besonders nervig am Spiel ist übrigens die dudelige Hintergrundmusik. Quelle: Taito Die Umgebung in der Stadt sieht auffällig heruntergekommen aus. Besonders nervig am Spiel ist übrigens die dudelige Hintergrundmusik. Oder er weicht das Papier in Wasser ein, dann muss der Spieler mindestens fünf Minuten die Füße stillhalten, aber keinesfalls mehr als zehn, denn sonst löst sich die Karte auf und er muss wieder von vorne anfangen. Nicht vergessen, dass der Zettel mit dem Mikrofon beim Einweichen nach fünf Minuten angeschrien werden muss.

Den Rest kürzen wir mal gekonnt ab: Takeshis Lautenkünste retten ihm das Leben, wenn er im Kochtopf von schlecht gelaunten Eingeborenen sitzt, er muss mit seinem Gleiter die Kollision mit Vögeln vermeiden und hat hoffentlich das richtige Ticket gekauft, da sonst das Flugzeug explodiert.

Takeshi no Chousenjou dürfte eines von wenigen Abenteuern sein, bei denen sogar eine falsche Handlung im Startmenü zum sofortigen Game Over führt. Andersherum geht es aber auch: Wer 20.000 Mal im Anfangsbildschirm mit der Faust in die Luft schlägt, gelangt sogleich zum Ende des Abenteuers!

Getrollte Spieler

Wie später bei GTA ist es im Famicom-Abenteuer möglich, alle NPCs zu<br> verprügeln. Manche von ihnen kann unser „Held“ danach sogar ausrauben. Quelle: Taito Wie später bei GTA ist es im Famicom-Abenteuer möglich, alle NPCs zu
verprügeln. Manche von ihnen kann unser „Held“ danach sogar ausrauben.
Takeshi no Chousenjou ist eines dieser Spiele, die selbst mit Cheat-Codes kaum zu bewältigen sind. Der Held kann zwar ganz einfach nach einem K.O. wiederbelebt werden, wenn man schnell dreimal gleichzeitig A- und B-Knopf drückt. Doch das nutzt natürlich nichts, wenn man keine Ahnung hat, wie man unsichtbare Schrift auf einer Karte erscheinen lässt, welche Schlagersongs man in der Karaoke-Bar ins Mikro singen muss und wen man verprügeln sollte, um Stunden später ein Game Over zu verhindern.

Heute findet man solche Dinge mit ein paar Klicks heraus, damals dürften die meisten Spieler verzweifelt sein beim Versuch zu verstehen, was Takeshi no Chousenjou eigentlich von ihnen will. Die Telefone bei Taito klingelten Sturm wegen zahlreicher erboster und verwirrter Käufer. Selbst die erste Version des tatsächlich veröffentlichten Spieleberaters ließ zahlreiche wichtigen Fragen offen und war damit beinahe nutzlos.

Am Ende des Spiels wartet dann nicht einmal ein Erfolgserlebnis: Nüchtern auf schwarzem Hintergrund steht lediglich "Toll. Ende". Wobei, das ist nicht ganz korrekt. Wer diesen Bildschirm fünf Minuten ohne Eingabe stehen lässt, erhält noch die Botschaft "Du hast dieses Mistspiel tatsächlich beendet? Trottel. Nimm das nicht so ernst".

Ob man Takeshi Kitano und dessen Werk Takeshi no Chousenjou nun ernst nimmt oder nicht: Auf jeden Fall handelt es sich bei diesem Famicom-Titel um eines der merkwürdigsten Spiele, die je für die Konsole erschienen sind. Eine Fortsetzung, in der wir erfahren, wie es Takeshi als Schatzsucher so ergangen ist, existiert nicht.

1987 und 1988 erschienen zwar zwei weiterer Famicom-Titel von Taito mit Kitano auf der Hülle, doch der Comedian hatte keinen Einfluss auf die Programmierung, es handelt sich dabei um sehr freie Interpretationen der Hit-Fernsehsendung Takeshi's Castle. Einen zweiten Teil von Takeshi no Chousenjou wird es wohl nie geben, aber dafür kehrt demnächst immerhin Takeshi's Castle zurück, mit neu von Amazon Prime für Japan produzierte Folgen.

  1. Seite 1 Takeshi no Chousenjou: Weirdes Japano-Spiel mit einzigartiger Entstehungsgeschichte - Seite 1
  2. Seite 2 Takeshi no Chousenjou: Weirdes Japano-Spiel mit einzigartiger Entstehungsgeschichte - Seite 2
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk