Gestern, heute, morgen: Star Trek TNG lieferte ein Serienfinale für die Ewigkeit

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Gestern, heute, morgen: Star Trek TNG lieferte ein Serienfinale für die Ewigkeit
Quelle: Paramount

Zum Abschied von Star Trek The Next Generation lieferten die Macher ein Finale, das bis heute nachwirkt und der Serie endgültig zu Legendenstatus verhalf.

Sieben Jahre lang, von 1987 bis 1994, düste die Enterprise-D unter dem Kommando von Captain Jean-Luc Picard über die Fernsehbildschirme. Auch meine Rückschau bei PC Games hat nun fast zwei Jahre Reisezeit gebraucht. Doch heute ist mit dem finalen TV-Film "All Good Things..." (Gestern, heute, morgen) das Ende der Reise von "Star Trek: The Next Generation" erreicht.

Dieser Event lief am 23. Mai 1994 in US-Erstausstrahlung und nur vier Tage danach öffnete mein guter Freund und Star-Trek-Nerd-Kollege Christian seinen Briefkasten, um etwas Bemerkenswertes darin zu finden. Ich zitiere aus seinen Aufzeichnungen vom Freitag, den 27. Mai 1994 ...

Zuhause entdeckte ich die neue Trekworld 32!!! Einen Tag vor offiziellem Erscheinungstermin. 163 Seiten!!!!!! Die Trekworld wird auch immer dicker, irgendwann kommt sie in zwei Bänden mit je 200 Seiten, hihi. Die "Starspots" gibt es nicht mehr, sondern die "Federation Post", mit verschiedenen Abteilungen für TNG, DS9, neue Artikel usw. Und die letzten TNG-Episoden, mit langer Inhaltsangabe!!!

Zur Erklärung: Bei der Trekworld handelte es sich um die neueste Ausgabe vom Clubmagazin des deutschen Star-Trek-Fanclubs, dem STCE (Star Trek Central Europe) aus Augsburg. Und ganz egal, ob Starspots oder Federation Post: Diese Rubrik, die immer direkt nach den Laserbriefen (ja, LASERbriefen) kam, war die für uns saftigste in jedem Büchlein, denn sie beinhaltete sämtliche Neuigkeiten rund um kommende Star-Trek-Episoden und -Filme.

Dies war tatsächlich unsere einzige Informationsquelle ganze fünf Jahre, bevor wir eigene Internetzugänge hatten, aber wie hier zu erkennen ist, war sie für damalige Verhältnisse brandaktuell. Weil ich selbst gerade eine Abo-Pause bei der Trekworld einlegte, erfuhr ich erst einen Tag später die frohe Kunde. Aus meinen Aufzeichnungen vom Samstag, den 28. Mai 1994 ...

Um 10:30 Uhr rief ich Christian an, aber er war noch nicht richtig wach, so daß ich es um 11.30 Uhr nochmal versuchte. Da war er aber auch noch beschäftigt, also rief ich dann letztlich um 11:45 Uhr an. Er erzählte mir die Inhaltsangaben zu einigen Episoden der siebten TNG-Episoden [sic], speziell vom zweistündigen Finale namens "All Good Things". Ich möchte hier nicht alles ausplaudern, aber es wird sehr actionlastig sein, mit viel Handlung!

Komplett gespoilert wurde ich, würde man heute sagen, aber lediglich was die "viele Handlung" angeht, nicht jedoch hinsichtlich der tief reichenden Gefühle von "All Good Things...".

Zeit für einen Blick hinter die Kulissen des TV-Films. Ausführender Produzent Michael Piller war derjenige, der, wie bereits berichtet, ab Staffel 3 die kränkelnde Next Generation in sicheres Fahrwasser gelenkt und zu einem großen Erfolg gemacht hatte. Da lag es nur auf der Hand, dass der verdiente Showrunner auch in die Tasten seiner Schreibmaschine hämmern würde, wenn es darum ging, das Serienfinale zu schreiben.

Star Trek TNG: Das Finale Quelle: Paramount Doch weit gefehlt. Michael Piller, der lieber neue Dinge an den Start brachte, als bestehende jahrelang zu betreuen, war mittlerweile zum Ableger Deep Space Nine gegangen, also kümmerte er sich nicht um den "End-Pilotfilm". Auch nicht die Next-Generation-Showrunnerin der siebten Staffel, Fernsehveteranin Jeri Taylor.

Denn sowohl Piller als auch Taylor und deren gemeinsamer Chef und Star-Trek-Hauptverantwortlicher bei Paramount, Rick Berman, waren schwer beschäftigt mit der Vorbereitung des nächsten Spin-offs, der Next-Generation-Ablösung "Star Trek: Voyager", die ab Januar 1995 für den Paramount-eigenen Fernsehsender UPN geplant war.

Wem sollte also diese Ehre zuteilwerden? Große Überraschung herrschte im Next-Generation-Autorenzimmer, als Ronald D. Moore und Brannon Braga - mittlerweile zwar ein eingespieltes Duo, aber auch zwei Jungautoren, die vor wenigen Jahren noch Praktikanten und/oder Kellner waren - ausgerechnet das epochale Serienfinale von Michael Piller höchstselbst anvertraut bekamen.

Nun sollte man meinen, dass bei dem Abschluss eines ultra erfolgreichen Flaggschiffs, wie es die Next Generation war, das "Auge Saurons" ständig auf den beiden Nachwuchstalenten und ihrer Story ruhen würde. Immerhin gab es Präzedenzfälle.

Legendäre Serienfinale waren zur damaligen Zeit der zweistündige Film "Goodbye, Farewell and Amen" von "M*A*S*H" aus Februar 1983 sowie "One for the Road", womit sich nur ein Jahr vor Captain Picard & Co. der Comedy-Hit "Cheers" verabschiedet hatte. Die Next Generation war mittlerweile eine ebenso bedeutende Serie - und in solchen Fällen überlässt man für gewöhnlich nichts dem Zufall.

Doch sogar die Aufmerksamkeit der obersten Paramount-Chefetage, noch höher als Rick Berman, galt vorrangig Voyager und dem für November 1994 geplanten, ersten Next-Generation-Kinofilm, der unmittelbar nach der Serie in Produktion ging. Man dachte sich womöglich: Das wird schon schiefgehen.

Oder aber auch: Selbst, wenn es in die Hose geht, dann ist dennoch mit einem Quotenerfolg zu rechnen, weil die Next Generation eine sichere Bank darstellt.

Und wenn dann doch keiner einschalten würde, verteilte die Verantwortung für den derzeitigen Stand des Franchises immerhin auf vier Schultern - nicht nur auf das Ende der Next Generation, sondern auch auf Deep Space Nine oder aber auf den vorgenannten Projekten Voyager und Kinofilm. So oder so hielten sich alle Anzugtragenden beim Serienfinale vollkommen raus, was für die Kreativität meistens zuträglich ist.

Fun Fact: Was die genannten strategischen Eckpfeiler angeht, kümmerten sich die Jungautoren Braga und Moore nicht nur um das Next-Generation-Serienfinale, sondern unglaublicherweise schrieben sie parallel sogar besagten Kinofilm, "Star Trek: Generations". Den allerdings mit deutlich mehr Einmischung von oben, doch das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

Ron Moore sagte zur Entstehung des Drehbuchs, wie gut die Zusammenarbeit mit Braga war, zeigte auch, wie ihre zwei Ideen ineinanderflossen.

Denn Moores Idee war es, eine Geschichte mit dem allmächtigen Q zu verquicken mit bittersüßen Abschiedsmomenten innerhalb der liebgewonnenen Crew. Brannon Braga, seit jeher Fachmann für freakige Science-Fiction-Storys, fügte den Clou hinzu, die Episode auf drei unterschiedlichen, ständig wechselnden Zeitebenen zu erzählen.

Damit brachte "All Good Things..." die zwei Aspekte von Staffel 7 zusammen, die meine letzten beiden Artikel herausstellten: verrücktes Sci-Fi und Familie.

Gestern lebte sie noch - Tasha Yar, Sicherheitschefin der ersten Staffel. Quelle: Paramount Gestern lebte sie noch - Tasha Yar, Sicherheitschefin der ersten Staffel. Ron Moore zum Entstehungsprozess: "Wenn man so eng zusammenarbeitet, kennt man die Geheimnisse des jeweils anderen, seine Schwächen. Es ist intensiver als eine Ehe." Braga hingegen meinte, seine Erinnerungen an den Entstehungsprozess wären komplett verschwommen - zwei Wochen lang hockten die beiden Tag und Nacht aufeinander, denn sie arbeiteten da bereits parallel an Serienfinale und Kinofilm.

Er bezeichnete es als die verrückteste und arbeitsintensivste Phase seiner Zeit bei Star Trek und wunderte sich, dass sie es tatsächlich hinbekamen. Doch vor allem "All Good Things..." floss nur so aus ihnen heraus, während die Arbeit an "Generations" deutlich zäher war. Rick Berman über den ersten Entwurf zum Finale: "Innerhalb weniger Tagen kamen die beiden Jungs auf einmal mit einer der besten Geschichten an, die ich jemals gelesen hatte."

Tatsächlich war "All Good Things..." der Titel von Ron Moores Cliffhanger, den er ursprünglich für den Übergang von der vorletzten Staffel 6 in die finale Staffel 7 geplant hatte. Hier wäre die Enterprise-D ausrangiert und zu einem Kreuzfahrtschiff umfunktioniert worden, nur um dann doch aufgrund einer Krisensituation reaktiviert zu werden. Zu dieser Geschichte kam es nie, der Titel blieb aber in Ron Moores Entwürfeordner und kam hier zum Einsatz.

Doch was genau war die Geschichte von "All Good Things..."? Nun, all diese Sprünge zwischen den Zeitebenen sollten dazu führen, dass Captain Picard aus drei Perspektiven das Rätsel einer großen Raum-Zeit-Anomalie zu entwirren hatte.

Genauer gesagt war es ein Henne-und-Ei-Rätsel, denn am Ende musste der Captain erkennen, wie seine Untersuchung selbst dazu geführt hatte, dass die Anomalie überhaupt entstanden war und intergalaktisch-negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Lebens auf der Erde genommen hatte.

Bildergalerie

Klingt verwirrend, war es seinerzeit auch, aber diese Geschichte wurde durch besagte emotionale Story unterfüttert, die ebenfalls in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nach und nach aufgespannt wurde. Und weil die Folge im Deutschen "Gestern, heute, morgen" heißt, ist diese Aufteilung - ohne die vielen Sprünge, die Picard durchmachte - die wohl geeignetste Betrachtungsweise.

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