Toys to Life: Wie Skylanders, Amiibo und Co. die Welt eroberten - und plötzlich verschwanden

Special Nicolai Brülke Lukas Schmid
Toys to Life: Wie Skylanders, Amiibo und Co. die Welt eroberten - und plötzlich verschwanden
Quelle: Disney Interactive

Skylanders, Disney Infinity und Co waren Kassenschlager und fast jeder hatte die Plastikfigürchen im Regal stehen. Wir schauen uns an, was dieses Konzept so besonders gemacht hat und warum es trotzdem heutzutage so gut wie tot ist.

Videospiele sind seit ihrer Existenz für viele junge Menschen Ergänzung oder sogar Ersatz für klassische Spielzeuge. Das Toys-to-Life-Konzept zeigt jedoch, dass beides auf keinen Fall im Widerspruch stehen muss. Physische Spielfiguren, die Einfluss auf die Welt eines Videospiels nehmen, wurden vor allem durch Spielereihen wie Skylanders und Disney Infinity bekannt und gefeiert.

Das bloße Konzept von lebenden Spielzeug hat aber tatsächlich schon vorher existiert. Beliebt war es vor allem auch wegen des Sammelaspekts, der zum reinen Gameplay-Spaß dazu kommt. Dafür müssen die Spiele an sich nicht mal unbedingt allzu gut sein, um trotzdem zu überzeugen. Inwieweit das geklappt hat, warum die Spiele so erfolgreich waren und warum sie dennoch mittlerweile quasi tot sind, schauen wir in diesem Special.

Spielzeug + Videospiel ≠Toys-to-Life

Bereits lange vor Skylanders existierte die Idee, physisches und digitales Spielen zu verbinden und es gab einige Versuche in diese Richtung. So zum Beispiel Redbeard's Pirate Quest aus dem Jahr 1999. Dieses Spiel kam mit einem Piratenschiff und mehreren Piratenfiguren, die an verschiedenen Stellen auf dem Seeräubergefährt platziert werden konnten. Das Ganze wurde über den Drucker Port an den PC angeschlossen, über den dann gespielt werden konnte.

Quasi das Gleiche gab es dann kurze Zeit später noch einmal mit Ellie's Enchanted Garden, welches mit dem gleichen Konzept daherkam, sich aber eher an weibliche Spielerinnen richtete. Auch den kleinen Spielzeugroboter R.O.B, der damals als Add-on für das Nintendo Entertainment System entwickelt wurde, könnte man hier einordnen, da auch er ein Spielzeug war, das Einfluss auf das Videospielgeschehen nehmen konnte.

All diese Spielereien waren jedoch laut Definition kein Toys-to-Life, da sie andere Technologien verwendeten als die für spätere Titel des "Genres" üblichen. Das erste richtige Toys-to-Life-Spiel erschien demnach erst einiges später und erinnerte schon sehr an die später so erfolgreichen Reihen.

Funkey First

Ganze vier Jahre vor dem Erscheinen des ersten Skylanders-Titels entstand durch die Zusammenarbeit der Entwicklerstudios Radica Games und Arkadium mit dem Spielzeughersteller Mattel das Spiel U.B. Funkeys. Das Haupt-Feature waren die namensgebenden kleinen Spielfiguren, die im Hub, einer größeren Funkey-Version, platziert werden konnten. Dieser Hub wurde per USB an den PC angeschlossen, wodurch die platzierten Figuren ihren Weg ins Spiel finden konnten.

Funkey First Quelle: Mattel Was wie Magie klingen mag, ist letztendlich jedoch nichts anderes als moderne Technologie. Hierzu möchten wir einen kleinen Exkurs in die Übertragungstechnik wagen. Toys-to-Life-Figuren arbeiten in der Regel mit RFID- oder NFC-Technologien. RFID bedeutet radio-frequency identification und ermöglicht den Austausch von Daten mittels Radiowellen. In den Figuren wird ein Transponder verbaut, der Daten über die Art der Figur, den Level oder den Namen enthält. Der Hub sendet bei Kontakt hochfrequente Wellen an den Transponder, mit denen die Daten ausgelesen werden.

NFC ist eine etwas neuere Technologie, die auf RFID basiert und Datenaustausch mithilfe elektromagnetischer Induktion umsetzt. In der Regel befinden sich die elektronischen Komponenten im Sockel der Spielfiguren, was dort dann letztendlich darauf platziert wird, ist also eigentlich völlig egal. Nun aber genug der Fachsimpelei und zurück zu U.B. Funkeys.

Es handelt sich um ein 2,5D-Open-World-Spiel mit einer Auswahl an verschiedenen Minigames und Shops sowie einer eigenen kleinen Lore. Die Overworld erinnert an die anderer virtueller Welten wie zum Beispiel Club Penguin, allerdings ohne den Multiplayer-Aspekt. In dieser Welt kann man mit seinem ausgewählten Funkey herumlaufen, mit anderen Bewohnern interagieren und Minispiele spielen.

Viele wichtiger als das Spiel an sich sind jedoch die Figuren, schließlich sprechen wir hier vom ersten Toys-to-Life-Spiel, das je existiert hat, also sollten wir auch gerade diesen Aspekt in den Fokus rücken (auch weil das eigentliche Spiel gar nicht mal so gut ist). Es gab im ersten Toys-to-Life-Abenteuer 45 verschiedene Funkeys. Diese gab es wiederum in drei Seltenheitsstufen, die sich im Design unterschieden. Wenn man es genau nimmt, gab es also sogar 135 verschiedene Figuren.

In der Oberwelt Terrapinia gibt es verschiedene Zonen und Portale. Um alles sehen zu können, benötigt man verschiedene Funkeys von verschiedenen Stämmen, da nicht alle Figuren Zutritt zu jedem Portal haben. In den Zonen gibt es verschiedene Minispiele, durch die man Münzen verdienen kann, mit welchen es dann wiederum möglich ist, Möbel und Einrichtungsgegenstände für sein Haus zu erwerben.

Das ist auch eigentlich schon der gesamte Inhalt des Spiels. Es existiert noch eine Art Storymodus, der aber auch nicht wirklich der Rede wert ist. Trotz allem war U.B. Funkeys ziemlich beliebt, es erschienen immer neue Erweiterungen, Figuren und Updates. Dennoch wurde der Service etwa drei Jahre nach dem Release eingestellt, da Mattel aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise keine Ressourcen mehr für die Aufrechterhaltung hatte. Was übrig blieb, waren viele nostalgische Erinnerungen und eine Idee, die den gesamten Videospielmarkt für einige Jahre aufgemischt hat.

Bildergalerie

Bevor jedoch der große Durchbruch von Skylanders kam, gab es noch F.A.M.P.S. Das war aber weniger ein Spiel, sondern mehr ein soziales Netzwerk. Hier konnten mit den Figuren kleine Minigames sowie Anpassungen für den Computerdesktop freigeschaltet werden. Seit der Abschaltung des Services 2011 zählt es als Lost Media, da er nur online verfügbar war.

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