Skill-Beweis und Statussymbol: So beeinflusst die Suche nach Ausrüstung das Spielverhalten
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Wem ein cooles Outfit wichtiger ist als die besten Werte, wird eine andere Spielerfahrung machen als jemand, der Stats priorisiert. Doch Ausrüstung hat auch immer eine Außenwirkung.
Die Jagd nach dem Drip
Aber was genau bedeutet die Suche nach dem coolsten Outfit eigentlich für unser ganz persönliches Erlebnis? Im virtuellen Kleiderschrank herrscht zu Beginn meistens noch gähnende Leere. Die schicken Ausrüstungsteile müsst ihr euch also erst einmal erspielen.
Kleidung wird so zu einer Art Sammelgegenstand, mit dem ihr euren Fundus nach und nach weiter befüllt. Anders als irgendwelche Achievements oder Werteverbesserungen ist neue Ausrüstung während des Spielens sogar direkt sichtbar. Doch nicht nur das Ergattern, auch das Kombinieren von verschiedenen Teilen spielt für Fashion-Fans eine wichtige Rolle.
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Ein stimmiges Outfit, das sowohl zum eigenen Charakter als auch zur Spielwelt passt, kann die Immersion massiv unterstützen. Bunt zusammengewürfelte Ausrüstung mag zwar gute Werte mit sich bringen, kann einen dafür aber schnell aus der Welt reißen.
Quelle: PC Games
Hand aufs Herz: Wollt ihr wirklich so rumlaufen, nur weil die Werte gut sind? Wir haben uns mal in der Redaktion umgehört, die meisten Kollegen legen schon Wert auf ihr virtuelles Äußeres.
Priorisieren wir die Stats, sehen wir im Menü eine höhere Zahl als vorher und können auch unseren Gegnern besser standhalten. Aber das belohnende Gefühl eines stylishen Outfits ist oft sehr viel präsenter - und dadurch unmittelbarer als ein abstrakter Wert.
Selbstgewählte Kleidung kann auch ein Gefühl von Kontrolle in einer virtuellen Welt erzeugen, deren Regeln wir uns im Normalfall beugen müssen, um voranzukommen. So wandeln wir zwar noch auf dem vorgegebenen Pfad, können uns selbst aber trotzdem einbringen.
Dass Mode auch ein Skill-Beweis sein kann, sieht man sehr gut am Beispiel von Monster Hunter Wilds. Sobald ihr eines der Monster zum ersten Mal besiegt habt, könnt ihr euch bei der Schmiedin die passenden Rüstungsteile herstellen lassen. Einmal angefertigt, könnt ihr sie dann nach Belieben, auch mit ganz anderen Kollektionen, kombinieren.
Um die ganzen coolen Sachen herzustellen, braucht ihr allerdings verschiedene Materialien vom entsprechenden Monster. Um genügend Klauen, Schwänze und sonstige Körperteile der armen Viecher zusammenzukratzen, müssen wir ihnen also immer wieder den Kampf ansagen. Und genau das wirkt sich direkt auf unser Spielerlebnis aus.
Quelle: PC Games
Material für die Traumrüstung zu sammeln, kann schon mal zur Geduldsprobe werden. Deshalb beeinflusst der Wunsch nach einem coolen Outfit auch direkt eure Spielerfahrung.
Anstatt mit der Story voranzuschreiten, treten wir deshalb gut und gerne mal im zweistelligen Bereich gegen ein bestimmtes Monster an. Dabei wird nicht zwangsläufig der Kampf, sondern manchmal sogar der Zufallsfaktor zur Geduldsprobe. Vor allem wenn wir auf zufälligen Loot angewiesen sind, der natürlich nur während des dritten Vollmonds eines Schaltjahres droppt.
Der ganze Aufwand für ein cooles Outfit beweist dabei nicht nur Ausdauer, sondern gerade bei schwierigen Gegnern auch Kompetenz. Damit wird euer Look zum sichtbaren Beweis für euren Ehrgeiz und vor allem für eure Leistung.
Und nicht nur das, denn Kleidung kann noch eine weitere Funktion übernehmen. Sie erinnert uns an vergangene Zeiten und damit auch an Versionen von unserem Charakter, die wir hinter uns gelassen haben. Das fühlt sich jetzt nicht so an wie bei einer Mottoparty, auf der sich alle wie in den 20er-Jahren anziehen. Es ist vielmehr wie ein nostalgischer Blick auf die zurückliegenden Spielstunden.
Quelle: PC Games
Atsu trägt am Anfang von Ghost of Yōtei noch sehr schlichte Kleidung, im späteren Verlauf bekommt sie eindrucksvollere Rüstungen. Ihr Outfit spiegelt also auch ihren Fortschritt, sowohl in der Welt als auch persönlich, wider.
Vielleicht habt ihr euch ein Outfit mühsam erspielt oder erst das Gewand gewechselt, nachdem ihr eine bestimmte Stufe oder einen wichtigen Punkt in der Story erreicht habt. Die schillernde Rüstung steht dann nicht nur für viel Spielzeit, sondern auch für eine Entwicklung, die ihr zusammen mit der Figur durchgemacht habt.
Verschiedene Kleidungsstücke sorgen also nicht nur für Abwechslung, sondern sind so manchmal auch fest mit bestimmten Erlebnissen oder Phasen verknüpft.
Von der Funktionskleidung zum Statussymbol
Fashion ist also längst zu einer Art Spiel im Spiel geworden. Das war aber nicht immer so. Früher war Ausrüstung nämlich vor allem eins: eine Zahl. Solange wir die eigenen Charaktere nicht oder nur selten zu Gesicht bekamen, spielte das ganze Thema einfach keine große Rolle.
Doch als die Figuren durch Third-Person-Perspektive und 3D-Welten endlich sichtbarer wurden, haben sich auch die Prioritäten verschoben: Kleidung wurde immer relevanter. Und damit auch das Ausdrücken des persönlichen Geschmacks, was deutlich über das reine Kombinieren von starken Kleidungsstücken hinausgeht.
Quelle: PC Games
Ein seltener Moment in First-Person-Spielen: Hier erhaschen wir einen kurzen Blick auf unsere Figur in Cyberpunk. Aber auch, wenn wir sie selten sehen, ist uns die Kleidung wichtig.
Mit dem Aufkommen von MMOs kam auch noch der soziale Aspekt hinzu, der vorher ziemlich nebensächlich war. Außer natürlich, man hatte seine Freunde um den Bildschirm versammelt, um mit der fetten neuen Rüstung anzugeben. Aber das ist wohl auch ein Relikt von vor der Jahrtausendwende.
Ein cooles Outfit hat man ab der Multiplayer-Ära also nicht nur selbst gesehen, nun haben das auch andere Spieler zu Gesicht bekommen. Dadurch wurde Kleidung mit der Zeit auch zu einer Art Statussymbol. Man wollte seine neuesten Errungenschaften mit anderen teilen. Und was im Fokus der Öffentlichkeit steht, selbst wenn es sich dabei um Klamotten in einer Spielwelt handelt, wird auch ganz automatisch von uns bewertet.
Nicht umsonst werfen wir heute sofort einen Blick ins Inventar, sobald wir einen Boss umgehauen haben oder beim Händler des Vertrauens waren. Ob die neue Rüstung etwas taugt, ist dabei eher zweitrangig - vielmehr wollen wir wissen, ob sie auch außerhalb der Vorschau-Ansicht gut aussieht!
Quelle: PC Games
Es gibt nicht genug Optionen? Dann werden die Spieler eben selbst aktiv! Für Hogwarts Legacy gibt es mittlerweile zahlreiche Mods, die sogar direkt übers Spiel auffindbar sind.
Viele Entwickler haben dieses Bedürfnis verstanden und gehen mittlerweile darauf ein, dazu kommen wir später noch ausführlicher. Und wenn sie das nicht tun ... tja, dann wird die Community eben selbst aktiv. Mithilfe von Mods fordern die Spieler die entsprechenden Features gewissermaßen ein, auch wenn sie sie dafür selbst erschaffen müssen.
Davon profitieren zwar meistens nur PC-Spieler, aber es veranschaulicht sehr gut, wie wichtig Fashion mittlerweile in Spielen geworden ist. Sie ist längst kein nebensächlicher Zeitvertreib mehr, sondern ein ganz eigener Antrieb, aus dem sich eigene Communitys wie beim Modding gebildet haben, wie zum Beispiel bei Die Sims. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr mehr darüber, warum ein glaubwürdiges Outfit wichtig für die Immersion ist und wieso die Art des Protagonisten darüber entscheidet, wie sehr ihr euch kleidungstechnisch entfalten könnt.
