Eingestellt: 10 vielversprechende Spiele, die nie erschienen sind - ein Besuch auf dem Spielefriedhof
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Zu hohe Erwartungen, ein missglückter Pitch oder Zerwürfnisse mit dem Publisher - es gibt genügend Gründe, warum es ein vielversprechendes Videospielprojekt am Ende doch nicht auf den Markt schafft. Auch die aktuelle Konsolengeneration wurde um einige verheißungsvolle Titel gebracht, bei denen frühzeitig der Stecker gezogen wurde. Wir schauen uns im Special einmal zehn der herbsten Verluste etwas näher an.
Mit dem Spielejahr 2020 endet auch der Lebenszyklus der aktuellen Konsolengeneration. Spätestens zum kommenden Weihnachtsfest gehen Playstation 4 und Xbox One also in den verdienten Ruhestand, nachdem sie uns 7 Jahre lang zahlreiche Gaming-Highlights beschert haben. Es gab allerdings auch einige vielversprechende Titel, die wir auf den Current-Gen-Konsolen leider nie zu Gesicht bekommen haben, weil sie noch vor dem Release gecancelt wurden. Wir haben euch einmal die zehn Spiele zusammengestellt, die wir wirklich gerne noch gesehen hätten.
In diesem Artikel
Project Ragtag
Quelle: EA, Disney
Von Project Ragtag existieren nur ein paar Konzeptzeichnungen und knapp 10 Sekunden Alpha-Gameplay-Material.
Über all die eingestellten Star-Wars-Videospielumsetzungen lassen sich wohl zahllose eigene Specials drehen. Was wir auch schon gemacht haben. Deshalb wollen wir an dieser Stelle auf das oftmals diskutierte Star Wars 1313, rund um Kopfgeldjäger Boba Fett, lieber verzichten. Stattdessen soll es um ein anderes Spiel gehen, das sich noch so früh in der Entwicklung befand, dass es nicht einmal einen Namen hatte, sondern nur einen coolen Arbeitstitel: Project Ragtag. Diverse Infos gibt es über darüber natürlich trotzdem: Laut übereinstimmender Berichte sollte Project Ragtag ein Third-Person-Action-Adventure im Krieg-der-Sterne-Universum werden. In der Mache war der Titel wohl seit 2013. Verantwortlich zeichnete Dead-Space-Macher Visceral Games und als Lead Director fungierte niemand anderes als Amy Hennig - bekannt als führende Figur bei der Entwicklung von Legacy of Kain oder Uncharted.
Deren Vision war ein lineares Singleplayer-Abenteuer, das zur Zeit von Episode 4 spielen sollte. Die Handlung konzentrierte sich dabei auf den groß angelegten Überfall einer Gruppe Banditen, sollte aus der Sicht mehrerer spielbarer Charaktere erzählt werden, und sogar in den Kanon der Star-Wars-Filme und Serien passen. Allerdings sorgten die Frostbite Engine, Differenzen mit Disney und zu hohe Erwartungen seitens Publisher EA für stetige Probleme. Sargnagel war schließlich der Release von Star Wars Battlefront im November 2015, für dessen Nachfolger Entwickler von Ragtag abgezogen wurden. Zwar erfolgte 2016 noch eine E3-Präsentation sowie eine interne Demo, letztendlich wurde das Projekt aber eingedampft und Visceral Games aufgelöst.
Silent Hills
Quelle: Farhan Qureshi
Was kann schon so gruselig daran sein, einen Flur hinunterzugehen? Wer einmal den Silent-Hills-Teaser "P.T." gespielt hat, weiß die Antwort.
"Wir wollen, dass du dir in die Hosen machst!", mit diesen Worten bewarb Hideo Kojima in einem 2014 geführten Interview sein damals neuestes Werk Silent Hills - den insgesamt neunten Hauptteil der altehrwürdigen Survival-Horror-Serie aus dem Hause Konami. Für den hatte sich die japanische Entwicklerikone einiges ausgedacht: Zusammenarbeit mit Hollywood-Regisseur Guillermo del Toro, Walking-Dead-Star Norman Reedus in der Hauptrolle, Ego-Ansicht statt Third-Person-Perspektive. Alles vielversprechende Ansätze, mittlerweile sollte aber wohl auch der letzte wissen, dass aus diesen am Ende nichts geworden ist.
Im August 2014 veröffentlichten Kojima Productions noch einen bis heute ikonischen spielbaren Teaser, kurz P.T., der aufgrund seiner einzigartigen Atmosphäre Preise einheimste, das Versprechen der eingenässten Hosen mehrmals wahrmachte und viele Spieler auf eine Vollversion hoffen ließ. Die kam aber leider nie. Stattdessen überwarf sich Kojima mit Konami - was nicht nur dazu führte, dass er das Unternehmen 2015 verließ und das Projekt Silent Hills eingestellt wurde. Darüber hinaus wurde auch die Demo aus dem PSN-Store entfernt und lässt sich heute nicht mehr herunterladen. 2019 erschien mit Death Stranding dann schließlich doch noch ein Kojima-Werk für die PS4. Sogar ebenfalls mit der Beteiligung von Reedus und del Torro. Dennoch bleibt immer der Gedanke, was aus Silent Hills hätte werden können...
Fable Legends
Quelle: Microsoft
Aus Fable Legends wurde leider nichts, aktuell geistern aber mehrere Gerüchte durchs Netz, dass Playground Games demnächst Fable 4 ankündigen
Doch nicht nur die Playstation 4 musste diverse Verluste im Exklusivsegment hinnehmen. Auch Microsoft hat einige namhafte Titel auf dem digitalen Friedhof verscharrt. Mitunter prominentestes Beispiel: Fable Legends, das beinahe eine tragische Geschichte hinter sich hat. Die zuständigen Lionhead Studios hatten für das beliebte Rollenspiel-Franchise nämlich eigentlich noch große Pläne, wollten ein düsteres Fable 4 im Stile von Skyrim und Mass Effect entwickeln. Mutterkonzern Microsoft hielt davon aber eher wenig. Vielmehr schwebte dem Xbox-Unternehmen ein Games-As-A-Service-Titel vor, mit Free-to-Play und Bezahl-Elementen, der dauerhaft Geld abwerfen würde.
Diesen Differenzen zum Trotz begann 2012 die Entwicklung und brachte alsbald vorzeigbare Ergebnisse hervor: Im Rahmen der Gamescom 2013 folgte die offizielle Ankündigung, 2014 erstes Gameplay. Darin präsentierte sich Fable Legends als MMO in der etablierten Welt, allerdings diverse 100 Jahre vor der Handlung der drei Hauptteile. Komplett neu hingegen war das Kernkonzept: Mit vier Helden tratet ihr online gegen einen Bösewicht an und erfülltet Quests. Dabei wurden alle Teilnehmer wahlweise von echten Spielern oder der KI gesteuert. Geplanter Release war das Jahr 2016. Bis dahin durchlief das RPG noch eine geschlossene Beta-Phase, wurde technisch fast fertiggestellt und bekam erste Infrastruktur spendiert - nur um dann nach 75 Millionen Dollar Produktionskosten doch noch eingestellt zu werden. Zu viel Verlust für Microsoft, weshalb diese Lionhead, trotz mehrerer Kaufangebote, gleich mit einstampften.
Internal 7
Quelle: Imgur
Auch die Figuren von Internal 7 sehen mystisch und sagenumwoben aus. Der Titel wäre allerdings in einem Sci-Fi-Setting und nicht in einer Welt der nordischen Götter angesiedelt gewesen.
Mit ihrer hauseigenen Dokumentation "Raising Kratos" lieferten die Santa Monica Studios im vergangenen Jahr einen beeindruckenden Blick hinter die Kulissen der Spieleentwicklung. In dem knapp zwei Stunden langen Feature sprechen Beteiligte wie etwa Game Director Cory Barlog über den Druck, den die Veröffentlichung eines Triple-A-Titels wie God of War mit sich bringt. Zudem werden wichtige Momente aus der Entstehungsphase des Spiels noch einmal gezeigt - etwa der erste E3-Auftritt des Action-Adventures. Doch nicht nur God of War findet in Raising Kratos Erwähnung, auch ein bis dato unbekannter Titel namens Internal 7 - ein Spiel, an dem die kalifornischen Entwickler wohl zeitlich zum GoW-Reboot arbeiteten, es dann aber zu dessen Gunsten einstellen mussten.
Durchaus schade, denn in den Beschreibungen der Zuständigen macht das Projekt durchaus einen vielversprechenden Eindruck: Das Sony-Exklusiv-Studio versuchte sich dort mal an etwas Neuem. Internal 7 ging mehr in Richtung Science-Fiction, statt Nahkampf stand diesmal Gunplay im Vordergrund. Auch die wenigen gezeigten Konzeptzeichnungen, auf denen fantastische Kreaturen und futuristische Elemente zu sehen sind, wirken wirklich verheißungsvoll. Insgesamt war das Projekt, laut Studiochefin Shannon Studstill, für etwa 37 Monate in der Vorproduktion und hätte später durch die Manpower des God-of-War-Ascension-Teams fertiggestellt werden sollen. Stattdessen kamen die Arbeiten an der neuen IP 2014 jedoch endgültig zum Erliegen. "Es ist in Traum, der wortwörtlich gestorben ist", verriet Studstill später in einem emotionalen Statement.
Tom Clancy's Rainbow Six: Patriots
Quelle: Ubisoft
In Rainbox Six: Patriots hättet ihr euch einer Terrormiliz namens "True Patriots" entgegengestellt, die auch nicht vor zivilen Opfern Halt gemacht hätte.
Wenn man Ubisoft Glauben schenken darf, dann gehörte der gute alte Tom Clancy wohl zu den produktivsten Schriftstellern seiner Zeit. Schließlich lässt sich sein Name auf Dutzenden Werken des französischen Publishers wiederfinden. Sei es nun Tom Clancy's The Division, Ghost Recon oder Splinter Cell - nach aktuellem Stand gibt es gut und gerne 50 Titel, die auf den Romanuniversen des US-amerikanischen Schriftstellers basieren. Und es hätten wohl sogar noch ein paar mehr werden können, wären einige Spieleentwicklungen nicht vorzeitig eingestellt worden. So geschehen etwa bei Tom Clancy's Rainbox Six: Patriots - einem Taktikshooter aus der Feder von Ubisoft Montreal.
Der sollte in New York City spielen, wo ihr euch einer terroristischen Gruppe namens "True Patriots" entgegenstellt. Diese populistische Miliz hatte sich in einem Akt der Selbstjustiz der Säuberung der Wall-Street-Korruption und der Unterstützung des kleinen Mannes verschrieben. Die Geschichte sollte dabei noch emotionaler sein als bisher und auch moralische Entscheidungen in den Vordergrund stellen. Nach seiner Enthüllung im Dezember 2011 wurde es aber erst einmal etwas still um Rainbow Six: Patriots. Schlagzeilen macht das Spiel nur aufgrund diverser personeller Abgänge. Unter anderem verließen der Creative Director, der Narrative Director und der Lead Designer das Projekt. So kam es zu einer Verschiebung aufs Jahr 2013. Im Juni 2014 wurde Patriots schließlich komplett eingestellt. Der Prozess, das für PS3 und Xbox 360 konzipierte Spiel, für die neue Konsolengeneration fit zu machen, wäre einfach zu arbeitsaufwändig geworden. Stattdessen widmete sich Ubisoft einem neuen Projekt, das nur knapp anderthalb Jahre später veröffentlicht wurde: Rainbow Six Siege.
