Star Trek: The Game in der Anspiel-Vorschau: Koop-Action mit Kirk und Spock technisch total veraltet

Special Sandro Odak

Die ewigen Weiten des Weltalls sind in Gefahr: Gorn sind auf dem Vormarsch und bedrohen New Vulcan. Nur die USS Enterprise kann sie noch aufhalten - und der Spieler steuert ihre bekanntesten Insassen: Captain Kirk und Mister Spock! Wir haben Star Trek: The Game nun anspielen dürfen und überprüfen, ob mehr als nur eine Lizenzgurke draus wird.

Die Gorn sind zurück: Schon seit den späten 60ern ist die reptilienartige Alienrasse unter Trekkies eine der beliebtesten Gegnersorten. Nach dem epischen Kampf zwischen Kirk und einem Gorn Captain in der ersten Staffel der Original-Serie (unbedingt auf Youtube anschauen!) gab es zwar nur vereinzelt Auftritte und Erwähnungen, bis heute hält die Faszination aber an. Nun bekommen die Echsenkreaturen in Star Trek: The Game, das zeitlich zwischen dem ersten und zweiten Abrams-Film angesiedelt ist, eine Chance zum Neuauftritt.

Die Gorn sehen heute sehr viel lebendiger aus, als 1967. Damals kämpfte Capt. Kirk gegen den ersten Gorn, der ein Latexkostüm an hatte. Quelle: Namco Bandai Die Gorn sehen heute sehr viel lebendiger aus, als 1967. Damals kämpfte Capt. Kirk gegen den ersten Gorn, der ein Latexkostüm an hatte. In London haben wir Brian Miller, Senior Vice President von Paramount Pictures getroffen, der als Produzent die Entwicklung von Star Trek antreibt. Und man kann nicht sagen, dass diesem Mann die Liebe zu seinem Produkt fehlen würde. Vollmundig kündigt er auf der Bühne an, dass er und sein Team ein Triple-A-Produkt entwickeln, um die Marke endlich auch erfolgreich zu verkaufen. Bislang, so Miller, sei die Spielqualität bei Entwicklungen von Star Trek Games und Lizenzspielen allgemein immer auf der Strecke geblieben. Trotz dieser Passion und Liebe, die die Entwickler aufbringen: Wir zweifeln noch an den Triple-A-Qualitäten von Star Trek. Seit der wenig schmeichelhaften E3-Präsentation hat sich leider nur wenig getan.

Im Co-Op angespielt

Mit einem Kollegen hatten wir nach der kurzen Präsentation die Möglichkeit, selbst ins Spiel zu springen. Im Co-Op übernimmt jeweils ein Spieler die Kontrolle über Captain Kirk, der andere steuert Mister Spock. Die beiden bekanntesten Gesichter der Enterprise wurden nicht ohne Grund als Protagonisten gewählt. Schon seit der klassischen Fernsehserie sind es eben diese beiden, die polarisieren. Der eine ein distanzierter, gefühlskalter Vulkanier, der andere ein hitzköpfiger Menschenkapitän. Klar sind die beiden das perfekte Team für ein Spiel, sie ergänzen sich emotional einfach perfekt. Kirk ist offensiv stärker, der analytische Spock eher in seltenen Schleichpassagen.

Mister Spock ist einer von zwei Protagonisten in Star Trek: The Game. Quelle: Namco Bandai Mister Spock ist einer von zwei Protagonisten in Star Trek: The Game. Die ersten Meter auf der Enterprise sind mit dem Spielpartner daher auch etwas Besonderes. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Zu zweit steuern wir auf die Brücke zu, von deren Decke uns in einer Zwischensequenz Lens Flare Effekte ins Gesicht scheinen – der Beweis, dass Star Trek tatsächlich auf J.J. Abrams Filmuniversum basiert. Dann bricht Chaos aus. Auf einer nahen Station gibt es Probleme, die Mannschaft kann nicht rausgebeamt werden. Kirk und Spock nehmen sich des Problems an. Tatsächlich ist das Schiff kurz vor der Zerstörung, erste Teile brechen schon auseinander. Kirk und Spock erwarten erste Jump'n'Run-Hindernis-Parcours. Während der eine Spieler an einer Wand entlangklettert, muss der zweite mit dem Tricoder einen Roboterarm hacken und deaktivieren. Dass das Spiel solche Stellen hat, an denen die Charaktere abwechselnd Haupt- und Nebenrollen einnehmen, hat uns gut gefallen. Es sorgt für mehr Interaktivität. Aber leider mangelt es noch an einer passenden filmischen Umsetzung. Das ganze Level besticht im negativen Sinn durch ultra schlechte Animationen und ziemlich offensichtliche Levelaufbauten. In erwähnter Szene fallen zwei Brücken verkantet in sich zusammen und ergeben so den perfekten Kletterweg bis zum Ziel. Klar, das passiert in allen Action-Spielen, wegen der veralteten Grafik fällt es aber besonders auf.

Captain Kirk auf der Brücke der USS Enterprise. Quelle: Namco Bandai Captain Kirk auf der Brücke der USS Enterprise. Auch sonst macht Star Trek optisch kein gutes Bild. Etwas später müssen wir außerhalb der Weltraum-Station abwechselnd von Deckung zu Deckung hechten, weil der Deflektor-Schild die Sonnenstrahlung nicht mehr abhalten kann. Hier zeigt sich Star Trek von seiner hässlichsten Seite: Der Feuereffekt ist einfach ein orangenes Flackern über den Köpfen der Protagonisten, mit Shadern und Texturen arbeiten die Macher anscheinend nicht. Genauso holprig sind auch die Animationen der Spielfiguren. Kirk und Spock gehen wie auf Schienen, ihre Bewegungen sehen surreal aus. Wenn einer von beiden zum Sprung ansetzt, sorgt das sogar für Schmunzeln: Wie Balletttänzerinnen setzen sie zum Hopser an, bewegen sich unnatürlich durch die Luft und bleiben für einen kurzen Moment sogar schwebend in der Luft stehen.

Original-Stimmen und akzeptable Story

Einer der Vorteile: Spock und Kirk werden von den Schauspielern der Abrams-Filme vertont. Quelle: Namco Bandai Einer der Vorteile: Spock und Kirk werden von den Schauspielern der Abrams-Filme vertont. Dass Star Trek technisch und spielmechanisch an so vielen Ecken Probleme macht, ist eigentlich schade. Denn im Kern steckt eine spannende Geschichte, die endlich Licht auf die Gorn wirft. Die ersten ihrer Spezies treffen wir in einem zweiten Level, der zwar auch noch viele Kletter- und Hüpfpassagen enthält, aber auch endlich mit Gegnern gespickt ist. Mit dem Phaser machen wir die Alienrasse platt, können sogar ihre Waffen aufheben. In einem Skilltree lässt sich festlegen, womit man besonders gut austeilen kann. Solche kleinen RPG-Elemente erinnern daran, dass Star Trek irgendwie doch Mass Effect für Trekkies sein will – aber nie an die Bioware-Produktion ran kommt. Auch die Kämpfe aus der 3rd-Person-Perspektive laufen viel zu hölzern ab, die Steuerung ist bislang sehr schwammig.

Einziger Lichtblick für Fans: Die Geschichte wird von den Original-Sprechern der Abrams-Filme gesprochen. Wenn Spock da über Kirks Flirtsucht witzelt, macht das richtig Spaß zuzusehen. Man weiß direkt "Das hätte 1:1 auch aus dem Film stammen können!" Tatsächlich ist das Auftreten der Schauspieler den Entwicklern sehr wichtig. Nur: Ob eine spannende Story und gute Synchro die schlechte Grafik, veraltete Spielmechanik und hässliches Leveldesign wieder ausgleichen kann, wagen wir zu bezweifeln.

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